Selbstunsicher-vermeidende Persönlichkeit

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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Selbstunsicher-vermeidende Persönlichkeit

Beitragvon Lesley » Mi 29. Dez 2010, 21:14

Ich habe gerade einen interessanten Artikel bei wikipedia gelesen:

http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%84ngst ... %C3%B6rung

Das trifft in vielen Punkten auf mich zu.

Geht es noch jemandem von euch so?
Wie geht ihr damit um?
"Von dem Menschen, den du geliebt hast, wird immer etwas in deinem Herzen zurückbleiben."
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Re: Selbstunsicher-vermeidende Persönlichkeit

Beitragvon eigenART » Mi 29. Dez 2010, 23:26

Hallo Lesley,

ui ... schon wieder so ein Thema icon_winkle

In vielen Teilen trifft dies auf meine Kindheit/Jugend/viele Jahre als Erwachsene zu ... auch in diese Richtung:
Die gelegentlich irreführend selbstsichere Erscheinung ist eine Art „äußere Maske“ als Folge einer darunterliegenden chronischen Anspannung zum Schutz der leicht aktivierbaren Vulnerabilität.

Ich habe auch vieles hinter Ironie und Sarkasmus versteckt ...

Das hier trifft wiederum gar nicht:
... bescheiden, „pflegeleicht“ und verlässlich sind, problemlos zu gängeln, ... sehr hohe Aufopferungsbereitschaft innerhalb des Bekanntenkreises zu kompensieren

verlässlich schon, aber nie problemlos ... ich war auch damals schon ziemlich "eigen", schwierig ...

Bei mir war dies eindeutig eine Folge des frühen Traumas ... hat viele Jahre und schmerzliche Erkenntnisse gebraucht, um dies zu überwinden ... die Unsicherheit im beruflichen Bereich meldet sich ab und an immer noch.

Lieben Gruß
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Re: Selbstunsicher-vermeidende Persönlichkeit

Beitragvon Wolke » Do 30. Dez 2010, 08:53

Hallo Lesley,

bei mir treffen auch viele Punkte zu....
Aber ich lebe "einfach" damit....vielleicht wäre das wieder etwas für einen Therapeut ?

Ganz liebe Grüße
Wolke
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Re: Selbstunsicher-vermeidende Persönlichkeit

Beitragvon Nicky » Do 30. Dez 2010, 15:34

Hallihallo,

als einige Punkte treffen auf mich auch zu.
Allerdings bin ich mir nicht so sicher, ob das wirklich immer eine Persönlichkeitsstörung, oder vielleicht nicht auch auf die HS zurückzuführen ist? _gruebel_
Denn oftmals haben HSP in bestimmten Situationen ja auch das Gefühl, sich hinter einer Maske verstecken zu müssen, oder einfach den Wunsch, soziale Kontakte einzuschränken.
Ich selbst würde mich nicht als Persönlichkeitsgestört bezeichnen.
Denn der Artikel trifft wirklich nur teilweise, oder situationsbezogen auf mich zu.

Aber es wirklich ein schöner Denkanstoß!

Liebe Grüße

Nicky _snoöwman_
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Re: Selbstunsicher-vermeidende Persönlichkeit

Beitragvon stilles reh » Fr 31. Dez 2010, 20:24

Hallo Lesley,

das ist ja witzig - erst vor zwei Tagen habe ich mich mit demselben Artikel auseinander gesetzt !! Ich denke der Grund für die unsichere, ängstliche Haltung ist, dass ich HS bin - das habe ich von meinem Vater, bei dem ich nicht aufgewachsen bin - und so habe ich in meiner Kindheit ausschließlich mit Nicht-HS zusammen gelebt. Ich fühlte mich seit ich denken kann unverstanden, unnormal, dünnhäutig, defekt, falsch, anders. Daher rührt die Unsicherheit, dass ich so schüchtern bin, lieber gar nichts sage statt was falsches.

"Die betreffende Person neigt zur Überbetonung potentieller Gefahren oder Risiken alltäglicher Situationen bis zur Vermeidung bestimmter Aktivitäten." BINGO. "Soziale Isolation" - auch Bingo. Ich arbeite daran, aber es ist sehr schwer, die Ängste zu überwinden.

Ansonsten bin ich eben sehr sensibel, daher erröte ich leicht ( Stichwort Fremdschämen ) oder daher bin ich überempfindlich gegenüber Ablehnung, bin schnell verlegen, innerlich immer auf dem Sprung... so nervig das alles auch sein mag, ich halte es nicht für eine Störung, sondern als Ausdruck meiner HS. Seit ich von Hochsensibilität weiß, kann ich diese Problemchen akzeptieren, denn ich kann es eh nicht ändern und außerdem habe ich durch die HS auch viele gute Eigenschaften. Nur eben diese ängstliche Vermeidungshaltung, die mich wirklich behindert und mit der ich mir immer wieder ein Bein stelle, die will ich überwinden.

Was ich sehr zutreffend für mich fand, war:
"Ihr Verhalten ist Ausdruck von Angst und Hilflosigkeit gegenüber den elterlichen Erziehungspraktiken; bisweilen später Entfremdung. Eltern werden als unterdrückend, einengend, emotionsarm und wenig einfühlend erlebt.

