Warum wird Hochsensibilität nicht akzeptiert?

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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Warum wird Hochsensibilität nicht akzeptiert?

Beitragvon Charly » Sa 31. Dez 2011, 18:31

Hallo,

ich war vor kurzem auf einem 5-tägigen Seminar. Ich mache ein FSJ und dort gibt es 3 Pflichtseminare. Ich habe dort mit zwei anderen Mädels auf einem Zimmer gelebt. Jedoch war mir das schon zu viel! Die 2 hingen die ganze Zeit zusammen und haben mich nicht mit einbezogen richtig. Die haben sich immer unterhalten und so. An einem Abend musste ich dann die ganze Zeit weinen. Ich habe mich in mein Bett zurück gezogen, die 2 waren im Nebenraum bei einem Trinkspiel. Irgendwann kam die eine und hat mit mir geredet und meinte, dass die nicht wussten, wie sie mit mir umgehen sollten, weil ich halt kaum was gesagt habe und eben sehr still war und ehr beobachtet habe. Ich kann mich aber einfach nicht so mit einbringen, das ist eine große Schwäche. Ich leide auch darunter!
Jedenfalls habe ich gemerkt, das die 2 irgendwas gegen mich hatten bzw. das was nicht stimmte, ohne das die 2 was gesagt haben. Ich habs ihnen einfach angemerkt gespürt! Abends habe ich mich auch ehr zurück gezogen. Ich brauche abends einfach meine Ruhe und Zeit für mich und das wird kaum akzeptiert. So ab und an mal was machen abends ist ok, aber es muss nicht so oft sein. Am Wochenende bin ich auch eigentlich immer Zuhause! Ich wollte einfach nicht bei diesem Trinkspiel mitmachen, da ich keinen Alkohol mag und Angst vor der Wirkung habe. Im Februar ist leider schon das nächste Seminar. 7 Tage Skifahren in Österreich! Dort werden es noch mehr sein und größere Zimmer, teilweise 9er Zimmer und auch 5er und so. Das wird richtig hart werden für mich! Ich bin auch so im Alltag ständig erschöpft und schlafe einfach nach der Arbeit manchmal 2 Stunden am Nachmittag.
Wenn die Leute unser Problem einfach akzeptieren würde, dann würde es mir sicher viel besser gehen. Ich hatte vor einiger Zeit Depressionen, habe mich selbst verletzt und bin auch weiterhin nicht ganz fit. Ich verletze mich nicht mehr und die Depression ist auch besser, aber ich denke noch viel nach und falle recht schnell in depressive Stimmung, wenn irgendwas ist oder ich nur bestimmte Musik höre. Ich denke, das kommt alles von der Hochsensibiliät! Das ist so anstrengend für mich. Ich bin aber noch in Therapie, und werde das wohl nach dem Urlaub mal ansprechen!
Jedenfalls habe ich Angst vor dem nächsten Seminar. Sicher werde ich dort auch wieder einen Abend haben, wo ich nur weine und es mir scheiße geht und sicher werde ich auch da wieder nicht richtig mit einbezogen, denn es kommen auch wieder die 2 Mädels mit.Könnt mir einen Rat geben oder so? _hüüh_
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Re: Warum wird Hochsensibilität nicht akzeptiert?

Beitragvon Eule » Sa 31. Dez 2011, 19:23

Hallo Charly,

_knüddel_ das liest sich ja grauselig an, mit fremden Leuten so die Räume zu teilen. Das Seminar ist sicher für den Dienst wichtig, aber die können ja niemand in eine Massenunterkunft zwingen. Kannst du nicht mitteilen, dass du ein Einzelzimmer willst bzw. schaust ob es in der Nähe von der Veranstaltung nicht vielleicht eine kleine Pension gibt und du gehst dann nur zum Seminar und machst abends was du magst.

Oder fragst, ob der Kurs nicht auch irgendwo in deiner Nähe stattfindet, wo du nicht fremdübernachten musst.

Wünsche dir, dass sich eine Lösung findet.

