Kennt das jemand: ich passe nicht mehr in diese Welt...

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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Kennt das jemand: ich passe nicht mehr in diese Welt...

Beitragvon Blumenstrauss » Sa 22. Apr 2017, 06:30

Liebe Alle hier in diesem angenehmen Forum!
Seit langer Zeit bin ich stille Mitleserin bei Euch. Heute erlaube ich mir etwas von der Seele zu schreiben.
Vielleicht kennt jemand von Euch diese Situation. Vielleicht hat jemand Tipps? Bitte entschuldigt, wenn es zu lange ist.
Ich wollte nur alles gleich reinpacken in diesen Text.

Seit einigen Jahren lebe ich alleine (selbstgewählt), da ich eine sehr unangenehme Trennung verarbeiten musste.
In diesen letzten Jahren änderte ich sehr viel in meinem Leben. Umzug, neuer Job, Freundeskreis. Ich verabschiedete mich von sogenannten „Freunden“, die nur Wettergespräche führen können oder wollen.
Habe in dieser Zeit mich selbst, meine Hochsensibilität erst so richtig erkannt und akzeptiert.
Nun ist es so, dass ich sehr dankbar für wenige, aber sehr nette Menschen um mich herum bin.
Mein Job ist wunderbar, mein neues Zuhause genau das richtige für mich. Ruhig und angenehm.

Dennoch....verstärkt fühle ich mich tageweise sehr alleine. Das hier ist jetzt kein Text zum Thema „ich bin alleine und suche einen Partner“!

Sondern mir fällt auf, dass ich offenbar in diese Welt, wie sie ist, nicht mehr passe!

Ausgehen und laute Partylokale schaffe ich nicht mehr. Schrille und schnelle Menschen auf der Strasse laugen mich aus.
Ich werde belächelt, weil ich nicht bei Facebook bin und keinen Fernseher habe.

Sollte sich ein Kontakt zu einem Mann ergeben, so erhalte ich Bildchen und Smileys, anstelle von normalen Gesprächen. Wenn ich nicht mindestens 20 Hobbies angebe, wobei das mindeste ist, was Männer offenbar erwarten, Bungee Jumpen oder sonstwelche abenteuerlichen Aktivitäten zu pflegen...
Tinder oder Facebook schaffe ich sowieso nicht. Eine freundin hat mir das mal gezeigt, ich war nach 5 Kilometer Bildern und Selfies ansehen danach ein paar Tage fix und fertig.

Ich bin Mitte 40 und sehne mich zurück nach der analogen Zeit!
Wo man einen Telefonanruf bekam, sich etwas ausmachte und dann miteinander gesprochen hat!
Wo in meiner Erinnerung Menschen die Energie hatten, füreinander da zu sein!
Interesse! Gespräche! Austausch! Unternehmungen!
Man wurde nicht auf das Aussehen reduziert, sondern als Mensch geschätzt.

Sogar hatte man Kontakt mit den Nachbarn! Im Stiegenhaus echte Gespräche!
Heute rasen alle gesenkten Kopfes aus dem Haus, alles muss schnell gehen, keine Zeit für irgendwas.
Habe gestern die Kassierin in dem Supermarkt-die ich JEDEN Tag sehe-angelächelt und gegrüßt. Sie sah mich verdutzt an... OK, ich tus nie wieder!

Muss schmunzeln, denn ich sitze jetzt ja hier und schreibe in einem Forum, wo ich niemanden kenne. Aber ich sehe grad keine Möglichkeit, mich dazu auszutauschen. Viele meiner Freundinnen haben Familie und Kinder, da ist wenig Zeit für ein Plaudern.

Also: fühle mich viel zu lange wie von einer anderen Welt und ehrlich gesagt, habe ich schon langsam Angst, dass ich vereinsame und mich damit abfinden muss.

Und ja, auch die Angst, dass ich wirklich komisch geworden bin.
Meine Hobbies sind spazierengehen, fotografieren, die Stadt erkunden, lesen und Kurzgeschichten schreiben.
Kochen und gesunde Ernährung.
Achtsamkeit und bewusste Lebensgestaltung.
Und mein Job, den ich wirklich gern mache.
So sieht man also heute aus, wenn man nicht in diese Welt passt...

