Re: Das Gefühl dabei, wenn Sachen kaputtgehen - auch im Film
von Zeitreisender » Di 19. Jul 2011, 17:27
Hallo herzblut,
die Zerstörung in den Filmen gehört wohl einfach zu unserer Zeit, in der alles Dagewesene beim nächsten Mal übertroffen werden muss, um die Zuschauerzahlen zu sichern. Höher, schneller, teuerer, brutaler, kaputter.
Es gehört wohl eine Art Voyeurismus beim Zuschauer dazu, sich diese blinde Zerstörungswut anzusehen, denn im eigenen Leben ist es eher unwahrscheinlich so überdimensional den negativen Folgen von emotionalen Entgleisungen fröhnen zu können. Da haben im Forum vermutlich mehr Menschen eine leichte Aversion im Blut, als die weniger sensiblen.
In meinem Leben unterscheide ich zwischen Gebrauchsgegenständen und Seelendekoration. Wenn ersteres zu Bruch geht versuche ich zu flicken. Wenn es unbefriedigend geflickt ist geht es den Weg allen irdischens. Unabhängig davon, wer der unglückselige Verursacher war, mit Absicht war es nicht, also Verzeihen und weg damit. Materialismus pur, aber ich denke, da wird sich in den kommenden Jahren ein Wertewandel vollziehen.
Bei Kunstgegenständen und Antiquitäten bin ich schon empfindsamer, daher habe ich im Laufe des Lebens gelernt für andere mit zu denken, um zu schützen, was die Zeit überdauern sollte. Nötigenfalls würde ich aber auch hier reparieren, weil es mir gut tut zu erhalten. In diesen Fällen scheue ich auch nicht davor zurück einen Fachmann zu beauftragen, so es mit meiner Vernunft, meiner Geldbörse und meiner Treue zu geliebten Dingen vereinbar ist.
Bei jeder Reanimation von defekten Umgebungsfüllern jubelt in mir die Kreativität, weil es oftmals nicht mit Tesafilm und Uhu getan ist. Reindenken mag ich, und ich nehme die Herausforderung immer ersteinmal an. Aufgeben muss ich erst, wenn ein Artefakt der Vergänglichkeit nach zehn Jahren immer noch auf die Wiederherstellung wartet. Dann war es nicht wichtig genug. Und bei dieser Denkweise halte ich mich immer noch für normal, denn egal wie wir sind, die Natur will uns so.
Zeitreisender
Die Zeit kommt aus der Zukunft, die nicht existiert, in die Gegenwart, die keine Dauer hat, und geht in die Vergangenheit, die aufgehört hat zu bestehen. Augustinus