Freiwillig zur Oberfläche?

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Freiwillig zur Oberfläche?

Beitragvon bumblebee » Di 10. Jan 2012, 01:28

Für mich ist Sinnsuche Lebenselexier. Aber andererseits bringt es mich auch allmählich an meine letzten Grenzen. Ist es vielleicht ratenswert für HSP sich etwas Oberflächlichkeit anzueignen? Und habt ihr zufällig Tipps, wie das möglich ist?^^ Ich hab mal so halb gelebt, wie ich es eigentlich nie vorhatte, doch ich hatte es mal ausgetestet, in meiner ehemaligen Beziehung. Dort in der Familie stand Shopping, Smalltalk und son Kram im Vordergrund. Aber sie verlieh mir Festigkeit, Halt und Bodenständigkeit. Ich war nicht mehr so mit dem ganzen Wahnsinn beschäftigt. Ich habe einen sicheren Ort gehabt, der wie ein Anker am Ufer des Tiefmeeres war. Als ich dieses Verhältnis beendete, (weil es auf anderer Ebene nicht mehr tragbar war) ertrank ich fast vollkommen in der Flut, hab jetzt wieder eine Atemflasche gefunden und tauche durch das Leben, sinke mal tiefer und steige wieder hinauf. Vielleicht sollte ich das Wasser verlassen. Wieviel Kraft könnt ihr euch in professioneller Analyse momentan noch zuschreiben (insofern ihr psychologische Kenntnisse besitzt)? Vielleicht kann man ein Interesse finden, welches man vorher nie für möglich gehalten hat. Wäre es für euch besser, sich für etwas zu verändern, für was man sonst nicht unbedingt stand, nur um länger auf der Erde zu verweilen oder ein kurzes Leben zu führen, welches jedoch die Grundinteressen erfüllte? Kann man seine Interessen überhaupt bewusst ändern? Das bedarf alles viel Selbstdisziplin, dass man viel toleriert. Ich versuch das schon ne Zeit zu wollen, ich hab mich noch nicht gänzlich überzeugen können.
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Re: Freiwillig zur Oberfläche?

Beitragvon ellen71 » Di 10. Jan 2012, 18:32

Warum muss es denn gleich Oberflächlichkeit sein? Meinst du, du wärst damit glücklicher?
Ich habe mich mit diesem Gedanken auch schon öfter beschäftigt, gerade dann, wenn ich mal wieder eine schwierige Phase hatte.
Ich sag´s mal theologisch: willst du den bequemen Weg gehen oder den steinigen?
Mit der Wende zur Oberflächlichkeit veränderst du automatisch auch dein Verhältnis zu deiner Umwelt, zu den Menschen, die dir nahe stehen und die dir etwas bedeuten.
Da könnte es zu Irritationen kommen. Möglicherweise würden die merken, dass du dich verstellst, dass du nicht authentisch bist. Das werden die auch reflektieren. Man wird dir den Spiegel vorhalten.
Oder es kommen Vorwürfe: du warst doch früher nicht so! usw.

Deine Interessen kannst du natürlich jederzeit ändern. Du kannst dein Outfit ändern, deinen Wohnort, deinen Beruf wechseln, deinen Freundeskreis austauschen, dein Klingelschild, dein Radioprogramm, das du täglich gerne hörst.

Habe mal einen psychologischen Artikel gelesen zum Thema Lebenswelten. Jeder Mensch hat ja so eine, nennen wir es mal salopp "Cloud". Ein unsichtbares Feld, in dem er sich bewegt. Das besteht nicht nur aus seinen persönlichen Beziehungs-Geflechten, sondern aus weiteren Elementen, wie z. B. Gewohnheiten (die sich bekanntlich nicht einfach ablegen lassen).

In der Pubertät hatte ich Spaß daran, in andere Identitäten einzutauchen. Ich plante, für mehrer Wochen mal ein anderer Mensch zu sein. Ich kleidete mich anders, ging bewusst in andere Lokale als ich sonst ging, las andere Bücher, sprach mit fremden Leuten, fuhr an Orte, wo ich noch nie war, z. B. in eine fremde Stadt, probierte neue Lebensmittel aus, die ich noch nie gegessen hatte, ließ mir Musik um die Ohren wehen, die ich sonst nie hörte.

Solche zeitweisen "Trips" in andere Lebenswelten können durchaus reizvoll sein. Geht aber nur, wenn man Single ist oder einen verständnisvollen Partner hat, der eventuell sogar mitmacht.
Das Problem gibt es ja auch in langjährigen Beziehungen, dass man sich plötzlich auseinander lebt, weil jeder sich völlig unterschiedlich entwickelt und zuletzt hat man dann keine Gemeinsamkeiten mehr. Prominentes Beispiel: Frau Neubauer.

