Vorurteile und Unverständnis unter HSP (?)

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

Moderatoren: Hortensie, Eule

Vorurteile und Unverständnis unter HSP (?)

Beitragvon abstract » Do 12. Okt 2017, 14:42

Hallo ihr!

Mit dieser Frage beschäftige ich mich seit längerer Zeit, da in HSP-Communities ein enormer Leidensdruck zum Vorschein kommt, die Leidenden selbst aber gleichzeitig gerne die Toleranz, Akzeptanz und Anerkennung Andersdenkender (hs) Menschen vehement ablehnen. Man möchte für sich also etwas haben, das man nicht bereit ist zu geben. Diese Erwartungshaltung befremdet mich zwischendurch immer wieder, denn ein HSP, der von sich behauptet, sich selbst am besten zu kennen, empathisch zu sein, könnte doch auch in der Lage sein, sich in andere zu versetzen, ohne dabei von sich auf andere zu schließen. Ist das nicht ein Widerspruch, der in Richtung Double Bind tendiert? Im Volksmund gibt es den Spruch "Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht." Aber HSP verstehen sich doch als alles andere als plumpe "Bauern", die Vorurteile gegenüber unbekannten Dingen und Menschen pflegen - so behaupten viele jedenfalls über sich. Was geschrieben wird stimmt bereits beim schriftlichen Kommunikationsverhalten oft nicht mit dem überein, was behauptet wird.

Der Mensch als kognitiver Geizhals braucht natürlich seine Schubladen zum allgemeinen Selbstschutz und -erhalt, aber sehr schnell verfällt der Durchschnitts-HSP in Haltungen, die alles Unbekannte oder Andersartige ablehnen, oder sogar "Extrawürste" sich wünschen. Sogar andere HSP, die nicht so ticken wie man selbst, werden nicht nur skeptisch beäugt, nein, manchmal geht es sogar so weit, dass anderen HSP mal mehr, mal weniger direkt die HS, Empathie und Emotionen generell abgesprochen werden. Häufig geschieht es gegenüber rational veranlagten HSP, die viel hinterfragen, gerne diskutieren und sich für wissenschaftliche Dinge interessieren.

Das ist meine Beobachtung, die natürlich rein subjektiv ist und daher auch nicht stimmen muss.
Um mich mal in die Reihe der ganzen "Geht es auch dir so?"-Themen einzureichen, frage ich mal:
Ist euch das auch schon mal so oder ähnlich aufgefallen oder ergangen?
Wer gackert, muss auch Eier legen können. (Gemeiner Volksmund) _snoöwman_
abstract
Gold Member
 
Beiträge: 328
Registriert: Sa 16. Sep 2017, 11:05

Re: Vorurteile und Unverständnis unter HSP (?)

Beitragvon jules1976 » Do 12. Okt 2017, 20:33

_moin_

Ich antworte mal mit einer Gegenfrage:

Warum wird denn scheinbar erwartet, das der/die HSP anders reagiert als der Rest der Gesellschaft?

In meinen Augen ist das kein HS-spezifisches Thema, dass Du ansprichst, sondern betrifft die gesamte Gesellschaft und könnte genauso gut im Forum :

Philosophische Fragen und Gedanken oder
Politik aktuelles und brisante Themen stehen.

MfG jules1976
Life is what happens while you´re busy making other plans
**** John Lennon ****
Benutzeravatar
jules1976
Administrator
 
Beiträge: 5289
Registriert: Mi 23. Mai 2012, 09:56

Re: Vorurteile und Unverständnis unter HSP (?)

Beitragvon abstract » Do 12. Okt 2017, 20:55

Hallo Jules1976


Vielleicht, weil HSP sich als so anders als normal definieren und das auch so über sich sagen, könnte man auch eine dementsprechende Reaktion erwarten, die eben anders als der Rest der Gesellschaft ist. Sofern man so super einfühlsam sich beschreibt, warum verhält man sich dann nicht so, wie man es sagt? Reden und Taten stimmen nicht überein. Ich hoffe, deine Frage habe ich richtig eingeordnet. Ansonsten kann ich das Thema aber auch gerne nochmal kopieren und woanders platzieren. Oder wenn ihr Mods mögt, könnt ihr es auch machen.

