Komplette übernahme von Gefühlen

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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Komplette übernahme von Gefühlen

Beitragvon NaffNaff » Mo 6. Feb 2012, 12:38

Huhu

ich hab leider beim überfliegen der Themen bisher nichts dazu gefunden. Aber es brennt mir auf der Seele. Ich hoffe es ist ok wenn ich es anspreche.

Kennt ihr das, das ihr manchmal die kompletten Gefühle...moment, nein...eher die Resultate der Angte und Gefühle anderer übernehmt? Ich hatte so oft Gefühle die ich mir nicht erklären konnte...zu oft. Irgendwann war es von zeit zu Zeit besonders schlimm denn ich bekam plötzlich ähnliche Zustände wie bei Panikattacken, was mir bis dahin in dieser Form fremd war. Und sie gingen so schnell wie sie kamen. Ich hatte zuvor keinerlei Beklemmungen, fühlte mich wohl, hatte Spass. Irgendwann bemerkte ich das ich Angstgefühle bekam wenn ich mich einem jungen Mann aus meinem damaligen Bekanntenkreis näherte. Ich sah ihn selten und wir hatten kaum was miteinander zu tun. Er selbst war sehr beliebt. Kaum hatte ich das bemerkt wurde mir klar das ich diese Panikgefühle (unbegründete Angst, Schweissausbrüche, Zittern, Herzrasen) nur hatte wenn er in meiner Nähe war. Und sonst nie. Da ging mir das erste mal im Leben das auf was man wohl als Lämpchen definieren könnte.
Der junge Mann war sehr cool, nahm heftig Drogen und war egentlich fast immer breit wie ein Mähdrescher wenn ich ihn sah. Also erkundigte ich mich mal nach seinem Privatleben. Ich will das nicht breit ausführen was ich dann erfuhr. Nur, das mir die idee kam, das er ein guter Verdränger sei und er es eigentlich sein müßte der diese Zustände bekommt.

Da war ich ungefähr 20. In den folgenden 20 Jahren habe ich das natürlich beobachtet und bin im Grunde meines Herzens schon lange davon überzeugt das es so ist, vor allem bei Personen die schon fast Krankhaft verdrängen und alles wegschieben. Trotzdem sagt mir mein Verstand immer das das irrational ist, nicht möglich, ich Beweise brauche. Mal gehe ich sehr Selbstbewußt mit dieser Sache um, ein andermal denke ich, ich bin blos plem plem.

Gibt es unter euch jemanden, der ähnliche Erfahrungen gemacht hat? Wohlgemerkt, ich rede hier nicht davon Gefühle wahrzunehmen ...natürlich tue ich das, aber das ist etwas ganz anderes. Die spühre ich dann und fertig. Ich rede davon die körperliche Reaktion auf die Gefühle die andere haben zu bekommen. Eine Reaktion, die man vielleicht selbst bei den gleichen Problemen, erst nach Jahren bekommen würde.

Ich hoffe es findet sich jemand der das kennt...

Liebe Grüße

NaffNaff
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Re: Komplette übernahme von Gefühlen

Beitragvon Amelia » Di 7. Feb 2012, 10:31

Ja! Ich!
Und ich habe bis vor kurzem immer gedacht ich sei Plem Plem, Extrem launisch, ein schwierig zu ertragender Mensch mit unerklärlichen Gefühlswandlungen. Ich habe mich sogar bei anderen für mein Verhalten entschuldigt. Nur habe ich gar nicht verstanden, wo das alles her kam. Hier kommen drei Beispiele, die mir am meisten im Kopf geblieben sind:

Die Familie meines Ex-Freundes führt ein wunderbar gesellschaftlich anerkanntes Leben. Der Vater Chefarzt, die Mutter Hausfrau. Ein schönes Haus mit schönem Garten in einer schönen Kleinstadt. Irgendwann habe ich irgendwie mitbekommen, dass er sie mal betrogen hat. Keine Ahnung wann das war oder wer mir das erzählt hat, denn man spricht da nicht drüber. NIE. Genauso wenig spricht man über irgendwelche anderen familiäre Probleme, man erträgt sie, man kehrt sie unter den Teppich. Man streitet nicht, vor allem nicht so, dass es jemand anderes mitbekommt. Man lässt einfach nichts raus und unterdrückt die eigenen Bedürfnisse.
Immer wenn ich mal mit meinem Freund für in paar Tage da war bekam ich Verstopfung. Ich konnte einfach nicht auf die Toilette gehen, obwohl ich damit eigentlich keine Probleme habe. Sobald ich wieder zu Hause war führte mich mein erster Gang schnurstraks auf das Stille Örtchen. Ich hab mich immer gewundert, es aber nie verstanden.

Ich habe eine gute Freundin. Die Freundschaft ist erst mit der Zeit gewachsen. Ich weiß heute aus Gesprächen, dass sie mit sich und ihrem Leben nicht richtig in Einklang ist. Aber seit wir uns das erste mal gesehen hatten, stiegen mir immer wieder Tränen in die Augen, wenn sich unsere Blicke trafen. Oder wenn am Telefon eine aufrichtige Frage gestellt wurde. Unsere Freundschaft ist daraus erwachsen, dass wir jedes mal scheinbar grundlos zusammen heulen müssten. Dabei heule ich ansonsten so gut wie nie.

Die dramatischste Erfahrung machte ich letzten September. Diese Erfahrung hat mich dazu bewegt mir Hilfe zu suchen. Sie glich einem Mentalen Zusammenbruch. Ich war nicht mehr ich selbst, ich war hasserfüllt. Ich habe Freundschaften um mich herum kurz und klein geschlagen. Ich habe mich selbst gehasst und in den Schlaf geweint, weil ich diese Gefühle nicht ertragen und vor allem nicht verstehen konnte. Ich war eifersüchtig und ungerecht. Ich habe mich benommen wie eine 14 Jährige, die eifersüchtig auf ihre beste Freundin ist, weil sie ihr den Freund ausgespannt hat. Völlig idiotisch! Und das ganze fand vollkommen isoliert auf einen Zeitraum von drei Wochen statt. Drei Wochen Urlaub in der Sonne mit Freunden.
Ich hatte eine "Freundin" gefragt, ob sie nicht mitkommen wollte und dann je näher der Urlaub kam immer mehr Bauchschmerzen mit dieser Entscheidung gehabt. Am liebsten hätte ich sie ausgeladen. Aber das brachte ich nicht fertig. Ich wollte mein Wort halten. Sie freute sich so sehr darauf und eine Auszeit war für sie auch bitter nötig. Ich hatte schon vorher in ihrer Nähe das Gefühl gehabt, dass sie aufblüht und ich eingehe. Ich wollte das nur nie wahr haben. Sie sagte immer: Du tust mir so gut! Und ich fühlte mich immer recht schlecht. Sie war aber einer der wenigen Menschen, auf die ich mich scheinbar verlassen konnte. Manchmal kann ich sehr, sehr einsam sein, also suchte ich immer wieder ihre Nähe, obwohl es immer ein echter Kraftakt war. Vor dem Urlaub wälzte ich mich durch den Schlaf, weil ich eigentlich nicht wollte, dass sie mitkommt. Auch wenn ich sie gefragt hatte.
Und der Urlaub wurde, wie oben beschrieben, eine Katastrophe. Niemand verstand mich. Ich am aller wenigsten. Auf fragen wie : "Was ist denn mit dir los?" "So kenne ich dich gar nicht!" wusste ich keine Antwort. Ich wollte mich zurückziehen, damit ich den anderen den Urlaub nicht verderbe. Das hat aber auch nicht so richtig geklappt. Meine "Freundin" hatte, während ich mich selbst zerfleischt habe, den besten Urlaub ihres Lebens. Erst einen Tag vor der Abreise, hat sie mal nachgefragt, was mit mir los sei. Ich gab ihr keine Antwort und habe seit dem den Kontakt abgebrochen.
Sie fehlt mir nicht. Es geht mir gut! Manchmal frage ich mich, wie es ihr wohl geht, denn wenn das, was ich erlebt habe ihre Innenwelt ist, dann braucht sie eigentlich Hilfe. Nur kann und will ich diesen Job nicht machen.

