Hallo! In meinem Vorstellungs-Thread
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war die Diskussion langsam in Fahrt gekommen, aber ich denke, wir sollten hier einen eigenen Themenbaum eröffnen.
Es ging um problematische Beziehungen im Zusammenhang mit HS. Deshalb erzähl ich vielleicht mal ohne Blatt vor dem Mund ganz offen von einigen meiner konkreten Probleme...
1. Ich bin extrem leicht kränkbar.
Vermutlich kann man als Nicht-HSP noch nicht mal erahnen, was mich alles kränkt. Da reichen belanglose Bemerkungen meiner Frau, oder Zeit, die sie mit ihrer Freundin verbringt. Ich nehme viele Kleinigkeiten wahr, die andere Menschen vielleicht gar nicht bemerken und lege sie dann auch noch auf die Goldwaage. Neulich sagte meine Frau ganz beiläufig in einem Gespräch, dass ihre beste Freundin für sie eine "Insel im Alltag" wäre. Das hat mich so sehr verletzt, dass ich tagelang nicht mit ihr sprechen konnte. Für mich war das wie die Aussage: "Du genügst mir nicht mehr, ich habe meinen Halt jetzt bei einem anderen Menschen gefunden". Ich war zutiefst verletzt, auch wenn ich das selbst für eine völlig unangemessene Reaktion von mir halte.
2. Ich brauche Intimität mehr als andere Menschen
Für mich ist körperliche Nähe die Form von Kommunikation, die mir mehr liegt, als verbale. Streicheleinheiten und Zärtlichkeiten sind für mich fast das elementarste Grundbedürfnis und ohne die gehe ich förmlich kaputt, vertrockne wie eine Pflanze ohne Wasser. Das ist für einen Mann sehr untypisch und für andere Menschen schwer nachvollziehbar und ich denke, es hat etwas mit meiner HS zu tun. Ich nehme Berührungen meiner Haut extrem intensiv wahr und habe das Gefühl, sie laden mich mit Energie auf und geben mir gleichzeitig durch die Nähe des Menschen, der mich berührt, die Geborgenheit und den Halt, den ich ständig brauche.
Für meine Frau dagegen ist körperliche Nähe absolut verzichtbar und durch verbale Kommunikation voll ersetzbar.
Damit prallen zwei völlig unterschiedliche Ansprüche aufeinander, die oft in beiderseitigem Frust enden.
3. Ich kann mich nicht mit oberflächlichen Dingen beschäftigen
Für mich muss alles in komplexes Denken eingebettet sein. Reflektiertes und tiefgründiges Auseinandersetzen mit der Umwelt gehört zu meinem Grundcharakter und zu meiner Persönlichkeitsstruktur. Ich kann dadurch nur sehr schwer an den leichten und lustigen Dingen des Alltags teilnehmen. Ich kann mich nicht einfach mal gehen lassen oder ausgelassen sein. Das macht mich zur Spaßbremse, zum "komischen Kauz" oder zum "harten Brocken". Meine Frau ist eher ein Mensch, der auch mal lustig und ausgelassen sein will und Spaß und Unterhaltung sucht. Auch das bringt Konflikte mit sich und ein weiteres Problem ist, dass mein Selbstwertgefühl sinkt, weil ich merke, dass ich den Bedürfnissen meiner Frau oder anderer Menschen damit nicht gerecht werde.
All das hat unsere Ehe vergiftet und an einen Punkt gebracht, wo wir nur schwer gemeinsame Anknüpfungspunkte finden. Dabei sind die beschriebenen Probleme im Grunde nur die eine Seite der Medaille, denn auf der anderen Seite sind wir beide sehr empfindsam und behutsam im Umgang miteinander und werden deshalb von unserer Umwelt auch bewundert. Außerdem haben wir es schon 15 Jahre miteinander ausgehalten und viele schöne Zeiten miteinander geteilt.
Meine Partnerschaft ist eine ständige Gradwanderung zwischen Harmonie und dem Abgrund meiner "Andersartigkeit". Ob diese Andersartigkeit tatsächlich mit HS zusammenhängt oder in ihr begründet liegt, kann ich noch nicht abschließend sagen. Aber bisher erkenne ich in den Selbstbeschreibungen hier im Forum viele meiner Eigenheiten wieder.
Erkennt Ihr Euch bei meinen Partnerschaftsproblemen teilweise wieder? Welche Erfahrungen habt Ihr?




