HSP und Freundschaften

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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HSP und Freundschaften

Beitragvon apfelschnitz » Di 9. Aug 2011, 17:34

Hallo,

ich bin w., 41, neu in diesem Forum und überhaupt das erste mal in einem Forum für HSP. Ich weiß seit einigen Wochen, dass ich ein hochsensitiver Mensch bin.

Mein zentrales Thema ist, dass ich erhebliche Probleme habe Freundschaften zu führen. Um herauszufinden, ob mein Verhalten HSP-typisch ist, versuche ich möglichst kurz und knackig zu beschreiben, was mich seit ich denken kann beschäftigt.

Ich scheine nahezu unfähig zu sein dauerhafte Freundschaften zu haben.

Es ist für mich kein Problem eine Freundschaft zu beginnen. Mir fällt sogar auf, dass meine zurückhaltende Art auf manche Menschen interessant wirken muß. Ich bemerke, dass diese Leute mit einigem Engagement versuchen mit mir Kontakt zu haben. Sie geben sich Mühe, rufen mich an, laden mich ein und tun all die Dinge, die mir zeigen, dass sie an mir interessiert sind. Das ist die erste Phase.

Die zweite Phase beginnt damit, dass ich anfange zutraulich zu werden. Ich rufe dann auch schon mal an und frage z.B. nach einer Verabredung (obwohl es mir wirklich extrem schwer fällt, da ich Angst habe abgewiesen zu werden). Diese Phase ist unterschiedlich lang.

In der dritten Phase gibt es eine für mich schöne Zeit in der ich das Gefühl habe, eine Freundin gefunden zu haben. Ich versuche das Verhältnis weiter auszubauen, schenke Vertrauen und erzähle privater von mir. Manchmal beginnen aber schon leichte Zweifel, ob ich nicht zu tiefgründige Gespräche führe, die den anderen zu sehr anstrengen.

Die 4. Phase ist die Erkenntnis, dass ich mit der Freundschaft nicht über einen bestimmten Punkt hinauskomme. Ich stelle fest, dass ich für den anderen eine unter vielen bin und ich nicht damit klar komme, dass die Freundin einen großen Freundeskreis hat und deshalb keine intensivere Beziehung zu mir haben kann/möchte. In der Regel endet es damit, dass ich mich komplett zurückziehe. Je nachdem wie sehr ich mich "verraten" fühle (wenn z.B. hinter meinem Rücken andere Freundschaften gesucht wurden und ich mich "warmgehalten" fühle"), breche ich dann auch den Kontakt enttäuscht ganz ab. Von Eifersucht zu sprechen, wäre jedoch zu einfach, es geht tiefer.

Dazu muss ich sagen, dass mich viele Freundschaften heillos überfordern würden. Ich könnte niemals mehrere nebeneinander führen, ich wäre ständig gestresst und - wie gesagt - überfordert.

Somit bin ich also immer, wohl unbewusst, auf der Suche nach einer engen, mehr exklusiven Freundschaft. Bis auf einmal ist mir das in den letzten 20 Jahren nicht möglich gewesen und diese Freundin ist von meinem Leben abgeschnitten, weil ich weggezogen bin und viele Kilometer zwischen uns liegen (sie ist aber trotzdem meine Freundin und wir haben Kontakt).

Ist es u.U. von mir einfach zu viel erwartet, wenn ich eine Freundschaft haben möchte, die tiefer ist? Ist es "normal", dass Nicht-HSP (oder vielleicht auch alle HSP - ausser mir) viele Freunde/Bekannte haben und mein Bedürfnis nach relativer Ausschließlichkeit übertrieben ist? Evtl. steckt ja auch kein HSP-typisches Muster dahinter, sondern ich habe ein anderes, in der Vergangenheit liegendes Problem...

Vielleicht mache ich während der "Aufbauphase" der anbahnenden Freundschaft schon etwas falsch? Gehe ich den Leuten irgendwann mit meiner zu tiefgründigen Art auf die Nerven (halte ich für seeeehr wahrscheinlich!)? Und wenn ja, was kann ich nur tun um die Menschen nicht zu verschrecken? Zumal ich das auch nicht so gut vertrage wenn es ein hauptsächlich oberflächlicher Kontakt ist.

