Mobbingopfer HSP?

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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Mobbingopfer HSP?

Beitragvon apfelschnitz » Do 11. Aug 2011, 12:13

Guten Morgen,

ich hatte ja schon damit gedroht, hier 1000 Fragen zu stellen! _yessa_

Mich interessiert wirklich brennend, ob man als HSP das geborene Mobbingopfer ist.
Die Schleife zu diesem Thema habe ich gezogen, weil ich darüber nachgedacht habe, was aus mir eine Person mit leichten Verbitterungstendenzen gemacht haben könnte.
Eine wichtige Erfahrung scheint Mobbing zu sein. Ich bin 3-4x Opfer von Mobbing geworden und das hat im Nachhinein - wenn ich tief in mich gehe - für große Selbstsicherheitsprobleme gesorgt hat.

Bei mir geht es z.B. um das Thema Job:
In meiner Wahrnehmung war ich immer ein freundlicher, liebevoller Mensch. U.a. während meiner Lehrzeit bin ich von einer leitenden Mitarbeiterin sehr stark gemobbt worden und ich war völlig hilflos. Ganz krass fand ich es auch in einem späteren Job. Ich wurde eingestellt und bin freundlich und offen angetreten zu meinem ersten Arbeitstag, habe versucht mit meinen Kolleginnen ins Gespräch zu kommen und bin extrem abgeblitzt. Hinter meinem Rücken wurde getuschelt (z.B. über meine völlig normalen Klamotten) und in der Mittagspause geschwiegen. Auch noch mehr Freundlichkeit hat nichts bewirkt. Nach 6 Wochen habe ich unter einem Vorwand gekündigt. Ich muss dazu sagen, dass ich Frau unter ausschließlich Frauen war. Man hat mir schon öfter gesagt, dass Frauen unter sich total viel Neid, Eifersucht und sowas verspüren. Ich habe sowas alles nicht und vielleicht bin ich zu naiv und kann mir deshalb nicht vorstellen, dass es bei anderen Frauen anders ist?

Die Frage für mich ist: WARUM war ich ihr Opfer? Ist man als (junge) HSP zu nett? zu vertrauensselig? zu hübsch? bietet man durch die Freundlichkeit den Nährboden für Menschen die ihren Frust an einem ablassen wollen?

Bis heute fällt es mir unheimlich schwer, mich gegen Leute zu wehren, die sich dauerhaft in meinem Umfeld aufhalten. Bei Fremden ist das kein Problem, aber bei Nachbarn, Familienangehörigen (damit sind nicht Kinder und Mann gemeint) oder Leute aus dem Bekanntenkreis stehe ich völlig unfähig und verunsichert davor und schaue mir ewig lange an, wie sie mich z.B. "schlecht" behandeln. Wenn mich dann irgendwann die Wut so überkommt, dass ich einen Cut mache, leide ich anschließend noch endlos lange vor mich hin, weil ich mich frage, ob ich nicht übertrieben reagiert habe, was die anderen wohl jetzt über mich denken und reden, wie ich den Leuten jemals wieder unter die Augen treten soll...
Ist es einfach Stress weil man seine kleine heile Welt braucht und nun auf unbestimmte Zeit in einer sehr unangenehmen Situation steckt?

Ich denke, mit einem größeren Selbstwertgefühl oder Selbstbewusstsein hätte man doch wohl schon allein durch die entsprechende Ausstrahlung Mobbing verhindert? Oder vielleicht mit Arroganz? (Mir fällt generell auf, dass, wenn ich ausnahmsweise mal versuche arrogant zu sein, die Leute plötzlich total nett und schon fast anbiedernd werden. Das ist doch total verrückt, oder? Wenn man nett ist, wird man schlecht behandelt, ist man arrogant, wird man interessant???)

Meinen Mitmenschen scheint es da anders zu gehen. Die scheinen einfach so zu sein, wie sie sind um wem es nicht gefällt, der hat halt Pech gehabt. Die können sich sofort wehren und es wird ihnen nicht übel genommen, sondern bringt ihnen Respekt ein. Bei mir klappt das nicht. Wenn ich mich wehre, bin ich zickig und schwierig, wehre ich mich nicht, werde ich anscheinend nicht ernst genommen. Was denn nun?

Ich bekomme so langsam den Eindruck, dass man als HSP einfach unentspannt rüberkommt (ist man ja wohl auch). Ist man nett, dann ist man vielleicht zu nett. Und wenn man sich lange nicht wehrt, bekommen die anderen den Eindruck, man ist ein Schaf. Wenn dieses Schaf dann irgendwann wütend rumblökt, sind alle erstaunt, warum es denn plötzlich so unangemessen reagiert.

