Bedeutung von Tiefe in Bezug auf Hochsensibilität

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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Bedeutung von Tiefe in Bezug auf Hochsensibilität

Beitragvon Intro » Fr 9. Feb 2018, 17:11

Hallo zusammen,

beim Lesen über Hochsensibilität finden sich oft Ausdrücke wie:
tiefer fühlen, tiefsinniger denken, tiefe Freundschaften…
oder auch verwandte Begriffe wie:
nicht oberflächlich, feinsinniger, inniger...

Was ist damit eigentlich genau gemeint, wenn es genauer beschrieben wird und wie habt ihr persönlich Vergleiche gezogen? Ich frage, da z.B. ein tiefes Gefühl ja auf keinem Skalenniveau messbar ist. Wenn jemand behauptet, er fühle tiefer als andere Leute, so müsste er ja auch irgendwo persönliche Vergleichsdaten habe, weil er sich eben als tiefsinniger einschätzt. Diese Punkte interessieren mich.

Zur Orientierung Beispiele:
Nehmen wir mal allgemeine Floskeln wie eine tiefe Trauer beim Tod eines Menschen. Jeder trauert unterschiedlich lang. Bedeutet Tiefe in Bezug auf Verlust durch Tod Länge der Trauer oder eher Intensität?

Wenn sich jemand mit einem anderen Menschen tiefer zu einem Thema austauschen möchte, so müssen dafür Bedingungen wie besondere Bildung oder Expertentum vorliegen d.h., wenn man gemeinsam ein Objekt oder etwas anderes analysieren möchte, braucht man mindestens etwas Grundwissen, eine gute Vorstellungsgabe und sollte sich schon Mühe machen, damit es verbal oder schriftlich präzise rübergebracht wird.

Zugegeben triggert es mich fast immer etwas, wenn ich nicht erschließen kann, was jemand mit *tiefer* meint, sofern es nicht genauer beschrieben wird. Es beruht auf schlechten Erfahrungen. In der Jungend bemerkte ich es verstärkt, wenn Freundinnen über sich sagten, sie wären nicht so oberflächlich wie andere oder wenn sie tiefsinniger diskutieren wollten. I.d.R. lief diese Art von Tiefe auf die Analyse von männlichen Verhalten hinaus. Es wurde über Aussagen und Verhalten von Männern und Jungen, aber auch von anderen Frauen spekuliert und alles Mögliche hineininterpretiert. Manchmal wurden auch Überlegungen zur Manipulation angestellt sowie eingesetzt. Eine besonders sensible Freundin meinte zu wissen, was andere, auch ich, fühlen und denken, doch eigentlich interpretierte sie ihr Wunschdenken o.Ä. hinein und lag also grob daneben. Sie schloss von sich auf andere und ich empfand es sehr übergriffig, wenn sie von *tiefsinnig* redete, aber eigentlich anderen nur bestimmte Gefühle andichtete. Zudem sehe ich einen Zusammenhang, von tiefsinnigen (weiblichen) Personen zu ihrem Kleidungsstil oder zu Nicknamen, die sie sich im Internet geben. Oft sind es verniedlichende Namen, etwas elfenhaft-geheimnisvoll klingend, leicht und luftig wie eine kleine Fee mit Glitzerschnee oder ungreifbare Begriffe, zum Teil aus der Esoterik. Mich erinnert das immer an gewisse Personen aus der Vergangenheit und frage mich, ob so ein Zusammenhang von Zerbrechlichkeit, Hochsensibilität und Niedlichkeit suggeriert werden soll, oder eine besondere filigrane Tiefsinnigkeit (von tiefgelegenen Reizfiltern?). Daraus werde ich nicht schlau und war damals deshalb eine Außenseiterin. _nüxweiss_
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Re: Bedeutung von Tiefe in Bezug auf Hochsensibilität

