Das ewige WARTEN

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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Das ewige WARTEN

Beitragvon kopfchaos » Do 22. Dez 2011, 17:13

Hallo Ihr Lieben,

ich weiß jetzt nicht, ob Ihr auch dieses Gefühl habt, aber mir kommt es manchmal (früher ganz ganz oft) so vor, dass ich ständig darauf warten muß, ob jemand anruft, mit mir reden will, Bedürfnisse hat, die ich bedienen sollte/wollte/müsste.

Gerade warte ich wieder mal, dass die Werkstatt mein Auto vorbeibringt und ich bin hier in Lauerstellung und kann nichts anderes machen....
als warten.

Ich könnte jetzt doch putzen, kochen, TV schauen, lesen oder sonst was, aber es ist mir nicht möglich... ich kann nur warten!

Ist das schon krank? Ich bemühe mich ja schon heftigst, aus meinem Teufelskreis rauszukommen, mich abzugrenzen und meine Person zu respektieren, das klappt auch ganz gut, nur bei dieser Termin-Warterei mach ich dermaßen schlapp, dass ich eben nur warten kann.

Wie geht es Euch in solchen Situationen?

Ich kann z.B. auch nichts machen, wenn ich auf einen Rückruf von Amt, Behörde oder selbst Freunden warte, das ist wie eine Starre bei mir.

Wartende Grüsse
kopfchaos
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Re: Das ewige WARTEN

Beitragvon Anke » Do 22. Dez 2011, 17:29

Oh ja, das kenne ich sehr, sehr gut! Gerade jetzt geht es mir z.B. auch so. Ich habe einem alten Bekannten eine Weihnachtskarte geschrieben um den Kontakt, der über die letzten 1 1/2 Jahre eingeschlafen ist wieder etwas aufzuwärmen. Diese Karte müsste heute oder vielleicht auch schon gestern bei ihm angekommen sein. Jetzt habe ich die ganze Zeit das unbestimmte Gefühl (oder ist es nur der Wunsch?) das er heute anruft... Eigentlich völliger Quatsch, aber irgendwie bin ich jetzt in Lauerstellung pfeif
Es macht mich zeitweise wahnsinnig, wenn ich weiß, dass ein Paket kommt, jemand sagt er ruft mich dann später an (wann bitte ist später?) oder Handwerker oder Besuch angekündigt sind... Immer warten. Manchmal schaffe ich es dann wenigstens ein bisschen was nebenbei zu machen, aber die Wohnung verlassen oder nur mal ins Bad geht nicht, man könnte ja was verpassen.

Hat jemand diese Anwandlungen schon überwunden? Würde mich mal interessieren!

Liebe Grüße

Anke
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Re: Das ewige WARTEN

Beitragvon Jennifer » Do 22. Dez 2011, 17:35

"Zwangsweise abgehaertet" wuerde ich sagen...

Hier in Barranquilla sagen die Leute staendig, sie kommen vorbei und kommen am Ende eben nicht.
Oder es wird eine Uhrzeit vereinbart - dass es dann deutlich spaeter wird, ist normal.

Ich habe mir angewoehnt, grundsaetzlich von einem spaeteren Zeitpunkt auszugehen und jede Verabredung als "nicht 100%ig" anzusehen. Das nimmt mir etwas den Druck, den ich vorher spuere und erspart mir teilweise den Aerger hinterher.
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Re: Das ewige WARTEN

Beitragvon kopfchaos » Do 22. Dez 2011, 18:00

Hallo Anke,

das ist für mich jetzt wirklich sehr beruhigend, dass du auch so tickst und mit der Warterei Probleme hast.
Ganz ehrlich, ich bin dann wie gelähmt und kann kaum was Richtiges anfangen mit mir.
Momentan gucke ich nur auf die Überwachungskamera vom Hof und schreibe hier. Mehr geht grad nicht, wenn das erledigt ist, brauche ich erst wieder eine Pause und mein Kopf muß sich wieder neu sortieren um das Abendessen vorzubereiten.

Vielleicht sind wir mit der Warterei so sehr gedanklich mit dem Ereignis beschäftigt, dass es uns nicht möglich macht, die eigentlich auch wichtigen Dinge wie Staubsaugen (geht ja gar nicht, man könnte die Klingel nicht hören, etc.) einfach nicht machen kann.
Ich mach sogar das Radio aus, gucke auf meinen Monitor und warte eben...