Liebe Eulengrüße
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Re: Warum wird Hochsensibilität nicht akzeptiert?

Beitragvon Charly » Sa 31. Dez 2011, 19:50

Das ist für mich auch schon ganz schrecklich der Gedanke daran, mit so vielen ein Zimmer teilen zu müssen.
Ich hasse sowas einfach! Da finde ich keine Ruhe und bin nur im Stress, weil ich dann nie schlafen kann,
wenn alle so laut sind.Ich habe da echt Angst vor und weiß noch nicht, wie ich das lösen soll,kann usw. Naja, in meiner Nähe gibt es das nicht, wir gehen schließlich Ski fahren. Vielleicht muss ich echt mal fragen wg. nem Zweier oder Einerzimmer. Mit 8 Anderen gehe ich ganz sicher nicht auf ein Zimmer. Da können die mich mal! Ich kann jetzt schon sagen, das es mir da insgesamt scheiße gehen wird und ich bestimmt viel weinen werde. Klar, es muss nicht so kommen, aber ich befürchte es so. icon_redface
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Re: Warum wird Hochsensibilität nicht akzeptiert?

Beitragvon Benostel » Sa 31. Dez 2011, 20:09

Liebe Charly,

vielleicht schaust Du mal, ob es in der Gruppe jemanden gibt, der sich ähnlich fühlt.
Geh offen mit der Situation um, leicht gesagt ich weiß, zieh Dich zurück, wenn Du die Zeit für Dich brauchst,
nimm Dir ein Buch mit und lass die anderen Ski-Fahren während Du in der Hütte liest.
Nimm Dir etwas vertrautes zum Schlafen mit, was weiß ich Lieblings-T-Shirt, Kuscheltier, was Dir wichtig ist.

Wie Du an ein anderes Zimmer kommst weiß ich auch nicht!

Ich drück Dich und sage herzlich willkommen an dieser Stelle.

Ach so Dein Aufhänger: Weil Hochsensibilität zu unbekannt ist und sich Nicht-HSP nicht in unsere Lage versetzen können, sie verstehen einfach nicht, warum wir uns so viel Gedanken machen und so vielschichtig sind.
Das müssen wir einfach akzeptieren. Ich verstehe ja auch nicht, warum manche Frauen auf Pink stehen...so ähnlich stell ich mir das Unverständnis vor... hier ist ein ganzes Forum mit Menschen, die Dich sehen und nehmen, wie Du bist.. das ist doch ein guter Anfang!
Alles Liebe
Doro
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Re: Warum wird Hochsensibilität nicht akzeptiert?

Beitragvon SumOne » Di 3. Jan 2012, 09:35

@Benostel: toller Beitrag! 1güt

@Charly:
Das erinnert mich an meine Skifreizeiten als Schüler... Ich weiss erst seit kurzem von meiner HS (bin jetzt 35) und mir ist dadurch vieles klar geworden. Damals wusste ich davon noch nichts und habe irgendwie versucht, mit mir selbst klar zu kommen. Benostel hat schon ein paar gute Tipps gegeben. Bei 8-9 Leuten ist die Wahrscheinlichkeit ja durchaus hoch, dass sich da noch ein HS findet... Selbst wenn nicht, gibt es bestimmt jemanden, dem es auch unangenehm ist, mit so vielen in einem Zimmer zu sein.
Ich als HS habe unbewusst immer Zweierbeziehungen gesucht. In allen Situationen, eben auch beim Skifahren... und da würde ich das große Zimmer sogar als Chance sehen - verglichen mit dem Dreierzimmer: Ich habe GANZ schlechte Erfahrungen mit 'Dreierbeziehungen' gemacht. Da kann man als HS nur verlieren... Ich glaube, genau das ist Dir mit den anderen beiden Mädels passiert.
Ich würde auch empfehlen, wie Benostel schon sagte, ein Buch mitzunehmen und ein 'Symbol' für Abgrenzung (z.B. Kopfhörer), damit auch wirklich jeder kapiert, dass Du Deine Ruhe haben willst.