Wie am Anfang erwähnt, habe ich mir danach Hilfe gesucht und auch gefunden. Ich bekam einige Antworten und mir wurde von Hochsensitiven Menschen erzählt. Mir fällt es immer noch sehr, sehr schwer zu glauben, dass es so ist wie es ist: Dass man die Innenwelt von anderen Menschen nach außen transportiert. Und mir scheint es fast so, als würde es den anderen gut tun. Nur mir nicht. Ich kann mich nämlich nicht dagegen wehren.
Ich versuche jetzt zu lernen meine eigenen Gefühle von denen anderer zu trennen, damit ich nie wieder so untergehe wie letzten September.
Ich habe ebenfalls das Gefühl, dass ich die unterdrücktesten Gefühle am heftigsten erfahre. Fast so, als suchten diese Gefühle sich ganz heimlich und unabhängig einen Ausgang, den sie in mir finden. Und mein Gegenüber fühlt sich dadurch besser und sehr wohl in meiner Gegenwart.

Ich bin froh zu hören, dass ich nicht die einzige bin, die diese Erfahrungen macht.
Amelia
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Re: Komplette übernahme von Gefühlen

Beitragvon NaffNaff » Di 7. Feb 2012, 11:52

Liebe Amelia

ich kann dir nicht genug danken dafür das du dir die Mühe gemacht hast und auf meine Frage geantwortet hast. Du bist die allererste die meinen Weg kreuzt die das auch erfahren hat. Das tut echt gut...denn wie du selbst beschrieben hast und weist...es ist ein heftiges Thema, das sehr verunsichert. _reschpekt_

Beispiel 1: Körperlich Reaktionen kommen glaub oft auch bei "normalen" (ich nenns jetzt mal so) Empathen vor. Nur ob sie sich dessen so bewußt sind warum das so ist und womit es genau zusammenhängt, weis ich nicht.
Generell ist es aber ein vorzügliches beispiel für das wohl wichtigste Prinzip bei uns. Je mehr verdrängt wird, desto heftiger und wahrscheinlicher wird unsere Reaktion.

Ich kenne solche Familien auch..und meide sie wie der Teufel das Weihwasser. Die (längere) Nähe solcher Menschen bereitet mir solche Pein das es kaum zu ertragen ist..das geht bis hin zu Übelkeit, Magenschmerzen, plötzliche Migräne. Bin ich von ihnen umgeben, fühle ich mich tiefeinsam, verlassen und unter Druck gesetzt...denn sie strahlen auch eine Art Warnsystem aus, sich ja nicht anders zu verhalten und gegen Ihre Regeln zu verstoßen. Das geschieht sicher unbewußt und unbewußt merken sie eben auch das man selbst anders ist..alles in einem schreit, gewisse Dinge auszusprechen. Aber man darf nicht. Auch das was einen dann erwartet kann sehr grausam sein. Ich empfinde es einfach als schrecklich und weis auch nicht wie man so leben kann..aber da will ich nicht urteilen.

Beispiel 2: Auch das fällt für mich (nur meine Sicht, jeweils) noch unter normale, sehr ausgeprägte Empathie...kann aber sein das es tiefer ist/war und ich es nicht so rauslesen konnte.