Ach Menno... das ist alles so kompliziert...

Hier gibt es bestimmt wieder kluge Antworten auf meine erschreckend verworrenen (wobei in Wahrheit alles noch viiiiel komplizierter ist ;-) ) Gedanken und Fragen. Das würde mich natürlich sehr freuen.

Lieben Gruß und schon mal Danke im voraus

apfelschnitz
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Re: Mobbingopfer HSP?

Beitragvon Nicky » Do 11. Aug 2011, 17:17

Hallo Apfelschnitz,

das, was du da beschreibst, könnte auch aus meinem Leben geschrieben sein. supercool

Ich hatte schon immer das Problem, dass ich viel zu nett war/bin. Das wird oft ausgenutzt. Außerdem lasse ich mir oft viel zu viel gefallen.
Ich war zwar noch nie Opfer von Mobbing im eigentlichen Sinn, aber ich nehme mir vieles oft einfach zu sehr zu Herzen.
Darum bin ich oft extrem unentspannt, was wiederum zur Folge hat, dass ich unkonzentriert und einfach nur unglücklich bin.
Das Problem am "zu nett sein" ist wohl oft auch, dass man sich zu sehr für andere aufopfert- zumindest bei mir ist das so. Wenn ich jemanden in mein Herz geschlossen habe, würde ich für denjenigen durchs Feuer gehen. Aber leider teilen nicht viele Leute diese Ansicht.

Es gibt auch nicht viele Leute gegen die ich mich wehren kann bzw. will. Denn sich wehren hat für mich immer etwas mit Aggression zu tun. Ich kann nicht aggressiv sein- weil ich es aber auch nicht will.
Wenn mich jemand angreift, hat das meistens damit zu tun, dass dieser Jemand sich selbst "nicht grün" ist. Wenn ich dann darauf einsteige, gieße ich quasi nur noch mehr Öl ins Feuer.
Vielleicht ist das in unserer heutigen Ellbogengesellschaft falsch, aber wenn ich anfange auszuteilen, dann steigere ich mich meistens so extrem in meine Aggression rein, dass ich mich selbst nicht mehr unter Kontrolle habe was meine Wortwahl angeht, und daher lieber böse Worte über mich niedergehen lasse und mit einem Lächeln nach Hause gehe. Immerhin kann ich sagen, dass ich wenigstens so weit mit mir im Reinen bin, dass ich es nicht als nötig ansehe, jedem eine Ansage machen zu müssen.
Wer mich mag und versteht, und das auch möchte, der kann auch anders mit mir umgehen- und so sollte das Miteinander der Menschen in meinen Augen immer aussehen.

Auch wenn es mir durch die äußeren Einflüsse in meinem Leben oft schlecht geht, so kann ich dennoch behaupten, dass ich eigentlich weiß, dass diese Dinge mir im Grunde gar nichts anhaben können.
Aber diese Gedankenmuster sind eine reine Übungsfrage- und man kann halt nie genug üben. _läch_

Meine Antwort auf deine Frage laute also, wenn man sie kurz und prägnant beantwortet: Nein, wir HSP sind nicht die geborenen Mobbing-Opfer! Wir sind eben einfach nur feinfühliger, nehmen uns die Dinge wohl stärker zu Herzen. Aber wir sind eben so, und wenn es uns nicht gäbe, dann wäre die Welt wohl noch ein wenig aggressiver als sie es manchmal eh schon ist. _bia_

Ganz liebe Grüße

Nicky
Das Leben ist nie festgefahren.
In jedem von uns steckt die Macht, sein Leben so zu gestalten wie man es sich wünscht!
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Re: Mobbingopfer HSP?