Im Nachhinein muss ich feststellen, dass sich für mich bei solchen Aktionen das "Wohlfühlen" oder "Unwohlfühlen" oft über eine 'zur Schau' getragene Extrovertiertheit ergeben hat. Oftmals habe ich es unbewusst geschafft, mich kurzzeitig als extrovertierter nichtHSP zu verhalten und meine Grübelrübe auszuschalten. Ganz besonders kann ich mich erinnern, wie ich als Kind in den Ferien war. Muss so zwei Wochen gewesen sein. Die erste Woche war ich voll und ganz ruhiger beobachtender HS. In der zweiten Woche war ich 'irgendwie' extrovertiert. Ich war wohl so unterschiedlich, dass ein Betreuer mich in der zweiten Woche 'begrüßt' hat, obwohl ich vorher schon eine Woche da war...
Der Schlüssel ist aus meiner Sicht, sich gedanklich auf das erstbeste zu 'stürzen', was einem gefällt oder gerade einfällt und halbwegs passt. Dann 'raus' damit (reden). Ist kompliziert und nicht so einfach zu erklären. Will nur sagen, dass es geht. Damit bin ich oftmals um den inneren Teufelskreis aus Gucken-grübeln-gehemmtsein-aussenstehen-sichfragenwarummannichtakzeptiertwird-grübeln-... rumgekommen. Hat aber nur manchmal geklappt.

Auch hat sich bei mir oft das Befinden der gesamten Skifahrt/Freizeit/... am Anfang entschieden. Hier zählt eben leider oft der erste Eindruck. Und insbesondere für uns HSP der erste Eindruck, den wir vom ersten Eindruck haben, den andere von uns haben könnten... Ergo: Eine kurze grosse Anstrengung (Pseudoextrovertiertheit) hat mir manchmal geholfen... tränk4 _headbang_ _hello2_ _dans_ _10_ _hello_
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Re: Warum wird Hochsensibilität nicht akzeptiert?

Beitragvon Ratte » Di 3. Jan 2012, 12:40

Hallo, Charly!
Das hört sich jetzt vielleicht wie ein schwacher Trost oder eine Ausrede an, aber dieser eine Satz hat mir in meinem Leben schon sehr viel weiter geholfen: "Sie meinen es nicht so!" - und es stimmt wirklich! In dieser Welt herrscht ein zunehmend rauerer Umgangston, vor allem in der Arbeitswelt, und natürlich auch beim Ausgehen, auf Partys, etc.
Aber die meisten Nicht-HSP sind es eben so gewohnt und denken nicht darüber nach, z.B. ob eventuell einer ihrer Scherze jemanden ernsthaft seelisch verletzen könnte, weil sie diesen ja nur damit aufziehen wollen. Natürlich ist das oft keine Entschuldigung, aber das zu wissen hilft mir einfach weiter.
Mir als HSP fällt es aber oft schwer, Nicht-HSP zu akzeptieren. Oft bin ich richtig arrogant und bilde mir etwas auf meine Sensibilität ein, schaue auf andere herab und lasse es die auch spüren (z.B. mit Liebesenzug) Meistens ist das aber so eine Art "Rache", um ein Gefühl der Genugtuung zu bekommen. Aber da muss ich mich oft wirklich selber sprichwörtlich an der Nase nehmen um (ebenso sprichwörtlich) nicht den Boden unter den Füßen zu verlieren.
Tja, in dieser Gesellschaft hochsensibel zu sein ist eben eine Gratwanderung und meistens ganz schön anstrengend...
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somehow believing that they have what I need...
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Re: Warum wird Hochsensibilität nicht akzeptiert?

