Ab wann ist bei HSP eine Depression eine Depression

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Ab wann ist bei HSP eine Depression eine Depression

Beitragvon bumblebee » Mi 18. Jan 2012, 22:22

Hallo!

Mich beschäftigt die Frage, inwieweit wir HSP als depressiv eingestuft werden können, wenn einige Eigenschaften die eine Depression mit sich bringt, sich mit einigen HS-Eigenschaften gleichen. Und wie eine Depression von Hochsensibilität unterschieden werden kann. Und wie hoch der Gradunterschied dann ist. Wenn wir das erzählen, was schwertdepressive Nicht-HSP einem Therapeuten erzählen, dann gelten wir ja auch als schwerst depressiv. Dabei sind das alltägliche Fragen, die die meisten HSP beschäftigen. Über Leben und Tod, Freude und Leid. Und unsere Schilderungen sind halt so dramatisch, weil wir sie so empfinden im Normalzustand, wie NichtHSP im Depressionszustand. Wahrscheinlich gelten wir deshalb als resilenter. Da wir ja trotz unserer Zustände noch an uns arbeiten und viele von uns einer beruflichen Tätigkeit nachgehen, was schwerstdepressive gar nicht können. Ich zb habe vor meinem jetzigen Beruf u der Ausbildung seit meinem 14 Lebensjahr Nebenjobs gemacht. Wenn man auf meine Psyche zurückblickt, würde diese laut Depressionseigenschaften seit dem 12. Lebensjahr schwerstdepressiv sein. Und zwei Psychotherapeuten haben mir gesagt, dass ich mein Leben nicht alleine schaffen würde, als ich denen meine Gedankengänge, die ich bereits mit 12 hatte, ein Jahrzehnt nach meinem 12 Lebensjahr schilderte. Und jetzt bin ich ja auch wieder am Arbeiten.

Ab und an, wie alle Jahre zuvor habe auch ich wieder große Tiefs und Höhenflüge. Vll waren die Therapeuten deshalb auch immer irritiert, dass ich keine Todeswunschgedanken hatte, nach Schilderung meiner Gedankengänge. Vermutlich ist Resilenz deshalb eine Eigenschaft von HSP. Weil wir trotz unserer ganzen Emotionen Stand halten und uns mit uns auseinandersetzen, wo andere über die Klippe springen. Weil wir die Fähigkeit dazu in die Wiege gelegt bekommen oder irgendwie entwickelt haben und NichtHSP sich ohne diese Fähigkeiten nicht zu helfen wissen und von daher den Freitod wählen. Und von daher denke ich, dass wenn ein HSP depressiv wird, dass das dann zb die Form einer Angst- oder ähnlichen Störung ist. Da das der Grad ist, den NichtHSP gar nicht erreichen, weil sie die depressive Phase gar nicht überleben aufgrund von Nichtertragen, welcher ZUstand für uns ja der gewohnte Normalzustand ist. Was meint ihr?
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Re: Ab wann ist bei HSP eine Depression eine Depression

