Re: Schwere Kindheit und HS
von ellen71 » Sa 24. Dez 2011, 15:43
Ob eine Kindheit schlimm war oder nicht, hat nicht immer etwas mit dem Maß des Leidensdrucks zu tun, sondern mit den Methoden, die die Eltern bei der Erziehung anwenden.
Das Buch war für mich sehr aufschlussreich. Ich habe mich in vielen Bereichen wiedererkannt.
Für mich ist eine Kindheit dann schwer, wenn das erzieherische Umfeld (auch Schule) über das Maß, was man als "normal" definiert, hinausgehend negativ aktiv wird, d. h. psychische und körperliche Gewalt, die ungerechtfertigt oder unangemessen ist.
Andere erschwerende Einflüsse, wie z. B. materielle Armut meine ich damit nicht. Man kann auch in bescheidenen Verhältnissen eine glückliche Kindheit haben.
Durch die Lektüre des Buches wurde mir klar, wo die feinen Grenzlinien zwischen einem Verhalten, welches noch in Ordnung ist, und einem Verhalten, welches lieblos bis grausam ist, verlaufen.
Manchmal ist man selbst so mit Schuldgefühlen beladen, dass einem da der klare Blick fehlt.
Als ich das Buch zu Ende gelesen hatte, war der Großteil meiner Schuldgefühle wie weggeblasen und ich konnte erkennen, was für ein himmelschreiendes Unrecht mir als Kind angetan worden ist.
Unrecht bleibt Unrecht - egal, ob es von Angehörigen oder von Außenstehenden verübt wird.
Sicher haben sich die Erziehungsmethoden im Laufe der Jahrhunderte verändert.
Gleich bleibt immer der Punkt, ob mit oder ohne Liebe erzogen wurde.
Beispiel:
Meine Großmutter hat mich sehr geliebt, war aber auch ziemlich streng. Der Klaps auf den Po tat zwar weh, hat mir aber nicht geschadet und heute kann ich darüber schmunzeln. Ich wusste, dass ich manchmal ungehorsam und nervig war und meine Oma auch mal die Geduld verlor.
Mein Vater war ein gefühlskalter Sadist, er schlug mich oft grundlos, einfach nur um mich zu quälen. - Das tut mir heute noch bis ins Mark weh, weil ich seine hasserfüllten Augen gesehen habe.
Wünsche allen eine frohe Osterzeit!