Ich hoffe, das alles hört sich nicht irgendwie arrogant oder überheblich an. Ich habe von mir selbst ein komisches, ambivalentes Bild. Einerseits total unsicher und unfähig, andererseits langweilt mich z.B. das endlose Bla-Bla meiner Mitmenschen. Ich möchte zwar gerne dazugehören, kann aber nicht lange oberflächliche Gespräche führen (wie gesagt: NICHT KÖNNEN, nicht: NICHT WOLLEN!).

Vielleicht kann mir hier jemand bei der Aufklärung helfen oder mir evtl. auch Literatur zum Thema Freundschaft/HSP empfehlen.

Liebe Grüße und schon mal vielen Dank im voraus.

apfelschnitz
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Re: HSP und Freundschaften

Beitragvon Sunine » Di 9. Aug 2011, 18:32

Hallo Apfelschnitz,

Ich finde deine Schilderung nicht arrogant sondern kann dich darin gut verstehen weil es mir da ziemlich genauso geht. Ich könnte mich auch nicht um zig Freundschaften kümmern, das wäre mir auch zu stressig und ich würde mich auch so fühlen wie du, wenn jemand die Freundschaft zu mir als nicht tiefsinnig empfindet, weil derjenige durch seinen großen Freundeskreis eh immer eine große Auswahl an Freunden hat. Da würde ich mich auch schnell austauschbar fühlen.

Ich glaube das empfindet man so, weil wir dazu neigen uns anderen stärker verbunden zu fühlen (steht das nicht auch im Buch "Zartbesaitet"?).
Wir wollen zu einer Person einen tiefen Kontakt haben, für diese Person sehr wichtig sein, aber diese soll uns auch sehr wichtig sein. Wir wollen Hilfe anbieten aber auch auf Hilfe zählen können und einfach diese gemeinsame Symphatie und das erhebende Gefühl der Gemeinsamkeit spüren.

Einer Person können wir sehr viel aufmerksamkeit schenken. Auch einer zweiten oder dritten Person aber dann kann sich der ein oder andere schon überfordert fühlen (ist bei mir so). Für mich zählt Qualität und nicht Quantität. Klasse statt Masse. Wenigen Freunden kann man viel mehr Aufmerksamkeit meiner Meinung nach schenken als wenn man keinen Überblick über seinen Freundeskreis mehr hätte.
Solange Menschen denken, dass Tiere nicht fühlen,
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Re: HSP und Freundschaften

Beitragvon Sarina » Di 9. Aug 2011, 19:57

Hallo Apfelschnitz,

Probleme mit Freundschaften scheint sehr sehr oft zentrales Thema unter HSP zu sein. Ich finde es ebenso wenig arrogant was du schreibst, wie Sunine.

Ich scheine nahezu unfähig zu sein dauerhafte Freundschaften zu haben.

das dachte ich auch nach manchem Erleben mit Freundschaften. Inzwischen sehe ich das anders, es lag nicht an mir, auch nicht am Gegenüber, sondern weil es einfach nicht kompatibel war. Ich kann mit Freundschaften die aus einem Gruppengefüge bestehen, wo jeder austauschbar ist, auch nichts anfangen. Vor allem wo ich immer wieder festgestellt habe, dass Menschen die ich persönlich schätzte und mochte wenn wir Zeit zu zweit verbrachten, innerhalb eines Gruppengefüges sich anders verhalten. Ich fang dann an an meiner eigenen Wahrnehmung zu zweifeln.

Ich bin auch ein Mensch der sich stark verbunden fühlt und es erzeugt einfach Schmerz und Trauer wenn sich dann irgendwann herausstellt, es ist Einseitig. Das was du schilderst, dass man auf dich zugekommen ist, das mit viel Engagement versucht wurde Kontakt zu dir aufzubauen, dass sich daraus eine Freundschaft entwickelte und als du dich selbst getraut hast und aus deinem Schneckenhaus rausgekommen bist (sag ich jetzt mal so icon_winkle ), kenn ich haargenau so _yessa_ .