Beitragvon Neongrau » Fr 9. Feb 2018, 17:55

Hallo Intro,

ich kann beim Antworten natürlich nur für mich und meine Art, diese Bezeichungen zu verwenden, sprechen. Wenn ich etwas als "tiefergehend" bezeichne meine ich damit meistens alles, was nicht oberflächlich ist. Tiefergehende Gespräche sind für mich Gespräche, in denen kein / nicht nur Smalltalk vorkommt. Das Gespräch ist dann umso tiefer, desto persönlicher die Gesprächsthemen werden - aber Tiefe kann man in diesem Sinne natürlich nicht messen. Manchmal sage ich auch tiefergehende Freundschaften, wobei das für mich eigentlich gar keinen Sinn ergibt, denn Freundschaft impliziert für mich schon "nicht oberflächlich". Jeden lediglich oberflächlichen Kontakt (Kollegen, Kommilitonen, ...) würde ich ohnehin nur als Bekanntschaft bezeichnen.
Natürlich ist Tiefe eine subjektive Wahrnehmung und daher von der Bedeutung her nicht vergleichbar. Ich persönlich will damit eigentlich nie etwas bestimmtes suggerieren, außer eben "nicht oberflächlich". Aber ich kann deiner Beobachtung zustimmen, dass andere Menschen damit auch Dinge zu implizieren versuchen, die vielleicht mit dem Begriff selbst eher weniger zu tun haben.

Viele Grüße,
Neongrau
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Re: Bedeutung von Tiefe in Bezug auf Hochsensibilität

Beitragvon Intro » Fr 9. Feb 2018, 23:27

Hallo Neongraui,

danke für deine Darstellung.
Freunde und Bekannte trenne ich auch, nur habe ich es diesmal nicht in " geschrieben und zudem auch noch von früheren Zeiten geschrieben, als ich mehr oder weniger automatisch mit denselben Leuten zu tun hatte.

Smalltalk ist auch ein Begriff, der im HS-Kreis angesprochen und abgelehnt wird. Natürlich ist mir auch das schon aufgefallen. Ich wollte aber eigentlich selbst etwas tiefer in die Materie eintauchen und habe es scheinbar nicht präzise geschafft, daher versuche ich es genauer: Ganz viele Hochsensible schreiben von genau diesen Merkmalen über sich. Sie mögen keinen Smalltalk, wollen tiefe Gespräche und Beziehungen, suchen Gleichgesinnte ....
Wenn es nur ums Finden ähnlicher Leute geht, müsste hier doch jeder zweite den Freund oder Partner fürs Leben gefunden haben und nicht immer wieder sagen, dass er alles andere als oberflächlich ist und darunter leidet.

Ganz praktisch und chronologisch betrachtet: Man geht in eine Community und schreibt, dass man tiefsinnig ist. Dann wartet man ab, bis ein anderer, der dasselbe von sich behauptet, etwas Intimes - vielleicht irgendwelche Traumata - von sich preisgibt und gleicht es mit den eigenen Erfahrungen ab. Oft ist ja auch die Rede von *Vertrauen*. Oder man fragt rum, ob es anderen auch so geht mit der Lärmempfindlichkeit. Geht es anderen auch so, wird man Freunde, weil man ähnlich tickt? Sofern man dieselben oder ähnliche Erfahrungen gemacht hat, hat man jemand Gleichgesinnten gefunden, da er versteht, was einem selbst widerfahren ist und ist dann ein potenzieller Freund, zu dem an eine tiefe Nähe aufbauen könnte? Und warum muss ein anderer mich unbedingt verstehen oder mir ähnlich sein bzw. was hat das mit Hochsensibilität zu tun? Wenn ich ein Problem habe und es lösen will, brauche man nicht mal einen Psychologen, der mich versteht, sondern einen, der einen unterstützt, denn Veränderung kann einem niemand abnehmen. Dazu brauche ich jemanden (einen Psychologen), der mir Hilfestellungen anbietet, aber kein Verständnis. Arbeiten muss ich an mir selbst, das kann einem niemand abnehmen. Oder geht es gar nicht um Traumata, Schicksalsschläge und Probleme, die von einem Gegenüber tief verstanden werden sollen, sondern eher darum, dass man sich nicht alleine fühlt?