Schönen Abend

Editiert: Hatte zunächst auch überlegt, wo ich es unterbringen könnte, denn es betrifft ja sowohl HSP als auch den Rest der Welt. :-)
Wer gackert, muss auch Eier legen können. (Gemeiner Volksmund) _snoöwman_
abstract
Gold Member
 
Beiträge: 328
Registriert: Sa 16. Sep 2017, 11:05

Re: Vorurteile und Unverständnis unter HSP (?)

Beitragvon jules1976 » Do 12. Okt 2017, 21:11

Wenn Du meinst, es ist es ein HS spezifisches Thema, dann ist das so in Ordnung.

Was mir gewaltig gegen den Strich geht, ist die Verallgemeinerung von HSP.
Life is what happens while you´re busy making other plans
**** John Lennon ****
Benutzeravatar
jules1976
Administrator
 
Beiträge: 5289
Registriert: Mi 23. Mai 2012, 09:56

Re: Vorurteile und Unverständnis unter HSP (?)

Beitragvon abstract » Do 12. Okt 2017, 21:16

Meinst du in meinem Beitrag oder allgemein? Bezogen auf meinen Beitrag verstehe ich es nicht, da ich ja herausfinden möchte, ob meine Beobachtung so ist. Daher habe ich am Ende ja auch dazugeschrieben, ob es anderen HSP auch so geht.

Grundsätzlich geht mir die Verallgemeinerung auch auf den Keks. Aussagen wie "Wir als HSP...." stören mich gewaltig. Allerdings finde ich solche Aussagen im Kontext dann doch nicht ganz so störend, sofern der Schreiber das dann auch begründet udn ausführt. Für manche ist das halt so ein Stilmittel oder sowas.
Wer gackert, muss auch Eier legen können. (Gemeiner Volksmund) _snoöwman_
abstract
Gold Member
 
Beiträge: 328
Registriert: Sa 16. Sep 2017, 11:05

Re: Vorurteile und Unverständnis unter HSP (?)

Beitragvon jules1976 » Do 12. Okt 2017, 21:26

Ich spreche von Deinem Eröffnungspost und ebenso noch von Deiner Antwort an mich.

Ist vielleicht nicht beabsichtigt und ebenso den Tücken der reinen Schriftsprache geschuldet, aber für mich klingt da so ein abwertender Ton von HS-Communities mit.
Life is what happens while you´re busy making other plans
**** John Lennon ****
Benutzeravatar
jules1976
Administrator
 
Beiträge: 5289
Registriert: Mi 23. Mai 2012, 09:56

Re: Vorurteile und Unverständnis unter HSP (?)

Beitragvon abstract » Do 12. Okt 2017, 21:41

Ich habe in HS-Communities wie Facebookgruppen immer wieder die Erfahrung gemacht, dass analytisch denkende HSP dort nicht erwünscht waren. Ja, schlechte Erfahrungen zum Thema HSP allgemein. Wenn ich das direkt sage ist es abwertend? Mag sein, ist aber nicht so gemeint. In dem Thread von Anima habe ich auch an mehreren Stellen betont, dass sich es insbesondere auf FB-Gruppen bezog. Ich fühlte mich auch oft genug abgewertet und gezwungen, mich für meinen Diskussionsstil zu rechtfertigen. Ist das jetzt schlimm, es anzumerken oder auch mal zu thematisieren? Gerade gestern Abend ist jemand in eine spannende Diskussion hineingegrätscht und hat versucht, das Wort im Munde umzudrehen, da unzufrieden mit dem Inhalt. So kenne ich es aus HS-Gruppen. Bis man keine Lust mehr hat, überhaupt noch etwas zu schreiben.
Wer gackert, muss auch Eier legen können. (Gemeiner Volksmund) _snoöwman_
abstract
Gold Member
 
Beiträge: 328
Registriert: Sa 16. Sep 2017, 11:05

Re: Vorurteile und Unverständnis unter HSP (?)

