HS-Eignung von Arbeitgebern: Unterschiede?

Hier möchten wir in Diskussionen und Erfahrungsberichten zusammenfassen, wie bereichernd oder erschwerend HS im Alltag von Schule, Studium und Beruf ist.

Moderatoren: Hortensie, Eule, wolkenfee

Wie verhielten sich Eure bisherigen Arbeitgeber bzgl. Eurer Hochsensibilität?

Mehr oder weniger lief es in allen Firmen gleich.
27
37%
In den meisten Firmen lief es ähnlich. Es gab aber auch Ausnahmen.
9
12%
Hängt sehr von der Firma ab, ob ich mit meiner HS dort zurecht komme, oder nicht.
37
51%
 
Abstimmungen insgesamt : 73

HS-Eignung von Arbeitgebern: Unterschiede?

Beitragvon Apoyando » So 28. Aug 2016, 11:41

Hallo zusammen!

Hintergrund ist der, dass ich mich überlege, meinen Arbeitgeber zu wechseln. Die Befürchtung allerdings bleibt, dass dieser Wechsel gar nichts bringen würde, weil alle Firmen letztendlich doch ähnlich ticken würden. D.h. das "Problem" (das bei mir auch mit meiner Hochsensibilität zusammenhängt) würde ich dann zu meinem nächsten Arbeitgeber mitnehmen, und es wäre gar nichts gewonnen.


Konkret fällt mir bspw. auf, dass bei uns Leute, die in unser Büro treten, keinerlei Rücksicht auf die darin konzentriert arbeitenden Leute nehmen. Es wird einfach in voller Lautstärke drauflos gequasselt, u.U. werden dann sogar längere Meetings abgehalten. Apropos Meeting-Kultur: Dort ist es so, dass der "lautere" bzw. "schnellere" alles übertönt. Der leisere bzw. bedächtige kommt dort kaum zu Wort. Oder in der Wertschätzung: Der Introvertierte, der gute Denkarbeit leistet und ein wirklich gutes Software-Design erstellt und umsetzt, wird kaum gewürdigt, derjenige, der zum Einsatz beim Kunden fliegt, wird mit Anerkennung überhäuft. Oder in der Auswahl für Entwicklungsmaßnahmen bzw. Beförderungen: Bevorzugt werden die Leute, die gut "schwätzen" können, während der wirklich gute, aber vergleichsweise wortkarge, Techniker übergangen wird. Oder... oder...


Wie seht Ihr das? Gibt es zwischen den einzelnen Arbeitgeber tatsächlich Unterschiede in der Kultur bzw. gelebten Unternehmensphilosophie, die sich auch darin ausdrücken, wie man sich als Hochsensibler darin zurechtfinden kann?

Der nächste Schritt wäre dann, wie man diese Unterschiede aus der Warte des Bewerbers erkennt...?

Interessant wäre bspw. auch, ob sich mittelständische Unternehmen diesbezüglich systematisch von Großunternehmen unterscheiden? Oder ob es Unterschiede gibt, die mit dem Ursprungsland der Muttergesellschaft zusammenhängen? (Ticken Japaner diesbezgl. anders als Amerikaner?) ...


Bin gespannt auf Eure Antworten!


P.S.: Gemeint sind übrigens Arbeitgeber derselben Branche bei einem ähnlichen Berufsfeld.
Apoyando
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Re: HS-Eignung von Arbeitgebern: Unterschiede?

Beitragvon Moneypenny » So 28. Aug 2016, 13:49

Hallo Apoyando,
ich kann aus meiner Sicht nur sagen, dass ich da kein Muster sehe und ich war schon in diversen Betriebsgrößen.
Ich denke, es kommt ganz individuell auf den direkten Vorgesetzten an. Ist der ein Hans Dampf in allen Gassen, ein Wichtigtuer, ein Gernegroß, wird er so ein Verhalten bei anderen Mitarbeitern kaum unterbinden.
Den angenehmsten Job hatte ich vor Jahren in einer Drei-Mann-Klitsche, Chef, Kollegin und ich. Wir haben sogar immer zusammen gefrühstückt, das war ihm total wichtig. Leider hat er aufgrund privater Probleme seine kleine, feine Firma an die Wand gefahren und ich stand mal wieder auf der Strasse.
Ich denke, wenn man erst einmal zum Gespräch eingeladen wird (was heutzutage ja wie ein Lottogewinn ist), kann man darum bitten, den Arbeitsplatz und den direkten Vorgesetzten kurz kennenzulernen. Tja, und dann kann man seine HS voll zum Einsatz bringen und die "Vibrations" zu erspüren versuchen *+*
Blöd ist, wenn man, wie bei aktuell, schnell merkt, dass es eher nicht das Richtige ist, man aber den Job annimmt mangels Alternativen 647&/
Bin gespannt, was andere für Erfahrungen gemacht haben

Gruß
Moneypenny _Mij_
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Re: HS-Eignung von Arbeitgebern: Unterschiede?

