Anecken - Mobbing - Ausgrenzung

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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Anecken - Mobbing - Ausgrenzung

Beitragvon ellen71 » Mo 26. Dez 2011, 19:38

Möchte das doch mal in einem eigenen Thread zusammen fassen:
Teilweise mag es an negativen Kindheits-Erfahrungen liegen, die sich dann im weiteren Leben fortpflanzen. Aber bestimmt nicht in jedem Fall ist es so.
Ablehnung in teilweise sehr subtilen Variationen bemerkt man als HSP deutlicher als andere Menschen. Nicht nur, dass man andere mit dem "Röntgen-Blick" durchschaut, man sieht und spürt, ob der andere unaufrichtig ist oder einem wohl gesonnen ist.
Ich mache oft die Erfahrung, dass mein freundlich gemeinter Blick oft schon als unangenehm empfunden wird.
Die Folge: Kontakte kommen gar nicht erst zustande. Gespräche werden vermieden. Man wird als "anders" wahrgenommen und da machen die Leute einen großen Bogen um einen. Schlimmer noch: man wird komplett ignoriert, als ob man Luft wäre. Selbst in einer Gruppe ist man wie "unsichtbar".
In Diskussionen und Talkrunden wird man selbst vom Moderator nie angesprochen. Auf die Meinung der HSP wird kein Wert gelegt. Es interessiert einfach nicht.

Vor zwei Jahren habe ich mit viel Mühe und Aufwand ein Klassentreffen organisiert. Als wir dann alle gemütlich an einem großen Tisch versammelt waren, bildeten sich sofort Gesprächskreise und angeregte Unterhaltungen. - Meine Bemühungen, mich daran zu beteiligen, wurden eiskalt abgeblockt. Man würdigte mich keines Blickes oder wenn doch, kam nur ein geringschätziges Grinsen.

Ich hatte doch angenommen, dass man auch mit mir, nach 25 Jahren, das Gespräch suchen würde.
Nach zwei Stunden verließ ich die Veranstaltung. - Obwohl ich mich verabschiedete, bemerkten es einige nicht einmal, die hoben nicht einmal die Köpfe und unterhielten sich einfach weiter ...
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Re: Anecken - Mobbing - Ausgrenzung

Beitragvon SumOne » Mo 26. Dez 2011, 21:41

Ich kann das sehr gut nachempfinden, was du sagst, ellen. mir ging es während meiner jugend auch so. mittlerweile habe ich aber akzeptiert, dass ich nix mit gruppen anfangen kann und diese offensichtlich auch nichts mit mir. ab gruppen mit mehr als 3-4 leuten, klappts einfach nicht mehr mit der kommunikation. scheinbar mach ich da immer was falsch und spreche mit gruppen, wie mit einzelpersonen... oder so... keine ahnung _gruebel_ elefant2
vielleicht ist das bei dir ähnlich...? du hast geschrieben, dass du das ganze organisiert hast, dann müssen dich die leute ja zumindest akzeptieren, sonst waere ja keiner gekommen, oder? vielleicht irre ich mich aber auch, ist schwer aus der ferne zu beurteilen. _nüxweiss_
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Re: Anecken - Mobbing - Ausgrenzung

Beitragvon ellen71 » Di 27. Dez 2011, 08:59

Denen war es ganz recht, dass ich das in die Hand genommen habe. War ein ziemlicher Aufwand.
Nachdem es jahrelang kein Klassentreffen gegeben hatte, dachte ich, es wäre mal an der Zeit, sowas zu planen.
Man akzeptierte das schon, dass ich das alles auf die Beine gestellt habe, aber ich war für die anderen nur "Mittel zum Zweck". Kaum waren alle eingetrudelt und die Begrüßung erfolgt, war ich für die praktisch unsichtbar.
In solchen Momenten fühlt man sich ziemlich entwürdigt.

In Gruppen ist es ja meistens so, dass ein oder zwei Beteiligte sich in den Vordergrund drängen, die werden dann umringt. Daraus entsteht dann die "Gruppe". Letztlich ist es ein Zentrum, um das sich andere scharen.

Am meisten hat mich immer gestört, dass man nie die Möglichkeit hat, auch einmal zu Wort zu kommen. Als ob man nichts zu sagen hätte!
Da wird lautstark diskutiert, teilweise schon auf Schrei-Niveau. Das finde ich mangelnde Gesprächskultur.