Danke schon jetzt an Euch alle. Für schonungslose Kritik, Feedback, Meinungen, andere Sichtweisen bin ich wirklich dankbar!
Sehe ich da etwas falsch? Bin ich egoistisch, weil ich die aktuelle Zeit dermassen kritisiere?
Danke

Viele Grüße

Blumenstrauss
Blumenstrauss
 

Re: Kennt das jemand: ich passe nicht mehr in diese Welt...

Beitragvon Natty » Sa 22. Apr 2017, 08:28

Liebe Blumenstrauss,

nein, Du siehst bestimmt nichts falsch und bist nicht egoistisch, weil Du die aktuelle Zeit dermaßen kritisierst!

Mir geht es auch ein ganzes Stück weit so wie Dir, nur nicht ganz so tief gehend und umfassend. Aber das sollte auch nicht verglichen werden, jeder Mensch ist anders und das ist ok so.

Ich denke mir in letzter Zeit oft, es geht langsam auf die Zeit zu, daß ich hier von dieser Welt abtreten sollte und das ist wohl gut so. (Natürliches Lebensende meine ich damit) Jede Generation hat ihre eigenen, neuen "Dinge" und Lebensweisen. Die älteren Generationen kommen damit nicht mehr vollkommen zurecht. Heutzutage ist diese Problematik besonders krass, weil sich alles Mögliche immer schneller ändert. Und der Mensch ist nicht für so viele schnelle Änderungen gebaut.

Mich nervt vieles an dem Neuen der letzten ein, zwei Jahrzehnte total und ich komme mit der Geschwindigkeit der Änderungen nicht mehr zurecht. Nicht weil ich schon so alt bin und das Neue nicht mehr kapiere. Sondern weil ich einfach keinen Bock mehr darauf habe ständig damit beschäftigt zu sein wie z.B. ein Arbeitsgerät, Computer, Programm, Organisationsablauf, Behördenablauf etc. funktioniert, statt diese Hilfsmittel und Vorgänge einfach nur zu nutzen. Zum sinnvollen Nutzen kommt man oft gar nicht mehr.

Andererseits gibt es schon immer wieder mal wirklich tolle Neuerungen die ich nicht gänzlich missen möchte. Z.B. in diesem Forum zu lesen und zu schreiben und Kontakte zu finden. Es ist nur inzwischen unheimlich schwierig sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, das einem wirklich hilft und dem Leben Sinn und Freude gibt. Man verblödelt so viel unsinnige Zeit mit allem Möglichen und Unmöglichen.

Liebe Grüße
Natty
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Re: Kennt das jemand: ich passe nicht mehr in diese Welt...

Beitragvon mausmaki » Sa 22. Apr 2017, 09:15

Hallo ihr beiden,

habe gerade eure Beiträge gelesen und möchte darauf gleich etwas antworten - weil ihr einen Großteil auch meiner aktuellen Gefühle wunderbar beschreibt und dieses "nicht - passend - sein" - Thema ein Dauerbrenner ist, aber nicht in dem Sinne, daß ich mich auf diese heutige Schiene anpassen möchte oder kann (ihr, nachdem was ich lese, ja auch nicht), sondern daß es ein extremer Streß an vielen Stellen ist.
Andererseits geht's auch mir so, daß wir nicht pauschal sagen dürfen, "früher war alles besser". Eine vernünftige Anwendung der Errungenschaften - wie eben Kommunikationstechnik, sei es dieses Forum oder das zum Glück heute noch viel intensiver nutzbare Telefon - oder mehr gedankliche Aufgeklärtheit, etwa wirklich untaugliche Beziehungen auch beenden zu können, sind zumindest meiner Meinung nach auch Gewinne. Oder mit wirklich bösen Nachbarn eben auch nicht "zwangsweise" reden zu müssen.

Aber sie fühlen sich beim Blick aufs Ganze teils echt "homöopathisch" an. Daß ein freundliches Lächeln allerdings schon befremdlich wirkt, habe ich zum Glück selber noch nicht erleben müssen - daß es aber wohl eine teils seltene Freude für manche Menschen zu sein scheint, das schon - weil ich öfters erlebe, daß eine große Freude zurückkommt. Aber da kommt dann auch wieder so eine Grenze: sehr häufig wird da heute in keiner Weise "mehr" draus. Damit meine ich nicht unbedingt Partnersuche, sondern einfach auch Freundschaft oder gute Bekanntschaft: gefühlt ist es heute entweder schon fast ein Übergriff oder ein Zeitdiebstahl oder beides, sich mal zu einem Kaffee oder ähnlichem zu treffen.