Beispiel 3: Das ist ein Klassiker für mich. Das trifft zwar nur eine Konstellation, aber es trifft genau das was ich meinte. Auserdem sprichst du eben einen Bereich in dieser Sparte an die besonders tragisch ist...denn gerne handelt es sich bei jenen Personen auch um psychische Vampire (klingt blöd is aber durchaus auch ein benutzter Begriff in der Psychoanalyse). Das muß aber nicht so sein...erklärt aber oft warum es dem anderen soviel besser geht. Normalerweise spielt sich das mit P.V. anders ab und mit etwas Erfahrung erkennt man sie auf der bewußten Ebene sehr gut. Sie sind relativ eigensüchtig wenn sie glauben das man dumm genug ist...so das sie nicht mehr die dauernd die tolle Freundin (Freund) spielen müssen.
Bei uns geschiehts eben manchmal nur auf dieser Ebene (Grundsätzlich bin ich zu der Meinung gekommen, das diese Art der Wahrnehmung nur dann zur Anwendung kommt, wenn der andere eben kein VP ist oder etwas geringe Anteile hat die er womöglich selbst verleugnet). Oh..das klingt jetzt alles bissel wirr..entschuldigung.Oh je, ich hoffe du verstehst was ich meine.
Mit "dieser Art der Anwendung" meine ich das Prinzip des Verlustes unserer Lebenfreude/energie im umgekehrten Verhältnis zum Anstieg der Lebensfreude des anderen.

Auch das passiert Empathen denke ich, nur ob sie dies so extrem und differenziert wahrnehmen? Denn hier werden ja wieder regelrecht der Kummer des anderen nicht nur als Kopie aufgenommen, sonders das Vorhandene total entzogen und selbst übernommen.

Andererseits gibt es Menschen, die einfach so sind...denen es einfach besser geht je mehr ein anderer Leidet. Und leider sieht man es jenen nicht wirklich an. Das muß man trennen lernen. Ist aber schwer und bleibt auch immer so.

Mich würde übrigens sehr interessieren wie du es unter Kontrolle gebracht hast.

Viele liebe Grüße

NaffNaff
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Re: Komplette übernahme von Gefühlen

Beitragvon Amelia » Di 7. Feb 2012, 17:00

Kontrolle? Hab ich nicht. Ich lerne gerade nur einige Dinge zu verstehen. Und zum Glück hab ich eine Heilerin gefunden, die mir den Weg ein bißchen weisen kann.
Ich habe manchmal enorme Schwierigkeiten, meine eigenen Gefühle zu erkennen und da bringt es mich durcheinander, dass ich auch noch die Gefühle anderer zu spüren kriege. Manchmal erscheint mir die Gabe der Empathie die einzig gültige Erklärung zu sein. Und dann kommt es mir vor wie eine willkommene Entschuldigung für die eigene Eifersucht, die eigene Laune und alle Seiten, die man an sich nicht so mag und nicht wahr haben will. Dann frage ich mich, ob nicht diese ganze HS Geschichte und der Empathen Quatsch nicht einfach nur eine Ausrede sind.
Was aber auf jeden Fall hilft, wenn man eine Laune kriegt, ist einen Schritt zurück zu gehen und die aktuelle Situation von außen zu beleuchten. Klingt viel leichter als es ist. Aber manchmal merkt man dann, dass das was man fühlt gar nicht von einem selbst kommen kann.

Sehr interessant finde ich den Begriff des Vampirs. Ich kenne das Gefühl, dass Menschen an mir andocken und anfangen meine Kraft zu stehlen. Und ich weiß gar nicht wie ich mich davor wehren kann. Eigentlich bin ich nämlich jemand, der leuchtet. Wenn es mir gut geht, dann kann mir niemand etwas anhaben und ich stecke die Leute mit meiner Energie an. Aber dann habe ich mit jemandem meine Zeit verbracht und fühle mich ausgelaugt.
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Re: Komplette übernahme von Gefühlen

