Freunde finden vs. Kummerkasten-Dasein

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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Freunde finden vs. Kummerkasten-Dasein

Beitragvon Anke » So 8. Jan 2012, 09:44

Hallo Ihr Lieben,

ich habe mich immer gefragt, wieso es für mich so schwer ist Freundschaften zu schließen. Bin ich zu anspruchsvoll und zu kritisch? Oder mögen mich die Leute einfach nicht?
Gestern ist mir etwas aufgefallen, was eine mögliche Erklärung sein könnte. Ich war im Wäschekeller mit meiner Wäsche beschäftigt, als eine Nachbarin dazu kam, die jetzt länger in Kur / stationärer Therapie war. Auf meine Frage ob Sie gerade auf Urlaub oder wieder richtig zu Hause sei, erfuhr ich dann alles! Den Grund wieso sie dort war, Gefühle, Ängste Therapieansätze.... So unter dem Motto Schleusen auf. Ich habe Sie erzählen lassen, hin und wieder etwas nettes gesagt und einfach zugehört. Da war er wieder der Moment, jemand eigentlich Fremdes kehrt plötzlich sein Innerstes vor mir nach außen...
Jetzt möchte ich mit der Frau nicht gerade befreundet sein, aber so geht es mir sehr oft, auch wenn ich neue Leute kennenlerne, die mir liegen und ich sehr nett finde.
Na ja als das Gespräch beendet war hatte ich auf einmal das Gefühl, dass meine Nachbarin selbst ein wenig erstaunt war, was Sie mir auf einmal alles erzählt hat. So ein "sich unwohl fühlen". Wenn ich mir überlege, ich lerne jemand neues kenne und habe auf einmal den Impuls viel zu viel von mir preiszugeben, dann würde ich mich glaube ich auch unwohl fühlen und den Kontakt erstmal meiden. Ich glaub ich hätte Angst was mein Gegenüber mit den Infos so macht... Nicht gerade eine gute Basis aus der vielleicht mal eine Freundschaft entstehen könnte....

Kennt Ihr das auch? Was sind Eure Erfahrungen?

Freue mich auf Eure Berichte!

Anke
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Re: Freunde finden vs. Kummerkasten-Dasein

Beitragvon ja » So 8. Jan 2012, 12:05

Oh ja!


Gute güte ein thema was mich wahrlich nachhaltig prägt.

Mittlerweile habe ich meinen umgang damit gefunden
(harte arbeit big_ohnmacht )
und bin dafür sehr dankbar!


Ich versuche mal mein er-leben zu beschreiben ...

früher war ich eine stark ausgeprägte „kummerkastentante“
- schlimmer, ich war auch noch stolz drauf.
Dank der wahrnehmung von menschen mit hs,
war das zwischenmenschliche/tiefe ein feld wo ich mal nicht total primär verunsichert war. Also war ich maximal offen – mit dem von dir beschriebenen effekt – ich bekam ohne ende lebensgeschichten erzählt
und dann auch noch grasse ablehnung – sprich die schlimmen story waren bei mir – gefeiert und spass gehabt wurde mit anderen ...


ich bin der zu tiefsten überzeugung das kein mensch sich alleine fühlen soll.
So gestalte ich mein leben.
Als ich den kummerkasten-effekt für mich noch nicht klar hatte stiess das ständig zusammen - „abgrenzen“ durfte ich mich schliesslich nicht – sonst wäre der arme gegenüber am ende mit seinem elend alleine ...

bis ich ausgestiegen bin – ich fande das ganze nicht nachhaltig! Es macht keinen sinn, ablehnung zu kassieren und zu leiden.
Also habe ich versucht mir das „aufzudröseln“. Und ich denke macht ist das stichwort. Die unklarheit der machtverhältnisse (ich hatte mehr infos durch meine wahrnehmung und dann auch noch intimes wissen) löste immense verunsicherung auf allen seiten aus.



So versuche ich nun die verantwortung meiner wahrnehmung gegenüber anzunehmen
und bei mir und meinem standing zu bleiben.
(mal mehr mal weniger erfolgreich)




danke für das thema,
ich fand es unterstützend mich mal wieder bezüglich dessen zu sortieren!


ja.
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Re: Freunde finden vs. Kummerkasten-Dasein

Beitragvon stanzi » So 8. Jan 2012, 13:47

@ anke,ein anderer zugang,unterhaltung dient einen zweck!

erich fromm....

http://www.youtube.com/watch?v=iLxHjmXbu-A

_flöwer_ ,

ich hab mich schon lange den kummerkasten dasein..abgewendet.

denn da habe ich schon bemerkt das ich ausgenützt werde und anschließend,"hat sich diese person erhohlt!"...war ich vergessen wub

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Re: Freunde finden vs. Kummerkasten-Dasein

Beitragvon Anke » So 8. Jan 2012, 16:33

ja hat geschrieben: sprich die schlimmen story waren bei mir – gefeiert und spass gehabt wurde mit anderen ...