Für mich bedeutet das, da ist ein Mensch wirklich an mir interessiert, sonst würde er sich ja nicht so viel Mühe geben. Da ist etwas was ihn an mir anspricht, so dachte ich jedenfalls, man geht ja leider fast immer von sich selbst aus. Ich hab das genau so 2 x erlebt, bei Freundschaften die mir unglaublich viel bedeutet haben, 2 Menschen die ich aus tiefstem Herzen innig gern hatte (und immer noch habe, das ändert sich nicht durch Kontaktabbruch bei mir), wo täglich Kontakt war und zwar richtig guter Kontakt, der sehr stimmig war von beiden Seiten, wo ich auch immer aufgefordert wurde, du kannst dich immer melden und tschüss bis morgen dann. Tja und plötzlich fehlt dem Gegenüber die Zeit (oder sollte ich besser sagen, das Interesse?). Sicher muss man das akzeptieren aber zeigte ich meine Enttäuschung darüber, meine Trauer, mein Vermissen, da wurde ich mit Vorwürfen überschüttet: Alleinanspruch, Besitzergreifend, kein Vertrauen, haben haben haben wollen alles für dich alleine??? Hallo??? war ja bis zu dem Zeitpunkt von der anderen Seite ebenso selbstverständlich. Diese Verhaltensweisen von Menschen verstehe ich einfach nicht, da bin ich einfach Allien.

Vor allem wurde plötzlich von mir erwartet, den vertrauensvollen sehr persönlichen Austausch, zu dritt weiterzuführen und der Austausch zu zweit der ja vorher bestand, wurde zum bitte nicht zu umfangreichem Zweitaustausch degradiert. Bei sowas entsteht für mich dann eindeutig eine Schieflage, geht gar nicht. Wäre ich wirklich geschätzt und gemocht worden, kann man das getrennt voneinander ausleben. Ich würde das von einer Freundin auch nicht erwarten und sie erst gar nicht in diese Situation bringen.

Je nachdem wie sehr ich mich "verraten" fühle (wenn z.B. hinter meinem Rücken andere Freundschaften gesucht wurden und ich mich "warmgehalten" fühle"), breche ich dann auch den Kontakt enttäuscht ganz ab. Von Eifersucht zu sprechen, wäre jedoch zu einfach, es geht tiefer.

das kann ich zu 100% nachfühlen, für mich scheint Freundschaft auch viel viel mehr zu sein und tiefer zu gehen, als für die meisten Menschen und das hat rein gar nichts mit Besitzanspruch zu tun, sondern mit Treue, Vertrauen, Verlässlichkeit und Beständigkeit und einer starken Bindung die durch nichts erschüttert werden kann, auch wenn man mal ausflippt und das Gegenüber aber genau weiß, warum, welche Hintergründe dafür vorliegen und einen dann beschützt, versteht und nicht Vorhaltungen macht.

Ich bin sehr dankbar eine Freundin zu haben, die seit 45 Jahren in meinem Leben ist. Sie hat auch andere wenige Freundinnen, wir tauschen uns offen darüber aus aber bei ihr habe ich eben immer das Gefühl, ICH bin ihr ebenso wichtig wie SIE mir, trotz anderer Freundschaften, da ist nie ein bisschen Falschheit, Verstellen müssen oder sonst was dabei, wenn wir uns treffen. Und sie pflegt diese Freundschaften unabhängig voneinander, so wie ich das auch mache. Wenn wir Zeit miteinander verbringen, dann gehört die auch nur uns und wird nicht aufgeteilt. Nur dadurch ist es dann auch intensiv und nicht oberflächliches Geplänkel. Das ist absolut erholsam und Auftanken für die Seele.

