Andere imitieren - Produkt der umfassenden Beobachtung?

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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Andere imitieren - Produkt der umfassenden Beobachtung?

Beitragvon tootsie » Mo 23. Jan 2012, 16:18

Liebe Leute,

2 Phänomene möchte ich beschreiben, weil mir plötzlich wie Schuppen von den Augen fällt, dass sie mit der HS in Verbindung stehen könnten. Ich wüsste gerne, wer das ähnlich erlebt und wie ihr den Zusammenhang zu HS seht:

1. Phänomen: Seit Kindesbeinen imitiere ich andere Leute und sorge damit für Spass und Gelächter. Auch habe ich im Laien-Theater gespielt und hier tauchte die Imitations-Gabe auch auf. Das war so: ich wusste nie, wie ich die Rolle mit Leben füllen sollte (also aus mir selbst heraus fällt es mir schwer, eine Rolle auszustatten). Deshalb habe ich mir irgendwann angewöhnt, den Regisseur zu fragen: "Spiel mal vor, wie Du die Person haben willst!". Er hats mir vorgespielt und dann habe ich sein Spiel einfach 1:1 imitiert und das klappte. Ich hatte die Rolle dann komplett auf dem Schirm und alle Details aus seinem Spiel kopiert. Andere Schauspieler machten es anders und ich konnte nie verstehen, warum sie nicht diesen "einfachsten Weg" wählten.

2. Phänomen: Wenn ich viel Zeit mit jemanden verbringe, fange ich an, dieser Person zu ähneln. Mir ist das nie aufgefallen, bis mir meine Schwester (als wir Kinder waren) eines Tages sagte: "Seitdem Du von den Ferien mit Deiner Freundin Camilla wieder da bist, redest Du genauso wie sie - stell das ab, das nervt." Ich war ziemlich perplex. Denn weder hatte ich es absichtlich getan, noch wusste ich, wie ich es willentlich wieder ablegen soll. Es WAR einfach so, dass ich plötzlich Camillas Tonfall, ihre Vokabeln und einige Eigenheiten (Gesten/Mimik) übernommen hatte. Zurzeit date ich jemanden und merke, wie ich seine Art, eine krause Schnute zu ziehen und seinen Tonfall und seinen Gang übernehme - das ist irgendwas zwischen witzig und erschreckend?
Ich frage mich, ob das mit mangelnder Abgrenzung zu tun hat (also zu sehr beim andern sein und ihn komplett in sich aufzusaugen und darüber die eigene Erscheinung zu vergessen). Ich weiss manchmal garnicht mehr genau, wie ICH eigentlich handeln und reagieren würde und konstruiere mir dann eine Reaktion die zu dem passt, was ich für mein ICH halte. Aber es kommt nicht aus dem Bauch.
Manchmal mache ich mir Sorgen, dass ich nie mit jemandem mein Leben verbringen können werde, weil ich mich verliere und dann sein Leben lebe. Die oben geschilderten Phänomene sind also nicht das eigentliche Problem, sondern vielleicht nur eine Weise, wie sich der Wesenszug der mangelnden Abgrenzung und der umfassenden Beobachtung äußern kann.

Haltet ihr das für plausibel?
Wie geht es Euch damit?
Imitiert ihr auch Leute?
Wie stellt ihr das ab?

Über Antworten würd ich mich sehr freuen.
Eure Tootsie-Nachäfferin _monke_
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Re: Andere imitieren - Produkt der umfassenden Beobachtung?

Beitragvon bumblebee » Mo 23. Jan 2012, 23:24

Hi, ich möchte dir einerseits bestätigen, dass Imitation aus guter Beobachtungsgabe, die HSP ausgeprägt besitzen, hervorragend gemeistert werden kann, wenn man ein gutes Ausdrucksvermögen beherrscht und zum Anderen deine Vermutung verneinen, dass HSP verstärkt Verhalten anderer annehmen würden. Denn es wurde in unserer Geschichte beobachtet, dass wir zwangsläufig das Verhalten der Mitmenschen zum Teil annehmen, mit denen wir uns intensiver umgeben, um mit ihnen, wie soll ich das erklären, miteinander auszukommen oder so. Wir nehmen meist nur die Verhaltensweisen an, die uns sympathisch sind. Zum Beispiel habe ich einige Jahre in einem Ort gelebt, wo ein bestimmter Dialekt gesprochen wird. Den habe ich nie gelernt, ohne ihn abzulehnen. Er war mir einfach nicht sympathisch. Dann lebte ich erst ein halbes Jahr in einem Ort, wo ich mich immer wohlgefühlt hatte, wenn ich zu Besuch war und ich bemerkte den Sprachgebrauch bei mir.

