Nicky hat geschrieben:Hallo Ellen,
ich denke, dass das auf die Sicht des Betrachters ankommt.
Auch ich habe schon einiges in meinem Leben ausprobiert, wo mir oft gesagt wurde, dass das für berufliche Bewerbungen hinderlich wäre.
Aber ich habe einen Job gefunden, der-erstmal-ok ist.
Ich glaube, heutzutage sind die Menschen-jeder für sich- so sehr von verschiedenen Ängsten geplagt, dass ein vielseitiger Mensch diese Angst nur noch schürt.
Letztendlich ist es ja so, dass man schief angeguckt wird, wenn man sein Leben in beide Hände nimmt und einfach selbst entscheidet was man daraus machen möchte. Man wird für verrückt erklärt oder muss sich rechtfertigen. Im schlimmsten Fall wird man sogar beleidigt für seine Individualität. Obwohl ich immer der Ansicht bin, dass Individualität in jedem Fall mit Vielseitigkeit einher geht.
Liebe Grüße
Nicky
Das mit der Beleidigung und sich Ständig-rechtfertigen-Müssen habe ich auch oft erlebt.
Zunächst wird man mit massiven Vorwürfen konfrontiert, so in der Art: "Na, jetzt erklären Sie mir/uns das mal!" - Da ist der Ton dann schon so attackierend, dass man gar nicht weiß, was man darauf antworten soll bzw. ob es überhaupt Sinn hat, sich ausführlich zu erklären, weil man die Ablehnung ohnehin schon spürt.
Bei mir ist es so, dass ich nicht viel ausprobiert habe, ich habe einfach eine Ausbildung hinter mir, die mir mehrere Möglichkeiten bietet. Darin sehe ich weder einen Fehler, für den ich mich entschuldigen muss noch als Makel meiner Person.
Für meine vielseitigen Interessen und Talente kann ich auch nichts. Ich glaube nicht, dass man sich dafür schämen muss. Schämen müsste man sich nur, wenn man gar nix kann und nix weiß und auch nix lernen will.
Ich habe oft erlebt, dass alle möglichen Fähigkeiten erwartet werden. Wenn man es dann tatsächlich bieten kann, wird man schief angekuckt. Man soll möglichst die eierlegende Wollmilchsau sein.
Manche Leute reagieren auch verunsichert oder herabgemindert. Dafür kann aber ich nichts, wenn der- oder diejenige so wenig Selbstwertgefühl hat.
Da kommt es bei Vorstellungsgesprächen oft zu sehr skurriler Konversation.
Beispiel:
Ich hatte mich auf eine Anzeige als Verkäuferin in einem Geschäft für Innendekoration beworben.
In meiner Bewerbung habe ich mich bemüht, sämtliche meiner Fähigkeiten, die das Thema inhaltlich tangieren, anschaulich darzulegen.
Als ich dann dort war, fragte mich der Arbeitgeber, ob ich Kenntnisse als Raumausstatter hätte. Ich verneinte mit dem Hinweis, dass er ja eine Verkäuferin und keinen Raumausstatter suchte. Dann schnauzte er mich an und sagte: "Andere Bewerber bringen diese Kenntnisse aber mit!"
Das war dann das Ende des Gespräches.
Dem einen ist man zu vielseitig, der sieht das als Nachteil. Dem anderen ist man trotz der Vielseitigkeit noch zu wenig vielseitig
Man kann es niemandem Recht machen.