@Jennifer,

wenn Besuch zu spät kommt, kommt mir das sehr entgegen, weil ich eh ewig lange brauche und froh bin, noch eine Viertelstunde Luft zu haben.
Wenn sich aber Leute anmelden und überhaupt nicht kommen, dann trifft mich das hart, weil ich IMMER irgendwas vorbereitet habe. Das wäre dann äußerst enttäuschend für mich, wenn man nicht absagt.
Liegt vielleicht auch daran... andere Länder, andere Sitten.

Das ist nicht das wirkliche Problem, es ist MEIN Problem.

Guck weiter auf den Monitor und harre der Dinge....
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Re: Das ewige WARTEN

Beitragvon sanfte_Wellness » Fr 23. Dez 2011, 08:18

Hallo Kopfchaos!

Die von dir beschriebene Fähigkeit kenne ich auch von mir, allerdings eher aus früheren Zeiten! Das Warten wurde dann das Wichtigste und alles andere, was ich noch tun könnte, empfand ich als zeitlich unpassend, langweilig gar uninteressant - aber leider auch nicht so effektiv. Das hat eventuell mit der hs-überwachheit zu tun, wie ich mal vermute. Überwachheit oder Überbewusstheit vielleicht auch ein sehr hohen Grad an Konzentration oder bzw. fixierter Konzentrationsfähigkeit - irgendwie so _hüüh_ _gruebel_ _grin_

Ich konnte das aber in der letzten Zeit erfolgreich verändern! In meinem Fall hat es geholfen, dass ich abgewägt habe einerseits, was zeitlich machbar ist, bis das Termin-Ereignis eintrifft und als Belohnung werde ich mich freuen können, das die Aufgabe, die ich mir ausgesucht habe, nach dem Termin-Ereignis bereits erledigt ist - und andererseits habe ich es mir einfach irgendwie angewöhnt Wartezeiten für mich effektiv (oder sagt man jetzt effizient??? _gruebel_ ) auszufüllen, da Unerldigtes nach dem Termin ja leider immer noch auf mich warten würde!

Also, da hat wohl einfach eine Portion gesunder Egoismus geholfen _grin_ _10_

Liebe Grüße sanfte_wellness 1alie wub
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Re: Das ewige WARTEN

Beitragvon Jennifer » Fr 23. Dez 2011, 17:11

wenn Besuch zu spät kommt, kommt mir das sehr entgegen, weil ich eh ewig lange brauche und froh bin, noch eine Viertelstunde Luft zu haben.
Wenn sich aber Leute anmelden und überhaupt nicht kommen, dann trifft mich das hart, weil ich IMMER irgendwas vorbereitet habe. Das wäre dann äußerst enttäuschend für mich, wenn man nicht absagt.
Liegt vielleicht auch daran... andere Länder, andere Sitten.


Genau mit dem zu spaet kommen der Leute habe ich eigentlich grosse Probleme, denn ich bereite mich fruehzeitig vor und bin dann auch puenktlich soweit. Und dann trifft genau dieses Problem ein - das WARTEN.
Und wenn sie gar nicht kommen.. das trifft auch mich ziemlich. Denn sofort geht mir durch den Kopf, ich bin ihnen nicht wichtig, vielleicht sogar unangenehm. auf jeden Fall nehme ich das grundsaetzlich persoenlich.

Mich hat das schon oft aus der Fassung gebracht, somit erscheint mir ein gewisses "Schutzdenken" (so wie zuvor beschrieben) als unbedingt notwendig.
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Re: Das ewige WARTEN

Beitragvon Anke » Fr 23. Dez 2011, 17:56

Liebe kopfchaos,

ich hab jetzt noch mal über die Thematik nachgedacht und mir ist aufgefallen, dass dieses starre warten nur dann eintritt, wenn ich mich sehr auf etwas freue (ein Paket soll kommen, jemand könnte anrufen...) oder wenn mich das eintretende Ereignis belastet bzw eine mich überfordernde Situation bedeutet. Ich habe das nämlich z.B. auch bevor wir zu irgendwelchen Familienveranstaltungen müssen, oder wenn Handwerker angemldet sind (ich mag keine fremden Menschen in meiner Wohnung). Gestern habe ich übrigens umsonst gewartet, der Anruf kam nicht, den ich vermutet hatte...

