Ängste produzieren

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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Ängste produzieren

Beitragvon oase » So 27. Nov 2011, 05:33

Ich "produziere" relativ schnell aus negativen Dingen Ängste, ein Beispiel:

dieses Frühjahr hatte ich erst relativ spät Gasse vor dem Fenster, da hatte ich ein paar Tage lang jeden Nachmittag/Abend nach dem Lüften Mücken in meinem Zimmer und musste das jedesmal gründlich absuchen.
Dann hatte ich Gasse, aber das ungute Gefühl blieb, da könnten ja doch noch welche durch die Tür reingekommen sein (was sich im Sommer auch ab und zu bestätigte). Ich hab mir dann sogar eingebildet (tinitusähnlich hatte ich eine zeitlang als ob überall Mücken summen würden), das Mücken in meinem Zimmer wären, und musste jemand anderen Fragen ob er das summen auch hört, um mich zu beruhigen und mir sagen zu können das da nichts ist. big_ohnmacht
Mit der Zeit (so ein Paar Wochen) legte sich das dann.
Heute nun haben wir die Gasse zum Fensterputzen abgebaut, und ich hab jetzt schon mein ganzes Zimmer abgesucht nach Mücken, und eine erschlagen (obwohl die mir dann immer so leid tun, aber die nehmen ja auch keine Rücksicht auf mich...) aber da könnten ja noch mehr sein...was ich irgendwie beunruhigend finde.

Bsp no. 2:
Wir haben nebenan momentan eine Baustelle, da ist manchmal Krach wenn ich schlafe.
An den darauffolgenden Tagen wache ich dann aus Angst vom Lärm wach zu werden auf und bin wie gerädert. _bash_
Jetzt muss ich mich beruhigen, weil ich Angst habe das morgen früh Krach ist oder ich evtl. wegen der Angst vor dem Krach mich selbst wach mache obwohl ich den Schlaf brauche, aber glücklicherweise ist morgen Sonntag (= wird definitiv nicht gearbeitet).

Oder hier im Forum, frag ich mich immer wie meine Aussagen rüberkommen, und lese sie auch noch mal nach Tagen nach, einfach um mich runterzuholen, weil ich sonstwas denke was ich geschrieben habe, oder bspw. hab ich eine etwas komplizierter zu durchdenkende Antwort erhalten in einem anderen Thread, da muss ich mir jetzt ständig sagen, das ich mir Zeit lassen kann, meine Antwort in aller Ruhe überdenken, das es alles neu für mich ist und ich die Zeit habe, das der Gegenüber nicht hinter dem Bildschirm sitzt und auf eine Antwort hypert (wo nehme ich blos diese Vermessenheit her, das ich ständig denke das alle Welt auf mich wartet...). _nüxweiss_

Geht das jemandem auch so, oder so ähnlich?

Liebe Grüße
oase

edit:
wenn ich auf andere Menschen zugehen will produziere ich auch relativ schnell Ängste, noch schlimmer wird es, wenn ich etwas nicht spontan sagen will, sondern im Vorfeld mir meine Worte zurechtlegen will/muss z.B. Vortrag aber auch wenn ich jemandem einfach nur etwas erklären will.
Dem versuche ich in letzter Zeit aber mit Spontanität (ich bin so wie ich bin) entgegenzutreten, und ich schreibe mir alle Formulierungen neuerdings auf kleine Zettel und sortiere die zu dem Thema (dann muss ich sie mir ja nicht mehr merken, weil sie stehen ja dann da), zu den kleinen Zetteln die ich schon mal zu dem Thema verfasst habe (Sortierung innerhalb eines Themas, ist das aktuellste immer oben drauf, mit dem Vorsatz das irgendwann zu sortieren).
Ich bin ein Mensch, und alles andere ist relativ.
oase
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Re: Ängste produzieren

Beitragvon oase » Mo 28. Nov 2011, 01:35

Hmm... ich fang jetzt einfach mal an mit mir selbst hier (öffentlich) zu diskutieren, ich hoffe das stört keinen, wer mitmachen will kann mitmachen, mal schaun wohin die Reise geht.
(Irgendwie hab ich das Gefühl, das das mit dem Forenhauptthema ganz eng verknüpft ist.)