Liebe ja,

das ist ein sehr treffende Beschreibung meiner Jugend und meiner bisherigen Freundschaftsbeziehungen. Irgendwann habe ich dann angefangen mich ein Stück weit zurück zu ziehen.... Irgendwie tut es aber auch hier mal wieder gut zu hören, dass ich mit dieser Erfahrung nicht alleine da stehe!! Danke DIr!




Liebe stanzi,

danke für Herrn Fromm, den werde ich mir nachher gleich mal ansehen!




@ all

Wie habt Ihr es geschafft Euch vor solche Kummerkastensituationen zu schützen? Ich hab die Situation im Wäschekeller ja nicht wissentlich provoziert, es passiert einfach. Muss ich den Leuten dann vor den Kopf stoßen um mich selbst zu schützen?
Schwierig irgendwie....

Liebe Grüße

Anke
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Re: Freunde finden vs. Kummerkasten-Dasein

Beitragvon Marisol » So 8. Jan 2012, 19:35

Ich nehme mich auch als wandelnder Kummerkasten wahr. Es war schon immer so, dass ich anderen Menschen zugehört habe und sie immer weiter drauf los gequasselt haben. Also immer nur einseitige Unterhaltungen. Kein Interesse an mir, auch wenn ich mir in solchen Situationen immer als guter Mensch gefühlt habe.

Mich würde auch interessieren, wie man sich möglichst höflich aus der "Affäre" ziehen kann. Ich habe eine Kollegin auf der Arbeit, die alles mögliche bei mir ablädt (also alles mögliche was ihr am Tag so passiert ist und sie ärgert). Ich habe Angst, dass sie gar nichts mehr mit mir zu tun haben will, wenn ich mich abrenze. Jetzt beim Schreiben merke ich doch, ich sollte es unbedingt tun. 1güt

Aber wie gehe ich vor, wenn sie das nächste Mal an meinem Schreibtisch steht?

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Re: Freunde finden vs. Kummerkasten-Dasein

Beitragvon felidae » So 8. Jan 2012, 19:50

Wenn möglich oder sobald möglich unterbreche ich solche Gespräche mit: "Sei mir nicht böse, aber ich habe jetzt keine Zeit mehr/muss noch dies oder jenes erledigen" etc. Das funktioniert eigentlich ganz gut.
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Re: Freunde finden vs. Kummerkasten-Dasein

Beitragvon Cleo » So 8. Jan 2012, 23:50

Guten Abend!

Auchich kenne solche Unterhaltung zur Genüge. Doch ich musste micch davon abgrenzen, weil ich sonst vor die Hunde gegangen wäre. Es fällt mir zwar sehr schwer, doch die Kehrseite davon ist, das ich immer depressiver wurde und mich in Momenten des Erzählens der anderen Person körperlich schlecht fùhlte. Ich bin Krankenschwester und habe in meinen Diensten recht viel Leid und Elend um mich herum, dem ich mich fast ganz "widme".
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Re: Freunde finden vs. Kummerkasten-Dasein

Beitragvon ja » Mo 9. Jan 2012, 10:13

Hallo liebe anke,


Wie habt Ihr es geschafft Euch vor solche Kummerkastensituationen zu schützen?


fragtest du.



Ich gebe zu wenn ich erstmal in solch einer situation steckte,
hatte ich keine chance mehr icon_redface

vielleicht konnte ich mich irgendwie noch raus rechtfertigen a lá „ich muss dann mal ...“,
hatte dann zwar keine fremde leidensgeschichte dafür ein schlechtes gewissen – der arme mensch machte sich nun am ende zusätzlich nach einen kopf warum er bloss stehen gelassen wurde ...


meine strategie raus aus dem dilema,
da ich oft sachen schlecht verstehe, persönlich nehme oder gar werte
ist meine einzige chance aus solchen kreisläufen raus zukommen

erst gar nicht rein zu kommen _angel_


was ich damit sagen will ist,
das es für mich persönlich extrem wichtig ist bei mir und in meinen eigen bedürfnissen zu bleiben
die klarheit ein zu laden! Bin ich klar in mir – ist es nicht nötig mich von fremdem leid wegtragen zu lassen
und die energie die ich auf abgrenzung verwenden müsste ist nun frei zum aufrichtigen zu hören und anteilnehmen.




im übrigen liebe ich die menschen und ihre geschichten,
mein leben wäre soviel ärmer wenn ich nicht teilhaben dürfte.
Nur ist leiden eben freiwillig und ich werde nicht mehr fremd-leiden!




Entschuldige bitte wenn es wirr ist,
klarer konnte ich es leider nicht formulieren,
ja.
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Re: Freunde finden vs. Kummerkasten-Dasein

Beitragvon Anke » Mo 9. Jan 2012, 14:21

ja hat geschrieben:
vielleicht konnte ich mich irgendwie noch raus rechtfertigen a lá „ich muss dann mal ...“,
hatte dann zwar keine fremde leidensgeschichte dafür ein schlechtes gewissen –


Liebe ja, genau das ist das Problem, rede ich mich raus habe ich ein schlechtes Gewissen! Also werde ich mal deine Vorgehensweise testen und versuchen solche Situationen zu meiden! Ich glaub im Wäschekeller setze ich mir jetzt erstmal ein schönes Hörbuch auf die Ohren oder Musik. Ist ja schon automatisch ein abwehrendes Signal. Bei gefährlichen Telefonaten (meine Mutter, Bruder, Schwiegermutter, Opa....) achte ich schon seit ein paar Wochen darauf, dass ich nur ans Telefon gehe oder selber anrufe wenn die Tagesfassung es hergibt. Vielleicht sollte ich wirklich noch schneller unterbrechen wenn es zu sehr in die Kummerkasten-Richtung geht....

