Ich habe gestern einen Dokumentarfilm gesehen über eine junge, hübsche, intelligente, künstlerisch begabte, stark inspirierte, lebensfrohe & starke (nach außen wirkend) und und und Frau gesehen, der sich daran versucht die Hintergründe/ Begleitumstände zu beleuchten, weshalb sich Menschen umbringen, speziell eben diese eine Person. Es geht um eine Janine F., die sich im November 2002 das Leben nahm in dem sie von dem Kunsthaus "Tacheles" in Berlin aus dem 5. Stock sprang, was sie kurz vorher angekündigt haben soll und was von den Künstlern die mit ihr aktiv waren auf Video aufgenommen wurde. (?) In dem Film erzählen Freunde und besagte Künstler"freunde" darüber wie diese junge Frau auf sie gewirkt hat, wie sie sie erlebt haben. Teilweise kamen sehr widersprüchliche Aussagen dabei heraus, was jedoch wieder bezeichnend für den inneren Entwicklungsprozess dieser Janine F. ist. Neben ihrer hohen Begabung und der Energie, mit der sie ihr Leben anging, hatte sie grundlegende intra- interpersonelle Probleme/ Störungen, die zwar deutlich wurden (für mich hörte es sich nach der Borderline Störung an und offensichtlich auch eine Form der Depression), jedoch von den Menschen in ihrer Umgebung nicht so richtig erfasst wurden und mit denen sie selbst ebenso nicht umgehen konnte bzw. sie nicht als das wahrgenommen hat, was sie sind. Sie bezeichnete sich selber wohl auch als Grenzgängerin, war unnahbar und verschlossen hinter ihrer lebensfrohen Maske. Sie fing an ihre Probleme mit Drogen zu kompensieren, was den zusätzlichen Effekt hatte, neben der Betäubung, dass sie noch kreativer als ohnehin schon wurde. Der Drogenkonsum hat die Entwicklung maßgeblich beeinflusst und hat die Pforte für weitere Dämonen geöffnet. Sie fing an Stimmen zu hören, wurde schizophren. Sie versank immer mehr in sich und redete sogar mit einer Person, die nicht anwesend war, während sie malte. Das fanden die anderen Künstler gar nicht bedenklich, da diese Räumlichkeiten des "Tacheles" wohl diese Wirkung auf die Menschen dort hat. Jeder dort würde sich irgendwie abgedreht verhalten und das teilweise sehr provokativ "eine künstlerische Performance". Nur mit dem Unterschied, dass es sich in dem Fall anders verhielt und eine ernsthafte Erkrankung vorlag, die dringender Behandlung bedurfte. Der Betreffenden war schon klar dass das so ist, sie hatte jedoch Angst davor in eine "Irrenanstalt" eingesperrt zu werden, was ihrer Meinung nach sicherlich geschehen wäre, wenn sie sich in ärztliche Hände begeben hätte. Im nachhinein redeten viele von subtilen Hilferufen, die sie nicht wahrgenommen haben.
Insgesamt sehr bewegend, vor allem nachhaltig, wie ich heute merke, wenn ich mir meine Zeilen hier nochmal ansehe.
"Janine F."Die Atmosphäre dieses Kunsthauses kam sogar über diesen Dokumentarfilm rüber. Anziehend und zugleich abstoßend, wirkte es auf mich, aber irgendwie auch sehr inspirierend und aufregend. Die Wände dessen sind über und über voll von Energien in Form von künstlerischen Abbildungen, die 1001 Geschichten erzählen.
Bilder vom "Tacheles"Eine Person in dem Film sagte einen Satz, der mir diesbezüglich sehr im Gedächtnis blieb.
"Wenn man psychische Probleme hat, sollte man sich von Ruinen fernhalten."