Beitragvon Moneypenny » So 28. Aug 2016, 13:51

PS.: Sollte am Ende "wie bei mir aktuell" heissen smuup
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Re: HS-Eignung von Arbeitgebern: Unterschiede?

Beitragvon JSM » So 28. Aug 2016, 14:50

Hallo Apoyando,

ein interessantes Thema, dass du da ansprichst.

Aus meiner Sicht ist es normal, dass die Lauten eher wahrgenommen werden als die Leisen. In einem anderen Beispiel und vielleicht etwas übertrieben: Teilen wir die Welt hinsichtlich der Fähigkeit zum Schmecken in zwei Gruppierungen, "normal" und "sensitiver". Die Normalen nehmen nur die vier Grundrichtungen (salzig, süß, sauer und bitter - wenn ich mich nicht irre) wahr, zudem erst ab einem gewissen Level. Die Sensitiven schmecken dies viel früher, schmecken aber auch "mit der Nase", d.h. viel mehr Aromen. Jetzt gibt es zwei Menus, kräftig gewürzte Pommen mit Currywurst und alternativ ein Gericht, schwach gesalzen bestehend aus Gemüse und diversen Kräutern. Es dürfte auf der Hand liegen, welches Gericht im Schnitt bei den Normalen besser ankommt...

So verhält es sich eben auch im Miteinander, inbesondere natürlich im Berufsleben, in dem der Faktor Stress und Zeit noch eine viel größere Rolle als im privaten Miteinander spielt. Sofern man hier keinen sehr "guten" Vorgesetzten hat, bleibt einem eigentlich nur, sich selbst Gehör zu verschaffen oder aber die eigene wahrgenommene Rolle zu akzeptieren, wie sie ist. Ich glaube nicht, dass man erwarten kann, "abgeholt" zu werden.

Was das mitunter asoziale Verhalten von KollegInnen angeht, ich nenne es jetzt mal so, weil ich es mitunter genauso empfinde, da gibt es denke ich auch nur die Alternativen, entweder die Dinge zu akzeptieren oder aber auch bei passender Situation einmal klar zu machen, was man von diesem oder jenem hält bzw. genauer, warum dieses oder jene jetzt gerade vollkommen unangebracht ist. Das funktioniert natürlich auch nur, wenn man einen gewissen Respekt genießt. Wenn man sich tendenziell immer wegduckt, ist das sicherlich recht schwierig.

Grundsätzlich glaube ich beim Thema Arbeitgeber, Arbeitgeberwechsel usw., man "nimmt sich immer mit". Und man muss realistisch sein. D.h. dass man lernt zu unterscheiden, ob einem gewisse Verhaltensweisen, die man schwer ertragen kann, realistischerweise immer wieder begegnen werden oder aber ob es wirklich spezifische Eigenarten bei einem Arbeitgeber, in einer Abteilung etc. gibt, sodass ein Wechsel Dinge löst oder behebt.

Ich glaube schon, dass es besondere Eigenarten je nach Arbeitgeberart oder -hintergrund gibt. Mein letzter Arbeitgeber war eine Unternehmensberatung aus den USA. Dieses "wir sind alle so happy"-Getue, es ist alles so "exciting" und "great", dieses Commitment-Geblubber "what can you do to make your company great again", die unsägliche "Inklusion"-Welle, letztlich alles nur Marketing-Bullshit, daran muss man sich schon gewöhnen ;-) Meiner Erfahrung nach ist das beispielsweise im deutschen Mittelstand nicht so stark ausgeprägt. Da ist man einfach noch ehrlicher und lügt sich nicht jeden Tag selbst in die Tasche. Hier muss man sich glaube ich selbst überlegen, ob man es schafft, einfach die Ohren auf Durchzug zu stellen oder aber ob einem das Arbeitsumfeld dann wirklich so wichtig ist. Letztlich ist es ja nur Arbeit, mehr nicht. Ich will da ja niemanden heiraten ;-)
JSM
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