Beitragvon Charly » Mi 18. Jan 2012, 23:01

Hallo,

ich verstehe jetzt nicht alles von deinem Text, aber ich kann dennoch etwas dazu schreiben. Ich war mehrere Jahr depressiv,fing dann irgendwann an Antidepressiva zu nehmen. Die haben auch geholfen, aber nach 6 Monaten habe ich sie nach Absprache abgesetzt, weil ich es ab da alleine schaffen wollte.
Es kam auch nie so schlimm wieder, immer nur so vereinzelte Phasen, die durch die HS wohl ausgelöst wurden, denke ich mal. Jetzt bin ich seit einigen Tagen auch immer mal wieder etwas depressiver, vor allem aber wenn ich alleine bin. Da spielt aber auch überall die HS mit, weil ich manche Sachen wohl so wahrnehme, wie ich sie für richtig halte, auch wenn es eigentlich ganz anders ist. Und daher denke ich z.B. das die Lehrerin in der Klasse, in der ich mein FSJ mache, mich nicht mehr so mag wie am Anfang. Sie guckt mich im Unterricht öfter an, wobei ihr doch egal sein kann, was ich da hinten mache. Und dieser Blick sieht für mich so aus, als möge sie mich nicht oder als ob irgendwas anderes ist. Aber das nehme ich eben so wahr, ich weiß nicht so recht, ob es stimmt! Und dadurch bin etwas depressiver,aber auch wg. anderen Sachen, die mir nicht bewusst sind.
Ich nehme (leider) auch wahr, welche Personen mich mögen und welche vielleicht nicht. Ich merke das ihnen an und spüre das irgendwie, auch wenn die einzelnen Personen mir gar nicht gesagt haben,wie sich mich finden. Also ich merke einfach, wenn da irgendwas ist, vor allem negatives ist schlimm für mich. Da breche ich auch irgendwann in Tränen aus manchmal!
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Re: Ab wann ist bei HSP eine Depression eine Depression

Beitragvon ellen71 » Do 19. Jan 2012, 09:29

@ bumblebee

Danke für diesen sehr guten Beitrag! Der bringt die Sache auf den Punkt!

Es gibt einen Unterschied zwischen einer "klassischen" Depression und einer allgemeinen, eher schwermütigen Veranlagung, die man immer schon in sich hatte. Das ist einfach ein Gemütszustand, der zur Persönlichkeit gehört. Hat mit der Sichtweise auf das Leben im allgemeinen zu tun.

Ich würde das, worunter HSP zeitweise leiden, eher als depressive Verstimmung bezeichnen.

Zwar gibt es auch Überschneidungen bei den Ursachen. Oft ist der Auslöser eine Überlastung, z. B. Burnout. Hinter Depressionen können aber auch organische Erkrankungen stehen.
Immer wieder kommt es vor, dass Menschen, die an einer körperlichen Erkrankung leiden und dadurch depressiv werden, auf die Psycho-Schiene geschoben werden.

Ich habe selbst einen Fall in der Familie. Die betroffene Person litt jahrelang an Nierensteinen und starken Schmerzen. Die Ärzte erkannten das aber lange Zeit nicht. Man warf ihm vor, ein Hypochonder zu sein und fütterte ihn mit Antidepressiva. Bis dann endlich mal ein Arzt erkannte, wo es wirklich fehlt. Nach erfolgreicher OP ist er jetzt gesund.

Ein Mensch, der nicht HSP ist, kann durch ungünstige Umstände plötzlich in eine Depression fallen.
Ein HSP hat allgemein eher ein nachdenkliches, ernsthafteres, tiefgründigeres und feinfühligeres Wesen. Das ist nicht dasselbe.

Natürlich kann sich das auch bei einem HSP zu einer echten Depression auswachsen, die behandlungsbedürftig wird. Allerdings sehe ich auch hier Unterschiede, insbesondere was die Behandlung mit Medikamenten angeht. Viele HSP reagieren empfindlich auf diverse Wirkstoffe und vertragen daher manche Arzneimittel nicht oder nicht so gut. Hinzu kommt noch das Allergie-Potential, welches bei HSP erhöht ist.

Gerade Antidepressiva sind sehr starke Medikamente, die direkt auf das Gehirn wirken. Dadurch können auch unerwünschte Nebenwirkungen, z. T. sogar gegenteilige Wirkungen entstehen.
Bsp.: ein Mittel, welches beruhigend wirken soll, wirkt beim HSP plötzlich aufputschend. Ein Medikament, das stimmungsaufhellend wirken soll, weckt beim HSP massive Suizid-Gedanken.

Wenn du als HSP depressiv wirst, dann stimmt einiges in deinem Umfeld nicht. Familie, Beruf, Gesundheit, Wohnumfeld, Ernährung, Tagesablauf, Schlafrhythmus usw.
Anstatt Medikamente zu nehmen, sollte man als HSP erstmal prüfen, was man an diesen Parametern ändern kann.
Wünsche allen eine frohe Osterzeit!
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