Auch ich, obwohl ich vom biologischen Alter wahrscheinlich noch zu den Jüngeren gehöre, nutze diese extrem schnellebigen Medien wie Facebook, WhatsApp oder ähnliches überhaupt nicht. Neben der totalen Überflutung, von der ich gar nicht weiß wie das überhaupt ein Mensch verarbeiten und bearbeiten kann, stören mich da viele Aspekte von Datenschutz, Gewinnstreben der Konzerne dahinter und andere Dinge. Ich finde es entsetzlich, wie viele Leute das alles ohne jegliches Nachdenken nutzen. Es stört mich nicht, wenn es jemand "bewußt" macht - aber das Unüberlegte, Hauptsache sich alles "reinpfeifen", das kann ich nicht nachvollziehen. Dieses rein oberflächliche immer schneller, höher, weiter, und alles wird als wertlos betrachtet - egal ob Sachen, oder gar Menschen - das schmerzt mich unglaublich. Und wenn es nur jemand ist, dem sein Handy runterfiel und der dann sagt "ist doch egal, bekomme in 2 Monaten ein neues". Das ist symptomatisch für diese Zeit: nichts Bestehendes hat mehr Wert, man giert nur auf weiteres, und die Gedanken sind nur bei eigenen Vorteilen.

Jetzt doch noch ein paar Sätze zu den Partner - Themen: ich glaube das mit der ganzen "Action", die anscheinend erwartet wird, ist nich geschlechtsspezifisch beschränkt. Als Mann habe ich dasselbe Gefühl mit Frauen - wenn man nicht vorab sagt, daß man alle 2 Monate um die Welt jetten will, oder ähnliche eher stressigen Dinge, ist man(n) schon uninteressant. Mir ging es daher in meiner bisher wichtigsten Beziehung und bei einigen Kontakten komischerweise so, daß ich hier auf vom Zahlenwert her großteils ältere kennengelernt habe, die sich aber von charakterlichen, emotionalen, menschlichen Eigenschaften viel mehr auf Augenhöhe und Zugehörigkeit befanden als "gleichaltrige".

Da fällt mir aber was ein: habt ihr diese Leute mal gefragt, was sie wirklich für Hobbys haben im eigentlichen Sinne als eigene Aktivität, nicht als reinen Konsum? Da kommt oft erschreckend wenig...

Zum Thema Fernseher: hier kann ich auch nur schwer verstehen, wie viele sich darin gerade die Privatsender mit ihren einschlägigen "Show - Serien" anschauen wollen und wieviel Zeit dafür drauf geht. Zeit, die viel schöner mit interessanten Menschen, oder guten "echten" Hobbys verbracht werden könnte...

Liebe Grüße!
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Re: Kennt das jemand: ich passe nicht mehr in diese Welt...

Beitragvon Blumenstrauss » So 23. Apr 2017, 05:44

Liebe ihr beide
danke für Eure Zeilen.
Irgendwie bin ich erleichtert, dass es nicht nur mir so geht. Ehrlich gesagt, nach dem Lesen Eurer Antworten denke ich mir: wozu sich darüber aufregen, was eben so ist?
Das klingt vielleicht widersprüchlich zu meiner eigenen Frage, aber es ist in mir so aufgetaucht
Die eigentliche Frage wäre vielleicht konstruktiver: wie damit umgehen?
Also ich habe gestern wieder ellenlange SMSse erhalten, die ich schon längst nicht mehr beantworte. Mich macht das wirklich wütend.
Wenn Menschen nicht mehr telefonieren können, dann ist das so traurig!

Habt ihr da eine Lösung gefunden, mit der schnelllebigen Welt und den damit verbundenen Änderungen im zwischenmenschlichen Umgang?
Ratlose grüße und die besten Wünsche für einen angenehmen Sonntag!
Blumenstrauss
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Re: Kennt das jemand: ich passe nicht mehr in diese Welt...

