Umgang mit Stress

Hier möchten wir in Diskussionen und Erfahrungsberichten zusammenfassen, wie bereichernd oder erschwerend HS im Alltag von Schule, Studium und Beruf ist.

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Umgang mit Stress

Beitragvon Ninja507 » Fr 10. Nov 2017, 21:44

Hallo zusammen :)
Ich bin neu hier und deshalb weiss ich nicht, ob ich wirklich richtig bin mit meinem „Problem“. Aber ich probier’s jetzt einfach mal...
Kurz zu mir: Ich bin 23 und Studentin

Ich möchte euch gerne berichten, wie ich mich in den letzten 8 Wochen gefühlt habe, seit die Uni wieder angefangen hat. Vorher hatte ich einen sehr ruhigen Tagesablauf, habe jeden Tag meditiert, Sport gemacht, wenig unternommen, aber nicht zu wenig, bei all meinen Aktivitäten war ich voll dabei. Kurz: Ich hatte alles im Griff und war extrem ausgeglichen. Im August hatte ich auch aufgehört, Alkohol zu trinken und seit dann gar nichts mehr getrunken, weil ich einfach gemerkt habe, dass mir das nicht gut tut.

Dann hat die Uni wieder angefangen, ich war so ausgeglichen und es ging mir so gut, dass ich mir, glaube ich, etwas zu viel aufgeladen habe. Ich konnte mich super konzentrieren, habe mindestens zweimal die Woche Sport gemacht, recht viel auch mit Freunden unternommen, zu Hause für die Uni gearbeitet etc. Leider habe ich die Meditation dann vernachlässigt und der Stress hat komplett Besitz von mir ergriffen.

Zuerst hab ich das gar nicht so wirklich gemerkt, weil es mir ja gut ging. Ich war vielleicht 1-2 mal ein bisschen down, ansonsten war ich komplett im High. Natürlich dachte ich, dass das jetzt mein Normalzustand sei, da ich ja aufgehört hatte zu trinken (Ich habe auch wirklich enorm viel mehr Energie seit dann). Ich war jedenfalls dann eigentlich ununterbrochen beschäftigt, irgendetwas am planen, mit Leuten am schreiben, am Sport machen,... Und das, obwohl ich eher introvertiert bin und viel Zeit für mich brauche.

Irgendwann hab ich gemerkt, das war vor etwa vier Wochen, dass ich nicht mehr runterkomme. Und dass ein Grossteil von mir auch nicht runterkommen will. Dass ich das Stresslevel extra hoch halte, um nicht in ein Tief zu fallen und um weiter zu funktionieren. Ich hatte teilweise richtig Angst davor, dass es weggeht. Gleichzeitig war's aber auch unangenehm. Es waren dann auch des öfteren so unangenehme Zustände wie Unruhe und Gereiztheit gegenwärtig. Als ich das gemerkt habe, war ich kurz down und habe dann meine letzten Energiereserven mobilisiert, um nochmals hochzufahren, bis ich dann letzte Woche langsam nicht mehr konnte und diese Woche überhaupt nicht mehr. Jetzt bin ich total down. Ich bin vorher immer so gerne ins Kung Fu Training gegangen, das ich in den Sommerferien angefangen habe, aber jetzt mag ich nicht gehen, weil ich keine Lust auf Menschenkontakt habe. Ich habe Angst, dass mich dieser wieder überstimulieren könnte, sodass ich es nicht schaffe, mich zu erholen. Und nächste Woche wird soooo voll!!

Gestern habe ich eineinhalb Stunden meditiert. Sonst geht es mir gut, ich konzentriere mich immer noch super an der Uni und so, aber ich nehme auch diese destruktiven Gedanken wahr und schlechte Laune, Hass auf die Welt etc. Es geht mir nicht grundsätzlich schlecht, aber ich habe einfach viel weniger Kapazitäten und wenn ich alleine bin, dann quälen mich Gedanken von Hoffnungslosigkeit und Selbstzweifeln, Zukunftsängsten und Wut. Ich versuche dann immer, mich selbst aufzubauen, mir Selbstbewusstsein einzuflössen sozusagen, damit ich wieder einen Energieschub bekomme und manchmal gelingt mir das sogar, aber immer nur für kurz. Dann flacht es wieder ab und mir geht’s wieder scheisse. Ich fühle mich auch unendlich einsam, als hätte ich niemanden in meinem Leben, dem ich wirklich vertrauen könnte oder der mich wirklich versteht, obwohl ich eigentlich viele liebe Freunde habe und die besten Eltern der Welt.