Beitragvon Zeitreisender » Do 11. Aug 2011, 18:51

Hallo Apfelschnitz,

ich schieße mal ganz spontan aus der Hüfte, denn dieses Thema berührt uns wohl alle.
Ich selbst habe es seit der Lehrzeit geschaft relativ schlagfertig durch die Berufswelt zu glitschen. Danach ging es mit einer Mischung aus Distanz und Hilfsbereitschaft.
Erst jetzt habe ich Kollegen, die einfach überhaupt nichts merken und meinen, überall ihren Senf dazu geben zu müssen, auch unterhalb der Gürtellinie. Es macht mir keinen Spaß mehr schlagfertig zu sein und so schweige ich. Das wird natürlich als Schwäche ausgelegt. Also lasse ich sie wieder auflaufen.
Anscheinend halten uns viele für kompetent und dadurch gefährlich. Oder wir wirken überheblich, weil wir vielleicht mehr lesen.
Es gibt also Menschen, die auf vermeintliche Wehrlosigkeit reagieren und auf andere einkloppen. Wenn Gegenwehr kommt, lassen sie es wieder. Traurig , aber wahr.
So, zum Thema Fraueneifersuchtsneid. Die Mutter meiner Kinder war so eine Stutenbeißerin. Und ich beobachte seitdem einige Damen dieser Spezies. Es gibt Denkansätze in Führungsebenen, niemals mehr als zwei Frauen auf engstem Raum einzusetzen, weil zwei sich sonst gegen die dritte zusammen rotten und rausekeln. ( Ich finde Frauen trotzdem toll und interessant)
Als Mann in einem Männerjob groß geworden, ist es mir heute eher möglich einen Missstand anzusprechen, wenn es reicht. Wenn man das nicht macht, dann entsteht mobbing.
Es gibt ein Dreieck aus Opfer-Retter und Angreifer. Vielleicht lässt sich da etwas googeln.
Ich habe mich mit einigen möglichen Schwachpunkten meiner Kontrahenten auseinander gesetzt, damit ich nicht ganz wehrlos war. Dabei lernte ich die Entgegnungen nicht auswendig, sonst klingt es auch so. Das letzte Mal als mich jemand für meine grazile Armbanduhr im Aufenthaltsraum als Schwuchtel hingestellt hat, musste ich ihn vor versammelter Mannschaft fragen, ob sein eigenes Leben wieder einmal zu langweilig ist, dass er sich auf so plumpe Weise für meines mehr interessiert.
Und es war Ruhe, alle haben sich gefreut, nur in meinem Kopf war die Hölle los, weil wir hsp so etwas anziehen, wie die frühen Christen die Demütigungen der Römer. Es gibt Bücher über die Reaktionen auf diese Mobbingspezis.

ZR
Die Zeit kommt aus der Zukunft, die nicht existiert, in die Gegenwart, die keine Dauer hat, und geht in die Vergangenheit, die aufgehört hat zu bestehen. Augustinus
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Re: Mobbingopfer HSP?

Beitragvon apfelschnitz » Do 11. Aug 2011, 21:28

Anscheinend halten uns viele für kompetent und dadurch gefährlich. Oder wir wirken überheblich, weil wir vielleicht mehr lesen.


Hallo Zeitreisender,

diesen Gedanken finde ich interessant. In der Tat passiert es mir immer mal wieder, dass Leute mich völlig anders wahrnehmen als ich mich. Vor kurzem fand mich jemand beängstigend weil ich soviel Selbstbewusstsein ausstrahlen würde (völlig unglaubwürdig in meinen Augen) und ich wäre eine "auffallende Erscheinung" und dadurch auf andere einschüchternd wirken (finde ich überhaupt nicht). Wie, bitte schön, passt das, wenn es angeblich so ist, zusammen mit den Zeiten als ich gemobbt wurde? Verhalte ich mich demnach heute unbewusst anders um nicht mehr so angreifbar zu sein? Oder ist es andersherum, ich wurde genau deswegen gemobbt WEIL ich, ohne es zu bemerken, so auf andere wirke? Das wäre natürlich total blöd, weil ich überhaupt nicht dieses Gefühl in mir trage und dann so eine Außenwirkung zu haben ja das genaue Gegenteil wäre. Ich bin eher schüchtern und zurückhaltend um nicht aufzufallen.

Habe eh langsam das Gefühl, dass in meinem Kopf irgendwas nicht funktioniert. Wie kann ich immer so extrem das Gegenteil von etwas wahrnehmen? Warum merke ich manche Dinge doppelt so stark und andere anscheinend überhaupt nicht???

Und es war Ruhe, alle haben sich gefreut, nur in meinem Kopf war die Hölle los, weil wir hsp so etwas anziehen, wie die frühen Christen die Demütigungen der Römer.


Was genau meinst du damit, dass wir HSP so etwas anziehen? Ich finde den Gedanken wichtig, brauche aber eine Erklärung dafür und ihn zu Ende denken zu können.

LG
apfelschnitz (und wieder mal, vielen Dank!)
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Re: Mobbingopfer HSP?

Beitragvon Viola cornuta » Fr 12. Aug 2011, 09:08

Hallo!

Mal eine andere Mobbing-Geschichte:

Ich bin kein Mobbingopfer geworden. Das lag aber nicht daran daß niemand es versucht hätte....Natürlich haben meine Mitschüler gemerkt, daß ich anders bin.