Beitragvon Velvet » Fr 13. Okt 2017, 06:05

Hallo abstract, ich verstehe bei all den Diskussionen nicht, was Hochsensibilität denn über Charakterbildung, sozialen Umgang, Intelligenz, Toleranz, Teamfähigkeit etcpp. eines Menschen aussagt? In meinen Augen: gar nichts.

Ich persönlich erkenne an mir manche Eigenschaften wieder, die von Menschen beschrieben werden, die sich unter dem Begriff "Hochsensibilität" zusammenfinden. Mehr aber auch nicht. Mich deshalb als "hochsensibel" zu verorten, vor allem mit einem riesigen Paket von Erwartungen in Gruppen einzusteigen, die sich selbst irgend ein Label verpasst haben, um dann enttäuscht zu sein, wenn ich doch nur erlebe, dass es ganz normal "bemackte" ;) Menschen sind, wie jeder andere und ich auch,- darin sehe ich für mich keinen Sinn.
Das fühlt sich für mich etwas so an, als hätte ich einen erzieherischen Auftrag zu erledigen. Nö, den hat niemand. Und der wird auch schnell von den anderen bemerkt und entsprechend abwehrend darauf reagiert.

In meinen Augen liegen die Schwierigkeiten in Diskussionen, ob auf FB oder sonstwo, egal unter welchen Gruppierungen, nicht am Inhalt einer Aussage, sondern an ihrer Intension.

Ich denke, alle Menschen sind grundsätzlich sehr sensibel was sie selbst betrifft, ihren Nutzen, den sie aus ihrer Interaktion mit ihrer Umwelt ziehen und ihr persönliches Wohlgefühl, dass sie sich von anderen erwarten. Und nicht zu vergessen in ihren Ängsten und Unsicherheiten und deren Kompensationen.

Meiner Meinung nach gibt es nicht "diese" oder "jene" Gruppierungen, Mensch will-unter was auch immer für einem Label- überleben, das ist sein Programm. Und das ähnelt sich sehr einander, mehr, als es manch´ einem lieb und "besonders" ist ;).
Velvet
Neuling
 
Beiträge: 35
Registriert: Mi 11. Feb 2015, 10:12

Re: Vorurteile und Unverständnis unter HSP (?)

Beitragvon jules1976 » Fr 13. Okt 2017, 07:43

abstract hat geschrieben:Ich habe in HS-Communities wie Facebookgruppen immer wieder die Erfahrung gemacht, dass analytisch denkende HSP dort nicht erwünscht waren. Ja, schlechte Erfahrungen zum Thema HSP allgemein. Wenn ich das direkt sage ist es abwertend? Mag sein, ist aber nicht so gemeint. In dem Thread von Anima habe ich auch an mehreren Stellen betont, dass sich es insbesondere auf FB-Gruppen bezog. Ich fühlte mich auch oft genug abgewertet und gezwungen, mich für meinen Diskussionsstil zu rechtfertigen. Ist das jetzt schlimm, es anzumerken oder auch mal zu thematisieren? Gerade gestern Abend ist jemand in eine spannende Diskussion hineingegrätscht und hat versucht, das Wort im Munde umzudrehen, da unzufrieden mit dem Inhalt. So kenne ich es aus HS-Gruppen. Bis man keine Lust mehr hat, überhaupt noch etwas zu schreiben.


Ich schrieb, es klingt ein abwertende Ton mit.
Ist an dieser Stelle mein Hinterfragen unerwünscht? _pff_
Life is what happens while you´re busy making other plans
**** John Lennon ****
Benutzeravatar
jules1976
Administrator
 
Beiträge: 5289
Registriert: Mi 23. Mai 2012, 09:56

Re: Vorurteile und Unverständnis unter HSP (?)

Beitragvon Jamania » Fr 13. Okt 2017, 08:15

Hallo zusammen, :-)

darf ich mal zuerst eine Einleitung schreiben?
mir ist gerade ein wenig mulmig zumute, weil ich eine Dynamik sehe, die diesem - wie ich finde mehr als berechtigten Thema - ganz schnell den Garaus machen kann und das fände ich schade, denn es liegt nicht am Thema selbst.