Viele gute Freundschaften ginge bei mir auch nicht, denn ich pflege Freundschaft auch gerne so häufig wie möglich. Da zählt für mich auch Qualität statt Quantität und durch so einige Ent-täuschungen weiß ich heute, dass es für mich da nur noch ein entweder oder gibt, entweder es passt oder es passt nicht. Hört sich sicher krass an, so krass bin ich gar nicht aber ich habe mir vorgenommen um mich zu schützen, mich nie wieder in eine Warteschleife schieben zu lassen, eben dieses Warmgehalten werden. Dann muss man eben auf mich verzichten, zum Dauerwarmhalten für den Fall X, dass man mich hervorholt wenn einem grad nix besseres einfällt? Dafür bin ich mir inzwischen zu schade.

Ich selbst finde es einfach nur schön, wenn gegenseitiges echtes Interesse am anderen Menschen da ist, auf Gegenseitig eben und beiderseits das Bedürfnis besteht, den anderen an sich teilhaben zu lassen und dadurch einges an Gemeinsamkeiten hat und sich gegenseitig schenkt.

Den Wunsch in sich zu tragen, man möge für sein Gegenüber genaus so wichtig sein wie umgekehrt, halte ich für absolut legitim _yessa_ nur leider scheint das selten der Fall zu sein oder nur Zeitbegrenzt.

lieben Gruß
Sarina
Zuletzt geändert von Sarina am Di 9. Aug 2011, 22:06, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: HSP und Freundschaften

Beitragvon windchen » Di 9. Aug 2011, 20:05

hallo apfelschnitz,
du sprichst mir aus der seele....auch ich habe keine freunde mehr seit ich 12 bin...auch ich suche eine richtige echt herzensfreundin, also so jemandem, dem man wirklich alles erzählen, der einen in- und auswendig kennt, der nicht nur für grillparties zu begeistern ist, sondern für nächtliches philosophieren, für tägliche gespräche übers leben...
durch tiefgründigkeit abschrecken? ja, ich glaube viele sind von tiefgründigkeit abgeschreckt, erst recht, wenn man - so wie wir hsp - den smalltalkteil (den ich übrigens hasse und auch nicht "kann") auslässt.."ja, das wetter, ja diese und jene nachbarin usw...das macht mich wahnsinnig, zumindest, wenn diese themen alles sind worüber man sich unterhalten kann...
ich könnte mich jeden tag über tiefgehendes unterhalten...habe aber eben auch niemanden, der diese vorliebe mit mir teilt...mein mann sagt dann: was denkst du denn, dass andere paare jeden abend tiefgründige gespräche führen?" nein, sage ich dann, aber ich brauche das, ich brauche gute gespräche nahezu so sehr wie luft zum atmen.....
und ich glaube, dass leute, die wir kennenlernen diese tiefgründigkeit manchmal überfordert, sie schaffen es einfach nicht (nicht aus böswilligkeit oder desinteresse) sich jeden tag mit problemen, gefühlen usw auseinanderzusetzen ohne verrückt zu werden...bei uns ist es vielleicht das gegenteil, wir werden verrückt bei alltäglichen belanglosigkeiten...
hast du denn menschen, die du, na sagne wir mal als "bekannte" bezeichnen würdest, als lose kontakte? selbst solche leute hab ich kaum und die treffen mit ihnen sind irgendwie immer zwanghaft...
ach ja, diese exklusivität die du suchst...ich habe auch immer angst, dass alle schon ihren riesenfreundeskreis haben...(was ja auch oft der fall ist) und dann eben nicht genügend zeit und ressourcen für die art von freundschaft oder beziehung die ich mir wünsche....
buntgestreifte zebras sind selten und deswegen kostbar
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Re: HSP und Freundschaften

Beitragvon apfelschnitz » Di 9. Aug 2011, 20:18

Vielen Dank für eure Antworten! Ich bin über jeden Satz, den ich als Antwort auf meine Fragen bekommen habe total begeistert. Ich muß mir das in den nächsten Stunden alles noch ein paar mal durchlesen und genau darüber nachdenken. Es ist total überwältigend, dass ich hier zum ersten mal sowas wie "verstanden" werden. Habe ich in meinem Leben noch nie gehabt, bislang war es höchstens Verständnis.

Ihr habt absolut recht mit dem was ihr schreibt! Vielen Dank dafür, dass hilft mir jetzt erstmal ganz schön weiter!

