Hallo,
ich bin w., 41, neu in diesem Forum und überhaupt das erste mal in einem Forum für HSP. Ich weiß seit einigen Wochen, dass ich ein hochsensitiver Mensch bin.
Mein zentrales Thema ist, dass ich erhebliche Probleme habe Freundschaften zu führen. Um herauszufinden, ob mein Verhalten HSP-typisch ist, versuche ich möglichst kurz und knackig zu beschreiben, was mich seit ich denken kann beschäftigt.
Ich scheine nahezu unfähig zu sein dauerhafte Freundschaften zu haben.
Es ist für mich kein Problem eine Freundschaft zu beginnen. Mir fällt sogar auf, dass meine zurückhaltende Art auf manche Menschen interessant wirken muß. Ich bemerke, dass diese Leute mit einigem Engagement versuchen mit mir Kontakt zu haben. Sie geben sich Mühe, rufen mich an, laden mich ein und tun all die Dinge, die mir zeigen, dass sie an mir interessiert sind. Das ist die erste Phase.
Die zweite Phase beginnt damit, dass ich anfange zutraulich zu werden. Ich rufe dann auch schon mal an und frage z.B. nach einer Verabredung (obwohl es mir wirklich extrem schwer fällt, da ich Angst habe abgewiesen zu werden). Diese Phase ist unterschiedlich lang.
In der dritten Phase gibt es eine für mich schöne Zeit in der ich das Gefühl habe, eine Freundin gefunden zu haben. Ich versuche das Verhältnis weiter auszubauen, schenke Vertrauen und erzähle privater von mir. Manchmal beginnen aber schon leichte Zweifel, ob ich nicht zu tiefgründige Gespräche führe, die den anderen zu sehr anstrengen.
Die 4. Phase ist die Erkenntnis, dass ich mit der Freundschaft nicht über einen bestimmten Punkt hinauskomme. Ich stelle fest, dass ich für den anderen eine unter vielen bin und ich nicht damit klar komme, dass die Freundin einen großen Freundeskreis hat und deshalb keine intensivere Beziehung zu mir haben kann/möchte. In der Regel endet es damit, dass ich mich komplett zurückziehe. Je nachdem wie sehr ich mich "verraten" fühle (wenn z.B. hinter meinem Rücken andere Freundschaften gesucht wurden und ich mich "warmgehalten" fühle"), breche ich dann auch den Kontakt enttäuscht ganz ab. Von Eifersucht zu sprechen, wäre jedoch zu einfach, es geht tiefer.
Dazu muss ich sagen, dass mich viele Freundschaften heillos überfordern würden. Ich könnte niemals mehrere nebeneinander führen, ich wäre ständig gestresst und - wie gesagt - überfordert.
Somit bin ich also immer, wohl unbewusst, auf der Suche nach einer engen, mehr exklusiven Freundschaft. Bis auf einmal ist mir das in den letzten 20 Jahren nicht möglich gewesen und diese Freundin ist von meinem Leben abgeschnitten, weil ich weggezogen bin und viele Kilometer zwischen uns liegen (sie ist aber trotzdem meine Freundin und wir haben Kontakt).
Ist es u.U. von mir einfach zu viel erwartet, wenn ich eine Freundschaft haben möchte, die tiefer ist? Ist es "normal", dass Nicht-HSP (oder vielleicht auch alle HSP - ausser mir) viele Freunde/Bekannte haben und mein Bedürfnis nach relativer Ausschließlichkeit übertrieben ist? Evtl. steckt ja auch kein HSP-typisches Muster dahinter, sondern ich habe ein anderes, in der Vergangenheit liegendes Problem...
Vielleicht mache ich während der "Aufbauphase" der anbahnenden Freundschaft schon etwas falsch? Gehe ich den Leuten irgendwann mit meiner zu tiefgründigen Art auf die Nerven (halte ich für seeeehr wahrscheinlich!)? Und wenn ja, was kann ich nur tun um die Menschen nicht zu verschrecken? Zumal ich das auch nicht so gut vertrage wenn es ein hauptsächlich oberflächlicher Kontakt ist.
Ich hoffe, das alles hört sich nicht irgendwie arrogant oder überheblich an. Ich habe von mir selbst ein komisches, ambivalentes Bild. Einerseits total unsicher und unfähig, andererseits langweilt mich z.B. das endlose Bla-Bla meiner Mitmenschen. Ich möchte zwar gerne dazugehören, kann aber nicht lange oberflächliche Gespräche führen (wie gesagt: NICHT KÖNNEN, nicht: NICHT WOLLEN!).
Vielleicht kann mir hier jemand bei der Aufklärung helfen oder mir evtl. auch Literatur zum Thema Freundschaft/HSP empfehlen.
Liebe Grüße und schon mal vielen Dank im voraus.
apfelschnitz

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