Ich war allerdings auch sehr unabhängig zu der Zeit, sprich, ich hatte nicht das Bedürfnis, daß meine Mitschüler mich mögen. Somit haben ihre Mobbingversuche auch nicht gefruchtet.
Das hat, zusammen mit der Tatsache daß ich freundlich war, wenn ich angesprochen wurde, und auch gerne hilfsbereit, bald zuerst zu einem Widerwilligen und später zu einem größeren Respekt vor mir gefühlt. Das ist witzigerweise das, was ich immer noch zu hören bekomme, von ehemaligen Mitschülern, daß sie es beeindruckend fanden wie unantastbar und selbstsicher(haha) ich wäre.

Jetzt zu dem Hintergrund, warum ich so war: Ich hatte wirklich dringendere Probleme als meine Mitschüler. Die waren für mich nicht so interessant. Bei einem Zuhause mit Missbrauch, Gewalt, einer psychisch kranken Mutter und einem hilfsbedürftigen kleinen Bruder war ich derartig ausgelastet, dass mir irgendwelche kindischen Spielereien meiner Mitschüler einfach wurscht waren. Ich hatte wichtigeres zu tun...
Das habe ich dann wohl auch ausgestrahlt.

Ausserdem hatte ich ausserhalb der Schule oder anderen organisierten Gemeinschaften Freunde die genauso komisch waren wie ich :-)
Wir hatten gemeinsame Nerdinteressen, da war ich für Freundschaft nicht von den Mitschülern, den "Coolen" abhängig.

Meine HS Fähigkeiten haben mir auch viel geholfen, wenn jemand mir gegenüber zu weit gegangen ist, wusste ich genau wie ich mich wehren konnte, wo der schwache Punkt der Person war. Damit habe ich gestandene, "coole" Jungs schon vor allen anderen zum Weinen gebracht. Danach haben sich die anderen sehr gut überlegt, ob sie sich mit mir anlegen wollen!

Will sagen: Nein, man muss mit HSP nicht zum Mobbingopfer werden. Ich denke nicht, daß HSP ein Mobbingauslöser ist. Ich denke aber, daß eine nette, sensible Person, der es zu sehr auf die Meinung anderer ankommt, durchaus zu einem Mobbingopfer werden kann.
Ich habe Mobbing anderer Personen miterlebt, und da war die Gemeinsamkeit die mir aufgefallen ist, daß es den Opfern sehr wichtig war, in die Gemeinschaft aufgenommen zu werden, zu gefallen, so sehr daß sie versucht haben sich in Punkto Verhalten, Kleidung und Meinung anzupassen. Damit haben sie sich zu Spielbällen gemacht, abhängig von der Meinung und dem Wohlwollen ihrer Peiniger. Diese Abhängigkeit führte in diesen Fällen denke ich zu Mobbing.

Das ist natürlich nur meine völlig unqualifizierte Beobachtung, ich habe mich aus derartigem immer rausgehalten...
Das hat dazu geführt daß einige Mobbingopfer sich mit mir anfreunden wollten, weil ich nett zu ihnen war. Denen habe ich dann freundlich gesagt daß ich kein Interesse daran habe, sie zu ärgern, aber auch kein Interesse an Freundschaft habe.
Das waren speziell zwei Mädchen an die ich mich erinnere, die ich furchtbar anstrengend fand, gerade weil sie so verzweifelt versucht haben, sich anzupassen, und so anhänglich waren...bei diesen beiden hatte ich irgendwann Schwierigkeiten, nicht gemein zu sein, weil sie wirklich gruselig anhänglich geworden sind.


Mich persönlich hat meine Unabhängigkeit geschützt, und auch die Tatsache, daß ich wirklich andere Sorgen hatte als irgendwelche Machtspielchen. Ich war allerdings nie wirklich beliebt (abgesehen von einzelnen Freundschaften, nie mit ganzen Cliquen, sondern wirklich nur mit Einzelpersonen aus den Grüppchen), was mich aber auch nie gestört hat.

Bevor das jetzt jemand denkt: Ich meine NICHT, daß Mobbingopfer selbst schuld sind. Schuld sind die Täter. Ich habe die Eigenschaften ausgeführt, die mir bei den Mobbinopfern aufgefallen sind, die ich kennengelernt habe.
Mobbing ist so unnötig. Wenn man jemanden nicht mag dann soll man das doch einfach sagen und weggehen. Punkt.
Lieben Gruß!
V
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Re: Mobbingopfer HSP?