LG
apfelschnitz

P.S.: Ich weiß im Moment noch nicht, wie das mit der "Antworten"-Funktion hier funktioniert und hab es nicht geschafft, jede einzelne Nachricht extra zu beantworten.
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Re: HSP und Freundschaften

Beitragvon Sensi » Mi 10. Aug 2011, 16:31

Hm; vielleicht sind Deine Erwartungen zu hoch gesteckt.
Ich finde nicht, dass Du erwarten kannst, dass eine Freundin nicht noch andere Freundschaften haben kann.
Oder verstehe ich Dich da falsch?

Für mich heißt Freundschaft, sich gegenseitig auch Freiraum zu lassen.

Liebe Grüße
Sensi
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Re: HSP und Freundschaften

Beitragvon Sensi » Mi 10. Aug 2011, 16:39

Nachtrag:

und ich finde, eine Freundschaft muß Banalitäten ertragen.
Muß man denn immer "tiefgründig" sein? Und was heißt das überhaupt?
Was für den einen vielleicht tiefgründig ist, muß es für den anderen noch lange nicht sein.

Man muß sich doch auch einfach mal nur übers Wetter, übers Essen, über den neuesten Kinofilm usw. unterhalten können.
Ich finde, Ihr habt da ein sehr hohes Anspruchsdenken.
Es geht doch auch manchmal einfach nur ums gemeinsame Er"leben"; ohne das dann noch totzuquatschen.

So sehe ich das;
liebe Grüße
Sensi
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Re: HSP und Freundschaften

Beitragvon apfelschnitz » Mi 10. Aug 2011, 16:53

Hallo Sensi,

nee, das hast du tatsächlich was falsch verstanden. Klar unterhalte ich mich auch über Banalitäten, eigentlich hauptsächlich. Aber eben nicht nur. Ich möchte auch gerne auf etwas höherem Niveau reden können. Und wenn das dem anderen zu anstrengend ist oder mir dann nicht folgen kann (wobei ich nicht Nuklearmedizin studiert habe!) ist irgendwie keine echte Basis vorhanden. Klar gibt es immer auch die Gefahr, dass etwas todgequatscht wird. Wobei man sich doch darüber einig sein kann, dass es trotzdem Spaß gemacht hat.

Ich würde mich auch jederzeit damit zufriedengeben, wenn es nicht die perfekte Freundschaft wäre. Aber bestimmte Eckpunkte müssen einfach stimmen.

Ich erwarte auch keine Ausschließlichkeit, aber ich komme nicht damit zurecht, wenn ich bei Freunden erst eine Nummer ziehen muss um mal dran zu kommen.

Überhaupt habe ich das Gefühl, dass ich hauptsächlich "Freundesammler" kenne. Riesige Freundeskreise, jeden Tag was vorhaben, jedes Wochenende Verabredungen und Urlaube immer mit anderen.

Da kann ich nicht mithalten und solchen Leuten bin ich dann wohl zu langweilig.

LG
apfelschnitz
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Re: HSP und Freundschaften

Beitragvon Sarina » Mi 10. Aug 2011, 18:59

Hallo Sensi,

ich denke auch da hast du etwas falsch verstanden. Wenn du den Text von Windchen liest, das trifft es ganz gut und über das gemeinsame philosopieren, gemeinsam Denken, jeder gibt sein Inneres dazu, ergeben sich so herrliche Gespräche und vor allem wenn man sich gut kennt, kann man so ausgelassen albern sein und rumblödeln und das im Wechsel mit ernsten Themen. Meine Freundin und ich machen dann manchmal die herrlichsten Gedankensprünge, mache ich das hier zu Hause werd ich nur dämlich angeschaut, denn es versteht keiner und da kommt nur "wo bist denn jetzt schon wieder". big_ohnmacht

Also genieße ich die seltenen Gelegenheiten wo das möglich ist und behüte und schütze sie wie meinen Augapfel, für so viel innerer Nähe und gegenseitiges Verstehen, würde ich durchs Feuer gehen um es zu erhalten.