Liebe Grüße

Anke
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Re: Das ewige WARTEN

Beitragvon René1987 » So 15. Jan 2012, 22:31

Immer wieder interessant, wie gleich wir uns in manchen Dingen sind.

Ich warte auch ununterbrochen.
auf der Arbeit auf den Feierabend
Dann, das sich irgendwer meldet oder irgendwas passiert
Mittwochs auf die Bandprobe
Das vor mir meine Traumfrau aus dem Nichts erscheint
aufs schlafen gehen. was nicht geht, weil ich arbeiten muss, aber keine Lust habe
und so weiter...

Das was gerade passiert kann ich nie wirklich genießen

Schönen Gruß
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Re: Das ewige WARTEN

Beitragvon Mouh » Mo 16. Jan 2012, 09:19

Ich kenne das sehr gut! Man ist wie gelähmt, wenn ein Termin bevorsteht und kann die Zeit überhaupt nicht nutzen.
Ist auch so, wenn ich z. B. einen Arzttermin nach dem Mittag habe, dann ist der Vormittag quasi hinüber und ich warte nur, dass es endlich Zeit ist, loszufahren.
Es ist etwas besser geworden, wenn ich Besuch erwarte. Ich lasse mir immer die Option, dass diejenigen gar nicht kommen oder kurzfristig absagen und mache alles ganz normal weiter inkl. sogar ausruhen.

Was ich aber auch nur zu gut kenne: Wenn jemand unangemeldet kommt (und sei es nur der klingelnde Briefträger) bin ich total aufgewühlt und zerstreut. Manchmal zucke ich schon, wenn nur ein Auto vor der Tür hält, spanne mich total an und warte auf s "Klingeln" um danach in Panik zu verfallen.
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Re: Das ewige WARTEN

Beitragvon kritschka » Mo 16. Jan 2012, 20:24

hallo zusammen....ich kenne das auch nur zu gut und bin überrascht dass es andere Menschen gibt die das auch haben.Ich dachte immer dass ich die einzige bin...

Bei mir ist es am extremsten wenn ich auf Besuch warte, der mir wichtig ist. Ich habe dann immer schon lange vorher alles fertig(Tisch gedeckt, Kerzen an, Kaffe gekocht usw...)und dann beginnt das WARTEN! Ich renne dann oft alle paar Minuten zum Fenster um auch ja nicht den Augenblick zu verpassen bis der Besuch ankommt...ich bin dann nicht in der Lage mich entspannt hinzusetzen und noch eine Zeitschrift oder so zu lesen, oder irgendwas anderes zu erledigen ich kann nur wie erstarrt verharren und auf das Klingeln warten.

Wenn Handwerker oder so kommen ist es nicht ganz so extrem wie bei nettem Besuch, aber entspannt andere Dinge tun kann ich trotzdem nicht.

Selbst bei regelmäßig wieder kehrenden Besuchern(Z.B. der Nachhilfelehrer einmal in der Woche), bin ich am WARTEN bis er kommt(dabei kommt er ja für meinen Sohn und nicht für mich) aber alleine der Gedanke dass er ja gleich kommen müsste lässt mich total angespannt sein...

Ich kann es auch ganz schlecht "verarbeiten" wenn unerwarteter Besuch vorbeikommt(Z.B. die Nachbarin) ich bin dann sowas von angespannt und unkonzentriert,und überfordert, dass ich mich ganz schlecht auf das dann folgende Gespräch einlassen kann.ich glaube dass ich dann ziemlich kurzangebunden und uninterresiert rüberkomme. Was ich sehr schade finde, denn ich habe eigentlich gerne Besuch , aber eben angekündigt und darauf vorbereitet.ich denke mittlerweile auch dass manche Mitmenschen meine nervösität und unsicherheit bei solchen Besuchen merken und dass sie mich oft ziemlich komisch finden...Tja, die HS hat eben auch ihre unangenehmen seiten.


Tjj
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