Selbst- und fremdwahrnehmung von menschen mit hs

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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Selbst- und fremdwahrnehmung von menschen mit hs

Beitragvon ja » Di 3. Mai 2011, 12:13

Hallo liebe forumianer!


Erfahren haben wir wohl alle das wir eine ausgeprägte wahrnehmung des gegenübers (ob menschlich oder sächlich) haben.

Bei mir selbst gibt es einen gerade zu eklatanten bruch im unterschied zur selbst – und fremdwahrnehmung. Nerv! Und auch gefährlich (krankheiten)!
Gerne würde ich das ändern.
Für änderung ist für mich stets der weg des umfassenden verstehens notwendig.
In dem fall habe ich das körperlich bereits getan und versuch nun das auch geistig zu tun ...


wie immer gehe ich mal davon aus das es mehr alls eine ursache gibt.
Und zeige die mir offensichtlichen auf, die sozialisation und das neurologische.

Ansozialisiert bekommt man im augenblick die erbringung von maximaler leistung durch (maximale) selbstausbeutung. So konzentriert sich die wahrnehmung eher auf das „aussen“ um möglichst viele faktoren mitzubekommen und nutzbar zu machen.


Neurologisch ein fall der „spiegelneuronen“,
durch die starke wahrnehmung, sind diese auch hochpotent aktiviert und ermöglichen die realisierung des zustandes des gegenübers. Fataler weise „spiegelt“ man sich nicht selbst und hat somit ein defizit in der eigenwahrnehmung ?!




Was meint ihr?


_gruebel_
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Re: Selbst- und fremdwahrnehmung von menschen mit hs

Beitragvon RedSunny79 » Di 3. Mai 2011, 14:10

Ich weiß nicht, ob ich deine Frage richtig verstanden habe. Ich versuch es mal mit einer Antwort. :-)

Man selbst spiegelt ganz häufig das Verhalten des anderen. Diese Spiegelung löst in uns bestimmt Wahrnehmungen oder gefühle aus.
Aus diesen Wahrnehmungen und Gefühlen können wir wiederum Rückschlüsse auf uns selbst gewinnen.
Was fühlt man in Gegenwart des anderen? Negative Gefühle (wie Ablehnung) kommen dann auf, wenn das Gegenüber eine Eigenschaft
spiegelt, von der wir entweder zu viel oder zu wenig besitzen. Ist dies jedoch im Einklank, schweben wir so zu sagen auf einer Wellenlänge.

Ein Beispiel:
Wir empfinden unser Gegenüber als hochnäsig oder von oben herab handelnd. Dann heißt das entweder:

- wir haben zu wenig Selbstvertrauen bzw. stellen uns selbst zu weit nach unten
- oder wir stellen uns über den anderen und sehen ihn als Konkurrenten an



Liebe Grüße,
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Re: Selbst- und fremdwahrnehmung von menschen mit hs

Beitragvon Viola cornuta » Di 3. Mai 2011, 15:14

Ich bin auch nicht sicher worauf Du hinauswillst, ja, habe ich das richtig verstanden:
Da jemand mit HS verstärkt andere Menschen wahrnimmt ergibt sich die Situation, dass dieser HS etwas wahrnimmt was nicht ihm selbst entspricht, sich dementsprechend nicht "spiegelt" und somit entweder sich selbst falsch oder sich selbst als falsch wahrnimmt.

Meintest Du das? Ich merke gerade ich habe das auch nicht deutlich formuliert...
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Re: Selbst- und fremdwahrnehmung von menschen mit hs

Beitragvon ja » Di 3. Mai 2011, 16:49

hallo ihrs,


ich finde es auch selbst ungemein schwierig und ringe um durchblick _anonym_

meine beobachtung ist erstmal,
das menschen mit hs "richtig gut" sind zustände anderer (welcher art auch immer) wahrzunehmen,
die eigenen allerdings nicht.


also ich sehe z. b. das meine kollegin am erschöpfungslimit ist
und laufe selbst mit einer fetten erkrankung durch die gegend (ohne meinen eigenen zustand zu merken)


warum ist das wohl so?

_hüüh_
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Re: Selbst- und fremdwahrnehmung von menschen mit hs

Beitragvon Sarina » Di 3. Mai 2011, 18:25

vielleicht weil man den/die Anderen ja von außen betrachtet und wahrnimmt, sich selbst dagegen ja nicht. Würden wir uns einen Tag mal filmen lassen in unserem Verhalten, beim arbeiten, in Gesprächen und uns das dann anschauen, hätten wir auch den Blick von außen auf uns selbst.

Daran liegt es vielleicht auch warum andere einen unter Umständen anders wahrnehmen als man selbst und umgekehrt.