Dadurch das ich das hier so schreibe überwinde ich ja eigentlich meine Angst, sprich ich stelle mich ihr, hmm...

ich versuche in letzter Zeit auch einfach unperfekt etwas zu sagen, auch wenn das dem ein oder anderen sauer aufstößt, weil ich vielleicht nicht die perfekteste Formulierung habe, oder ins Fettnäpfchen trete, oder anecke oder Dinge tue die keiner vor mir versucht hat oder oder oder. Aber ich sage was, und das finde Ich wichtig.
Das könnte man jetzt ja irgendwie auch auf die anderen belange/"Problemfelder" übertragen, hmm...

Bspw. rechtfertige ich mich gerade für meine Handlung, das ich diesen Post erstelle, sprich mit anderen kommuniziere (indem ich schreibe: "ins Fettnäpfchen trete, oder anecke oder Dinge tue die keiner vor mir versucht hat oder oder ") vielleicht sollte ich mich weniger rechtfertigen. Weniger drüber nachdenken, es einfach tun, akzeptieren.
Wobei dann natürlich wieder das Problem besteht, das tun ja alle anderen, und das Ergebnis sieht man ja an allen Ecken und enden, das ist so gruselig, das man in der Gesellschaft am liebsten nicht mitmachen würde...

Will man das wirklich (nicht mitmachen), also lieber doch seine Ängste pflegen?

Hmm... seine Ängste akzeptieren, sich so nehmen wie man ist, die Frage ist nur, ist man selbst das wirklich? Oder sind die Ängste vielleicht nur etwas was im laufe der Jahre erzeugt, erlernt wurde. Sprich ein Verhaltensmuster zum Selbstschutz? Weil man die Realität nicht aushalten würde oder in jungen Jahren nicht ausgehalten hätte?
Wie sieht es dann aber jetzt aus, kann man vielleicht zu sich selbst finden und das Gefundene ist dann in der Gesellschaft überlebensfähig? Denn ich möchte doch zumindest überleben, wenn leben nicht möglich sein sollte. Vielleicht bietet sich ja doch irgendwann die Möglichkeit zum Leben.
Wobei ich habe die letzten 20 Jahre überlebt, will ich das wirklich noch so vermutlich 60 Jahre fortsetzen?
Also so wie bisher bestimmt nicht, aber es lässt sich ja vieles ändern, vielleicht findet man ja dann sein Plätzchen, hmm...

Auf jeden Fall will man mehr Freude haben, und Ängste machen keine Freude.

Und es macht mir Freude diesen Post jetzt einzustellen, deshalb tue ich es jetzt auch.

Vielleicht sollte ich das noch mehr zu meiner Lebensweise, Entscheidungsträger werden lassen, aber was ist wenn ich jemandem helfen könnte, es mir aber keine Freude macht?
Brauche ich ihm nicht helfen, kein schlechtes Gewissen haben, weil es mir gerade keine Freude macht, weil derjenige mich gerade bspw. gerade geärgert hat?

Aber was wenn derjenige das vielleicht gar nicht wollte, es vielleicht nichtmal mitbekommen hat, kann ich ihm dann egoistisch, weil es mir momentan keine Freude macht ihm zu helfen, die Hilfe verweigern?

Vielleicht sollte ich abschätzen, wann es das maximum an Freude für alle beteiligten Parteien ist?
Also wenn jemand dringend meine Hilfe braucht, obwohl ich gerade selbst mit für mich mehr Freude bringenden Dingen beschäftigt bin (z.B. Ausruhen) und die "Freudemenge" dann insgesamt viel mehr ist.

Das kann aber dazu führen, das ich mich selbst in manchen Konstellationen vergesse, oder? Würde mir das den Freiraum schaffen den ich auch brauche?
Wobei, wenn ich jemandem geholfen habe, obwohl eigentlich Ruhe (oder auch ein Gespräch, oder eine stumpfsinnigere oder auch geistig anspruchsvollere Tätigkeit) für mich jetzt wichtig gewesen wäre, einfach weil sein Belang momentan viel wichtiger ist als meiner (insgesamt habe ich ja dann mehr Freude erzeugt), dann bin ich ja danach noch erschöpfter, sprich brauche mehr Ruhe, würde jetzt jemand mit einer genauso wichtigen Tätigkeit wie der eben abgearbeiteten kommen, würde ich sie ja dann ablehnen, mein Ruhebedürfnis würde mir mehr Freude machen als mein Hilfsbedürfnis. So hätte ich dann auch kein schlechtes Gewissen, ich hab schließlich auch ein Anrecht auf leben, was genauso Groß ist wie das eines jeden anderen. Und mit dieser Methode würde ich mich immer Situationgerecht ohne große Überlegungen verhalten können, und könnte im nachhinein mit jedem und mir selbst guten Gewissens sein.
Aber wie hilft mir das, dafür zu sorgen, das ich keine Sorge vor Mücken in meinem Zimmer habe, oder hoffe, das das Internet/diese Seite/der Thread über Nacht nicht abhanden kommt?
Aber glücklicherweise kann man ja lokal Notizen/Seiten speichern, mit Mücken geht das leider nicht so leicht. soakes

