Hochsensible im Vollkontakt-Kampfsport

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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Hochsensible im Vollkontakt-Kampfsport

Beitragvon feol » So 11. Feb 2018, 19:24

Mich interessieren eure Erfahrungen im Bereich Kampfsport bzw. Vollkontakt (Boxen, Kickboxen, Muay Thai, K1, MMA, ...). Ich habe vor einier Zeit Kickboxen/Muay Thai begonnen, da ich es in Sachen Haerte und Workout als Herausforderung ansehe. Die Hauptmotivation war, hinsichtlich Selbstschutz und Selbstverteidigung besser aufgestellt zu sein (vor allem mental). Man fuehlt sich nach dem Training stets sehr ausgeglichen, geradezu 'gestaehlt'. Allerdings habe ich nicht die geringste Freude daran, Mittrainierende hart zu treffen. Ich sehe es als Herausforderung fuer mich selbst, vor allem mich dort Aengsten (=Sparring) zu stellen und es zu 'ueberleben'. Es kostet abhaengig vom Verein und von den Leuten mitunter Ueberwindung sich der Atmosphaere dort auszusetzen. Es stellt also vor allem eine Herausforderung dar und fuehrt sicherlich zu einer gewissen 'Abhaertung'. Meine Befuerchtung ist, dass es insgesamt zu einer gewissen Abstumpfung fuehren koennte.
- Gibt es unter euch Menschen, die sich in aehnlicher Weise mit Kampfsport auseinandersetzen oder andere Erfahrungen gemacht haben? Habt ihr euch nach einiger Zeit an das Austeilen und Einstecken harter Schlaege gewoehnt? Was macht das mit euch?

PS: Das soll nicht abschrecken, es einmal auszuprobieren. Es gibt durchaus angenehme Vereine/Clubs, wo weniger hart miteinander umgegangen wird, oder rein Techniktraining an Pratzen als Workout praktiziert werden kann.
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Re: Hochsensible im Vollkontakt-Kampfsport

Beitragvon DesdiNova87 » So 11. Feb 2018, 22:51

Cooles Thema!

Ich habe früher mal ein bisschen Karate gemacht und dann später Taekwondo. Leider ist da nicht viel bei rumgekommen, da ich Probleme mit dem Sprunggelenk bekommen hatte, und man sinkt ja immer in die Matten so ein, das war leider gar nicht mehr möglich dort weiter zu machen.

Was aber klasse war, der Dojo-Inhaber hatte auch einen Fitnessraum, mit vielen Geräten aus den 80ern, so wie in den Old-School Martial-Arts Filmen. Da mein Vertrag noch lief, habe ich dann dort mehrmals die Woche Krafttraining gemacht, und mir hat es dort viel besser gefallen als in einem großen Fitnessstudio, wo ich vorher angemeldet war. Es war sehr übersichtlich, aber alles wichtige war da und man konnte in Ruhe trainieren. Die meisten die dann dort trainierten hatten eher den Ansatz Kraft statt nur Optik, und ich habe dort viel lernen können, wie man Übungen richtig ausführt, ohne das Gepose was man häufig in großen Studios findet (jedem das seine, Body-Building ist sicherlich auch sehr anspruchsvoll), und die Ergebnisse konnten sich dann auch sehen lassen und für mich eher eine neue Erfahrung, ich wurde beim Rausgehen von Frauen direkt auf meine Physis angesprochen. Und auch gerne mal befühlt. Allerdings nicht nur von Frauen _hih_ schon erstaunlich wie viele Männer auch gerne einen Sixpack anfassen.

Jedenfalls habe ich vorher auch meine Erfahrungen "auf der Matte" machen können. Was mir gefallen hat war, wenn sich alle in Formation aufgetellt haben, und die Übungen dann zusammen durchgegangen sind. Und auch die vorgegebenen Bewegungsabläufe (Katas?) fand ich super, und die habe ich auch gerne zu Hause geübt (auch heute manchmal noch), weil ich sie als sehr entspannend empfunden habe durch die vorgegebene Struktur.