Beitragvon apfelschnitz » Fr 12. Aug 2011, 10:41

Ich denke nicht, daß HSP ein Mobbingauslöser ist. Ich denke aber, daß eine nette, sensible Person, der es zu sehr auf die Meinung anderer ankommt, durchaus zu einem Mobbingopfer werden kann.
Ich habe Mobbing anderer Personen miterlebt, und da war die Gemeinsamkeit die mir aufgefallen ist, daß es den Opfern sehr wichtig war, in die Gemeinschaft aufgenommen zu werden


Das ist ein für mich sehr wichtiger Satz!

Da ich Einzelkind war (bin ich jetzt im gesetzteren Alter natürlich immer noch ;-) ), und dazu auch noch eine Einzelgängerin, fehlt mir bis heute anscheinend dieser natürliche "Kampf" den man sehr gut an seinen Geschwistern proben kann. Da ich ja keine hatte, gab es da auch nix zu üben. Die anderen sind da einfach immer weiter als ich gewesen, hatten entweder viele Freunde oder Geschwister mit denen sie z.B. feststellen konnten, dass man ruhig anecken und dann eben nicht mehr gemocht werden darf, ohne dass die Welt davon untergeht. Das fällt mir heute noch manchmal schwer. Allerdings habe ich auch in den letzten 20 Jahren viel dazugelernt und mobben würde mich heute keiner mehr (obwohl ich dafür nicht die Hand ins Feuer legen würde).

Schwierigkeiten habe ich noch bei dem Thema Job. Ich würde wahnsinnig gerne wieder arbeiten gehen (zum Glück können wir es uns leisten, dass ich das nicht muß), habe da so romantische Vorstellungen von netten Kollegen, Anerkennung jenseits von "lecker Essen" usw.

Leider treibt mir schon allein der Gedanke daran, womöglich wieder in die Mühlen von Kolleginnen (Ja, es waren IMMER die Frauen, mit Männern hatte ich noch nie Probleme) zu geraten wo ich womöglich wehren müsste, den Angstschweiß auf die Stirn. Das ist mit Sicherheit diese vermeintliche Abhängigkeit verbunden mit der Angst, etwas wichtiges zu verlieren oder alles noch viiiel schlimmer zu machen, wenn man sich wehrt. Außerdem habe ich immer große Probleme damit, zu beurteilen, ob ich denn nun wirklich im Recht bin, oder tatsächlich selber schuld.

Du hast recht, mir ist es auch wichtig, in einer Gemeinschaft aufgenommen zu werden.
Das gelingt mir heute immer recht mühelos (nachdem ich vor Jahren verstanden habe, dass man cool und entspannt rüberkommen muss). Dann komme ich allerdings überhaupt nicht mit den inneren Abläufen zurecht. Ich kann irgendwie nicht so locker mit jedem befreundet sein und wie ein Schmetterling freudig von Blüte zu Blüte hüpfen. Mir macht es was aus, wenn in der Clique Grüppchen gebildet werden und ich/wir dann nicht dabei sind. Ich mag diese Unverbindlichkeit nicht. Für mich muss es in einer Freundschaft Verbindlichkeit geben. Das heißt für mich auch, dass ich mich entscheide.

Gehöre ich nun dazu oder nicht? Wenn ja, bin ich doch bitte immer dabei wenn es gemeinsame Aktivitäten gibt. Wenn nicht, bleibe ich lieber für mich und habe gar nichts zu tun mit dieser Clique, dann muss ich mir nicht angucken, wie alle anderen zusammen hängen. Ich vermisse diese klare Linie. Mir wurde in der jüngeren Vergangenheit schon ein paar mal suggeriert, dass ich dazugehöre und wurde dann trotzdem z.B. übergangen. Ich meine damit gar nicht, dass ich überall dazugehören MUSS (will ich ja auch gar nicht).

Ich weiß einfach mittlerweile, dass die Mensche es genießen können, wenn sie unverbindlich viele Freundschaften gleichzeit haben können und je nach Lust und Laune mal mit dem einen, dann mit den anderen enger zusammen sind. Mir geht das völlig ab. Ich versteh diesen Mechanismus einfach nicht.

Tut mir leid, ich glaube, ich habe hier gerade so einiges vermischt und finde es selbst ziemlich konfus. Bekomme hier so viele Denkanstöße, da ist ein großes Durcheinander in meinem Kopf.

Vielen Dank, dass du mir deine Sichtweise geschildert hast. Das ist eine echte Bereicherung.

Lieben Gruß
apfelschnitz
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Re: Mobbingopfer HSP?