Mittlerweile ist er fast gänzlich da. Wenn ich bei meiner Familie bin, spreche ich wieder, wie ich immer mit ihnen gesprochen habe, dialektfrei. Früher habe ich oft Verhaltensweisen von meinen Freundinnen angenommen als Geste der Anerkennung, bewusst. Und unbewusst spielte sich auch einiges ab. Meine einst beste Freundin und ich waren uns so ähnlich, wir hatten immer die gleichen Gedanken, gleichzeitig gleiche Dinge gesagt und waren uns immer einig, was wir nun unternehmen. Aber wir haben uns verändert und sind uns fremd geworden. Was sich nicht abstreiten lässt, ist das HSP Nachahmung ggf stärker betreiben können und/oder an sich wahrnehmen, weil sie eben feinfühliger/beobachtender sind. Jedoch ist das Nachahmen auch bei Nichthsp zu erkennen, da es eine biologische urinstinkthandlung oder sowas ist. Aber ein gutes Talent zb für das Theater, dass glaube ich dir. Ich habe auch gerne und gut im Schultheater mitgemacht. Das Auffassen von Dingen ist eine gute Eigenschaft von HSP.
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Re: Andere imitieren - Produkt der umfassenden Beobachtung?

Beitragvon ja » Di 24. Jan 2012, 09:52

hallo tootsi,


das von dir beschriebene ist mir nicht fremd,
in der milden form nehme ich ausdrücke und redewendungen an.

Zu denken hat mir allerdings gegeben:

... weil ich mich verliere ...


Denn dies ist eine formulierung die ich seit jahren gebrauche um mich und mein verhalten in beziehungen auszudrücken.
Sprich man verliebte sich, ich verlor mich und konnte mich irgendwann nur durch aggressive notbremsung daraus wieder retten.



Sicherlich hast du recht und es ist ein wesenszug der mangelnden abgrenzung in kombi mit der beobachtungsfähigkeit.

_gruebel_
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Re: Andere imitieren - Produkt der umfassenden Beobachtung?

Beitragvon sanfte_Wellness » Di 24. Jan 2012, 16:22

Hallo zusammen!

Ein Stück weit imitiere ich auch, aber nur ein Stück weit. Ich erinnere mich, wie ich damals ein bestimmtes Lachen nachgeahmt habe. Was bei mir der Fall war und mir gar nicht aufgefallen ist, dass auch ich den Dialekt eines anderen Ortes aufgenommen habe, wo ich drauf hingewiesen wurde. Den Dialekt habe ich jetzt auch nicht mehr. Ich kann mich auch entsprechend in Gefühle, Stimmungen, Sprachen, Länder hineinfühlen, so, als wäre ich es ich, und das will ich dann auch so, um so authentisch wie möglich zu sein. Etwas spielen muss ich dann nicht, das bin dann ich. _lüpe_

Mir ist aufgefallen, dass ich für Bestimmtes wie Farben, Muster und Sonstiges Gefühle entwickeln kann und ich erinnere mich dann da dran, an das Gefühl und dann an die Zusammenstellung oder mit der Zusammenstellung stellt sich bei mir dann auch wieder das Gefühl ein. Könnte aber auch evtl. meine Synästhesie sein.

Hm...ich kann das Thema jedenfalls gut nachvollziehen.

Liebe Grüße die Sanfte _flöwer_
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Re: Andere imitieren - Produkt der umfassenden Beobachtung?

Beitragvon tootsie » Fr 27. Jan 2012, 14:10

JA: nur durch aggressive notbremsung daraus wieder retten


@ ja
Ja, das geht mir leider auch oft so. Furchtbar, wenn eigentlich sanfte, friedliebende Personen dann aggressiv werden. Ich mag mich dann garnicht und meine Ex-Partner natürlich mochten dies auch nie bzw. konnten nicht einordnen, woher die Heftigkeit der Reaktion kam.

Ich glaube und hoffe, man kann die Abgrenzung lernen. Darüber wird ja hier auch an andern Stellen des Forums diskutiert.

Lieben Gruss,
Tootsie
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Re: Andere imitieren - Produkt der umfassenden Beobachtung?

Beitragvon tootsie » Fr 27. Jan 2012, 14:15

sanfte_Wellness hat geschrieben:Ich erinnere mich, wie ich damals ein bestimmtes Lachen nachgeahmt habe. Was bei mir der Fall war und mir gar nicht aufgefallen ist, dass auch ich den Dialekt eines anderen Ortes aufgenommen habe, wo ich drauf hingewiesen wurde. Den Dialekt habe ich jetzt auch nicht mehr. Ich kann mich auch entsprechend in Gefühle, Stimmungen, Sprachen, Länder hineinfühlen, so, als wäre ich es ich, und das will ich dann auch so, um so authentisch wie möglich zu sein. Etwas spielen muss ich dann nicht, das bin dann ich. _lüpe_


@ sanfte Wellness. Ja, das Imiteren vom Lachen ist mir auch oft passiert. Plötzlich hör ich mich lachen und denke: "So lach ich doch garnicht, so lacht doch die Elke!"

Dialekt kenn ich auch!!!! Das ist wie eine Melodie, von der man einen Ohrwurm hat. Man muss sie einfach pfeifen oder summen.