Du kannst ja mal testen, ob das etwas für dich wäre. Allerdings kann das auch psychisch anstrengend sein. Hinterher kann eine Art "Katerstimmung" aufkommen, wo man sich etwas fremd im eigenen Körper fühlt. Das ist so wie wenn man nach 6 Wochen Urlaub auf den Bahamas plötzlich wieder nach Hause kommt.
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Re: Freiwillig zur Oberfläche?

Beitragvon bumblebee » Di 10. Jan 2012, 19:36

Glücklicher ist man dann natürlich nicht unbedingt, -es fehlt dann wieder die Tiefsinnigkeit. Jedoch betrachte ich das zweitweise als für mich überlebenswirklichere Lösung. Am Besten sollte ich vll eine Mischung daraus machen. Einfach immer mal wieder stopp zu sagen. Gestern hab ich mich nach meinem Beitrag auch mal wieder mit Humor auf die Schippe genommen; "Jaja, so dramatisch ist das dann eben" und danach konnte ich gut einschlafen. Was übrigens immer gut hilft, ist sich vor Augen zu führen, dass alles evt gar nicht so dramatisch ist, wie man es sieht, weil man eben dramatischer sieht. Aber irgendwie ist es dann ja automatisch dramatisch, weil es das eigene Empfinden ist.^^ Ach keine Ahnung. Jedenfalls sind deine Tipps sehr lieb. Das hört sich wirklich spannend an! Damit zeigst du mir gerade auf, wie schwer es ist, sich überhaupt dazu bereit zu erklären, sich zu verändern. Viel zu eigen bin ich mit meinen Stilen und Auswahlen zb an Büchern. Aber das lenkt bestimmt gut ab und erweitert den Horizont dem Wahnsinn von dannen. Das mit den Gewohnheitsänderungen habe ich in einem neurowissenschaftlichem Bericht gelesen. Es ist, mit guter Arbeit, ein Stück weit möglich, sich zu verändern. Eigentlich bin ich ja schon recht diszipliniert. Muss mich jetzt nur noch überwinden.
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Re: Freiwillig zur Oberfläche?

Beitragvon ellen71 » Di 10. Jan 2012, 20:14

Wozu die Quälerei?

Immer, wenn ich so ein geistiges Tief habe, versuche ich, die Sache ganz anders aufzudröseln, nach der Auschluss-Methode.
Ich frage mich: was möchte ich NICHT in meinem Leben?
Dann gehe ich im Geiste alles durch, was ich NICHT will.
Da fällt dann automatisch schon einiges weg.
Dann bleibt eine Restmenge, die teile ich auf in das, was ich UNBEDINGT will.
Was übrig bleibt, ist dann das Undefinierte, Unklare, wo ich mir noch nicht sicher bin, wo ich hin und her schwanke.

Oft hilft es auch, alles zu visualisieren. Ich mache das auf zwei Arten: ich habe einerseits ein dickes Notizbuch, in das ich alles aufschreibe, was mir wichtig ist. Das ist eine Mischung aus guten Vorsätzen, Einkaufsliste, Lebensweisheiten etc.
Andererseits habe ich eine große Pinwand im Flur, eine Magnettafel, die ich beschreiben kann und mit Notizzetteln bepflastern kann.
Diese Pinwand habe ich mir in drei Bereiche gegliedert. Mein gesamter Gehirn-Inhalt befindet sich sichtbar auf der Wand. Das verschafft mir einen tollen Überblick.
Ganz wichtige Ziele hängen da, gute Ideen, Sprüche, Bilder, Fotos, Zeitungsausschnitte usw.

Das hilft mir sehr. Kein Mensch kann sich alles, was für ihn wichtig ist, auf Knopfdruck ins Gedächtnis holen. Daher ist das Aufschreiben bzw. visuelle Fixieren sehr hilfreich.

Nur mal so als Tipp. _flöwer_

Wenn du die wesentlichen Dinge immer vor Augen hast, kannst du deine Ziele auch besser erreichen.
Du kannst Teilbereiche abarbeiten, neue Impulse einfließen lassen, Unbewährtes verwerfen.

Ich schreibe mir z. B. auch auf, wenn ich etwas aus meiner Liste streiche, und mit der Begründung, warum ich das tat. - Das vergisst man nämlich auch schnell und hinterher geht die Grübelei wieder los: warum hab ich mich damals eigentlich so und so entschieden?
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