Beitragvon ellen71 » Di 3. Jan 2012, 19:34

Das Problem kenne ich auch von Klassenfahrten und Skikursen. Unterbringung im 4-Bett-Zimmer.
Und dann wurde ich auch noch krank und konnte nicht mit auf die Piste. Saß die halbe Woche auf dem Zimmer.
Schlimm war dann auch noch, dass wir nur zwei Duschen auf dem Flur hatten, für 20 Leute. Und das Wasser wurde nicht richtig warm. Und bis man abends endlich dran kam, war es schon nach 21 Uhr und ich war schon todmüde.
In den Zimmern wurde auch nur sparsam geheizt.
Und beim Abendessen war der Geräuschpegel so extrem hoch, dass ich kaum etwas gegessen habe, obwohl ich sehr hungrig war. Und die darauf folgenden Gesellschafts-Spiele und Unterhaltungen waren einfach nur nervig, weil ich mich danach sehnte, endlich mal zur Ruhe zu kommen. _miiting_

Der Haken an den Mehrbettzimmern: man kann sich nicht zurück ziehen. grinundwech Und gerade als HSP braucht man das wie das Wasser zum Leben.
Wünsche allen eine frohe Osterzeit!
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Re: Warum wird Hochsensibilität nicht akzeptiert?

Beitragvon chaira » Di 3. Jan 2012, 22:33

Ich habe solche Freizeiten in der Schulzeit auch lange als Höchststrafe empfunden - ein Mal stand ich sogar einfach unvermittelt nach noch nicht einmal einem Tag wieder bei meinen Eltern vor der Tür, weil ich die Betreuer so lange angebettelt bzw. genervt habe, bis sie mich von dem wunderbaren Erlebnis-Zeltlager wieder nach Hause gekarrt haben _angel4_ .

Besser wurde es erst, als auf einer Freizeit einmal eine wirklich liebevolle Betreuerin dabei war, die sich meiner sehr angenommen und mir mit einer wahren Engelsgeduld den Aufenthalt dort "schmackhaft gemacht" hat- da ging dann auf einmal auch das Mehr-Bett-Zimmer.

Bis heute halte ich es aber z.B. bei Urlauben mit Freunden so, dass ich auf jeden Fall ein Einzelzimmer habe (außer ich verreise mit meinem Partner) und nur mit Leuten unterwegs bin, die von meiner HSP wissen und meine "Schrullen" auch akzeptieren.

Bei Tagungen o.ä. habe ich schon aus eigener Tasche den Aufpreis für ein Einzelzimmer bezahlt, nur um nicht in einem Doppel- oder Mehrbettzimmer zu landen- das setzt aber natürlich voraus, dass das überhaupt von der Firma aus möglich ist.
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Re: Warum wird Hochsensibilität nicht akzeptiert?

Beitragvon Charly » Sa 7. Jan 2012, 23:59

Hallo,
Ich habe immer noch große Angst vor dem Seminar.Vorhin habe ich im Internet gelesen,dass es in diesem Haus in Österreich ein Einzelzimmer und ein Zweierzimmer gibt und unter anderem zwei 9-bett Zimmer und noch 5 und 6 bett Zimmer.9 bett Zimmer ist für mich der Horror.Die anderen Zimmer aber auch.Am liebsten wäre mit ein 2-Bett Zimmer,da bin ich nicht ganz abgekapselt und nicht ganz alleine.Das Problem ist nur,das dies Zimmer für die Betreuer ist oder vllt auch für einen der Behinderten,denn es ist eine integrative Skifahrt,wo 6 Behinderte mitkommen.Mit so vielen anderen auf einem Zimmer ist mir das zu viel,da ist es ja noch unangenehmer,wenn ich weine und ich weine schnell in bestimmten Situationen.Das nimmt mir so viel Kraft,also insgesamt dieses Leben,auf ab auf ab.Momentan bin ich auch wieder depressiver!Soll ich vielleicht einem der Seminarleiter ne Mail schreiben und ihn aufklären und mal nachfragen,wg. dem Zweierzimmer?Was soll ich tun? _hüüh_
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Re: Warum wird Hochsensibilität nicht akzeptiert?

Beitragvon Benostel » So 8. Jan 2012, 00:19

Liebe Charly,

wenn es Dir solche Probleme bereitet, warum fährst Du überhaupt mit?
Ich würde den Kursleiter unbedingt informieren, denn wenn Du depressiv bist, ist dieser Angstzustand
unverantwortlich!

Alles Gute!
Alles Liebe
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