Unter solchen und ähnlichen Erziehungsbedingungen würde sich die Persönlichkeitsentwicklung eines solchen Kindes fast zwangsläufig in Richtung Ängstlichkeit und soziale Vermeidung sozialer Herausforderungen bewegen. Die natürlichen Energien und Möglichkeiten seien dadurch bald erschöpft. Die Zurückweisungen und Abwertungen mündeten notgedrungen schließlich in eine Selbstabwertung und Selbstentfremdung."

Das Wort "Selbstentfremdung" beschreibt mein Gefühl gegenüber mir selbst. Ich lebe quasi an meinen Bedürfnissen vorbei, an dem was ich will vorbei, ich tue lieber das "Vernünftige" oder Einfache - und somit lebe ich an mir selbst vorbei. Aber Einsicht ist ja bekanntlich der erste Schritt zur Besserung.

Viele Grüße
Reh
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Re: Selbstunsicher-vermeidende Persönlichkeit

Beitragvon bonbon » So 2. Jan 2011, 19:52

Hallo,

auf mich treffen auch fast alle Punkte zu.
Aber ich sehe das auch so, wie Nicky: es muß sich ja nicht immer eine Persönlichkeitsstörung dahinter verbergen. Es kommt ja auch auf den Ausprägungsgrad der einzelnen Punkte an.
Vieles trifft zu einem gewissen Maß auch auf manch gesunden Menschen als normale Charaktermerkmale zu. Wie Wolke ja auch geschrieben hat. Und es kommt auch darauf an, ob ein Leidensdruck unter den beschriebenen Punkten besteht. Dann hat es ja Krankheitswert und geht schon in die Richtung Persönlichkeitsstörung.

Mir hat es allerdings einige Aha-Effekte gebracht. Danke Lesley.

Liebe Güße
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Re: Selbstunsicher-vermeidende Persönlichkeit

Beitragvon Lesley » So 2. Jan 2011, 21:07

Danke für eure Antworten und Erfahrungen. Ich habe ganz bewusst in der Überschrift das Wort "Störung" weggelassen, weil ich auch denke, dass ich nicht gleich eine Störung sein muss sondern einfach Teil der Persönlichkeit sein kann.

Die ängstliche (vermeidende), auch selbstunsichere Persönlichkeitsstörung ist gekennzeichnet durch Gefühle von Anspannung und Besorgtheit, Unsicherheit und Minderwertigkeit. Es besteht eine andauernde Sehnsucht nach Zuneigung und Akzeptiertwerden, eine Überempfindlichkeit gegenüber Zurückweisung und Kritik mit eingeschränkter Beziehungsfähigkeit. Die betreffende Person neigt zur Überbetonung potentieller Gefahren oder Risiken alltäglicher Situationen bis zur Vermeidung bestimmter Aktivitäten.


Die Überempfindlichkeit auf Kritik und Zurückweisung ist bei mir sehr stark ausgeprägt. Ich habe ständig wie ein "schlechtes" Gewissen.


Charakteristisch für vermeidende Persönlichkeiten ist, dass sie sich unsicher, gehemmt, unattraktiv und minderwertig fühlen und aus Angst vor Kritik, Zurückweisung und Verspottung soziale Kontakte meiden.


Das stimmt. Ich habe oft Angst, Fehler zu machen oder mich lächerlich zu machen und vermeide deshalb soziale Kontakte.


Ihr geringes Selbstvertrauen wird von anderen meist positiv oder gar nicht gesehen, weil sie sich nicht in den Vordergrund drängen, bescheiden, „pflegeleicht“ und verlässlich sind, problemlos zu gängeln, trauen sie sich doch ohnehin nichts zu, insbesondere nicht, „Nein“ zu sagen.


Auch das trifft auf mich zu. Ich habe oft das Gefühl, gar keine Meinung zu haben bzw. wenn ich sie habe, dann wird das nicht wahrgenommen von anderen.



Ständige Selbstzweifel plagen sie. In Gesprächen mit anderen halten sie keinen Augenkontakt, sondern fixieren andere Regionen des Gegenübers oder Gegenstände im Raum. Zu neuen Erfahrungen oder für alternative Möglichkeiten sind sie immer weniger bereit. In sozialen Kontakten wirken sie unzufrieden, gequält, distanziert, der Redefluss ist zu zäh und stockend.


Auch hierin erkenne ich mich bzw. mein Verhalten wieder.


Die gehemmte Persönlichkeitsstörung lässt sich weiter in zwei Subtypen aufteilen.

* kühl-distanziert

Die eine Gruppe lässt sich als „kühl-distanziert und sozial-vermeidend“ („cold-avoidant“) beschreiben. Sie haben Probleme, warme Gefühle auszudrücken, und sind misstrauisch anderen gegenüber.

* nachgiebig-ausnutzbar

Charakteristisch für die „nachgiebig-ausnutzbare“ („exploitable-avoidant“) Gruppe ist, dass sie sich von anderen ausgenutzt fühlen oder werden und es ihnen Probleme macht, anderen Grenzen aufzuzeigen (= nein sagen).


Ich bin der zweite Typ mit teilweise Tendenz zu Typ 1.
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