Beitragvon Vani » Di 7. Feb 2012, 21:05

Wenn ich Deine Zeilen lese, dann ist mir, als würdest Du etwas beschreiben, was ich nur zu genau kenne, ich beschreibe es immer so "Ich kann hinter die Masken sehen". Es ist so verwirrend. Man erlebt einen Menschen, der sich ganz anders verhält, körpersprachlich etc. und dann sind diese "Schwingungen/Energien" da, wo man weiß, es ist ganz anders, als derjenige sagt oder zugibt.
Man oder besser gesagt ich selbst, will dieses Rätsel dann immer lösen und das kostet Kraft.
Aber hat man das Recht so tief zu blicken und kann irgendjemand verstehen - wie weh es tut, wenn man den wahren Kern eines Menschens spürt? Ob nun negativ oder positiv.
Wenn man das gespürt hat, diese Widersprüche, fängt die Denkerei an, die uns HS ja wohl so zu eigen ist. Die Gedanken erzeugen dann Gefühle und man übernimmt das was einem das Gegenüber wohl übermittelt hat und dann kommen die körperlichen Reaktionen. Ich kenne das nur zu gut und wünsche niemanden so etwas durchzumachen. Ich würde es gern abschalten und nur ich selbst sein - aber es funktioniert so nicht.
... aber kommt Zeit kommt Rat .... wir schaffen es, zumindest ist dieses Schreiben bzw. Reden darüber schon ein sehr befreiendes Gefühl.
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Re: Komplette übernahme von Gefühlen

Beitragvon Libelle » Di 7. Feb 2012, 21:15

Mit großen Interesse habe ich eure Beiträge gelesen. Der Grund, warum ich erst jetzt zögerlich antworte, ist, dass ich mir noch sehr unsicher bin, was da wirklich passiert und ob ich auch davon betroffen bin.

Ein sehr ernst zu nehmendes Thema wie ich finde. Es macht einem Angst solche Gefühle zu empfinden und ich weiß ehrlich gesagt noch immer nicht, was mit mir in manchen Situationen geschieht.

Aber als du schriebst, Amelia, dass es dir immer schlechter ging und der anderen Person besser, da machte es plötzlich "klick" bei mir. Ich habe das auch schon erlebt! Wannimmer ich mit meinem Bruder rede, geht es mir richtig schlecht. Manchmal ist das auch bei meinem Vater so. Ich wusste nie woran das lag. Klar sind diese Menschen schwierig auf ihre Art aber für mich war oft der Tag dann echt komplett gelaufen, wenn ich mit ihnen Zeit verbracht habe. Ich habe mich zusätzlich so schlecht dabei gefühlt, weil ich merkte, dass ich eigentlich keinen Kontakt zu ihnen wünschte, weil ich wusste, dass es mir dann schlecht gehen würde aber andererseits konnte ich sie auch unmöglich abstoßen. Immerhin sind sie Familie! Und trotzdem... ich litt... dem anderen ging es immer richtig gut hinterher.

Ich habe es auch schon erlebt, dass ich Besuch zu mir einlud und mich so hineingesteigert habe, dass ich am Ende dem Besuch am liebsten wieder abgesagt hätte. Dadurch, dass ich schon komplett gestresst war, als der Besuch kam, kam es wie es kommen musste und nach ein paar Tagen explodierte ich. Die anderen wussten gar nicht, was los war und obwohl mich jmd vorher fragte, was ich denn hätte...ich konnte nicht darüber reden und schließlich eskalierte irgendwann die Situation, weil bei mir nix mehr ging.

Ich beginne jetzt zu verstehen, was mit mir los war. Ich wusste es ja selbst nicht und es war für mich immer eine furchtbare Belastung! Für mich ist die Konsequenz, dass ich solche Situationen in Zukunft meiden muss. Wenn ich ein schlechtes Gefühl habe oder mich überfordert fühle, dann muss ich dazu stehen, denn sonst nutzt es später keinem etwas. Lieber sagen, dass es einem zuviel wird, als dass man sich selbst damit stresst und später noch anderen vor den Kopf stößt.

Aber übernehme ich dabei wirklich die Ängste und Gefühle anderer? Warum leiden wir denn mehr, als die Person selbst??? Oder ist es vielmehr so, dass die Menschen eher so viel Negatives ausstrahlen, das wir uns damit überfordert fühlen?