Dann zu dem was du auch beschreibst, die Interaktion mit den anderen Schülern oder den Lehrern. Das war für mich immer etwas schwierig. Ich bin einfach von Natur aus sehr schüchtern, und dann mit anderen die man nicht allzu gut kennt in so einen engen Körperkontakt zu gehen, dass hat mich jedesmal wieder Überwindung gekostet und nervös gemacht. Z.B. wenn keine bereits bekannten Partner da waren, und man wieder mit jemand neu anfangen musste.

Es war aber auch toll, seinen Körper und seine Kraft richtig zu spüren. Mal der Überlegene, mal der Unterlegene zu sein. Ja, ich finde auch, es hat etwas ausgleichendes.

LG DesdiNova87
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Re: Hochsensible im Vollkontakt-Kampfsport

Beitragvon atemlos » So 11. Feb 2018, 23:35

Hallo feol
Ich hab mich auch einige Jahre dem Kampfsport (Kickboxen/Muay Thai) gewidmet, hab aber keine Lust hier aus dem Nähkästchen zu plaudern. Wenn du möchtest kannst du mir eine PN schreiben, aber dazu hast du glaub ich noch nicht die nötige Anzahl an Beiträgen (falls es diese Regelung noch gibt). Also, bis dann (vielleicht)..
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Re: Hochsensible im Vollkontakt-Kampfsport

Beitragvon jules1976 » Mo 12. Feb 2018, 08:17

Die Regelung mit Pn ab 30(?) Beiträgen gabs noch nie. Probleme mit Pn- Verkehr lagen in der Vergangenheit an einer falschen Einstellung.
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Re: Hochsensible im Vollkontakt-Kampfsport

Beitragvon atemlos » Mo 12. Feb 2018, 12:02

jules1976 hat geschrieben:Die Regelung mit Pn ab 30(?) Beiträgen gabs noch nie. Probleme mit Pn- Verkehr lagen in der Vergangenheit an einer falschen Einstellung.

Hm, sitmmt. Die "30-Beiträge-Regel" gabs mal für ein Subforum, oder? Mein Fehler, danke für die Aufklärung. :-)
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Re: Hochsensible im Vollkontakt-Kampfsport

Beitragvon Aira » So 18. Feb 2018, 11:40

Hallo feol.
mir geht es ähnlich wie dir. SV ist ein Aspekt, weshalb ich begonnen habe, aber genauso ging es mir um den Erhalt von Fitness und Flexibilität (in Fitnessstudios fühle ich mich nocht wohl). Egal wie furchtbar mein Tag war, nach dem Training bin ich glücklich und mein Weltbild ist wieder ein Stückchen ins Positive gerückt. Nachdem ich die Sache mit dem nachfolgenden Muskelkater durch Ernährung und Arnika auch in den Griff bekommen habe, war es nochmal ein Stück besser :-)
Wirklich harte Schläge gibt es bei uns nicht. Vielleicht liegt es aber auch daran dass ich nicht allzuviel Kraft habe und meine männlichen Trainingspartner sich immer etwas zurücknehmen.
Ja, ich härte ab, wobei ich das nicht im negativen Sinn verstehe. Bevor ich dort anfing, konnte ich es mit einem körperlich mir überlegenen Mann kaum allein im selben Raum aushalten. Das hat sich komplett verändert und mir mein Leben sehr viel leichter gemacht. Beim Szenariotraining schwänze ich manchmal, das halte ich (noch, hoffentlich) nicht immer aus.
Ich bin von Anfang an sehr positiv in die Gruppe aufgenommen worden, was zu dem Zeitpunkt teilweise im krassen Gegensatz zu meinem Alltag stand. Den Teamspirit darf man nicht unterschätzen.
Insofern bin ich sehr froh, dass ich zufällig zu diesem „Sport“ gefunden habe, weil er mein Leben durchweg positiv beeinflusst hat.

