Lebenskrisen und Umbrüche

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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Lebenskrisen und Umbrüche

Beitragvon Nicky » Mi 28. Dez 2011, 20:51

Hallo ihr Lieben,

momentan ist mein Leben von vielen Umbrüchen geprägt.

Das hat dazu geführt, dass ich mich derzeit irgendwie in einer Lebenskrise befinde.
Angefangen hat alles damit, dass ich mich im Sommer von meinem Freund getrennt habe. Ich hatte kaum Zeit durchzuatmen, denn ich musste mich auf meiner Arbeit zusammenreißen und konnte nur abends meinen Gedanken freien Lauf lassen.
3 Monate später hat meine Mutter meinen Vater verlassen. Sowas ist für ein Kind-egal wie alt-immer schlimm und einschneidend. Da meine Mutter mir vorher schon immer Angst gemacht hat, wie mein Vater wohl reagieren könnte (völlig ausrasten, Leben nehmen usw.) habe ich schon im Vorfeld nicht mehr vernünftig leben können.
Ich lebte ständig in Angst, dass mein Vater sich etwas antun könnte.

Letzlich war mein Vater sehr gefasst und ich bin stolz darauf, wie er sein Leben nach der Trennung meistert.

Allerdings weiß ich momentan nicht so richtig, wie ich mein eigenes Leben gestalten soll.

Ich habe stets und ständig dafür gelebt, mich meiner Umwelt anzupassen.
Als ich meinem Traum Musikerin zu werden ganz nah war, habe ich mir wieder reinreden lassen und erstmal etwas anderes gemacht, etwas "anständiges" gelernt. Ich bin Bürokauffrau geworden. Für diesen Beruf fehlt mir aber die Ausdauer und die Gabe, viele Daten auf einmal genau zu prüfen und dabei nicht oberflächlich zu werden, es ist mir zu rational und eintönig (nur als Beispiel, warum ich für diesen Beruf nicht geeignet bin).
Dann habe ich in einer Beziehung gelebt, die mich sehr eigeengt hat, weil ich auch dort immer versucht habe allen gerecht zu werden.

Nun bin ich auf mich gestellt. Ich kann tun und lassen was ich will.
Doch seit einiger Zeit beschleicht mich immer wieder das Gefühl, dass ich etwas verpasst habe. Dass ich mit fast 25 nun schon fast zu alt bin um meinen Traum von einem Leben als Musikerin zu erfüllen.
Ich habe oft das Gefühl, dass ich mich auf der Stelle bewege und einfach nicht weiter komme.

Bin ich vielleicht zu ungeduldig? Gestalten sich Umbrüche, die einen weiter bringen, am Anfang immer erst schwierig und schmerzhaft, bis man dann endlich seinem Ziel näher kommt?

Habt ihr schon Ähnliches erlebt?

Ich würde mich sehr über eure Antworten freuen, in denen ihr mitteilt, wie ihr mit solchen Umbrüchen und eventuellen Lebenskrisen umgegangen seid oder immernoch umgeht.

Liebe Grüße

Nicky
Das Leben ist nie festgefahren.
In jedem von uns steckt die Macht, sein Leben so zu gestalten wie man es sich wünscht!
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Re: Lebenskrisen und Umbrüche

Beitragvon Armin » Sa 31. Dez 2011, 01:26

Hallo Nicky,

Wenn es kommt, dann richtig und alles auf einmal.

2004 ging bei mir eine Beziehung zu ende, die fast 5 Jahre gehalten hat. Dementsprechend durchgerüttelt war mein Leben.
Aber 2005 war eine richtige Hölle. Meine Mutter wäre fast gestorben, weil durch ihr Bluthochdruck die Hauptschlagader geplatzt ist. Im Studium ging einiges schief, in einem Fach komplett zu unrecht, ich konnte mich gegen diese Ungerechtigkeit nicht wehren. Ich habe ausserdem noch nebenher herausgefunden, dass mein ehemals bester Kumpel aus der Schulzeit sich das Leben genommen hat. Ein Verwandter hat ebenfalls versucht, sich das Leben zu nehmen. Ah ja, damals lebte ich noch bei meinen Eltern, ich hatte mich tagtäglich mit meinem Vater gestritten, es herrschte eine Atmosphäre, die an sich schwer zu ertragen war. Und in dieser Zeit hatte ich auch so ein paar Pseudo-Freundschaften, wo ich der Gebende war und diese Pseudofreunde die Nehmenden ... Ich hatte zwar auch gute Bekanntschaften, aber definitiv keine Freunde, die mir den Halt geben konnten, den ich benötigte. Und dieses extrem starke Verlangen nach Liebe und Zärtlichkeit, ich hatte wahrhaft null prozent davon, ein Jahr vorher ging eine Beziehung zu ende, es gab zwar Sachen, die mich an der Beziehung gestört haben, aber es gab wenigstens noch etwas Nähe. Aber danach war ja gar nichts mehr davon.

Ich lag im Bett und wollte nicht mehr aufwachen. Ich wollte in meiner inneren Welt bleiben, in der ich kein Leiden mehr gespürt habe. Ich habe eine Zeit lang auch nichts mehr essen können.