Gespräche mit Einzelpersonen sind zwar einfacher, aber oft ist es so, dass diese keinen Wert auf ein Gespräch mit mir legen. Die Gruppen sind interessanter, weil dort mehr "Action" herrscht. Der Drang, dazugehören zu wollen, ist wesentlich stärker als der Drang, sich auch mal mit jemand anderem zu unterhalten, dessen Meinung auch interessant sein könnte.

Ich halte grundsätzlich nichts vom "Herdentrieb", weil ich weiß, dass soetwas auch gefährlich werden kann. Bevor ich mich an eine Gruppe anschließe, sehe ich mir an a) wer sind die beteiligten Personen und b) welche Inhalte und Ziele verfolgen die und dann frage ich mich c) ob das für meine Werte und Anschauungen kompatibel ist.

Ja, ich bin sehr geradlinig und versuche so zu leben, dass ich alles vor meinem Gewissen verantworten kann. - Viele Menschen leben leider nicht nach diesen Prämissen.
Ganz allgemein mangelt es mir in der Gesellschaft an Werten bzw. Menschen, die ein solides Wertegerüst haben und auch danach leben. Viele gehören leider zum Typus des Opportunisten, suchen leider den bequemen Weg und wenden sich wie ein Blatt im Winde, gerade so, wie es ihnen im Augenblick zum Vorteil ist.
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Re: Anecken - Mobbing - Ausgrenzung

Beitragvon Eule » Di 27. Dez 2011, 13:08

Hallo ellen71,

die Schulklasse ist ja meist die erste richtige Gruppenerfahrung in der man etliche Jahre zurechtkommen muss.

Bei Klassentreffen habe ich das Gefühl, dass die Strukturen von früher wieder aufleben und manche Leute sich nicht verändert haben.

Es ist traurig, dass du als Organisatorin solch negative Erlebnisse hattest. Ich habe vor 2 Jahren auch eines organisiert, weil ich die Leute gerne wieder sehen wollte und es war auch etwas Gepuzzel, da eine Adressliste schon sehr in die Jahre gekommen war.

Die Leute die kamen (die halbe Klasse) haben sich dann sehr gefreut, auch dass ich es organisiert hatte und später bekam ich sogar weil heimlich gesammelt wurde eine kleine Aufmerksamkeit.

Während des Treffens war ich wie in der Schulzeit nicht gerade eine Gesellschaftslöwin, aber anders als früher spreche ich auch heute Leute an und nehme Nichtangesprochenwerden nicht mehr als Ablehnung. Ich kann auch mal still sitzen und einfach schauen, mich fragen wo die Jahre blieben und wie sich die Leute entwickelt haben mit denen ich viele intensive Jahre verbrachte.

Ich wünsche dir bald positivere Erfahrungen mit anderen Dingen.

LG Eule
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Re: Anecken - Mobbing - Ausgrenzung

Beitragvon ellen71 » Di 27. Dez 2011, 13:16

Ja, die alten Strukturen laufen wieder ab - wie damals ...

Es waren 80 % aller Schüler anwesend, zwei haben behauptet, sie hätten die Einladung nicht erhalten ... 1alie

Ich musste auch feststellen, dass sich keiner der Anwesenden charakterlich oder in seiner Persönlichkeit weiter entwickelt hatte. Sogar äußerlich sahen die immer noch so aus wie vor 25 Jahren: gleiche Frisur, gleicher Kleidungs-Stil.
Gereiftes Auftreten konnte ich da nicht erkennen.

Besonders geschmacklos fand ich es, dass ich von einer mit essigsaurer Miene alien9 gefragt wurde, ob "man" denn sammeln "soll", weil ich ja Auslagen gehabt habe ...
Ich habe dann höflich abgelehnt mit den Worten: "Danke, das ist nicht nötig ... "
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Re: Anecken - Mobbing - Ausgrenzung

Beitragvon Eule » Di 27. Dez 2011, 13:22

Hallo Ellen,

einige hatten sich schon verändert fand ich, und es gab auch welche, mit denen ich nicht sprechen wollte. Meine alte Schulfreundin von damals hat auch mit mir bei meiner Mutter übernachtet, ich habe mich weder in der Schule noch heute als krasser Außenseiter gefühlt. Ich denke schon, dass ich mich selbst weiter entwickelt habe, ich kann heute besser auf Leute zugehen als damals, es fehlte mir früher das Selbstbewusstsein, dass ich heute habe. Und ich kann heute - auch in einer Gruppe - das Alleinsein gut aushalten, während ich früher mehr das Gefühl empfinden und daran leiden konnte, dass mich niemand mag.

