Vorurteil Introversion

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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Vorurteil Introversion

Beitragvon ellen71 » Mo 9. Jan 2012, 21:12

Viele unserer Teilnehmer im Forum behaupten von sich, sie seien introvertiert.
Ich behaupte mal, dass das nicht so ist. _grin_
Es wurde uns jahrelang eingeimpft, dass wir introvertiert seien. - Auch bei mir war das so.

Warum ich als introvertiert betrachtet werde, ist schnell erklärt:
wenn ich in einer Gesprächsrunde bin, rede ich wenig bis gar nicht.

Warum?
- Weil unter den Mitgliedern der Gruppe keine HSP sind
- Weil mich das Thema nervt oder langweilt
- Weil einige meinen, sie müssen sich brüllend unterhalten. Da mitzubrüllen hab ich keine Lust.
- Weil manche aggressiv argumentieren, andere niederquatschen, nicht ausreden lassen usw.
Das hat für mich nichts mit Gesprächskultur zu tun.

Wäre es eine Gesprächsrunde mit Menschen, die wissen, wie man sich angemessen und höflich unterhält, die auch mal den anderen ausreden lassen, die aufmerksam zuhören (manche können das gar nicht!), die den anderen Teilnehmern persönliche Wertschätzung zukommen lassen (!) und nicht zuletzt ein Thema, wo ich auch gerne mitreden möchte, dann würde das ganz anders verlaufen.
Dann würde ich mich mit sämtlichen Kräften einbringen, ich würde reden wie ein sprudelnder Quell! _director_

Ich hatte nie ein Problem, auch vor einer größeren Menschenmenge zu sprechen. Ich kann gut Vorträge halten, ich kann auch Menschen humorvoll unterhalten.
Aber das Publikum muss halt das richtige sein ... _yessa_

Solange 80 % der Menschheit Non-HSP sind, werden wir weiterhin in die Introvertierten-Ecke gedrängt.
Wünsche allen eine frohe Osterzeit!
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Re: Vorurteil Introversion

Beitragvon bumblebee » Mo 9. Jan 2012, 23:37

Das Ding ist, glaube ich, dass Extroversion eben durch das vorderdrängige, ungehaltene, weniger rücksichtsvolle Verhalten herausentspringt. Was nicht bedeuten muss, dass Introversion ausschließlich aus Höflichkeit geschieht. Es kann auch Feigheit bedeuten. Es kommt immer drauf an, wann man sich introvertiert verhält und wann nicht. Wenn es um ernste Themen geht, wo Ehrlichkeit gefragt ist, können sich genauso sehr sonst Extroversierte folglich introversiert verhalten. Sie ziehen sich vor der Ernsthaftigkeit zurück. Wobei sich Introvertierte in oberflächlichen Situationen zurückziehen können, wo die Extrovertierten keine Gefahr spüren, am Kern verletzt zu werden. Wenn jemand permanent extrovertiert ist, ruht er nie in sich und alles was er sagt, ist meiner Meinung nach oberflächlich. Ein Introversierter, der nie aus sich herauskommt, ist zwar tiefgründig, aber auch tief alleine. Es hat alles seine Pro- und Schattenseiten. Ich bin ähnlich wie du. Wenn mich ein Thema nicht zur Aussage anregt, schweige ich und das kommt dann in den meisten Gesellschaften schonmal öfter vor, weswegen ich dann auch gleich als schüchtern abgestempelt werde. Dass ich nicht schüchtern bin und auch aus mir herauskomme zeige ich oft darin, dass ich Entscheidungen für Gruppen treffe, da sie sich nicht zu entscheiden trauen oder auch eine Ansprache führe, die sich keiner sonst traute. Ich arbeite in einem kundenkommunikativen Beruf, bei dem ich mich als sozialkompetenter einstufe, als einige (es fehlt ihnen an Verständnis, Zuwendung und Respekt) und das, obwohl ich ein Mensch weniger verbaler Worte bin. Sozialkompetenz ist eine Sache des Miteinanders. Übertönen und penetrante Hervorstellungen zb in Gesprächen sind ein Gegeneinander. Introversion kann es in gewissen Fällen auch sein. Zb wenn man sich verschwiegen in Dingen hält, die Ansprache brauchen.

Ich bin ein Gemisch, überwiegend würde ich mich als introvertiert aufgrund schlechter Erfahrungen einstufen. Früher bin ich ohne größere Ängste auf Menschen zugegangen, die mir sympathisch waren, weil mir das Ziel lohnenswerter erschien, als die Angst mich bremsen konnte. Ich liebte Referate und Präsentationen und Theateraufführungen und wollte Schauspielerin, Sängerin, Tänzerin usw werden. Doch durch vielerlei erniedrigender Worte und Blicken, ist meine einstige Unbeschwertheit in ihre Schranken gewiesen worden und seither ziehe ich mich in vielerlei Hinsicht sehr zurück. Manchmal schaffe ich es wieder bergauf. Doch es ist noch ein Kampf.
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