Was meint ihr dazu? Ist das einfach ein normales Auf und Ab? Oder bin ich zu wenig ausgeglichen? Es ist ja an sich nicht so schlimm, ich habe echt schlechtere Zeiten erlebt, aber es wäre schon schön, etwas Stabilität zu finden... Dass es mir nicht immer gut gehen kann ist mir klar, aber dass die Schwankungen gleich so stark sein müssen, das stört mich schon. Und das Problem ist auch, dass ich in dieser Stressphase nichts machen kann. Ich hab’s ja gemerkt und hab versucht runterzukommen, aber es ging nicht. Ich musste sozusagen auf den Aufprall warten, bevor ich wieder auf dem Boden war...

Falls jemand das kennt und weiss, wie man damit umgeht oder mir sagen kann, dass das völlig normal ist, dann würde ich mich sehr freuen!! Danke bereits schon dafür, dass ihr das gelesen habt. :D

Liebe Grüsse, Ninja
Zuletzt geändert von Ninja507 am Sa 11. Nov 2017, 13:14, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Umgang mit Stress

Beitragvon DesdiNova87 » Sa 11. Nov 2017, 11:53

Hi Ninja507,

Ninja507 hat geschrieben:Danke bereits schon dafür, dass ihr das gelesen habt. :D


gerne, aber sei doch so nett und mach beim nächsten Mal Absätze 'paint#. Sonst ist es echt schwer zu lesen.

Ninja507 hat geschrieben:Falls jemand das kennt und weiss, wie man damit umgeht oder mir sagen kann, dass das völlig normal ist, dann würde ich mich sehr freuen!!


Mir erging es im Studium durchaus ähnlich und auch heute manchmal noch. Das Problem ist wohl die Schwankung in der Leistungsfähigkeit, und wie man diese selbst bewertet. Durch die Hochs und Tiefs verliert man das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und kann sich selbst nicht so recht einschätzen. Man will auch die anderen nicht enttäuschen, lernen sie einen am Anfang einer Teamarbeit in einem Hoch kennen, so bringt ein Tief schnell Unverständnis, und man selbst will wohl einfach konstant bleiben.

Das Problem sind also auch nicht die Schwankungen an sich, denn die hat natürlich jeder Mensch in seinem Befinden und seiner Leistungsfähigkeit, sondern die Ausprägung der Schwankungen über gewisse Grenzwerte hinaus.

Wenn man es weiter ausführt und es pathologisch wird, geht es wohl in Richtung bipolare Störung (manisch-depressive Erkrankung). Hier ist sich der Betroffene allerdings selbst oft erst nicht bewusst, bzw. hinterfragt sein wellenartiges Befinden nicht weiter, sondern es sind die Menschen im Umfeld, wie z.B. nahe Angehörige, die irgendwann nicht mehr damit zurecht kommen.

Also gehen wir mal besser nicht davon aus, dass es sich wirklich um diese Störung bei uns handelt. Wobei die Grenzen womöglich fliessend sind.

Ich kann dich auf jedenfall sehr gut verstehen, ich habe an der Uni ganz ähnliche Erfahrungen gemacht. Jedes Semester neue Kurse, und damit auch komplett neue Leute. In den ersten Wochen des Semesterstarts oft ansteckende Aufbruchsstimmung, alle haben große Pläne und sind energiegeladen. Ständig lernt man neue Kommilitonen kennen, mit manchen soll man dieses Semester zusammenarbeiten.

Dann nach einigen Wochen stellt sich eine erste Routine ein, von der anfänglichen Aufregung ist nicht mehr viel übrig, und die ganze Situation kann nun realistischer eingeschätzt werden. Mit welchen Kommilitonen komme ich immer noch gut klar? Wo hat sich ein erster positiver Eindruck ins negative verkehrt? Welche Dozenten schaffen es mich auch nach mehreren Sitzungen noch zum Nachdenken anzuregen?

Zum Ende des Semesters steigt der Druck dann immer weiter. Erste Konzepte für Hausarbeiten wollen erstellt werden und die Prüfungen nahen.