Aber ich habe auch schon das komplette Gegenteil erlebt. Nicht nur komplette Übernahme von negativen Gefühlen, sondern auch von Positiven! Ist euch das schon einmal passiert? Das ist echt der komplette Wahnsinn! Einfach unbeschreiblich... _flöwer_
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Re: Komplette übernahme von Gefühlen

Beitragvon felidae » Mi 8. Feb 2012, 10:22

Hallo

ja, ich kenne das und habe das in sehr ausgeprägter Form innerhalb einer Beziehung erlebt. Irgendwann wußte ich nicht mehr, wer ich noch bin, was noch meine Gefühle sind, was seine Gefühle und seine Projektion...

Man ist wie ferngesteuert, handelt so, wie man selbst nie handeln würde und denkt dabei ständig: "das bin doch nicht ich".
Da der Verstand das auch realisiert, versucht man das Handeln zu stoppen, doch wie schon erwähnt: man ist wie ferngesteuert.

Und irgendwo in sich weiß man, dass man grad die verdrängten / projezierten Gefühle des anderen nach Aussen trägt. Als Spiegel sozusagen. Aber wie will man das erklären ? Der andere hat diese Gefühle verdrängt, sprich: er nimmt sie nicht wahr und kann den Spiegel gar nicht realisieren.
Ich hatte das Gefühl, ich werde "irre". Und dieses Gefühl habe ich immer in Gegenwart solcher Menschen. Ein starkes körperliches Symptom ist immer Schwindel ! Und natürlich, dass es mir massiv schlecht geht in Gegenwart solcher Menschen. Der Vergleich mit den Vampiren ist sehr passend, ich habe solche Menschen immer die "Sauger" genannt.
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Re: Komplette übernahme von Gefühlen

Beitragvon NaffNaff » Do 9. Feb 2012, 18:22

Hallo Vani

Vani hat geschrieben:Wenn ich Deine Zeilen lese, dann ist mir, als würdest Du etwas beschreiben, was ich nur zu genau kenne, ich beschreibe es immer so "Ich kann hinter die Masken sehen". Es ist so verwirrend. Man erlebt einen Menschen, der sich ganz anders verhält, körpersprachlich etc. und dann sind diese "Schwingungen/Energien" da, wo man weiß, es ist ganz anders, als derjenige sagt oder zugibt.
Man oder besser gesagt ich selbst, will dieses Rätsel dann immer lösen und das kostet Kraft.

Was du gerade beschreibst kenne ich exakt so..aber das fällt bei mir (jeder katalogisiert das wohl anders) noch unter meine normale Empathie, allerdings auch mit Begreifen durch eindringen in die Gefühlswelt und miterleben. Auch will ich es immer lösen und weis nur zu gut wieviel Kraft es raubt..das ist fast Zwanghaft und es kostete viel zeit diesen Reiz etwas zu mildern. Viel Gedankenarbeit.

Aber hat man das Recht so tief zu blicken und kann irgendjemand verstehen - wie weh es tut, wenn man den wahren Kern eines Menschens spürt? Ob nun negativ oder positiv.

Das Recht...das ist sicher umstritten, aber oft hat man ja keine Wahl. ich empfinde es trotz allem als Gabe und sie kann sehr nützlich sein, eben auch für andere. Ich habe aber einen strikten Grundsatz...die Menschen in die ich tief Blicke, die mir Einblick gewähren, sind keine Versuchskaninchen und vesdienen Dank und Respekt. Zumindest im eher neutralem Falle. Bei Personen die zur schädigung ihrer Mitmenschen neigen habe ich keine Gewissensbisse wenn ich meine Erkenntnisse nutze um jene zu zügeln. Mit den wahren Kernen, seien sie auch noch so vermeintlich enttäuschend, komme ich mittlerweile ganz gut zurecht. Aber nicht immer. Es ist auch eine Frage wieviel man schon erlebt hat und welche Konsequenzen man zog. ich bin sicher, ein junger HSPler geht damit anders um als ein älterer. Erfahrungssache.
Ach so...ja gut...wenn einer so ist wie du beschreibst und man aber die Wahrheit hinter der Fassade sieht...und das so ganz anders ist...das ist sehr belastend ja. Das hat sich auch bei mir nicht ganz so arg gemildert. Fatale Sache wenn es auch noch der Partner ist. Vor allem weil man sämtlichen Selbstbetrug und Heuchelei wahrnimmt. Das ist sehr stressig und belastend