Es ist ja keine Erwartungs- oder Anspruchshaltung sich zu wünschen eine beste Freundin zu haben und wenn man selber gedacht hat, hier hätte es mehr als gepasst für mich selbst beispielsweise, dann muss das natürlich für das Gegenüber noch lange nicht der Fall sein. Aber traurig und enttäuscht zu sein wenn man das dann merkt oder gesagt bekommt, finde ich normal.

So wie apfelschnitz schreibt, wenn man erst ne Nummer ziehen muss um bei einer Freundin mal dran zu kommen, ja dann weiß ich auch woran ich bin, da bin ich eine unter vielen und das ist eben nach meinem Empfinden keine echte Freundschaft.

Vielleicht ein Beispiel um es besser zu verdeutlichen. Wir waren in einer sehr großen Gruppe sozial privat tätig, meine Freundin mit ihrem Mann und Kind und mein Mann, ich und unsere Kinder. Es wurde eine Gruppenfahrt gemacht (was für mich eh der Horror ist, wusste aber keiner, ich hab mich angepasst). Geschlafen wurde in 4er und 6er Zimmern. Meine Freundin wurde von den anderen gefragt ob sie mit auf deren Zimmer käme und sie bejahte es. Ich kam hinzu und war furchtbar enttäuscht und verletzt, dass sie das machte ohne mich zu fragen, ob ich auch dabei wäre oder auf welchem Zimmer ich denn sei. Gesagt habe ich das nicht, sondern hab mich lautstark aufgeregt und bin einfach wütend weggegangen.

Die anderen haben sich dann aufgeregt wie ich mich so blöde verhalten könnte. Meine Freundin hat denen aber dann gesagt, dass sie mich gerade sehr verletzt hat, weil sie nicht darüber nachgedacht hat, auf welchem Zimmer ich denn bin bzw. sie war davon ausgegangen, dass ich selbstverständlich ebenfalls auf diesem Zimmer bin, denn es wussten ja alle das wir Freundinnen sind. Das ist für mich echte Freundschaft, zu und hinter der Freundin stehen, egal wie andere das sehen, egal wie blöde das in dem Moment gewirkt haben muss, sondern DIE Freundin in Schutz nehmen und sie verstehen, auch gegen andere.

Ich weiß zur Genüge, dass gerade in solchen Situationen Menschen ausgelacht werden, als Spinner abgetan werden oder die vermeintliche Freundin sagt, was stellst du dich denn so an und wieso bist du denn jetzt beleidigt, alles schon selbst erlebt. Nur wenige Menschen verstehen das es gar nichts mit beleidigt sein zu tun hat, sondern mit Vertrauen, Vertrauen darauf, Freundinnen stehen immer zusammen, halten zusammen und machen das auch vor anderen deutlich von beiden Seiten aus, wo man das als etwas Selbstverständliches sieht weil aus dem Inneren kommt, eben weil man das möchte, freiwillig und gerne, Freundschaft eben.

Ich war super gerührt und hätte jederzeit genau so gehandelt wie meine Freundin. Keine Ahnung ob es dadurch etwas verständlicher wird, Menschen sind eben auch sehr unterschiedlich in ihrem Denken und Fühlen. Was für den Einen unverzichtbar ist in einer stimmigen Einheit, ist für einen Anderen Besitzanspruch und Einengend.

Zu dem gemeinsam er"leben", ja genau das mag und schätze ich auch sehr und genieße es, dass mit einer Freundin zu teilen.

lieben Gruß
Sarina
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Re: HSP und Freundschaften

Beitragvon apfelschnitz » Mi 10. Aug 2011, 19:33

Sarina hat geschrieben:Hallo Sensi,

ich denke auch da hast du etwas falsch verstanden. Wenn du den Text von Windchen liest, das trifft es ganz gut und über das gemeinsame philosopieren, gemeinsam Denken, jeder gibt sein Inneres dazu, ergeben sich so herrliche Gespräche und vor allem wenn man sich gut kennt, kann man so ausgelassen albern sein und rumblödeln und das im Wechsel mit ernsten Themen. Meine Freundin und ich machen dann manchmal die herrlichsten Gedankensprünge, mache ich das hier zu Hause werd ich nur dämlich angeschaut, denn es versteht keiner und da kommt nur "wo bist denn jetzt schon wieder". big_ohnmacht

Also genieße ich die seltenen Gelegenheiten wo das möglich ist und behüte und schütze sie wie meinen Augapfel, für so viel innerer Nähe und gegenseitiges Verstehen, würde ich durchs Feuer gehen um es zu erhalten.