Wie gesagt, ich werde mal verstärkt testen und darauf achten welche Signale ich so sende. Vielleicht motiviere ich ja unbewusst dazu....

Liebe Grüße

Anke
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Re: Freunde finden vs. Kummerkasten-Dasein

Beitragvon kopfchaos » Mo 9. Jan 2012, 18:06

Liebe Anke,

ja, diese Problematik kenne ich zu gut und es ist ein Teufelskreis.
Man weiß nicht so richtig, wie man sich selbst einordnen soll. Man möchte helfen, aber auch nicht aufdringlich sein und solche Geschichten beschäftigen mich z.T. rund um die Uhr, ich träume dann davon und tut mir nicht gut.

Jetzt erzähl ich mal eine Geschichte von mir und meinem langjährigen Bekannten/Freund.
Er hatte mir immer sehr viel tatkräftig geholfen und auch zugehört, als es mir sehr schlecht ging.
Als er eine Krise mit seiner Partnerin hatte, hat er mich fast täglich mehrmals angerufen und um meinen Rat gebeten. Ich habe es gemacht und eine zeitlang ging auch alles gut, nur irgendwann bedrängten mich seine Anrufe, er wollte Bestätigungen seiner Entscheidungen, die ich nicht immer so mittragen konnte und habe ihm das auch gesagt, worauf er natürlich sauer war, aber trotzdem immer wieder angerufen hat und ich hatte ein schlechtes Gewissen.

Er rief ständig an und ich habe mich dann verweigert, bin nicht mehr ans Telefon....
Auf dem AB war dann, "geh doch mal ans Telefon, Du mußt doch da sein" usw.
Das war dann zuviel für mich und ich habe ihm gesagt, dass ich mich nicht mehr zu seinen Problemen äußern werde.

Inzwischen ist Ruhe eingekehrt und die ca. halbjährlichen Telefonate sind ganz nett, aber, wenn er wieder zu seinen Partnerschaftsproblemen überschwenken will, dann sage ich ihm, dass ich mich der Stimme enthalte.

Er hat seinen Blickwinkel und ich eben meinen und keiner ist falsch oder richtig, nur eben anders und genau da liegt der Grund, warum ich über niemanden urteilen will. Das muß jeder für sich entscheiden.

Inzwischen bin ich soweit, dass ich mein Leben als das WICHTIGSTE betrachte und Gönner meiner SELBST bin.
Das klingt sehr egoistisch, aber ich bin es nur ein wenig und das ist gut so.
Für mich habe ich die Erfahrung gemacht, dass ich mich selbst sein muß, mit allen Ecken, Kanten und Unzulänglichkeiten, mich akzeptieren in meiner Art.....
und siehe da, die Umwelt verändert sich, respektiert mich und meine Bedürfnisse mehr.
Es ist phantastisch und fast unglaublich, aber es ist so.

Ich bin nicht sehr christlich, aber steht nicht in der Bibel: "Liebe Deinen Nächsten, wie Dich selbst"
Deshalb fangt an, Euch genauso zu lieben, wie Euere Nächsten.
Nicht mehr, was wir ja ständig meinen, tun zu müssen.

Hier verweise ich noch auf meine lyrischen Ergüsse vom Herbst 2011, da habe ich begonnen, mich selbst wahrhaftig wahrzunehmen.

http://www.treffpunkt-hochsensibilität.de/viewtopic.php?nxu=11590502nx46300&f=9&t=727&p=16752&hilit=+lyrik#p16752

Anke, beginne, Dich als Mensch, Person, Indiviuum ganz ganz wichtig zu nehmen. Wir müssen nicht so leben, wie die anderen uns gerne hätten. Dann sind wir nämlich Opfer!

Sei stark und gehe Deinen eigenen persönlich Weg.
Und noch was, jeder kommt alleine auf die Welt und jeder geht auch alleine. Wir kleinen Menschen können gar nichts verändern, verhindern oder bewirken.

Die letzten Tage habe ich sehr viel über diese Thematik nachgedacht und mir gesagt. Alles kommt so, wie es kommt und ich kann nichts daran ändern, was nicht heißen soll, dass man gar nichts tut. Nein, ich mache meinen Kram und bewältige mein Pensum, aber mehr geht eben nicht.
Im Gegenteil, ich lebe bewußter, freudiger und positiver, genieße jeden Augenblick meines Daseins.
Geht es besser?

Und diesen Weg will ich weitergehen.....

Liebe Grüsse
kopfchaos
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