Beitragvon granit » So 23. Apr 2017, 12:33

Hallo Blumenstrauß, ich bin seit kurzem auch ab und zu hier unterwegs. In meinem Kopf schwirren auch oft solche Gedanken herum,wie sie viele von den Leuten haben, die sich hier aufhalten. Oft kann ich diese gar nicht wiedergeben, weil sie so umfangreich und vielleicht für Ausenstehende kompliziert sind;-)
Die Menschen im "normalen"" Leben kommen mir oft sehr sehr oberflächlich vor. Auf der anderen Seite denke ich aber auch, dass sie innerlich vielleicht doch anders sind. Denn wir alle haben ja meist eine Maske auf im Alltag. Nur wenigen geben wir....besser gesagt ich, denn ich kann ja nur für mich sprechen...unser wahres Ich Preis. Es gibt zwar paar Menschen, mit denen ich auch über Sinnfragen des Lebens usw diskutieren kann, aber die meisten im Freundeskreis würden sich nicht drauf einlassen und die Augen verdrehen. Es ist schade, dass die meisten Menschen hauptsächlich konsumorientiert sind. Uns sie hinterfragen kaum etwas. Beispielsweise bin ich schon vor vielen Jahren auf Aluminiumfreies Deo umgestiegen. Als ich damals im Freundeskreis auf ein Nachdenken in dieser Sache aufmerksam machen wollte, wurde ich belächelt oder ignoriert. Heute haben alle anderen Kosmetikhersteller nachgezogen und werben mit der Aufschrift "OHNE Aluminium". Sowas regt innerlich auf....Die werben mit Selbstverständlichkeiten, die schon vor Jahren auf dem Markt waren. Jetzt plötzlich werden auch die Bekannten aufmerksam, aber ich wurde damals belächelt. Warum glauben die Leute den großen Firmen und dem, was uns in Werbung und normalen Sendungen im Fernsehen erzählt wird mehr, als dem, was sozusagen im Hintergrund mitgeteilt wird? Naja, es ist wohl einfacher und bequemer. Genau so ist es wohl mit Facebook und Co. Die Leute hinterfragen nicht oder viel zu wenig. Ich hab zwar mal einen Account bei F erstellt, nutze ihn aber nicht. Ich fand es anfangs spannend, aber mit der Zeit wurde es mir zu langweilig. Zuviel sinnlose oberflächliche Informationen. Ich versteh nicht, woher die Leute die Zeit nehmen, sich auf Facebook aufzuhalten. Der Tag hat nur 24 Stunden....8 Stunden Schlaf, 9 Stunden Arbeit und die restlichen 7 Stunden bleiben dann für Freizeit, Einkauf, Haushalt usw. Ich möchte nicht wissen, wieviel Menschen schon abhängig sind von Facebook und Co. Vor allem auch, wieviel Stunden täglich dafür von der Arbeitszeit abgezweigt werden. Man ist ja in dem Moment geistig woanders, wo man sich mit den anderen schreibt. Es muß dabei ja auch ein großer wirtschaftlicher Schaden entstehen.
Ich komme grad von einem Thema zum anderen;-))
Das Du keinen Fernseher hast, finde ich schon irgendwie faszinierend. Ich merke selbst, wie ich oft vor der Glotze verpackenr.und wenn ich dann nachts das Gerät ausschalte frage ich mich, was mir das gesehene eigentlich gebracht hat, außer dass ich wieder zu wenig Schlaf haben werde ;-)
SMS und Whatsap finde ich für kleine Informationen schon sehr sinnvoll. Man kann jemandem zu ungünstigen Zeiten Dinge mitteilen und stört nicht gleich mit einem Anruf. Auch macht sich das gut bei Absprechen unter Freunden. So kann man Feieren oder Unternehmungen einfacher planen, da alle die jeweiligen Informationen lesen können.
Es istwie mit allem im Leben...Die Dosis macht das Gift. Richtig angewendet, kann alles vorteilhaft genutzt werden. Mit der Kernspaltung kann man Leben verbessern aber auch auslöschen, je nachdem, WIE man diese benutzt. Und diese Tatsache kann man auf alle anderen Dinge im Leben projizieren.
Dein Erlebnis mit der Verkäuferin kann ich gut verstehen. Aber diese Frau konnte mit Deiner Freundlichkeit nichts anfangen. Es war ungewöhnlich für sie, weil sie wahrscheinlich keine Freude an ihrem Job hat. Da sie sich innerlich vielleicht auch als wenig wertvoll hält, glaubte sie nicht, dass Deine Freundlichkeit ihr gegenüber ernst gemeint sei. Jemand, der sich selbst nicht liebt, zweifelt tief drinnen auch die Liebe eines anderen an. Du kannst ihm noch so sehr zeigen und spüren lassen, wie ernst Du es meinst, wenn man sich selbst für minderwertig hält, dann denkt man,der andere heuchelt und will nur etwas von einem. So ähnlich wird die Sache mit der Verkäuferin gewesen sein.
Aber lass Dich durch dieses Erlebnis nicht abschrecken. Denn so gibts Du den anderen Macht über Dein Wohlbefinden.und dass ist nicht gut...Für Dich selbst.
So, jetzt höre ich mal auf mit schreiben, es wird sonst ein zu langer Text;-)
Liebe Grüße
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Re: Kennt das jemand: ich passe nicht mehr in diese Welt...