Von der Hochschule aus gab es eine psychologische Beratung, da bin ich hin und habe mich da erstmal kräftig über mein Leben ausgekotzt. Nach nur zwei Gesprächen hatte ich wieder etwas Motivation. Ich konnte wieder etwas Freude empfinden. Dann habe ich beschlossen, anzupacken und mein Leben zu ändern _yessa_

So konnte ich mich dann wieder aufraffen, mein Studium beenden und von daheim ausziehen. Ich bin auch gleich in eine andere Stadt gezogen, ein richtiger Tapetenwechsel.
Der Prozess war zwar auch nicht einfach, aber es hat sich gelohnt.


Ja, das Gefühl, etwas verpasst zu haben, kenne ich. Ich habe mich 2004, nach der Trennung von meiner Exfreundin, selbst bedauert, mein Leben verpasst zu haben. Damals war ich um die 24. Ich war zu diesem Zeitpunkt noch nie auf einem Festival. Ich dachte aller Ernstes, schon zu alt für sowas zu sein. Bei mir herrschte noch das Denken, dass wenn man anfängt zu arbeiten, der Ernst des Lebens anfängt und alles andere nicht mehr existent ist. Dann ist alles vorbei. So ein Blödsinn!

Ich hatte danach zwar auch wieder Krisen, aber die Geschilderte empfand ich als die Härteste. Ich glaube, manchmal kommt so ein Zeitpunkt, in der wir vor eine Prüfung gestellt werden. Lebenssituationen geschehen, wir werden kräftig geschüttelt und verlieren unsere Mitte. Ziel dieses Spiels ist es, wieder zur Mitte zurückfinden.

Ein Filmzitat aus Batman Begins

Frage: "Warum fallen wir?" ... Antwort: "Damit wir lernen können, uns wieder aufzurichten"
Kannst du nicht das Beste tun, tu das Beste, was du tun kannst
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Re: Lebenskrisen und Umbrüche

Beitragvon zotornikdt » Di 17. Apr 2012, 14:36

Hallo, ich hab eure Beiträge gelsen, ich bin zurzeit auch in einer solchen umbruchzeit und ich muss zugeben dass ich so was in meinem 20 jährigen leben nicht erlebt hab bisher.
auch wenn es mich sehr vil kraft kostet merke ich doch, was alles in mir steckt und wie viel ich bewältigen und aushalten kann.
was mich am meisten fertig macht ist die tatsache, dass ich ausgenutzt, mein vertrauen und sogar ich selsbt missbraucht wurde.
ich hoffe jetzt einfach auf menschen die mich annhemen wie ich bin, die mir gut tun und die mir vllt auch dn ein oder anderen tipp geben können
ich kann aufmunterung sehr gut brauchen im moment:)
lg
m.
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Re: Lebenskrisen und Umbrüche

Beitragvon Anke » Di 17. Apr 2012, 14:58

Hallo zotornikdt,

herzlich willkommen hier im Forum sm_06

Hier sind viele liebe Menschen und irgendwer hat immer ein offenes Ohr. _yessa_ Magst Du dich vielleicht im Vorstellungsbereich ein wenig vorstellen?

Schöne Grüße

Anke
Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.
Goethe
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Re: Lebenskrisen und Umbrüche

Beitragvon Cinnamoon » Di 24. Apr 2012, 18:49

Hallo Nicky,

ich bin schon etwas älter als du (49) und hab schon viel mehr mitgemacht. Manchmal wundere ich mich, wieso ich so ein Stehaufmädchen bin und wo ich auch in schweren Krisen die Kraft hernehme, wenn ich andererseits in einfacheren Situationen am liebsten alles hinschmeißen möchte. Aber ich hab auf jeden Fall gelernt: das Leben ist Veränderung. Die Dinge sind immer dann besonders schlimm, wenn man mitten drin steckt. Wenn man die Situation dann überwunden hat, kann man erleichtert zurück blicken und aufatmen. Und jede überwundene Krise gibt einem das Gefühl, Schwierigkeiten bewältigen zu können (allein oder mit Hilfe). Trotz alledem würde ich nie sagen, dass ich ein besonders schweres Leben hatte. Mag sein, dass ich es mir schwerer mache als manche andere. Andererseits hat es mich zu der Person gemacht, die ich heute bin. Und auch wenn ich an manchen Tagen nicht ich sein möchte, bin ich im Grunde doch zufrieden mit mir und meinem Lebensweg. Ich bin kompliziert und anspruchsvoll, aber gerade mein alltäglicher Kampf, mich weiter zu entwickeln, alles perfekt zu machen, etc. hat mich von der Stelle gebracht, hat mich wachsen und reifen lassen.

An meiner Wand zuhause hängt eine Karte mit dem Satz: Das Spannende am Leben sind die Veränderungen. Nur die Übergänge sind manchmal etwas schwierig. Auf dem Bild sitzt ein Marienkäfer am Ende eines Blattes und guckt, wie es weiter geht.