Über Spiegelneurone habe ich vor einiger Zeit ein interessantes Buch gelesen, weil ich mir einiges was mir passierte nicht erklären konnte. Hier der Link und weiter unten die Buchbeschreibung.
http://www.amazon.de/Warum-f%C3%BChle-f ... 403&sr=1-1

noch eine interessante Beschreibung dazu gefunden:
http://www.spektrum.de/artikel/830957

lieben Gruß
Sarina
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Re: Selbst- und fremdwahrnehmung von menschen mit hs

Beitragvon Viola cornuta » Di 3. Mai 2011, 19:00

Spiegelneurone waren Teil meiner Neurophysiologie Diplomprüfung ;-) Die Eigenwahrnehmung sitzt aber woanders im Gehirn.

Jetzt weiss ich aber was Du meinst, Ja. Ich dachte, das wäre eher durch Traumata oder sonstige schlechte Erfahrungen verursacht...aber da könnten HS natürlich anfälliger sein.

Ich kann ziemlich genau rekonstruieren wie es bei mir zustande kam, nicht durch die mangelnde Fähigkeit (ich erinnere mich dass ich früher sehr genau wahrgenommen habe was in mir vorgeht, körperlich kann ich das immer noch genau, wenn ich es zulasse).
Wenn ich für jeden "Stell Dich nicht so an" oder "Das bildest Du Dir ein" oder "Nimm Dich nicht so wichtig" Spruch meiner Eltern einen Euro bekäme wäre ich jetzt Millionärin. Irgendwann habe ich dann einfach aufgegeben mich wahrzunehmen, da eh nicht darauf geachtet wurde.
Das ging sogar so weit dass ich für Husten ausgeschimpft wurde, weil es Lärmbelästigung war, oder dass ich sogar bei Fieber "Stell Dich nicht so an" gehört habe.

Das ist allerdings ein Sonderfall, ich hatte ziemlich.."unangenehme" Eltern.

Allgemein würde ich sagen dass aber bestimmt viele HS so etwas erleben, dass ihnen die Wahrnehmung nicht geglaubt wird, dass sie von aussen mitbekommen dass das ja so gar nicht sein kann (von Menschen die so etwas nicht wahrnehmen können). Wenn man von Bezugspersonen, Lehrern, Eltern, Geschwistern und Freunden immer nur Unverständnis bekommt dann hört man selbst irgendwann auf daran zu glauben. Ist genau so wie mit anderen Talenten, jemand kann der geborene Schriftsteller sein, wenn er dauernd hört dass er ja gar nicht schreiben kann oder nur dummheiten schreibt dann geht das Talent auch verloren...

Wahrnehmung anderer dagegen wird ja gefördert und belohnt, nicht unbedingt direkt, aber indirekt, indem man sich besser einstellen kann auf Menschen, auf sie eingehen kann, positive Rückmeldung bekommt (Du bist so einfühlsam!) u.ä.

Ich sehe darin, gerade bei Frauen (bei Männern natürlich auch, siehe unten), auch das gesellschaftliche Problem, dass wir zum Lächeln, gefällig, nett sein erzogen werden, niemandem zur Last fallen sollen und schön "pflegeleicht" sein sollen. Da passen eigene Befindlichkeiten natürlich nicht rein! Im schlimmsten Fall muss man sich "Aufmerksamkeitsheischen" unterstellen lassen.

Bei Männern wird es ja auch aberzogen, sobald ein Mann eine Befindlichkeit äussert die unter einem gebrochenen Arm liegt, oder wenn kein Blut spritzt, muss er sich "Weichei" und ähnliches anhören. Bei Männern wird Einfühlungsvermögen nicht direkt ermutigt (ausser bei einigen glücklichen Ausnahmen), aber ich denke dass sie indirekt dafür belohnt werden, in Konkurrenz mit anderen Männern hilft ihnen die Empathie auch weiter.

Fazit: Ich denke HS haben genau dieselbe Fähigkeit, andere wahrzunehmen, wie sie sich auch selbst wahrnehmen können, auch wenn da dran andere Neuronen beteiligt sind (sensorischer Cortex zum Beispiel, aber auch viele mehr) aber durch verschiedene Faktoren wird das unterdrückt, im günstigsten Fall dadurch dass die Fähigkeit einfach nicht gefördert wird, im schlimmsten Fall sogar durch aberziehen.
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Re: Selbst- und fremdwahrnehmung von menschen mit hs

Beitragvon ja » Di 3. Mai 2011, 19:34

liebe viola,


deine ausführungen sind sehr spannend, danke.

das würde meine these der ansozialisation stützen!


grüsse, viele davon
ja.



ps: welche region im gehirn ist für die eigenwahrnehmung da?
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Re: Selbst- und fremdwahrnehmung von menschen mit hs

Beitragvon Viola cornuta » Di 3. Mai 2011, 20:04

http://de.wikipedia.org/wiki/Propriozeption#Propriozeptive_Nervenbahnen_und_Kerngebiete

sehr viel genauer weiss auch nicht auswendig(wobei ich auch gerne in meinem Neurophysiologiebuch nachsehen kann, sobald ich wieder arbeiten gehe)...in den Hirnbereichen, die für die Steuerung zuständig sind, liegen meistens auch Wahrnehmungszentren, entweder direkt da, oder gespiegelt. Oder man hat einen speziellen Bereich dafür (wie der auditive Cortex).

