Toller Thread, danke Bea!
Ich arbeite seit 25 Jahren selbstständig und liebe die darin enthaltenen Freiheiten sehr.
Andererseits heißt selbstständig ja leider auch "selbst" und "ständig". Das spüre ich sehr oft daran, dass ich nicht aufhöre
im Dienst zu sein, auch wenn ich eigentlich gerade nicht arbeite. Immer mit den Gedanken bei der Firma, immer auf der Suche nach Informationen die hilfreich sein könnten, schnell noch eine Notiz, ein Telefonat oder das Wochenende für Arbeiten einplanen, die liegen blieben oder zeitaufwändig bzw. konzentrationsintensiv sind.
Was wirklich schön ist, ist das selbstbestimmte arbeiten, die freie Zeiteinteilung (arbeite vom Homeoffice aus, kann wirklich jederzeit arbeiten oder es auch lassen) und dass ich die Zeiten, in denen es mir nicht gut geht, relativ einfach nacharbeiten kann (kein Drama mit dem krank melden beim Chef, schlechtem Gewissen gegenüber Kollegen, Angst vor Arbeitsplatzverlust wg. hoher Fehltage, usw.).
Die wirtschaftliche Seite ist natürlich auch immer wieder ein Stressfaktor. Ich trage das gesamte Risiko selbst, muss oftmals weitreichende Entscheidungen fällen und mich selbst und meine Finanzen gut im Griff haben (klappt nicht immer so gut, wie ich es gerne hätte

). Die gesamte Verantwortung zu tragen, auch für meine Mitarbeiter, ist manchmal ganz schön erdrückend.
Und es gibt die Gefahr von Verlusten, enttäuschenden Erfahrungen, herben Rückschlägen (mir leider passiert, als ich letztes Jahr herausfinden musste, dass mein Geschäftspartner mich nach 10 gemeinsamen Geschäftsjahren und zwei Beziehungsjahren davor, versucht zu hintergehen).
Ok........... - soweit das IST
und jetzt die ZUKUNFT
Von besagtem Geschäftspartner habe ich mich damals sofort "befreit" und es folgten kraftraubende, nervenzerfetzende Monate, in denen ich meine Firma allein führen und unsere beiden Arbeitsplätze nun als One-Woman-Show bestreiten musste. Da ich nicht wusste, welchen Mitarbeitern ich noch trauen konnte, habe ich mich auch von denen getrennt... Musste mir dann Fachwissen aneignen, neue Mitarbeiterin einstellen und einarbeiten, sehen dass mein Ex-Geschäftspartner mir nicht mehr schadet (Schlösser tauschen, Konten sperren,usw.), einen Käufer für die Firma finden, Kunden zufrieden stellen...
Schwamm drüber - ist Vergangenheit. Konnte nach 7 Monaten die Firma endlich verkaufen und bin noch bis April mindestens damit beschäftigt, das alles abzuwickeln. Habe mich durch einen längeren Klinikaufenthalt psychisch und physisch jetzt wieder stabilisiert.
Für mich stellen sich folgende Fragen:
1. will ich weiterhin selbstständig sein? (kann ich das psychisch tatsächlich weiterhin tragen oder war ich so oft krank, weil ich mich ständig überfordert habe? oder war ich krank, weil mein HSP-Sein unerkannt war?)
2. in welchem Bereich kann ich mich besser als bisher verwirklichen / einbringen? (mein inneres Kind wünscht sich ein ganz anderes Arbeitsfeld als bisher, möchte z.B. Vorlesen - keine Ahnung ob man damit Geld verdienen könnte...)
3. welche Fähigkeiten, die ich habe, lassen sich tatsächlich beruflich nutzen? welche sind auch im ausreichenden Maße wirtschaftlich rentabel?
4. könnte ich mir vorstellen, noch eine neue Ausbildung zu machen? wenn ja, welche Dauer ist das Maximum an Zeitinvestition? (ich bin jetzt fast 48 Jahre "jung" - fühle mich aber eher wie 29 ;-) welche Kosten entstehen? kann ich die tragen?
5. wie lange kann ich finanzielle "Durststrecken" überstehen, um in meiner Berufsfindung voran zu kommen?
6. welche Unterstützungsmöglichkeiten gibt es (Maßnahmen der ArGe, Förderungen, Coaching, o.ä.)?
7. falls ich nicht, wie immer bisher, "auf die Füße falle" -bin doch auch eine Katze-, könnte ich eine Berentung oder den Gang zum Sozialamt mit allen Konsequenzen akzeptieren? (leider schleicht sich nämlich immer wieder so ein Gefühl von
vielleicht bin ich nicht mehr gut genug in der heutigen wirtschaftlich angespannten Geschäftswelt ein - das blockiert und macht furchtbar Angst - und Angst ist kein guter Berater und schon gar kein gutes Image bei neuen geschäftlichen oder beruflichen Kontakten) Diese Variante spiele ich nur durch, um dem worst-case den Schrecken zu nehmen.
Das nimmt mir den Druck!
Gibt ja so viele Möglichkeiten, die mir schon eingefallen sind, was beruflich möglich wäre. Und der Test auf diesen Berufsfindungsseiten *http://www.finest-jobs.com/berufstest* ergab, dass ich ein IDEALIST bin, Untergruppen MEISTER, LEHRER, HEILER, BERATER. Und, ganz spannend, ich soll keinen (!) Bürojob machen und schon gar keine Buchhaltung. Beides war bisher mein Leben.

Also hier mal ein paar meiner Zukunftsideen:
- Hörbücher sprechen (Vorlesen für meine "Kleine")
- Karten legen, Lebensberatung (am Telefon oder face-to-face?)
- Heilpraktikerin-Ausbildung
- Biohof(-laden) mitarbeiten oder selbst aufmachen
- ein HSP-Zentrum gründen (mit Leise-Läden und Gedämpft-Disco, Meditationsangeboten, Fitness ohne Dauerbeschallung, einem HSP-Kaufhaus, ...)
- Übersetzungen für die Tourismusbranche
- eine Nische in der Medienwelt finden
- ...
Muss wirklich mal eine Liste meiner Fähigkeiten zusammen stellen. Ist alles noch ziemlich wirr. Bevor ich wußte, dass ich HS bin, schien es etwas "leichter" zu sein. Jetzt denke ich aber auch, dass es ein Riesenglück ist, dass ich nun davon erfahren habe und so eine wirkliche, echte Chance besteht, einen Herzensberuf für mich zu finden.
Möchte so gern gut zu meiner Seele sein, dass sie nicht weiter so "schreien" muss.

So, nun aber erst mal genug für heute. Danke, wer bis hier gelesen hat. Anregungen oder weitere Ideen von Euch wären toll. Oder falls sich jemand aus Norddeutschland bei einer meiner Ideen einklinken möchte...
Ganz herzliche Grüße an Alle,
Kirsten