Beitragvon Eule » Fr 12. Aug 2011, 10:55

Hallo apfelschnitz,

vielen Dank für deinen Beitrag. Ich glaube, das war wirklich eine Mischung von verschiedenen möglichen Beziehungen zu Kollegen, Freundschaft und Bekannten. Ich selbst habe Geschwister, war aber schon als Kind einzelgängerisch und bin es bis heute im Herzen geblieben. Früher immer das Gefühl, ich müsse dazugehören, heute suche ich es mir aus, wo ich dazu gehöre und wo nicht. An Arbeitsplätzen gibt es gute und schlechte Vorgesetzte, unangenehme und nette Teams, wobei ich jetzt eine gute Situation habe, aber auch gerne einiges dazu beitrage, ich sehe mich da nicht (mehr) als Spielball.

Im Privatleben gibt es auch eine Clique, da habe ich zu den Leuten keine superenge Beziehung und muss ihnen nicht mitteilen, was mich im tiefsten Herzen bewegt. Aber Interessen zu teilen, gemeinsam zu kegeln oder ein Grillfest zu besuchen, da bedarf es auch nicht der Notwendigkeit, mit jedem innig befreundet zu sein. Freundschaft ist für mich kostbar und etwas besonderes, das teile ich nur mit einer Handvoll Menschen. Das ist etwas inniges und es ist ein Austausch über Dinge, die nicht jeden etwas angehen. Es gehört auch dazu da, für einander da zu sein ohne Bedingungen.

Liebe Eulengrüße
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Re: Mobbingopfer HSP?

Beitragvon Hamlet » Fr 12. Aug 2011, 11:11

Hallo Apfelschnitz,

auch ich krame mal in meinem Gedächtnis.

Als erstes möchte ich dir aus meiner Schulzeit berichten. Ich bin und war nie schüchtern und habe schnell Kontakt zu anderen Menschen geknüpft. Ich habe mich aber immer mit den interessanten Leuten (meist schüchtern, zurückhaltend, seltsam usw. …) befreundet gewesen. Mitschüler die ausgelacht oder anders gemobbt wurden, bin ich immer zur Seite gesprungen. Das führte dann immer zu einer eigenständigen Gruppe, die sich Halt und Freundschaft gab.
Wir, als Gruppe, wurden dann gemobbt. Ich habe die Seite der „Komischen, Seltsamen“ immer freiwillig gewählt. Dennoch interessierten sich die „Coolen“ für mich, aber ich mich nicht für sie. Das ich dieses „Abseits“ selbst gewählt habe, ist mir erst nach Jahren bewusst geworden. Damals wollte ich mich unbedingt „Anderssein“. Tiefe, echte Gefühle und Freundschaften finden und die Welt verbessern. War zu der Zeit noch bei Greenpeace und habe mich für soziale Projekte eingesetzt. Im Grunde habe ich auch nur eine Heimat für mein Anderssein gesucht. Ich war, wie Viola in ihrem Beitrag so schön beschrieben hat, auch mit meinen eigenen Problemen beschäftigt. Deshalb interessierte ich mich für die „profanen“ Befindlichkeiten meiner anderen Mitschüler nicht sonderlich. Das haben sie sicher gespürt.
Das erzeugte Neid und durch meine dürftigen Fremdsprachenkenntnisse hatten sie auch ein wirksames Mittel mich das spüren zu lassen.
Kichern während des Englischunterrichts…. _bash_

Wirkung auf andere Menschen:

Ich würde mich auch als lieb und nett bezeichnen. Doch die Meinungen in meinem Umfeld gehen weit auseinander. Ein schönes Beispiel.

In der Bibliothek sollte ich mit einem neuen Kollegen zusammenarbeiten. Ich kannte ihr flüchtig aus ein paar Seminaren. Während unserer gemeinsamen Schicht haben wir uns unterhalten und hatten Spaß miteinander. Dann fasste er sich ein Herz und sagte zu mir: „Hamlet, du bist ja total nett. Ich hatte vorher ein bisschen Angst vor dir und habe andere Kollegen gefragt wie du so bist. Du wirkst immer so unnahbar.“ Ich schaute ihn völlig erstaunt an. Jetzt sind wir gute Freunde und arbeiten gern zusammen.

Außerdem fühlen sich bestimmte Personen von mir provoziert. Sie attackieren mich verbal. Ist mir mal bei einem Vorstellungsgespräch für ein Praktikum passiert. War auch eine Frau und sie hatte noch nicht mal was zu sagen. _gruebel_

Viola cornuta hat geschrieben:Will sagen: Nein, man muss mit HSP nicht zum Mobbingopfer werden. Ich denke nicht, daß HSP ein Mobbingauslöser ist. Ich denke aber, daß eine nette, sensible Person, der es zu sehr auf die Meinung anderer ankommt, durchaus zu einem Mobbingopfer werden kann.
Ich habe Mobbing anderer Personen miterlebt, und da war die Gemeinsamkeit die mir aufgefallen ist, daß es den Opfern sehr wichtig war, in die Gemeinschaft aufgenommen zu werden, zu gefallen, so sehr daß sie versucht haben sich in Punkto Verhalten, Kleidung und Meinung anzupassen. Damit haben sie sich zu Spielbällen gemacht, abhängig von der Meinung und dem Wohlwollen ihrer Peiniger. Diese Abhängigkeit führte in diesen Fällen denke ich zu Mobbing.