Du musst das "Spiel" Uni lernen. Das braucht Zeit und du musst dich mit dem Ganzen drumherum beschäftigen. Desto mehr du über die Abläufe und Prozesse im Hintergrund weißt, umso zielsicherer kannst du deinen Stundenplan zusammenstellen und die richtigen Dozenten auswählen. So steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass du in den jeweiligen Kursen auf Gleichgesinnte triffst. Der individuelle Stundenplan ist gewissermaßen ein Raster, was die Studenten vorsortiert. Du musst dir nur klar werden, was deine Ziele sind:

Willst du möglichst schnell fertig werden? Wähle Kurse, wo man mit möglichst wenig Aufwand und Anwesenheit zum Ziel kommt. Hier sind aber auch die meisten Studenten mit spitzen Ellenbogen unterwegs.

Ist dir die inhaltliche Tiefgang am wichtigsten? Halte nach Kursen Ausschau, die von intrinsisch-motivierten Dozenten geleitet werden.

usw...

Vieles wirst du über den "Flurfunk" erfahren, also was unter den Leuten an der Uni auf allen Ebenen so kommuniziert wird. Ob in der Mensa oder bei Freizeitveranstaltungen der Uni, hier lassen sich oft von den "alten Hasen" viele wertvolle Hinweise in Erfahrung bringen. Als Ergebnis kann das bedeuten, dass du statt eines stressigen Kurses einen entspannten Kurs wählst.

Ein Grundlagenkurs, den alle belegen müssen ist randvoll belegt? Vielleicht gibt es ein "Geheimangebot" in Form eines Blockkurses in den Semsterferien. Dann verbringst du in den Semesterferien eine intensive Woche an der Uni, statt ein ganzes Semester lang einmal wöchentlich in einem überfüllten Seminarraum zu verbringen.

Ich habe es mit solchen Strategien geschafft, mein Anglistik-Studium an der Uni abzuschliessen. Ich habe auch Geschichtswissenschaft bis kurz vor den Abschluss studiert, aber dann hat sich eine berufliche Alternative aufgetan, so dass dieser Teil des Studiums auf Eis liegt.

Wenn ich es soweit schaffen konnte, dann kannst du es auch _yessa_

LG DesdiNova87
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Re: Umgang mit Stress

Beitragvon Ninja507 » Sa 11. Nov 2017, 14:14

Hi DesdiNova87

Vielen Dank für deine Antwort!!

DesdiNova87 hat geschrieben:gerne, aber sei doch so nett und mach beim nächsten Mal Absätze 'paint#. Sonst ist es echt schwer zu lesen.


Oh Gott, das ist mir gar nicht aufgefallen, tut mir echt Leid! Wirklich schrecklich zu lesen. Hab's gleich geändert. Danke, dass du's mir gesagt hast.

DesdiNova87 hat geschrieben:Mir erging es im Studium durchaus ähnlich und auch heute manchmal noch. Das Problem ist wohl die Schwankung in der Leistungsfähigkeit, und wie man diese selbst bewertet. Durch die Hochs und Tiefs verliert man das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und kann sich selbst nicht so recht einschätzen. Man will auch die anderen nicht enttäuschen, lernen sie einen am Anfang einer Teamarbeit in einem Hoch kennen, so bringt ein Tief schnell Unverständnis, und man selbst will wohl einfach konstant bleiben.


Ja genau! Das ist das Problem. Ich kann einfach nicht beurteilen, wo meine Grenzen sind, da sie so stark variieren. Vielleicht hat es auch damit zu tun, dass ich nicht akzeptieren kann, dass sie vielleicht tiefer liegen, als es mir lieb ist.
Und die anderen Leute... Ich neige schon auch dazu, wie viele Menschen, es immer allen Recht machen zu wollen. Da habe ich beispielsweise auch Hemmungen davor, mich in Gesellschaft zu begeben, wenn ich "nicht so gut drauf" bin. Deshalb habe ich mir früher auch den Alkohol zu "Hilfe" genommen.

Das Problem sind also auch nicht die Schwankungen an sich, denn die hat natürlich jeder Mensch in seinem Befinden und seiner Leistungsfähigkeit, sondern die Ausprägung der Schwankungen über gewisse Grenzwerte hinaus.