Ist es denn so, dass man in einer passiven Position so lange abwartet, bis irgendjemand anderes etwas *Tiefes* /Intimes von sich preisgibt und man darauf selbst auspackt? Tiefe erkenne ich eigentlich eher daran, wie sich jemand zu bestimmten Themen einbringt und welche Transfergedenken er hat. I.d.R. sind das Menschen, die nicht über ihre eigene Tiefe oder Unoberflächlichkeit reden, sondern aktiv zeigen, wie tiefgründig sie denken oder auch handeln. Das ist jedenfalls meine Intuition, auf die ich mich bisher immer gut verlassen konnte, obwohl ich eher rational veranlagt bin. _gruebel_
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Re: Bedeutung von Tiefe in Bezug auf Hochsensibilität

Beitragvon Neongrau » Sa 10. Feb 2018, 12:08

Hallo Intro,

entschuldige, dann habe ich vielleicht etwas an deiner Frage vorbei geantwortet. Da ich selbst relativ neu hier bin kann ich wenig aus Erfahrung sprechen, was das Finden von Freunden oder Gleichgesinnten in Foren wie diesen angeht. Allerdings glaube ich doch, dass es einen Unterschied zwischen der Kommunikation innerhalb eines Forums, und dem "echten Leben" gibt (alles, was außerhalb des Internets durch persönliche Kommunikation stattfindet).

Ich glaube dass der Mensch tief in sich ein generelles Bedürfnis danach hat, verstanden zu werden, beziehungsweise das Gefühl abzulegen, mit seinen Problemen / Gedanken / Gefühlen alleine zu sein. Findet man im Umfeld des "echten Lebens" niemanden, der einem dieses Gefühl gibt, sucht man sich das eben im Internet, Foren wie diesen. Hier findet man Menschen aller Art mit ähnlichen Problemen / Gedanken / Gefühlen, die einem dadurch im besten Fall das Gefühl vermitteln können, verstanden zu werden, nicht alleine damit zu sein. Am Ende ist aber der größte Vorzug des Internets auch ein riesiger Nachteil, denn eine Kommunikation über große Entfernungen hinweg heißt eben auch, diese Entfernung im "echten Leben" nicht einfach überwinden zu können. Kontakte im Internet sind ja grundverschieden von Kontakten im "echten Leben", und wenn man sich eigentlich persönlichen Kontakt zu Gleichgesinnten wünscht, findet man diesen hier vielleicht nicht so einfach - ich ziehe ja nicht direkt um, wenn ich im Internet jemanden gefunden habe, mit dem ich eine gute Beziehung aufbauen könnte. Im Internet findet man dafür den Austausch mit Menschen, die einen eben gar nicht persönlich kennen, und das verändert die Art der Gespräche vielleicht auch noch mal.

Die Probleme, mit denen man sich nicht alleine fühlen will, sind dadurch natürlich nicht gelöst, und da hilft auch kein Verständnis von jemand anderem, da hast du Recht. Aber das Leben mit diesen Problemen (nicht deren Lösung) fällt durch Austausch mit Gleichgesinnten vielleicht leichter.

Die eigene Tiefsinnigkeit zu betonen bringt dann auch nur bedingt etwas - natürlich kann ich mich über die vielen oberflächlich scheinenden Menschen aufregen, und ihnen mangelnde Tiefe unterstellen. Aber wenn sich zwei Menschen kennenlernen und jeweils sagen "ich suche nach einem tiefen Kontakt", ist das ja kein Garant dafür, dass daraus ein tiefer Kontakt entsteht. Jeder Mensch besitzt "Tiefe", die Frage ist nur, wie viel er davon preisgibt. Und auch zwei Menschen, die sich gegenseitig mit tiefen Themen bombardieren, können aneinander vorbeireden. Die Tiefe eines Kontaktes muss eben wie das Vertrauen ineinander erst wachsen, und dafür spielt meiner Meinung nach noch viel mehr eine Rolle (gleiche "Wellenlänge", ...).

Ich vermute ich habe wieder etwas an deiner Frage vorbei geantwortet, aber das waren so die Gedanken, die mir dazu eingefallen sind. Ich ahne was du meinst, aber richtig in Worte fassen kann ich nicht alles.