Beitragvon Natty » So 23. Apr 2017, 12:55

Blumenstrauss hat geschrieben:Habt ihr da eine Lösung gefunden, mit der schnelllebigen Welt und den damit verbundenen Änderungen im zwischenmenschlichen Umgang?
Ratlose grüße und die besten Wünsche für einen angenehmen Sonntag!
Blumenstrauss

Hallo Blumenstrauss,
nicht so recht. Mir macht das oft sehr zu schaffen.

Ich versuche halt mich mehr auf Kontakte zu konzentrieren, die nicht so schnellebig und nicht so oberflächlich sind. Es ist sehr schwierig solche neuen Kontakte zu finden.

Liebe Grüße
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Re: Kennt das jemand: ich passe nicht mehr in diese Welt...

Beitragvon mausmaki » So 23. Apr 2017, 16:21

Hallo euch allen hier im Thema,

danke für eure Antworten! Da zu vielem schon was geschrieben wurde, möchte ich mich auf ein paar Fragen und neue Aspekte konzentrieren, nehmt mal meine "volle Zustimmung" an zu allem, was ich nicht explizit kommentiere U72( Denn der Spruch mit der Dosis und dem Gift gilt im Sinne der verbrachten Zeit natürlich auch für ein Forum... als Mensch mit Verantwortung möchte ich lieber "beständig in Maßen" vorbeischauen, als jetzt 2 Wochen übertrieben auf alles zu antworten und dann keine Nerven mehr dafür zu haben.

Vorrang haben für mich auch echte persönliche Kontakte - aber es ist ja nicht auszuschließen, daß sich z.B. über hier auch neue dazugesellen. Ich bin jedenfalls offen dafür.


Blumenstrauss hat geschrieben:danke für Eure Zeilen.
Irgendwie bin ich erleichtert, dass es nicht nur mir so geht. Ehrlich gesagt, nach dem Lesen Eurer Antworten denke ich mir: wozu sich darüber aufregen, was eben so ist?


Damit hast Du aus meiner Sicht einen positiven Punkt in Sachen Selbst-Annehmen und "Selbstliebe" gefunden... ich weiß aus eigener Erfahrung, daß so gegenseitige Bestätigung aber dennoch manchmal nötig ist, weil man sonst "nur auf sich gestellt" irgendwann die Frage oder das Gefühl bekommt, vielleicht völlig falsch zu sein. "Prüfende" Rückmeldungen von außen sind gelegentlich sehr hilfreich, vielleicht auch nötig. Ist ja denke ich auch eine "unserer" Eigenschaften, nicht nur planlos wie eine Kanonenkugel durchs Leben zu brettern und alles wegzumähen, sondern eben auch sich selbst zu hinterfragen. Blöd nur, daß da in der Tat manchmal depressive Tendenzen in greifbare Nähe rücken können, wenn man zu lange ohne "Rückmeldung" ist.


Blumenstrauss hat geschrieben:Also ich habe gestern wieder ellenlange SMSse erhalten, die ich schon längst nicht mehr beantworte. Mich macht das wirklich wütend.
Wenn Menschen nicht mehr telefonieren können, dann ist das so traurig!


Dazu habe ich eine konkrete Frage, falls sie nicht zu privat ist: von wem bzw. in was für einer "Beziehung" bekommst Du diese SMS, und wie ist sonst euer Kommunkationsweg? Ich verteufle die SMS auch an sich überhaupt nicht (Zustimmung an granit :-) ), es kommt nur drauf an, welches Mittel wofür. Wenn ich jemand nicht stören will und ein kleines Grüßle oder einen zeitlich unkritischen Gedanken loswerden will, nutze ich das auch gerne, ebenso E-Mail. Wenns um richtigen direkten Austausch geht, dann jederzeit lieber Telefon!
Wird denn von diesem Kommunikationspartner die SMS erzwungen? Was ist, wenn Du anrufst?