Sehe ich auch so.

Liebe Grüße,
Hamlet
"Als ich jünger war, konnte ich mich an alles erinnern, egal ob es wirklich passiert war oder nicht."
Mark Twain

"Und ich wär hier so gerne zu Hause,denn die Erde ist mein Lieblingsplanet.
Doch ich werde hier nie so zu Hause sein,wie die Freunde der Realität"
Funny van Dannen
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Re: Mobbingopfer HSP?

Beitragvon apfelschnitz » Fr 12. Aug 2011, 18:30

Hallo Eule,

ich habe hier wohl das Thema Mobbing mit meinem Freundschafts-Beitrag vermischt (hängt aber irgendwie alles trotzdem zusammen).

Im Privatleben gibt es auch eine Clique, da habe ich zu den Leuten keine superenge Beziehung und muss ihnen nicht mitteilen, was mich im tiefsten Herzen bewegt. Aber Interessen zu teilen, gemeinsam zu kegeln oder ein Grillfest zu besuchen, da bedarf es auch nicht der Notwendigkeit, mit jedem innig befreundet zu sein.
Ja, stimmt. Da hast du absolut recht. Ich überlege gerade, warum mir das Probleme macht und stelle fest, dass ich jedesmal eine Freundin innerhalb so einer Clique hatte. Da wurde es für mich schwierig, weil ich mich ausgeschlossen fühlte, wenn diese sich auch ohne mich getroffen haben. Das ist echt schwierig zu erklären, vor allem weil ich nicht den Eindruck erwecken möchte, dass ich besitzergreifend bin und ich hier auch niemanden langweilen möchte. Deshalb ein kurzer Abriss, was ich meine, aber nur lesen, wenn es dich interessiert:

In neue Umgebung gezogen, mit den Nachbarn Bekanntschaft, mit einem Paar im Laufe der Jahre Freundschaft geschlossen.Wir Frauen standen uns relativ nah (also, aus meiner Sicht). Ich habe noch vor der Zeit des Umzugs Bekanntschaften gehabt und meine neue Freundin mit einbezogen, sie mitgenommen wenn ich eingeladen war und sie vorgestellt. Im Laufe der Zeit lernte sie auch immer mehr Leute selber kennen, hat mich dort aber konsequent rausgehalten und sich jetzt letztlich irgendwie "heimlich" mit anderen gemeinsamen Freunden zusammengetan. Das ist natürlich ihr gutes Recht, ich fühl mich aber trotzdem verraten. Ich war doch auch großzügig und hab sie in meinen Kreis mit einbezogen. Sie hat mich rausgehalten. Es gibt eine nette Nachbarschaftsclique, ganz zwanglos und alle haben sich gegenseitig eingeladen. Sie redet nicht immer nett über die anderen und ist dann plötzlich trotzdem heimlich still und leise mit ihnen befreundet und ich bin abgemeldet.

Irgendwas stimmt an der ganzen Sache für mich nicht, aber ich weiß nicht was. Mich verwirrt das total und ich bin traurig und ärgere mich gleichzeitig (vor allem, weil ich das Gefühl habe, irgendwie "reingefallen" und ausgenutzt worden zu sein). Wobei ich nochmal betonen möchte, dass es mir überhaupt nicht darum geht, dass meine Freundin nicht mit anderen befreundet sein darf. Ich kann es irgendwie nicht erklären...

Ich bin überzeugt davon, dass es mit meinem Umzug zusammenhängt. Ich bin vor ein paar Jahren in eine völlig fremde Gegend ohne jemanden außer meiner Familie zu kennen, gezogen und habe fast alle Kontakte aufgeben müssen. Früher war ich anders, ich hatte meine festen Wurzeln und war autark. Jetzt fühle ich mich so abhänging vom Wohlwollen anderer.

Sorry, so ein blöde langer Text sollte es eigentlich nicht werden.

LG
apfelschnitz
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Re: Mobbingopfer HSP?