Viele Grüße,
Neongrau
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Re: Bedeutung von Tiefe in Bezug auf Hochsensibilität

Beitragvon Rakete » Sa 10. Feb 2018, 12:28

Ich vermute durch Tiefe drückt man das intuitive denken aus. Man kann nicht so richtig erklären wie man drauf kommt,
aber man hat irgendwas intuitiv erfasst, das verschwindet in der Denkwolke, wird dort auch gefühlsmässig betrachtet
um auf die Lösung zu kommen.
Also ich kann mich selbst in Maschinen reinversetzen wenn die nicht richtig funktionieren, ich guck denen dann zu,
erfasse intuitiv das Problem, und generiere die Lösung. Wie ich drauf kam weiß ich dabei nicht mehr.
Und das macht es so schwer, das anderen zu erklären, man weiß es ja selber nicht so richtig. Wie soll man
das dann in Worte fassen???
Da wirst du nur schräg angeguckt und die Stirn gerunzelt.

Es ist auch die Fähigkeit sich in Dinge reinzuversetzen und mit denen zu verschmelzen, so das sich verbinden damit.
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Re: Bedeutung von Tiefe in Bezug auf Hochsensibilität

Beitragvon Intro » Di 13. Feb 2018, 15:28

Intuition, eine Idee. Ich denke, eine gute Intuition ist ein Teil von Tiefe bei Hochsensiblen, aber nicht alles. Wenn Tiefe nur aus Intuition bestehen würde, dann würde es doch keine Probleme im Zwischenmenschlichen geben. Hochsensible würden dann nicht mehr auf Energieräuber hineinfallen, nicht mehr ausgenutzt werden und auch keinen un- oder normalsensiblen Partner wählen.
Intuitiv denken würde bedeuten, dass man Schritte überspringt, wenn man zu einem Ergebnis kommt. Daher wäre man dann schneller als andere und hätte dadurch vermutlich viele Vorteile, da man z.B. Zeit spart.
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Re: Bedeutung von Tiefe in Bezug auf Hochsensibilität

Beitragvon Intro » Di 13. Feb 2018, 15:38

Neongrau hat geschrieben:Die eigene Tiefsinnigkeit zu betonen bringt dann auch nur bedingt etwas - natürlich kann ich mich über die vielen oberflächlich scheinenden Menschen aufregen, und ihnen mangelnde Tiefe unterstellen. Aber wenn sich zwei Menschen kennenlernen und jeweils sagen "ich suche nach einem tiefen Kontakt", ist das ja kein Garant dafür, dass daraus ein tiefer Kontakt entsteht. Jeder Mensch besitzt "Tiefe", die Frage ist nur, wie viel er davon preisgibt. Und auch zwei Menschen, die sich gegenseitig mit tiefen Themen bombardieren, können aneinander vorbeireden. Die Tiefe eines Kontaktes muss eben wie das Vertrauen ineinander erst wachsen, und dafür spielt meiner Meinung nach noch viel mehr eine Rolle (gleiche "Wellenlänge", ...).

Ja, Tiefe und Vertrauen wird öfter im Zusammenhang erwähnt. Braucht man Vertrauen nicht besonders dann, wenn es zuvor gestört wurde? Wenn man mal tiefer nachdenkt icon_winkle, denke ich dabei an hochsensible, die vielleicht mangelndes Urvertrauen haben, traumatisiert sind und wo man nicht genau weiß, ob die HS durch schlimme Erlebnisse entsteht oder umgekehrt, sozusagen wie bei einem Henne-Ei-Problem. Oder ob Hochsensibilität dasselbe ist wie ein Trauma oder dadurch bedingte Überempfindlichkeit. Wo würde man da differenzieren? Ist doch schon auffällig, sagt mir meine Intuition, wenn jemand öfter von Vertrauen und Tiefe redet. So kenne ich es jedenfalls aus dem RL.
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Re: Bedeutung von Tiefe in Bezug auf Hochsensibilität