Wenn man das gespürt hat, diese Widersprüche, fängt die Denkerei an, die uns HS ja wohl so zu eigen ist. Die Gedanken erzeugen dann Gefühle und man übernimmt das was einem das Gegenüber wohl übermittelt hat und dann kommen die körperlichen Reaktionen. Ich kenne das nur zu gut und wünsche niemanden so etwas durchzumachen. Ich würde es gern abschalten und nur ich selbst sein - aber es funktioniert so nicht.
... aber kommt Zeit kommt Rat .... wir schaffen es, zumindest ist dieses Schreiben bzw. Reden darüber schon ein sehr befreiendes Gefühl.


Hallo nochmal

Libelle...ja das kenne ich auch, das auch tiefe, ehrliche Freude zu mir gelangt. Das sind wunderschöne Augenblicke und sie erzeugen eine tiefe Verbundenheit..denn oft merkt auch der Freuende wie ehrlich tief dich das bewegt.

Ich bin erstaunt das doch so einige etwas mit diesem Thema anfangen können, wenn auch teils ganz unterschiedlich. Nahe zu alles was ihr beschreibt ist mir nicht fremd. Ich lass mich jetzt einfach mal drauf ein und sage...das ist wirklich kein Zufall...wir sind ein gewisses Grüppchen mit eben gewissen Fähigkeiten...basta. Es fällt mir immer noch schwer es anzunehmen, obwohl ich mich freue. Vielleicht weil wir zwischen zwei Definitionen festhängen die beide nicht korrekt sind:

Die Übersenible, die sich immer anstellt (also im Volksmund - und dessen wahrnehmung)
Die, mit dem "Krankheitsbild" HSP

Ich glaube beides ist unzutreffend, auch wenn HSP kaum ein gesundes herranwachsen zulässt...ich bin sicher das hängt damit zusammen das unsere Gesellschaft solche feinsinnigkeit nicht tolleriert und was sie nicht tolleriert wird ausgegrenzt oder gar angegriffen wie ein Tumor.

Liebe Grüße

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Re: Komplette übernahme von Gefühlen

Beitragvon Baronin » Mi 15. Feb 2012, 14:16

NaffNaff hat geschrieben: (...)Kennt ihr das, das ihr manchmal die kompletten Gefühle...moment, nein...eher die Resultate der Angte und Gefühle anderer übernehmt?


Wow.
Über diese Variante hatte ich mir noch keine Gedanken gemacht.
NaffNaff, ich kann mir sehr gut vorstellen, dass ein HSP quasi nicht nur als Antenne, sondern gar als Gefäß für Gefühle von anderen funktionieren kann.

Das übernehmen von unterschwelligen Gefühlen kenne ich von mir.
Ich übernehme sie bislang ungefiltert (ungewollt) und bin dann so schnell am Rande meiner eigenen Handlungsfähigkeit, weil ich förmlich ertrinke in den überstülpten, fremden Gefühlen. Bevor ich mich mit HS auseinandergesetzt habe, waren diese gefühle immer "meine eigenen"...also so dachte ich zumindest. Aber seit ich mich mit HS bschäftige wird mir mehr udn mehr bewußt, dass es gar nicht meine - sondern die Gefühle eines anderen sind.