Liebe abendliche Grüße
oase
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Re: Ängste produzieren

Beitragvon ja » Mo 28. Nov 2011, 09:56

guten morgen oase!


ich finde es ist einen prima weg den du dir gewählt hast,
sich den ängsten stellen (hier im forum als virtuelles üben!) unterstützt meiner erfahrung nach ungemein. _yessa_

auch ich gehe hier diesen projekt nach.

liebe grüsse in deinen tag,
sendet
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Re: Ängste produzieren

Beitragvon Kiki » Mo 28. Nov 2011, 10:09

oase hat geschrieben:Dadurch das ich das hier so schreibe überwinde ich ja eigentlich meine Angst, sprich ich stelle mich ihr, hmm...


Liebe Oase,
sich Ängsten zu stellen, hat mir in meinem Leben immer sehr geholfen. _reschpekt_ , dass Du diesen Thread aufgemacht hast und mit Deinen Gedanken füllst.

Würde gern noch ganz viel dazu schreiben, aber es wartet gerade noch ein Berg Arbeit auf mich.

Nur soviel, diese tiefe Verunsicherung "bin ich o.k. wie ich bin?" habe ich auch seitdem ich denken kann. Sie ist wohl Teil unseres HSP-Seins und wurde sicherlich durch verschiedene gemachte Lebenserfahrungen immer weiter verstärkt.

Ich arbeite seit Längerem an "Gegenmaßnahmen". icon_winkle Werde mich mal mit mehr Zeit daran machen, hier meine Erfahrungen damit zu teilen.

Danke für Deinen Mut und Dein Teilen.

Kiki
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Re: Ängste produzieren

Beitragvon kopfchaos » Mo 28. Nov 2011, 11:35

Hallo Oase,

herzlichen Glückwunsch zu Deinem Mut und genau so ist es richtig. Ich kann Dir sehr gut nachempfinden und es tut wohl, sich mal diese, seine eigenen Gedanken und Ängste von der Seele zu schreiben.

Bezugnehmend auf die Entscheidung: helfe ich oder bin ich egoistisch, stelle ich mir dann immer die Frage, wie würden nicht HSler damit umgehen?

Bei einem absoluten Notfall, sprich Unfall etc. gibt es für mich keine Frage, da MUSS geholfen werden.

Aber im NORMALEN sieht das ganz anders aus, wenn ich bei jeder Kleinigkeit hilfreich zur Seite stehe, weil das mein Gewissen beruhigt und ich hinterher total ausgepowert bin und wieder mal keine Zeit für mich übrig blieb, dann ist es echt Mist.
Genau daran arbeite ich gerade auch, mich selbst wahrnehmen, akzeptieren, lieben und auch die nötige Abgrenzung zeigen.

Bei mir war es immer so, dass ich ständig alles für alle gemacht habe, das wurde dann noch ausgenutzt, weil die anderen dachten, na ja, die macht das doch gerne und freiwillig......

Inzwischen bin ich "egoistischer", aber selbst das muß man hart erlernen und es gelingt mir nicht immer.

Das Hauptproblem denke ich besteht darin, dass man dieses saublöde schlechte Gewissen ablegen muß, wenn man sich nun mal für SICH entschieden hat.
Andere haben das nicht, nur uns kreiselt das "Nichtfunktioneren" ständig im Hirn rum und zieht uns abermals runter.

Es ist ein schwieriger Lernprozess und je nach Alter auch ziemlich zäh.

Aber das Leben besteht nun mal auch aus Weiterentwicklung und Lernen, egal welchen Alters und eigentlich ist das ja auch wieder schön, dass man noch dazu fähig ist.