Ich habe übrigens auch gerade eine Phase des Umbruches hinter mir und bin noch dabei, mich wieder zu konsolidieren. Nach einem Jobwechsel in eine andere Stadt kam erst Euphorie, weil alles toll war, dann Beziehungskrise und Trennung, als ich gerade die Diagnose Brustkrebs erhalten hatte. Meine Finanzen wurden durch die Krankheit so strapaziert, dass ich am Verzweifeln war. Inzwischen hab ich den Krebs therapiert, meine Wohnung gewechselt und die Beziehung wieder gekittet. Im Job arbeite ich endlich Vollzeit und kann meine Schulden abbauen.

Zu deinem Traum als Musikerin: auch ich hadere manchmal mit mir, weil meine Eltern mich nicht weiter in meiner künstlerischen Begabung gefördert sondern in einen vernünftigen Beruf gedrängt haben. Zwischendrin hatte ich mal einen kreativen Job und war zutiefst getroffen, als meine Kreativität dort kritisiert wurde. Mittlerweile bin ich ganz froh, dass ich einen festen Job zum Lebensunterhalt-Sichern habe, und meine Kreativität nach eigenem Gutdünken in privatem Bereich austoben kann, wenn mir danach ist. Was ich eigtl. sagen möchte ist, dass es immer viele Wege gibt, zu erreichen, was man will. Und es ist nie zu spät, seinen Weg zu ändern. Auch ich habe in meinem Leben einige Zickzackwechsel hingelegt, weil ich etwas völlig anderes wollte. Geht, wenn man weiß, was man will, und mit den Konsequenzen leben kann. Das einzige, was ich nicht gerne machen, ist Jammern, weil ich irgendwann mal eine falsche Entscheidung getroffen habe, weil ich für irgendetwas zu alt bin, etc. Entweder ich akzeptiere es oder ich ändere, was ich kann.

Aber irgendwann hab ich mal festgestellt, dass mir mit dem Älterwerden sehr bewusst wurde, dass das Leben endlich ist. Irgendwann ist es vorbei. Und auf dem Sterbebett möchte ich nicht zurück schauen und denken: "Ach hätte ich doch..." Also muss ich jetzt leben! Oder, wie ich es in einem der Bücher, die mich durch die Krebstherapie begleitet haben, gelesen habe: Es kommt nicht darauf an, möglichst lange zu leben, sondern dass man bis zum Tod überhaupt lebt.

In diesem Sinne möchte ich dir ein bisschen Mut und Kraft schicken!

Lieben Gruß
Cinnamoon
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Re: Lebenskrisen und Umbrüche

Beitragvon Toni Grappa » Fr 27. Apr 2012, 23:11

Ich habe stets und ständig dafür gelebt, mich meiner Umwelt anzupassen.


Damit solltest du tatsächlich aufhören und wie du deine Situation beschreibst, hast du ja schon ein wenig Abstand gewonnen, zumindest gedanklich. Eine gute Bürokauffrau muss mit Hingabe "Zahlen fressen", aber dass scheint nun wirklich nicht dein Ding zu sein. Von daher bietet sich eine Veränderung in diesem Bereich an, um dich in einen besseren Einklang mit deinen wahren Interessen zu bringen. Bleibt nur die Frage, ob das Leben einer Musikerin tatsächlich dein Ding ist. Die Musik zu lieben UND damit sein Geld zu verdienen, sind zwei Paar Schuhe. Es gibt den Beruf und das Hobby.

Ich z.B. bin Sozialarbeiter und verdiene meine Brötchen damit. Ich bin aber auch Mediengestalter und mache in diesem Bereich nur noch Spaßprojekte ohne den Zwang, damit Geld verdienen zu müssen. Ach ja - ich singe in einem Konzertchor klassische Musik (z.Z. H-Moll Messe von Bach) - dieser Bereich hat also auch seinen Platz gefunden und in unserem Chor sind viele Leute mit ganz normalen, bürgerlichen Berufen, die gerne Musiker geworden wären. Wir haben aber auch einen Banker, der mit 35 Jahren entdeckt hat, dass er Gesangssolist werden will und nun mit der Ausbildung anfängt. Bei uns singt eine Flötistin mit Konzertausbildung, die (auch) Lehrerin ist und "nur" in ihrer Freizeit Konzerte gibt. Was ich damit nur sagen will ist, dass du nicht alles am Beruf festmachen solltest und das du mit 25 Jahren sehr jung bist. Allerdings kenne ich auch Musiker aus der Musikhochschule in Köln und die haben tatsächlich nicht erst mit 25 angefangen, eher mit 5....

Das alles herauszufinden hat mich einige Jahre Hartz 4 gekostet, aber jetzt ist mein Leben etwas besser in der Balance und meine widerstrebenden Interessen und Begabungen haben ihren Platz gefunden. Im Juni fange ich eine neue Stelle an, bei der ich sogar gut bezahlt werde....

Nur Mut - auch wenn es schwer fällt.

P.s. Ich versuche in meinem Beruf allen "Exel-Tabellen dieser Welt" aus dem Weg zu gehen, weil sie mich unglücklich machen...
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