Jaaaaaa, genau, bei mir ist das auch nicht gespielt. Das ist ja das Verrückte. Es passiert wie von selbst und ich weiss nicht, wie man es ablegen könnte.

"Imitierst" Du nur Leute, Dialekte, die Du magst oder gibt es da kein Schema bei Dir?

Viele Grüsse und danke Euch für die interessanten Antworten.
Tootsie
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Re: Andere imitieren - Produkt der umfassenden Beobachtung?

Beitragvon Marisol » Fr 27. Jan 2012, 20:16

Ich habe mir in den letzten Tagen tatsächlich auch Gedanken zu diesem Thema gemacht. Ich habe mich gefragt, ob mein Verhalten gänzlich von anderen Menschen übernommen ist oder was überhaupt "meine" eigene Art ist, wo bin ich? Ich übernehme auch sehr schnell Dialekte, sprachliche Ausdrücke, Mimik, etc. von anderen. Ich brauche nur ein paar Tage mit Menschen einer anderen Region zusammen zu sein und schon spreche ich ähnlich wie sie, jedenfalls teilweise. Ich frage mich, wie andere Menschen z. B. aus dem süddeutschen Raum viele Jahre in meiner Region leben und noch genauso sprechen wie vorher ohne Änderung des Dialektes. Ich würde dann wahrscheinlich schon längst perfekt z. B. Bayrisch sprechen:-)

Ich denke auch, dass es mit der Sensibiltät zu tun hat, dass ich mehr auf andere Menschen und die Umgebung achte und mich selbst weniger wahrnehme.

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Re: Andere imitieren - Produkt der umfassenden Beobachtung?

Beitragvon tootsie » Do 2. Feb 2012, 13:01

Hallo Marisol,

ja, genau, Frage ist nur: ist es eine Stärke oder eine Schwäche?

Wenn es nur eine Stärke wäre, könnte man es ja auch - in lästigen Fällen - abstellen. Dann müssten weder Du noch ich uns fragen, warum wir uns "verlieren". Sich zu verlieren kann nicht gut sein. Weder für die andern, noch für einen selbst.

Wahrscheinlich ist es wie mit allen Eigenschaften: es gibt eben zwei Seiten der Medaille.

Ich bin auf jeden Fall total froh und dankbar, endlich die groben Zusammenhänge meiner Persönlichkeit zu verstehen, indem ich Aspekte miteinander verbinde, die bislang widersprüchlich schienen.

Daher freue ich mich sehr über Eure Erfahrungen und Antworten hier. Bitte weiter!!!

Witzig wäre noch zu wissen, ob die tendenziell introvertierten HSP auch diesen Imitationstick haben. Oder ist das eher typisch für extrovertierte? Schreibt mir - ich freu mich.
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Re: Andere imitieren - Produkt der umfassenden Beobachtung?

Beitragvon Jamania » Do 2. Feb 2012, 15:00

Ich finde das ein sehr interessantes Thema und habe selbst mal gedacht, dass ich Sachen übernehme, weil ich selber noch auf der Suche bin.
Das war bestimmt auch mal so, aber mittlerweile glaube ich, dass es einen ganz anderen Punkt gibt, der da bei mir eine Rolle spielt: eine Konversation mit einer Wohlfühlatmosphäre schaffen zu wollen.

Ich gehe wohl davon aus, dass zu große Unterschiede im Verhalten, sowohl inhaltlich als auch in der Form, Gespräche eher boykottieren als fördern.
Jemand, der von meiner Meinung abweicht, das aber in der für mich "richtigen" Form macht, ist mir weniger suspekt als jemand, der inhaltlich mit mir übereinstimmt, aber dessen Sprachstil nicht meinen Vorstellungen von Angemessenheit entspricht.

Das fängt schon bei der Lautstärke an und geht in viele, manchmal im einzelnen nebensächliche Details.

Meine Vorstellung von guter Konversation beinhaltet also auch dieses sich-einstellen auf den Anderen, ein Ausbalancieren zwischen zwei unterschiedlichen Gesprächsstilen, mit einem Maß an aufeinander-zugehen und von-sich-weggehen, das ich für "normal" halte.

Und das war schon immer so, nur früher konnte ich das nicht einordnen und habe mir oft Gedanken gemacht, warum ich Leute "kopiere".
Das Fatale an diesem Verhalten war, dass es zwar toll lief, wenn das Gegenüber ungefähr dieselben Vorstellungen von dieser Art der Höflichkeit hatte, aber einen schnell zurückstieß oder in ein Extrem trieb, wenn der Andere das eben nicht machte, um gegebenenfalls überzukompensieren.
Damit meine ich jetzt nicht so sehr, besondere Eigenarten zu kopieren, sondern dieses sich-einstellen auf Rhythmen, Humor, Lautstärke, das aber, je verzweifelter man versucht die gemeinsame Ebene zu finden, darin resultieren kann.
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Re: Andere imitieren - Produkt der umfassenden Beobachtung?

Beitragvon Kopfkino » Fr 3. Feb 2012, 11:12

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