DesdiNova87 hat geschrieben:Wenn man es weiter ausführt und es pathologisch wird, geht es wohl in Richtung bipolare Störung (manisch-depressive Erkrankung). Hier ist sich der Betroffene allerdings selbst oft erst nicht bewusst, bzw. hinterfragt sein wellenartiges Befinden nicht weiter, sondern es sind die Menschen im Umfeld, wie z.B. nahe Angehörige, die irgendwann nicht mehr damit zurecht kommen.

Also gehen wir mal besser nicht davon aus, dass es sich wirklich um diese Störung bei uns handelt. Wobei die Grenzen womöglich fliessend sind.


Ja, hab ich mich natürlich auch schon gefragt. Genau wie du bin ich der Meinung, dass es sich um einen graduellen Prozess handelt und die Grenzen zwischen pathologisch und nicht pathologisch fliessend sind. Ich denke, hier ist auch der Leidensdruck entscheidend. Ich habe einen Freund, der an einer bipolaren Störung leidet und sich regelmässig Auszeiten nehmen muss, sich von der Uni und von der Arbeit suspendieren lässt, weil er nicht mehr kann. Letztendlich ist so eine Diagnose ja auch nur ein Konzept und man muss selbst wissen, inwiefern einem das wirklich weiterhilft, vor allem dann, wenn man eigentlich "damit umgehen" kann.

DesdiNova87 hat geschrieben:Wenn ich es soweit schaffen konnte, dann kannst du es auch


Das wären echt sehr hilfreiche Tips, wenn ich mir irgendetwas in meinem Studium selbst aussuchen könnte... Da hätte ich mich vielleicht ein bisschen klarer ausdrücken müssen, tut mir Leid!! Ich studiere eben Medizin im 4. Jahr und uns ist eigentlich alles komplett vorgegeben. Alle Vorlesungen, alle Kurse. Im besten Falle können wir uns pro Semester ein Projekt aussuchen, das ca. 4 Nachmittage füllt.
Da habe ich weniger das Problem, dass ich ständig alles neu organisieren muss und mich an ein neues Umfeld gewöhnen etc, dafür eher, dass ich keine Möglichkeit habe, meine Kurse und Vorlesungen meinen Bedürfnissen anzupassen. Das einzige, was ich regulieren kann, ist meine Freizeit...
Bis jetzt habe ich das Studium halt eher zu wenig erns genommen, gerade so viel gemacht, um die Prüfungen zu bestehen. Aber nun naht das klinische Jahr und ich werde bald auf Patienten losgelassen, weshalb ich angefangen habe, mir Stress zu machen...

Aber du hast schon Recht. Auch in diesem Rahmen gibt es sicher Strategien, die man sich zulegen kann, um weniger gestresst zu sein. Es gibt glaube ich sogar einen Beratungsdienst von der Uni, an den man sich bei Schwierigkeiten im Studium wenden kann. Vielleicht sollte ich das mal machen.
Und auch das mit der anfänglichen Begeisterung, die dann schwindet. Früher hatte ich das noch viel extremer. Du könntest eine ehemalige Kommilitonin von mir fragen haha. Das war im zweiten Semester, am ersten Tag der Uni und ich hab so zu meiner Kollegin gesagt, wie spannend ich es gerade finde und wie motiviert ich jetzt bin. Am nächsten Tag bin ich zu Hause geblieben, weil ich nicht aus dem Bett kam. Sie hat sich totgelacht xD Aber mittlerweile kann ich mich echt jeden Tag begeistern, auch weil ich weiss, dass ich muss und weil die Vorlesungen im Master jetzt viel klinischer, also praxisorientierter sind.

Wahrscheinlich habe ich mir wirklich zu viel aufgeladen. Und wenn sich mein Studium nicht anpassen lässt, dann muss ich wohl oder übel mein Privatleben anpassen. Danke nochmals für deine Rückmeldung und sorry, dass ich schon wieder so viel geschrieben habe. Ich schreibe sonst nie in Foren und kann nicht so gut einschätzen, wie viel ich erzählen muss, um ein klares Bild zu vermitteln. Aber Schreiben ist ja auch Selbsttherapie. Vermutlich habe ich 80% davon für mich geschrieben.