Woher ich die SMS/Mails negativ kenne, sind Leute, die einen damit (gefühlt absichtlich) "zappeln" lassen wollen. Ist mir leider schon mit dem leidigen "Partnersuche"-Thema öfter so gegangen, egal ob persönlich oder übers Internet. Da wird extra mit fadenscheinigen Gründen gesagt, daß man nicht telefonieren "könne" oder "wolle". Als sensibler Mensch halte ich mich an so explizite Vorgaben dann (leider? Wobei mit "Grenzübertritt" sicher nichts zu gewinnen wäre...) auch.


granit hat geschrieben:SMS und Whatsap finde ich für kleine Informationen schon sehr sinnvoll. Man kann jemandem zu ungünstigen Zeiten Dinge mitteilen und stört nicht gleich mit einem Anruf. Auch macht sich das gut bei Absprechen unter Freunden


Bei "WA" kommen aber spezielle andere Probleme dazu, die ähnlich sind wie das von Dir genannte Aluminium-Deo. Dieses Programm ist eine "Kameradenschwein"-Anwendung, weil es ungefragt alle Rufnummern in Deinem Handy an Facebook hochlädt. Auch von den Leuten, die nicht bei WA oder FB sind. Du bestätigst in den AGB, daß Du diese Rechte hast, die Rufnummern aller Deiner Kontakte weiterzugeben! Wer hat die denn wirklich? Das nur als Beispiel, gibt da noch ein paar andere Punkte.
Wir können uns aber darauf einigen: in vernünftiger Dosis und mit sinnigem Zweck sind "Kurznachrichten" an sich auch für mich in Ordnung :-)


Natty hat geschrieben:Ich versuche halt mich mehr auf Kontakte zu konzentrieren, die nicht so schnellebig und nicht so oberflächlich sind. Es ist sehr schwierig solche neuen Kontakte zu finden.


Diesen Punkt kenne ich aus eigener Erfahrung. Es sind wirklich wenige Menschen geeignet, an "festen", verläßlichen Freundschaften kommen bei mir auch kaum welche hinzu. Meine längsten Freundschaften existieren seit nun über 15 Jahren, sind zwei Frauen die ich über meine damalige Arbeit kennenlernte. Der Rest der Freundschaften (ca. 6 weitere) existiert seit 10 bis 4 Jahren, wobei hier fast alle initial über einen Internetkontakt entstanden sind - zwei bis drei über thematische Hobby-Foren, zwei über Internet-Partnersuch-Portale, wo dann eben Freundschaften draus wurden).
In der Hinsicht bin ich für die Existenz des Internets sehr dankbar - auch wenn gerade die Partnersuch-Portale ein wirklich hartes Brot sind, denn man muß viel an Ablehnung "aushalten", was manchmal sehr an die Substanz geht und durchaus Tränen-Potential hat...

Soweit mal für den Moment,

liebe Grüße! _thum_
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Re: Kennt das jemand: ich passe nicht mehr in diese Welt...

Beitragvon Blumenstrauss » Mo 24. Apr 2017, 05:19

Liebe ihr alle!
Danke für Eure Zeilen!
Das ist so beruhigend zu lesen. Also ich brauche keine Zustimmung, um das gehts mir nicht.
Nur um das Gefühl, nicht vollkommen falsch zu sein auf dieser Welt...

Liebe Granit: ich hab keinen Fernseher, aber ich sehe mir auf Youtube Filme, Diskussionsrunden, Gespräche zu diversen Themen an.
Da kann ich auswählen, was ich sehe. Ich sehe also keine Nachrichten oder sonstwelche Schlagzeilen, oder brutale Filme, die mich nachts nicht schlafen lassen.
Das Weltgeschehen bekomme ich dennoch mit. Nur nicht diese pauschalen und grausamen Geschehen.

Liebe Mausmaki: Du hast das perfekt alles zusammengefasst.
Was die SMS Schreiberei angeht: mit meinen engsten Freundinnen tausche ich mich schon gern über WhatsApp aus. Man kann sich einfacher Fotos senden oder kurz Hallo senden. ABER es gibt sehr wohl mehr persönlichen Kontakt.
Deine Frage ist sehr gut: mich nervt es, vor allem mit (zugegebenermassen sehr wenigen) neuen Bekanntschaften, also Männer, per SMS zu kommunizieren.
Wenn ein Mann nicht in der Lage ist, ein persönliches Gespräch zu führen, statt dessen nur kilometerlang schreibt, dann deute ich das als seltsam.