Bleib auf Deinem Weg und "step by step"

Liebe Grüsse
kopfchaos
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Re: Ängste produzieren

Beitragvon oase » Di 29. Nov 2011, 02:46

danke2 für die vielen Rückmeldungen. _10_

Liebe Grüße
oase

PS: ich hab im Eingangspost geschrieben, das ich auf kleine Zettel meine Ideen/Probleme etc. notiere, und dann sortiere usw., falls jemand diese Möglichkeit für sich ausprobieren möchte, man muss ja nicht alles zweimal erfinden/durchdenken...:
Ich habe die Erfahrung gemacht, das es ausreicht pro Zettel erst mal den Eingangsgedanken (also wie der Gedanke los geht) zu notieren, und dann zum nächsten zu gehen, bis man das Gefühl hat alle Anfänge notiert zu haben. Kann auch mal eine halbe Seite oder mehr sein, wenn der Gedanke so sperrig ist, aber manchmal unterbrech ich mich dann mitten im Wort und schreibe auf einen neuen Zettel was mir gerade einfällt und springe dann von einer Lösung für ein PC Problem zu einer von mir ungelösten Fragestellung von Dimensionsmodellen (ich notiere dann einfach das Problem ohne Lösung), und komme dann plötzlich zu familiären Dingen.
Kopfchaos lässt Grüßen, ist aber hochproduktiv und hilft mir ungemein, weil ich löse das PC Problem vielleicht erst in drei Wochen, weil vorher keine Zeit ist, aber die Idee hab ich notiert und kann es vergessen.
Sollte ich z.B. das PC Problem vollständig vergessen haben, finde ich im Notfall das Problem/die Lösung beim späteren aufräumen und sichten des Notierten in der Rubrik PC Probleme/Lösungen dann auch wieder (obwohl es ja dann vermutlich nicht so wichtig war, obwohl wenn ich einfach zu dem Zeitpunkt überlebenswichtigere Probleme hatte...). Das hat den Vorteil eines ruhigen Gewissens, nichts vergessen zu haben.
Einziger Nachteil bei der Methode, ich muss mich immer Bremsen das ich nicht aus Angst wichtige Gedanken zu vergessen und weil es so schön leer, ruhig und aufgeräumt im Kopf dann ist, das so exzessiv betreibe das mein Kopf keine Zeit hat in Ruhe über gerade neu entdecktes nachzudenken.
Was dann in übermäßiger Erschöpfung endet. Das kann soweit gehen, das man will das es aufhört, aber der Kopf ist nun mal zum denken geschaffen... .
Deshalb, so ihr es probieren wollt, tut euch selbst den gefallen und sagt irgendwann Stop.
Dieses notiern ist äußerst anstrengen aber eben hochproduktiv und die Vorteile sind für mich einfach zu überzeugend, also lieber etwas weniger, auch wenn man noch so motiviert ist.
Das wollte ich einfach noch sagen.
Ich bin ein Mensch, und alles andere ist relativ.
oase
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Re: Ängste produzieren

Beitragvon oase » Fr 9. Dez 2011, 15:51

Meine Ängste resultieren aus Sorgen, ich mache mir z.B. sorgen das mein Gegenüber mich nicht richtig versteht und dadurch leite ich dann Ängste (bis Angstzustände) vor allem im nachhinein und während dessen Aufregung (bis zum Black Out bis Situation vorbei) ab.

Meine Sorgen begründen sich auch auf meine Sensibilität, Empathie etc. Ich bin dadurch wohl besonders prädestiniert mir Sorgen zu machen.

Irgendwo hab ich hier gelesen, "die Gedanken ziehen lassen":
Ich habe jahrelange Meditationserfahrung, und kann Dir deshalb sagen, dass es Dir anfangs noch viel schlimmer vorkommt, weil es Dir dann noch bewußter wird.
Aber es geht auch nicht darum, nicht zu denken, sondern die Gedanke wahrzunehmen, aber nicht an ihnen kleben bleiben, sondern sie einfach weiterziehen lassen.Nichts erreichen wollen, die Gedanken registrieren, als wenn Du daneben stehst, Dich also nicht mit ihnen identifizieren, einfach kommen und gehen lassen.


Helfen tut mir das jetzt (danke!), wenn ich mir zu viele (MEINER Meinung nach übermäßige) Sorgen ausbilde, ich lasse sie dann einfach ziehen.
Nur ein Hinweis noch, zitiertes Verfahren führt zu radikal angewand zu einer Entfremdung, man sieht sich dann neben sich stehen und ist anteilslos.

Liebe Grüße
oase
Ich bin ein Mensch, und alles andere ist relativ.
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