Beitragvon Neongrau » Di 13. Feb 2018, 23:03

Hallo Intro,

dass Traumata und HS direkt zusammenhängen ist eine These, die man so weder überprüfen noch belegen / wiederlegen kann - ich könnte mir in einigen Fällen aber durchaus Zusammenhänge vorstellen. Vor allem könnte Hochsensibilität Trauma begünstigen, weil Erlebnisse aufgrund der Sensibilität vielleicht schneller ein traumatisches Level erreichen können. Dass Hochsensibilität aber in jedem Fall dasselbe ist wie ein Trauma glaube ich eher nicht. Um das besser differenzieren zu können müsste man vermutlich Forschung auf dem Gebiet betreiben, die wir hier mit Gedankenspielen nicht nachstellen können.
Vertrauen ist vermutlich umso früher in einer Beziehung wichtiger, desto mehr schlechte Erfahrungen man mit Vertrauensmissbrauch in der Vergangenheit gemacht hat. Da würde ich aber nicht direkt einen Zusammenhang zur Hochsensibilität sehen, denn auch normal sensible Menschen können aufgrund schlechter Erfahrungen ein mangeldes Urvertrauen besitzen. Andererseits betont das Hervorheben von Vertrauen und Tiefe vielleicht auch das Bedürfnis oder den Wunsch eines Menschen, sich jemand anderem zu öffnen und über die eigenen tiefen Gefühle sprechen zu können.
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Re: Bedeutung von Tiefe in Bezug auf Hochsensibilität

Beitragvon Rakete » Mi 14. Feb 2018, 02:01

Intro hat geschrieben:Intuitiv denken würde bedeuten, dass man Schritte überspringt, wenn man zu einem Ergebnis kommt. Daher wäre man dann schneller als andere und hätte dadurch vermutlich viele Vorteile, da man z.B. Zeit spart.


Hi Intro,

ich empfinde das aber so, ich komme viel schneller als so manch anderer auf die "Lösung", oder denke das zu schnell runter bis zum Kern der Sache.
Aso ich überspringe die scheinbaren Probleme und komme so zur Ursache, während andere noch an den Problemen sich aufhalten.
Im Job begegnet mir das oft, also nicht nur bei technischen Problemen, sondern auch bei zwischenmenschlichen DIngen.

Nur stößt das auf Missverständnisse, oder andere fühlen sich irgendwie überrumpelt, was unter anderem zu Aggressionen führen kann.
Mein Chef z.B. fühlt sich dadurch wirklich in seiner Position bedroht, weil ich schneller denken kann wie er, auch viel tiefer.
Naja, auch zum Teil meine Partnerin,die fühlt sich dann unterlegen. Wobei es nie meine Absicht ist irgendwen zu dominieren.
Meine Abscht ist eine Lösung zu generieren und für eine bessere Zukunft zu arbeiten und schneller zum Ziel zu kommen.

Nein, man spart keine Zeit, wenn man mit den "Anderen" zu tun hat, sondern es erzeugt dann auch viel Leid. Zwischenmenschlich.
Die "Anderen" denken sich dann schon aus Prinzip einen anderen Weg aus, nur um scheinbar Recht zu haben. Naja, dann nimmt man den
Weg, ums doch irgendwann so zu machen wie ich es vorgeschlagen habe. Das ist aber dann immer deren Idee. Mir ist das egal,
ich finds nur schade um die Zeit und die Mühen, vor allem wenn ichs machen darf. Andererseits gibt es aber auch mehrere Wege ans Ziel.
Aber es kann auch sein, das wenn man für sich denkt, sich zu lange in der Gedanken-Gefühlswolke aufzuhalten weil halt irgendwie
zu viele Sachen wichtig erscheinen, oder halt versucht wird zu viel unter einen Hut zu bringen. Ist öfters eins meiner Probleme.
Oder ich verheddere mich in Nebensächlichkeiten, oder ich verfehle das Thema weil mich irgendwie eine Idee mehr begeistert
wie das Ursprungsproblem. Oder ich komme vom hundertstens ins tausendste, was mich dann in eine Starre verfallen lässt,
weil ich nie zu "machen" anfange.

So easy ist das nicht, und wie immer, alles hat seine Vor und Nachteile, Göttliche Gabe und teuflischer Fluch zugleich.