Aber hier finden momentan 3 oder 4 Diskussionen darüber statt, was hinter dem vermarkteten HS-Konzept an nicht so schönen Dingen hinter ausschließlich schön gerahmten Vorgaben liegt oder liegen kann.

An diesen Diskussionen nehmen gerade mehrere Menschen teil, die das kritisch sehen und die Threads werden lang und länger, sind jeden Morgen wieder bei den aktiven Themen.
Die Beiträge sind ebenfalls voller Details und wirken (sind?) schwer.

Für die HS-Szene wie ich sie bis jetzt kenne, ist das ein Novum.
Ab und an gab es mal einen Kritiker, der meistens schnell in endlose entrüstete Rechtfertigungsdiskussionen darüber verwickelt wurde, ob er keine Gefühle hätte... nicht mal an die armen HSP dachte, die davon traumatisiert werden...

Aber ist das nicht genau das Thema und darf ruhig angesprochen werden?

Oder müssen wir zuerst klären, wie viel Kritik überhaupt sein darf?

Für ein Forum, damit es stabil bleibt und beide Gruppen, sowohl die der kritisch Hinterfragenden als auch die derjenigen, die das eben nicht machen können oder wollen, noch unter einen Hut bekommt?

Für die HS-Szene, die u.U. mal irgendwann durch Zufall auch kritische Positionen von innen mitbekommt und anfängt diese als ganz normale Inhalte wahrnehmen zu müssen und dadurch - vielleicht - von ihrem zuckersüßen HS = empathisch/gerecht/gutherzig wegkommt und das Thema der Reizüberflutung auf anderen Wegen anfängt zu erforschen?

Ich sehe da einen Zwiespalt und möchte den gerne öffentlich machen.
Für mich ist der 2. Punkt keine Frage, da kann gar nicht genug Energie und Aufmerksamkeit hinfließen.
Vielleicht ist es auch eine neue Strömung, die jetzt dieses Thema einfach ein wenig mehr in Richtung Pragmatismus drängt (aber das weiß ich nicht, bin momentan nirgendwo sonst), fände ich aber sehr gut.

Aber ich finde, es darf eben nicht auf Kosten eines Forums geschehen, das diese Kritik überhaupt erst möglich macht!
Für mich ist es innerhalb der HS-Szene definitiv eine Ausnahme, dass so was toleriert wird - immer schon wurde, seit ich hier bin, mit allen Querelen und Grabenkämpfen, die dazu gehörten.
Die meisten Verantwortlichen scheuen sich schon alleine vor der Reibung, die entsteht, sind damit auch oft überfordert, so mein Eindruck.

Deshalb fände ich es gut, das mal zu klären.
Puck hatte ja im HS-Esoterik Thread dazu schon ein wenig geschrieben, vielleicht können/sollten wir erst mal eine Meta-Diskussion darüber führen, was hier möglich (auch gewünscht) ist.
Für mich wäre das auch keine Zensur

Ich glaube ich traue mich zu sagen, dass keinem der kritisch Diskutierenden an Missionierung gelegen ist, aber ab wann baut z.B. Masse an Information einen solchen Druck auf, dass es auf andere so wirkt, auch wenn es vom Diskutanten überhaupt nicht gewollt ist und hält sie davon ab, ihr Ding einfach nebenher zu machen?

Sorry fürs ot, abstract, 647&/
Es ist genau mein Thema, das du hier eröffnet hast und ich könnte ewig dazu schreiben, habe aber momentan gerade diese Hemmschwelle.

Nichtsdestotrotz will ich aber noch auf einige Punkte (im nächsten Post) eingehen icon_winkle
kann es einfach auch nicht lassen...
Zuletzt geändert von Jamania am Fr 13. Okt 2017, 08:22, insgesamt 1-mal geändert.
Jamania
Rat der Weisen
 
Beiträge: 763
Registriert: Mi 13. Jul 2011, 16:02

Nächste


Ähnliche Beiträge


Zurück zu Hochsensibilität Allgemein

Wer ist online?

0 Mitglieder

cron