Es ist ja keine Erwartungs- oder Anspruchshaltung sich zu wünschen eine beste Freundin zu haben und wenn man selber gedacht hat, hier hätte es mehr als gepasst für mich selbst beispielsweise, dann muss das natürlich für das Gegenüber noch lange nicht der Fall sein. Aber traurig und enttäuscht zu sein wenn man das dann merkt oder gesagt bekommt, finde ich normal.

So wie apfelschnitz schreibt, wenn man erst ne Nummer ziehen muss um bei einer Freundin mal dran zu kommen, ja dann weiß ich auch woran ich bin, da bin ich eine unter vielen und das ist eben nach meinem Empfinden keine echte Freundschaft.

Vielleicht ein Beispiel um es besser zu verdeutlichen. Wir waren in einer sehr großen Gruppe sozial privat tätig, meine Freundin mit ihrem Mann und Kind und mein Mann, ich und unsere Kinder. Es wurde eine Gruppenfahrt gemacht (was für mich eh der Horror ist, wusste aber keiner, ich hab mich angepasst). Geschlafen wurde in 4er und 6er Zimmern. Meine Freundin wurde von den anderen gefragt ob sie mit auf deren Zimmer käme und sie bejahte es. Ich kam hinzu und war furchtbar enttäuscht und verletzt, dass sie das machte ohne mich zu fragen, ob ich auch dabei wäre oder auf welchem Zimmer ich denn sei. Gesagt habe ich das nicht, sondern hab mich lautstark aufgeregt und bin einfach wütend weggegangen.

Die anderen haben sich dann aufgeregt wie ich mich so blöde verhalten könnte. Meine Freundin hat denen aber dann gesagt, dass sie mich gerade sehr verletzt hat, weil sie nicht darüber nachgedacht hat, auf welchem Zimmer ich denn bin bzw. sie war davon ausgegangen, dass ich selbstverständlich ebenfalls auf diesem Zimmer bin, denn es wussten ja alle das wir Freundinnen sind. Das ist für mich echte Freundschaft, zu und hinter der Freundin stehen, egal wie andere das sehen, egal wie blöde das in dem Moment gewirkt haben muss, sondern DIE Freundin in Schutz nehmen und sie verstehen, auch gegen andere.

Ich weiß zur Genüge, dass gerade in solchen Situationen Menschen ausgelacht werden, als Spinner abgetan werden oder die vermeintliche Freundin sagt, was stellst du dich denn so an und wieso bist du denn jetzt beleidigt, alles schon selbst erlebt. Nur wenige Menschen verstehen das es gar nichts mit beleidigt sein zu tun hat, sondern mit Vertrauen, Vertrauen darauf, Freundinnen stehen immer zusammen, halten zusammen und machen das auch vor anderen deutlich von beiden Seiten aus, wo man das als etwas Selbstverständliches sieht weil aus dem Inneren kommt, eben weil man das möchte, freiwillig und gerne, Freundschaft eben.

Ich war super gerührt und hätte jederzeit genau so gehandelt wie meine Freundin. Keine Ahnung ob es dadurch etwas verständlicher wird, Menschen sind eben auch sehr unterschiedlich in ihrem Denken und Fühlen. Was für den Einen unverzichtbar ist in einer stimmigen Einheit, ist für einen Anderen Besitzanspruch und Einengend.

Zu dem gemeinsam er"leben", ja genau das mag und schätze ich auch sehr und genieße es, dass mit einer Freundin zu teilen.

lieben Gruß
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Liebe Sarina,

so gut hätte ich es niemals beschreiben können. Vielen Dank, es ist genau so!

LG
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