Ganz liebe Grüsse und ein schönes Wochenende,

Ninja
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Re: Umgang mit Stress

Beitragvon DesdiNova87 » So 12. Nov 2017, 15:24

Ninja507 hat geschrieben:Das wären echt sehr hilfreiche Tips, wenn ich mir irgendetwas in meinem Studium selbst aussuchen könnte... Da hätte ich mich vielleicht ein bisschen klarer ausdrücken müssen, tut mir Leid!! Ich studiere eben Medizin im 4. Jahr und uns ist eigentlich alles komplett vorgegeben. Alle Vorlesungen, alle Kurse. Im besten Falle können wir uns pro Semester ein Projekt aussuchen, das ca. 4 Nachmittage füllt.
Da habe ich weniger das Problem, dass ich ständig alles neu organisieren muss und mich an ein neues Umfeld gewöhnen etc, dafür eher, dass ich keine Möglichkeit habe, meine Kurse und Vorlesungen meinen Bedürfnissen anzupassen. Das einzige, was ich regulieren kann, ist meine Freizeit...
Bis jetzt habe ich das Studium halt eher zu wenig erns genommen, gerade so viel gemacht, um die Prüfungen zu bestehen. Aber nun naht das klinische Jahr und ich werde bald auf Patienten losgelassen, weshalb ich angefangen habe, mir Stress zu machen...


Ich habe mich beim Verfassen meines Beitrags schon gefragt, was genau du studierst und ob es wirklich Uni ist oder FH. Gibt ja auch viele die zur FH, Uni sagen, weil es sich besser anhört. Eine FH ist i.A. mehr verschult, also weniger Wahlmöglichkeiten, weniger Studenten pro Jahrgang in einem Fach. Das hat Vorteile und Nachteile, je nachdem wie man es betrachtet. Nachteil, man kann sich nicht so leicht in der Masse der Studenten verstecken. Vorteil, man hat oft einen direkteren Draht zu den Professoren. Was aber auch schlecht für einen sein kann, wenn es nicht gut läuft.

Aber auch an der Uni sind die Fächer unterschiedlich stark verschult. Die Tendenz geht dahin, dass das Studium stromlinienförmiger wird. Bei mir war Anglistik recht verschult, Geschichte war sehr viel lockerer organisiert. Die Distanz zwischen Lehrenden und Studenten war dadurch sehr unterschiedlich. Bei den Geschichtsdozenten wurde man fast auf Augenhöhe, wie ein Kollege behandelt. Die Uni als Dienstleister, der Student als Kunde. Bei Anglistik hingegen war es vor allem im Grundstudium sehr von oben herab. Die Lehrenden als Vorgesetzten, die Studenten als Angestellte. So verschieden kann es von Fach zu Fach sein.

Als ich angefangen habe, gab es noch einen wahlfreien Bereich, der seinen Namen noch verdient hat. Um diesen wahlfreien Bereich aufzufüllen, konnte man beliebige Veranstaltungen besuchen, über alle Fakultäten hinweg (sofern diese nicht überbelegt waren versteht sich). Es wurde dadurch also ermutigt, sich auch interdisziplinär weiterzubilden.

In einem neuen Studienmodell wurde dies geändert. Alle die dann angefangen haben zu studieren, mussten für den wahlfreien Bereich Veranstaltungen aus dem Bereich ihres Faches besuchen, als Geschichtsstudent also Geschichtsveranstaltungen. Wenn die Wahl also nicht mehr frei ist, gibt es mMn auch keinen Grund mehr es "wahlfreien Bereich" zu nennen.

Du studierst Medizin, das ist dann nochmal eine ganz andere Geschichte. An meiner Uni gab es damals noch keine Fakultät für Medizin, von daher kann ich da aus dem Uni-Betrieb nichts zu sagen. Nur halt was man so im Alltag hört, dass es sehr anspruchsvoll sein soll, die schwierige Situation in den Krankenhäusern usw..

Ich denke speziell in diesem Bereich solltest du wirklich so früh wie möglich schauen, wie du dich am besten organisierst, um den Anforderungen standzuhalten. Ich stelle mir das echt schwierig vor, als Arzt zu arbeiten. Für mich wäre das sicher nichts, abgesehen davon, dass es mir wohl auch fachlich zu anspruchsvoll wäre.

Ich hoffe jedenfalls, dass du am Ball bleibst und auch die harten Zeiten durchstehst. Und es ist auch nicht schlimm, wenn ab und zu dann auch mal Hängematte angesagt ist. Wir sind keine Maschinen, auch wenn die Gesellschaft das oft von uns erwartet. Du musst selbst auf deinen Körper und deine Bedürfnisse hören, dass kann niemand für dich übernehmen. Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg!

LG DesdiNova87
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