Was du beschreibst ist natürlich noch eine Spur heftiger.
Aber im Grund macht es Sinn. Du erfühlst nicht nur die "gequälte Seele" eines dir Fremden (ich sage immer "sie schreit mich an...und fleht um Hilfe") deine innere Reaktion auf diese Wahrnehmung entspricht auch dann der "logischen" Reaktion eines Menschen mit Traumta.
Schlimm daran ist, dass die meisten träger "gequälter Seelen" Meister im Verdrängen und des "nicht wahrhaben wollens" sind und auf eine direkte Ansprache mit Abwehr, Verleugnung und Angriff reagieren (im, Sinne von "Du bist ja nicht bei Trost").

Als Therapeut oder im normalen Miteinander kann diese Gabe sicherlich super helfen, aber nur, wenn man lernt, die fremde Wahrnehmung und Reaktion in sich wieder zu distanzieren und als "fremd" zu identifizieren.

Das ist sicherlich möglich... aber schwierig.
----------------------------------------------------

Erste Hilfe bei negativer Gedankenspirale
Erstmal Durchatmen und dann:
Abprüfen der Situation auf realistische Sichtweise:
1.) Entspricht der Gedanke den Tatsachen?
2.) Hilft mir dieser Gedanke in der Situation weiter? Erleichert mir der Gedanke meine Handlungsfähigkeit?
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Re: Komplette übernahme von Gefühlen

Beitragvon Skeeter » Mi 15. Feb 2012, 18:58

Hallo,
auch ich kenne es nur zu gut! Mir macht es besonders zu schaffen, wenn es um Heuchelei und Selbstbetrug geht. Ich habe eine Freundin, die auch Kollegin ist und ich kann sie ganz oft nicht ertragen _bash_
Glücklicherweise ist sie schon längere Zeit krankgeschrieben. Ich könnt aus der Haut fahren mit all ihren negativen, falschen, jammernden Energien, wenn ich dann auch noch spüre wie sehr sie all ihre Mitmenschen und sich selbst belügt. Noch schlimmer: keiner merkt es!!! Ihre völlig falschen Nettigkeiten und Warmherzigkeiten (sie mag ja warmherzig sein, aber tut auch oft nur so) bringen mich um den Verstand. Ich kann es leider gar nicht richtig erklären, sie fühlt sich vollkommen falsch an! Sie saugt mich aus, wie ein Vampir. Glücklicherweise habe ich es geschafft mich zu distanzieren.
Wenn ich spüre, das jemand heuchelt, bin ich hinterher ganz fertig. Benennen konnte ich das allerdings bisher auch nicht. Ich dachte auch immer, es wären meine Gefühle. Wenn ich mich jetzt aber da rein denke, weiß ich, dass es ihre sind!

Genauso kann ich aber auch andere Stimmungen (ob "kann" das richtige Wort ist?) wahr nehmen. Das macht völlig fertig. Besonders intensiv ist das bei Menschen, die ich gut kenne oder denen ich öfter begegne.

Und bei Freude funktioniert es ebenso. Das ist schon sehr schön! Ich habe dann aber heftiges Herzklopfen und bin so aufgeregt, als würde es mich selbst betreffen. _yessa_


Am allerschlimmsten sind aber die Stimmungen meiner Kinder. Die halte ich oft gar nicht aus. Und die sind sofort bei mir.
Das strengt mich sehr an.
Vielleicht sind trauernde Menschen (nicht alle) genau so kraftzehrend, aber ob das jetzt hiermit in Zusammenhang steht, weiß ich gar nicht, ich dachte immer es würde mit dem frühen Tod meines Vaters zusammen hängen und ist wahrscheinlich auch so! _gruebel_

Ich bin leider nicht so gut darin, in Worte zu fassen, was ich meine. Ich hoffe, ihr versteht mich trotzdem.

Manchmal halte ich es auch für eine Gabe, aber manchmal wäre ich froh, die Welt wie meine Mitmenschen hier, wahrnehmen zu können!

Herzliche Grüße Morquaie
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