Das Ganze ist aber derartig plastisch, der sensorische Cortex zum Beispiel, den man sich vorstellen kann wie eine verzerrte Form von Menschenschablone, die im Grosshirn liegt, also der Bereich, der für die Finger zuständig ist, ist auch grob fingerförmig und hängt zusammen. Sprich, man hat nicht hier ein Fingerneuron und da ein Fingerneuron, sondern die Bereiche hängen zusammen und sind in etwa so angeordnet wie im Körper auch. Je sensibler (Hände, gesicht) ein Bereich, desto grösser die Abbildung.
"gemessen" wird das, indem die Aktivität im Gehirn gemessen wird, während man bestimmte Körperstellen berührt.

Es gab da mal spannende Experimente mit Affen, denen zwei Finger zusammengebunden wurden. Nach einer Weile hatten sie nur noch 4 Finger in ihrem Hirn abgebildet, die Bereiche im Gehirn für die zusammengebundenen Finger sind quasi "zuammengewachsen". Wenn man die Finger wieder befreit hat, konnten sie sie nur gemeinsam bewegen, nach einer Weile aber haben sie nochmal gelernt sich separat zu bewegen, was man auch im Gehirn direkt gesehen hat.

Wir können das alle selbst experimentell überprüfen, versucht mal eure Zehen aktiv separat zu bewegen, also mit den Zehen "Klavierspielen". Geht bis auf wenige Ausnahmen nicht. Das liegt aber nicht daran dass eure Zehen sich nicht einzeln bewegen können (das geht, probiert das mal, sie einzeln mit Hilfe der Hände zu beugen), sondern daran dass das Gehirn die Zehen nicht einzeln wahrnimmt. Wie oft spielt man schon mit den Füssen Klavier?
Eventuell ist es bei beiden Füssen unterschiedlich, oder einzelne Zehen können sich separat bewegen. Ist bei jedem anders!
Jetzt aber das Spannende: Wenn ihr das ein paar Wochen übt, dann könnt ihr das lernen. Also, immer wieder passiv getrennt bewegen, und immer wieder versuchen, die zehen einzeln getrennt zu bewegen. Irgendwann geht das immer leichter, meistens innerhalb von 3-4 Wochen.

ist ausserdem gut für die Haltung und gegen Senkfüsse ;-)

Zeigt einfach dass Wahrnehmung und Kontrolle von Körperteilen, also von sich selbst, nur ausgebildet wird wenn diese Fähigkeit genutzt wird, und sehr schnell verloren (und wiedergewonnen) werden kann.
Ja, soweit ich mich an Deine Geschichte erinnere kannst Du uns dazu auch eine Menge erzählen :-)
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Re: Selbst- und fremdwahrnehmung von menschen mit hs

Beitragvon Mohnblume » Di 3. Mai 2011, 20:16

Ich stelle fest, dass ich immer noch ein Problem habe, meine eigenen Gefühle ernst zu nehmen bzw. mich überhaupt hier und da wahrzunehmen.
Ich glaube, dass man als Kind einen Menschen braucht, bei dem man mit seiner Eigenwahrnehmung und den Gefühlen "ankommen" kann, also jemandem, der einem "spiegelt": Ja, ich sehe dich, ich nehme dich wahr, ich nehme dich ernst.

Das ist für mich die Grundlage, sich selbst wahr und ernst nehmen zu können, sich auf sich selbst zu verlassen, einen Halt in dieser Welt zu haben und zu wissen, was man braucht und was man will. Man könnte auch sagen, ja, ich bin unterstützt worden in meinem Sein. Ich wurde gesehen und gefördert. Da hat sich jemand für mich interessiert.

Ich fürchte, ich suche heute noch einen Menschen, bei dem ich mit meinem "Innenleben" ankommen kann. Vielleicht habe ich auch deshalb meine Fühler so extrem nach außen gerichtet. Immer auf der Suche nach Resonanz. Wenn ich jemanden kennenlerne, habe ich oft das Gefühl, ich "scanne" den Anderen und gleiche sein Innen mit meinem Innen ab.

LG,
Mohnblume
"Ob eine Sache gelingt, erfährst du nicht, wenn du darüber nachdenkst, sondern wenn du es ausprobierst."
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Re: Selbst- und fremdwahrnehmung von menschen mit hs

Beitragvon Sarina » Di 3. Mai 2011, 20:33

Mohnblume _knüddel_
wie gut ich das verstehen kann _yessa_
Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar Bild
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