Maik
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Re: Bedeutung von Tiefe in Bezug auf Hochsensibilität

Beitragvon Velvet » Mi 14. Feb 2018, 09:04

Hallo Intro,

....In der Jungend bemerkte ich es verstärkt, wenn Freundinnen über sich sagten, sie wären nicht so oberflächlich wie andere oder wenn sie tiefsinniger diskutieren wollten. I.d.R. lief diese Art von Tiefe auf die Analyse von männlichen Verhalten hinaus. Es wurde über Aussagen und Verhalten von Männern und Jungen, aber auch von anderen Frauen spekuliert und alles Mögliche hineininterpretiert. Manchmal wurden auch Überlegungen zur Manipulation angestellt sowie eingesetzt. Eine besonders sensible Freundin meinte zu wissen, was andere, auch ich, fühlen und denken, doch eigentlich interpretierte sie ihr Wunschdenken o.Ä. hinein und lag also grob daneben. Sie schloss von sich auf andere und ich empfand es sehr übergriffig, wenn sie von *tiefsinnig* redete, aber eigentlich anderen nur bestimmte Gefühle andichtete.




....Was ist damit eigentlich genau gemeint, wenn es genauer beschrieben wird und wie habt ihr persönlich Vergleiche gezogen? Ich frage, da z.B. ein tiefes Gefühl ja auf keinem Skalenniveau messbar ist. Wenn jemand behauptet, er fühle tiefer als andere Leute, so müsste er ja auch irgendwo persönliche Vergleichsdaten habe, weil er sich eben als tiefsinniger einschätzt. Diese Punkte interessieren mich.



Interessante Beobachtungen hast du da gemacht und eine schwer zu beantwortende Frage gestellt :).

Grundsätzlich würde ich denken, dass die Wahrnehmung man ist "tiefsinniger", tatsächlich mit der Quantität von Reizen zu tun hat, nicht jedoch mit der Qualität. Und wie du auch schreibst, wie soll man das messen.

Ich persönlich würde von mir eher behaupten, dass ich viel zu detailiert wahrnehme und empfinde. Ich habe immer das Gefühl, mit einer Lupe vor den Augen herumzulaufen, die mir alles viel, viel größer und vor allem wichtiger erscheinen lässt, als es tatsächlich ist. Mir fehlt oft einfach die Distanz zu dem, was ich erlebe. Das hat zur Folge, dass ich mir oft Gedanken über was mache, was mich gar nichts angeht und an dem "normale" Menschen einfach vorbei denken und fühlen würden.

Ich führe das u.a. auf die jeweilige Prägung im Kindesalter zurück. Da war es überlebenswichtig, auch kleinste Details wahrzunehmen, zu analysieren und vorausschauend zu handeln.

Mit Tiefsinnigkeit sehe ich das nicht unbedingt in Verbindung. Tiefsinnige Menschen erlebe ich eher als solche, die sehr gut wichtig von unwichtig trennen können, die intelligent und neugierig sind und sich mit Themen näher auseinandersetzen, die sie sich selbst gewählt haben, weil sie fasziniert von ihnen sind und wissensdurstig.

Meine Detailiertheit in Fühlen und Denken kann ich mir nicht aussuchen, die ist einfach da (Reizfilterschwäche oder was auch immer). Dies als besonders positive Charaktereigenschaft herauszustellen käme mir nicht in den Sinn. Ich bewundere eher die Menschen, denen auch mal was gepflegt am Popo vorbeigehen kann und die in der Lage sind, nicht alles auf sich persönlich zu beziehen, gesunde Distanzen zu wahren und somit auch die Grenzen anderer.
Die haben nämlich gar keine Ambitionen anderen weis machen zu wollen, sie sähen in ihnen mehr als derjenige selbst und wüssten allemal besser, wo´s für andere lang geht. Mit besonderer Tiefe und Sensibilität hat diese Art Einmischung in das Leben und Tun anderer mMn nix zu tun. Eher im Gegenteil: u.a. mit einer gewissen Distanz-und Empathie/Respekt-losigkeit.
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