Auch ich bin sehr dankbar für langjährigen Freundschaften. Aus der Schulzeit oder im Zuge von früheren Jobs. Vielleicht, weil wir dann alle wissen ,dass wir noch aus einer analogen Zeit kommen.
Da ist irgendwie eine normalere Verbindung, so empfinde ich es.

Natürlich ist das Internet auch ein Segen. So wie dieses Forum hier. Also das erhellt meinen Tag, Eure Zeilen zu lesen
Danke dafür

Einen guten Wochenstart wünsche ich allen
Liebe Grüße
Blumenstrauss
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Re: Kennt das jemand: ich passe nicht mehr in diese Welt...

Beitragvon mausmaki » Mo 24. Apr 2017, 18:32

Hallo Blumenstrauss,

danke für Deine Zeilen, die spürbare Erleichterung darin, und Deine guten Wünsche zur Woche (gebe ich gerne auch Dir zurück)! Keine Sorge, um dumpfe Bestätigung ging es mir mit meinen Worten auch nicht, sondern um genau die ehrliche Rückmeldung zum Gefühl des "Nicht-Falsch-Seins". Vielleicht hatte ich es einfach nicht so geschickt formuliert... 647&/

Blumenstrauss hat geschrieben:Wenn ein Mann nicht in der Lage ist, ein persönliches Gespräch zu führen, statt dessen nur kilometerlang schreibt, dann deute ich das als seltsam.


Erstens: das kenne ich umgekehrt genauso von Frauen, es scheint (leider? zum Glück?) keine fixe Geschlechterrolle zu geben. Aber eine weitere Frage, die mich interessiert: wird von den Männern denn das Telefonat mit klaren Aussagen _abgelehnt_, so daß auch Dir "untersagt" ist, anzurufen? Weil das kenne ich in bisher drei Fällen von Frauen!
Wenn es nicht "untersagt" wurde: warum rufst Du nicht einfach selbst an? Oder fragst danach?
Ich denke wir warten eh "zu oft", daß andere entgegenkommen. Daher denke ich ist es gut, eigene Wünsche auch zu sagen (empfehlen ja auch viele hier!) Dann hättest Du eine klare Antwort, ob da jemand telefonierbereit ist und vielleicht selber nur schüchtern / ängstlich war, oder ob es echt "bewußt" blockiert wird. In ersterem Fall sollte es überwindbar sein, im zweiten Fall halte ich es auch für komisch.
Hier ist die "moderne" Zeit doch gut: wir sind gleichberechtigt, jeder kann die Initiative ergreifen... und bei einem so "weit" gediehenen Kontakt sollte ja auch mit Sensibilität keine zu große Hürde vor solchen Fragen stehen.
Aber ich will nichts vorgreifen - die Frage ist mir das Wichtigste :-)

Liebe Grüße und weiter eine schöne Woche!
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Re: Kennt das jemand: ich passe nicht mehr in diese Welt...

Beitragvon blauesklavier » Di 25. Apr 2017, 07:22

Hallo Ihr Lieben,

Ich habe alle Beiträge gelesen und fühle mich von deinem Ausgangspost sehr angesprochen, liebe Blumenstrauss.
Es ist auch kein Geheimnis, dass ich sehr oft das Gefühl habe, nicht in diese "wahnsinnige" und "schnelle" Welt passe.

Bei Facebook habe ich alles "deabonniert" und nutze es nur aus geschäftlichen Gründen, sonst hätte ich vermutlich keinen Account mehr dort."
TV schaue ich auch sehr selten - er bleibt fast immer aus - vermutlich könnte ich ihn mittlerweile verkaufen, da ich lieber ausgewählte Dinge anschauen (Filme, Dokumentationen, Mediatheken div. Sender...) - und das ganze dann via PC.
PS: Ich liebe z.B. immer noch Hangeschriebenes und versende heute noch gerne kleine Botschaften in Form von Postkarten und Briefen - es gibt mir ein Gefühl der Entschleunigung.

Ich möchte gern Bezug auf das Whatsapp nehmen, weil es mich seit geraumer Zeit beschäftigt.