LG Eule
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Re: Anecken - Mobbing - Ausgrenzung

Beitragvon ellen71 » Di 27. Dez 2011, 13:34

Was ich nicht wusste, da ich die anderen viele Jahre nicht gesehen hatte:
Inzwischen gab es einen Vorfall, dass nämlich eine Mitschülerin einer anderen den Mann ausgespannt hatte. Und die Geschädigte kam dann nicht zum Klassentreffen.
Beim Treffen wurde dann komisch getuschelt und gewitzelt. Zunächst wusste ich nicht, worum es geht. Erst später wurde ich dann informiert ...
Die eine ist nun glücklich verheiratet mit dem Mann und hat zwei Kinder. Die andere ist nach wie vor Single und sehr verletzt. Zu mir sagte sie lediglich am Telefon, sie sei terminlich verhindert und könne daher nicht kommen ...
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Re: Anecken - Mobbing - Ausgrenzung

Beitragvon SumOne » Di 27. Dez 2011, 21:41

@Ellen ich hatte auch ein Klassentreffen vor ein paar Monaten. Die Strukturen waren im Wesentlichen unverändert. Schon zu Schulzeiten fühlte ich mich keiner Gruppe zugehörig und 'pendelte' zwischen den Welten (Gruppen). Das ging nur mit Respekt, aber eben auch Aussenseitertum. Ich hatte immer meine Meinung und war nie bereit mich den Leithengsten/kühen unterzuordnen. Ich hatte nur wenige Freunde und das hat mir gereicht. Es ging mir immer um die Charaktere und nicht um den 'social background'. Wenn ich Parties gegeben habe, dann kam immer ein Haufen Leute zusammen, die sonst nie miteinander geredet hätten! Ich glaube aber irgendwie war das schon damals für viele interessant, weil es so ein bisschen wie einem 'Zoo' der Menschlichkeiten zuging... icon_pidu
Naja, mein Klassentreffen (Abi vor 15 Jahren) war also weder berauschend, noch ernüchternd. Ich hatte nicht erwartet, dass sich die Leute ändern, weil das tut praktisch nie jemand. Die Leute sind so, wie sie sind und wir sind es ja auch! Wir HSP verändern uns ja auch nicht, weil es tief in uns steckt. Wir dürfen nicht den Fehler machen, andere als 'versteckte' HSP zu sehen und dass wir nur warten müssten und auf Einsicht hoffen müssten, damit sie sensibel werden! Das wird nicht passieren! _stop_
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Re: Anecken - Mobbing - Ausgrenzung

Beitragvon ellen71 » Di 27. Dez 2011, 22:29

Das was mir auffiel, ist, dass die meisten meiner ehemaligen Schulkollegen aus ihrer "dörflichen Umgebung" nie rausgekommen sind. Etwas mehr Weltoffenheit hätte ich von manchen schon erwartet, zumal alle ganz große Pläne gehabt hatten ... _hippy2_
Man hätte annehmen können, dass aus unserem Jahrgang ein paar echte Größen hervorgehen würden ... weit gefehlt! Die meisten haben einfach "nur" Familie gegründet und sitzen jetzt daheim ...
Einige haben sogar weiter studiert und trotzdem üben sie jetzt den Beruf nicht aus bzw. nutzen ihre Qualifikationen überhaupt nicht. Das kann ich nicht nachvollziehen ...
Die haben teilweise geheult, wenn sie keine Einsen bekommen haben. Wozu das Theater?

In unserer Klasse waren nur zwei, die weiter weg gezogen sind, eine davon bin ich.

Ich bin wirklich weit rum gekommen, habe viele Menschen kennen gelernt, und das hatte natürlich auch Einfluss auf meine Entwicklung. Ich habe mich sowohl äußerlich als auch innerlich sehr verändert. Mir wäre die kleinbürgerliche Enge einfach zu wenig.
Ich war und bin auch immer der Meinung, dass man sich weiter entwickeln muss und an sich arbeiten sollte. - Vielleicht bin ich da zu idealistisch. Immer nur auf dem Status Quo verharren wäre mir schlichtweg zu langweilig.

Ich nutze auch das Internet viel, um weit verzweigte Kontakte zu knüpfen und meinen Horizont zu erweitern.
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