Beitragvon Sarina » Fr 12. Aug 2011, 19:25

Hallo apfelschnitz,

ich kann dich mit allem was du schreibst, so gut verstehen _knüddel_

Ja, stimmt. Da hast du absolut recht. Ich überlege gerade, warum mir das Probleme macht und stelle fest, dass ich jedesmal eine Freundin innerhalb so einer Clique hatte. Da wurde es für mich schwierig, weil ich mich ausgeschlossen fühlte, wenn diese sich auch ohne mich getroffen haben. Das ist echt schwierig zu erklären, vor allem weil ich nicht den Eindruck erwecken möchte, dass ich besitzergreifend bin


ich weiß aus eigener Erfahrung wie schwer das zu erklären ist, wenn ich es versucht habe, ging das jedesmal nach hinten los, es wurde genau anders rum verstanden als ich es meinte. Schon in meiner Kindheit wurde ich gemobbt, ausgegrenzt. Hatte eine Freundin von mir plötzlich eine weitere Freundin, war es für mich selbstverständlich, dass diese dazu gehörte. Nur war am Ende immer ich die, die ausgegrenzt wurde, die weggeschoben wurde, die für die Jugenherberge gesagt bekam, oh wir drei gehen auf ein Zimmer und man freute sich zusammen. Und dann wurde ich nur gemobbt, geärgert, vera.... Von den beiden unter die Dusche gestellt, in der Toilette eingeschlossen etc.pp. Ich war Kind und irgendwann musste ich einfach weinen und fragen, warum macht ihr das nur mit mir, ich denke wir sind Freunde, warum tut ihr mir so weh. Diese Freundin in meiner Kindheit hat das insgesamt 3 mal mit mir gemacht, indem immer wieder eine 3. Person dazu kam. In den Zeiten dazwischen, zu zweit alleine, hatten wir die tollsten Zeiten. Ich hab es ihr nicht nachgetragen und sie hat sich nie entschuldigt. Warum ich ihr alleine nicht genügte? keine Ahnung? vielleicht brauchen manche Menschen das von 2 Seiten angehimmelt zu werden, anstatt Harmonie und echte Gemeinschaft zu genießen.

Dann wurde ich noch ausgelacht und man freute sich über meinen Schmerz. Dennoch bin ich mein Leben lang offen auf andere zugegangen, hab vieles hingenommen und auch verstanden an Verhaltensweisen die nicht meine gewesen wären, einfach weil ich akzeptiert habe, dass jeder Mensch anders ist, nur leider führte das eben manchmal zum Außgrenzen mir gegenüber. Nur irgendwann im Leben konnte ich das nicht mehr aushalten, vor allem als vor 3 Jahren meine Mutter starb, meine Tochter wie sich rausstellte keine ist und ich mir dann noch von einer Person aus einem sogenannten Freundeskreis anhören musste, ich würde mich in meinen Problemen suhlen um Aufmerksamkeit zu bekommen und das das alle so sehen würden.

Das war für mich deffinitiv das letzte Mal in meinem Leben, dass ich soetwas habe mit mir machen lassen. Ich hab mich zwar nicht gewehrt (weil ich es eben meiner eigentlichen Freundin in diesem Kreis nicht noch schwerer machen wollte), sondern habe nur konsequent die Kontakte sofort abgebrochen.

Von daher schaue ich super genau hin, ich erwarte eigentlich rein gar nichts mehr inzwischen, habe super gerne Kontakte und lasse es einfach auf mich zukommen. Meine Thera arbeitet mit mir daran, mich aus der Opferrolle heraus zu holen und das ich lerne meine Meinung zu sagen und für mich selbst einzutreten, ohne Angst nicht gemocht zu werden oder sonstiges. Merkwürderweise wirke ich wohl auch auf einige Menschen stark und selbstbewusst, was innerlich gar nicht der Fall ist. Und besonders dann, wenn es mir wichtig ist nicht falsch verstanden zu werden, wähle ich anscheinend so blöde Worte, dass ich eben nicht verstanden werde und es escalliert. Gsd nicht immer und es gibt auch Menschen die mich grundsätzlich richtig verstehen.

Ich weiß wie sich das anfühlt wenn man sich verraten fühlt und das Gegenüber nicht mal merkt, was es da macht. Wenn man im Stich gelassen wird oder gar gemobbt. Ich wurde sogar mal gemobbt und als nicht gesund hingestellt, eben weil ich zu einer Freundin stand und das deutlich. Schon sehr komisch das Leben manchmal aber vielleicht begreife ich das Leben was zwischenmenschliches betrifft irgendwann auch mal big_ohnmacht _läch_

lieben Gruß
Sarina
Zuletzt geändert von Sarina am So 14. Aug 2011, 12:45, insgesamt 1-mal geändert.
Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar Bild
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