Viele Grüße und einen sonnigen Tag.
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Re: Hochsensible im Vollkontakt-Kampfsport

Beitragvon FurciferFabialis » Mi 11. Apr 2018, 08:52

Hallo ihr Lieben!
Nun ist es zwar kein Vollkontakt-Kampfsport aber ich lerne seit einiger Zeit die Kampfkunst Wing Chun. Wollte damals mein Selbstwertgefühl aufbauen und mir ist es auch gelungen. Hatte damals eine ziemlich, unvorteilhafte Körperhaltung weshalb ich immer schnell die Opferrolle bekommen habe. Bin ja auch noch so ruhig, zurückhaltend und war damals ein gefundenes Fressen für Halbstarke die meinten, es sei lustig, den "Schwächeren" klein zu machen. In der Wing Chun Gruppe wurde ich herzlich aufgenommen und nach jedem Training, fühle ich mich besser, ausgeglichener. Wir machen zwar kein Sparring aber abhärten lassen wir uns auch. Mir geht es auch nicht darum, Leute so hart wie es geht kaputt zu schlagen sondern um meine innere Mitte zu finden. Trainiere auch zwischendurch zuhause, es macht mir Spaß und mir geht es einfach gut damit. Gehe Konflikten bzw. Schlägereien lieber aus dem Weg aber wenn es drauf ankommt... kann ich mich gut wehren. Der krumme Rücken und der nach unten hängende Kopf ist Geschichte und ich wirke selbstbewusster. Für mich, war es der richtige Weg um mein Selbstwertgefühl wieder aufzubauen.
Euch Kampfsportlern wünsche ich noch eine gute Zeit, viel Spaß beim Trainieren und ich wünsche euch, dass ihr es nie anwenden müsst.
LG
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Re: Hochsensible im Vollkontakt-Kampfsport

Beitragvon Natty » Mi 2. Mai 2018, 19:50

Hallo feol,

ich habe jüngst ein paar Mal Teakwondo-Stunden getestet. In dem Studio wird non-contact unterrichtet. Für die Fälle in denen man im Training mit Kontakt zuschlägt, schlägt man gegen vom Partner gehaltene Lederkissen. Ansonsten hält man Abstand, so daß man sich nicht beim Schlagen berührt.

Es hat mir sehr gut gefallen. Nachdem ich körperlich seit einiger Zeit ein ziemliches Wrack bin, habe ich so etliches nicht genau mitgemacht oder gar nicht. Das wurde aber vom Trainer auch so gefördert und keiner hat mich schräg angeguckt.

Ich sehe diesen Kampfsport in erster Linie als Fitness-Training, das Spaß macht. Erst in zweiter Linie denke ich mir dann aber schon auch, daß es gut wäre, wenn ich da einiges beherrschen würde, um mich im Notfall verteidigen zu können. Der Trainer hatte übrigens überhaupt keinerlei Verständnis und war fassungslos bei dem Fall wo der Junge neulich von anderen Jugendlichen zusammengeschlagen und getötet wurde. Er meinte auch, daß leider im Kampfsport so einige fehl am Platz sind, die aufs schnell draufschlagen und Angeben aus sind.

Der Kampfsport lehrt auch Wertschätzung und Respekt vor anderen Menschen. Und das Bewußtsein, mit dem Können sehr vorsichtig umzugehen. Also z.B. immer bedrohlichen Situationen weiträumig aus dem Weg zu gehen. In dem Sinne, wenn man schon sieht, daß in 50 Meter Entfernung einige Leute nur auf Stunk aus sind, die Straßenseite wechseln oder unauffällig vorher abbiegen. Also nicht mit Über-Selbstbewußtsein auf die Stänkerer zulaufen, da man weiß, daß man locker die drei schnell zu Boden strecken kann.

Guck doch vielleicht mal, ob Du in Deiner Nähe auch eine Kampfsportschule mit non-contact-Kursen findest.

Liebe Grüße
Natty
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