Mit Whatsapp ist es bei mir Fluch und Segen. Wenn ich es mich trauen würde, würde ich die App einfach löschen. Mittlerweile habe ich zumindest schon einmal die Benachrichtigungen deaktiviert, sodass ich selbst entscheide, wann und ob ich die App öffne, um Nachrichten zu lesen.
Die meisten meiner Kontakte sind es mittlerweile auch gewöhnt, dass ich selten bis nie sofort auf Fragen antworte. Oft nehme ich mir einmal am Tag die Zeit, um zu antworten - dann auch gerne am PC, weil mir das Tippen über Smartphone viel zu "fimmelig" ist.
Dennoch stoße ich oft auf Unverständnis. Am Wochenende zum Beispiel schrieb mir eine Freundin, ob ich mit ihr spazieren gehen wolle. Da ich wie gesagt mein Handy gerne in der Tasche lasse, habe ich die Nachricht eben erst abends gelesen. Was für mich nicht schlimm ist, sondern normal. Wenn ich von jemanden etwas dringendes will, schreibe ich keine Whatsapp, sondern rufe an oder klingele bei demjenigen. Und wenn derjenige dann keine Zeit hat, ist das auch okay für mich.
Nicht so bei meiner Freundin - ich bekomme sofort Vorwürfe, weil ich ja "nie" whatsapp lesen würde und überhaupt glaube sie mir das auch nicht. (weil eben die Masse so vom Smartphone gesteuert ist, dass sie es gewohnt ist, dass alle sofort Rückmeldungen geben.) Sie ist eben so "konsumgesteuert" oder eben "nicht hinterfragend", dass ICH eben die Person bin, die "falsch" ist. Dabei finde ich meine Ansicht durchaus gesünder als Ihre Erwartung, dass alle sofort auf Ihre Whatsapp antworten müssen.

Ich verfasse schon wieder einen Mammut-Text. ;-) Sorry dafür!

Zurück zum Whatsapp: Nicht die Art der Kommunikation stört mich, sondern die unnatürliche Kontakthäufigkeit und die Erwartungen. Ich kann nur von mir sprechen, aber manchmal wächst mir das alles über den Kopf und ich bekomme Herzrasen, wenn ich daran denke, wie viele Menschen etwas von mir wollen. (...was eigentlich toll ist - anscheinend bin ich beliebter und geschätzter, als ich es jemals für möglich gehalten hätte.) Aber meine Energie lässt es eigentlich nicht zu.

Wenn ich frei von Ängsten wäre. Frei von der Angst vor Ablehnung. Frei von den tausend Gedanken, die in meinem Kopf schwirren.... dann würde ich tatsächlich ein sehr einsames Leben führen. Und dann sage ich mir wieder: Das ist auch nicht richtig. Soziale Kontakt sind wichtig. Wenn du dich nicht ab und an mit deinen Freunden trtiffst, sind sie alle irgendwann weg. Dabei schaffe ich es oft energietechnisch nicht.
Hinzu kommt: Ich habe seit 2 Monaten einen Mann kennen gelernt und wir verstehen uns super. Aber so eine Beziehung kostet viel Energie. Sie gibt auch welche. Aber wie mit allen Menschen, spüre ich nach einer gewissen Zeit diesen riesigen Drang nach "Alleinesein", nach "Ruhe", nach "nicht agieren", nach "rumhocken, lesen, malen, schreiben, meditieren", whatever. Was in Ordnung ist - da "er" dafür sehr viel Verständnis hat und wir auch immer Zeit alleine haben. Das würde für mich bis ans Lebensende aufgehen. Aber in meiner "Alleine-Sein-Zeit" klopfen ja dann alle anderen noch an: Freunde, Verwandte..... Ich kann sie aber eigentlich nicht treffen, weil ich Ruhe brauche..... und dann kommt der Gewissenskonflikt. Was mache ich jetzt? Dauerhaft immer allen absagen? Dann sind sie wirklich irgendwann weg. Weiterhin "nur" Whatsapp schreiben, weil man es anders nicht schafft? Sich dadurch aber wieder stressen lassen? Einige von den "Freunden" ziehen lassen, weil sie einen eben nicht so "nah" sind, nicht so "seelisch verwandt". Dann wäre ich - zugegebenermaßen auch ohne Freunde, weil ich fast niemanden habe, mit dem ich so "eng" und "vertraut" reden kann. Dann hätte ich nur Mama. :-D

Wie mausmaki und granit gesagt haben: Die Dosis macht das Gift.
Aber wie dosiert ihr eigentlich Whatsapp?
Bei mir ist das wie mit Schokolade: Ich kann nicht "nur ein Stück" Schokolade essen, wenn sie lecker ist. Entweder lasse ich sie komplett liegen oder ich esse sehr viel. :-D
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