Haustiere, Zoos - was denkt ihr darüber?

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Haustiere, Zoos - was denkt ihr darüber?

Beitragvon Haeschen » So 6. Aug 2017, 14:01

Hallo liebes Forum,

mich würde eure Meinung zu den zwei Themen aus der Überschrift interessieren. Ich denke schon eine Weile darüber nach und möchte meine Gedanken mit euch teilen.

Ich bin mit Tieren aufgewachsen, Wellensittiche, Hühner (wenn auch mehr als "Nutz"tiere wegen der Eier), Rennmäuse, Meerschweinchen, Farbmäuse. Schon immer habe ich mir eine Katze gewünscht, was ich mir vor einigen Jahren, als die Rahmenbedingungen endlich passten, erfüllen konnte.
Aktuell leben also 4 Freigänger-Katzen bei uns, die sich sichtlich wohl fühlen. Wir wohnen sehr ländlich, sie können rumstreunen und sind feste Familienmitglieder. Passt, finde ich. Und dann sind da noch die Rennmäuse - ich habe mit 10 Jahren zum ersten Mal welche gehalten (damals habe ich noch viele Fehler in der Haltung gemacht, heute mache ich es - hoffentlich - besser). Bis Mitte 2016 hatte ich durchgehend welche, aber mir kam immer öfter der Gedanke, dass ich sie nicht genügend beschäftigen kann und sie sich langweilen, auch wenn sie ein wirklich großes Gehege haben, welches ich versuche, abwechslungsreich zu gestalten. Es bleiben "Käfigtiere", die auf mich als "Bespaßer" angewiesen sind. Mein Gewissen wurde immer schlechter, bis ich also Mitte 2016 die letzten Renner abgab. Aber nach über 20 Jahren Haltung fiel mir das ziemlich schwer, sogar so schwer, dass ich seit Anfang 2017 wieder 2 Rennmäuse halte. Und wieder wispert die kleine Stimme in meinem Hinterkopf, dass ich ihnen kein sinnvolles Leben bieten kann. So werde ich vermutlich nach den beiden keine weiteren Renner halten, auch wenn ich die Tiere wirklich mag und gerne beobachte.

Das zweite Thema, der Zoo, spaltet mich innerlich sehr. Auf der einen Seite mag ich Zoos, wenn ich sie für meine persönlichen Ansprüche als "gut" einstufe. Also große Gehege, Beschäftigungsmöglichkeiten, Artenschutzprojekte, kein Delfinarium o.ä.. Auf der anderen Seite sind dort (fast) immer auch Tiere, bei denen es mir jedes Mal das Herz bricht, die eingesperrt zu sehen. Menschenaffen, die genau wissen, was um sie herum geschieht und wissend durch die Scheibe zurück blicken, Elefanten, die sich zu Tode langweilen, Raubtiere, die ihres Lebenssinns beraubt sind. Allein der Gedanke treibt mir Tränen in die Augen. Ich besuche Zoos aus rein egoistischen Gründen - weil ich Tiere mag und gerne beobachte, weil ich schöne (und auch nachdenkliche) Fotos machen kann. Aber tue ich damit auch etwas für die Tiere? Ich glaube, nicht, und doch suche ich eine Rechtfertigung für den Besuch von Zoos.

Geht es euch auch so? Wie seht ihr das, haltet ihr selbst Haustiere, wie denkt ihr über "Käfighaustiere" und über Zoos?

lg Haeschen
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Re: Haustiere, Zoos - was denkt ihr darüber?

Beitragvon Golbin » So 6. Aug 2017, 16:54

Hallo Häschen,

zu beidem habe ich ein zwiespältiges Verhältnis.

Bei Haustieren ist es so, dass ich weiß, dass sie mich nicht lange genug interessieren und ich nachlässig in der Versorgung würde. Konsequenterweise habe ich keine, denn ich möchte das keinem Tier zumuten. Da ich kurzfristig aber gern mal Tiere um mich hab, habe ich schon öfter Tiere in Pflege genommen. DIe 2 -6 Wochen haben sie es dann, soweit das bei einem Haustier geht, gut.

Bei Zoos gibt es sehr große Unterschiede. Wer einmal den in San Diego gesehen hat, weiß, dass die Haltung sehr aertgerecht sein kann. Die großen Gelände mit entsprechendem Bewuchs, ein Traum. Dazu grundsätzlich ein Rückzugsgebiet, wo sie vor den Blicken (und Geräuschen) der Menschen geschützt sind. Wenn Zoos so sind, kann man sie gutes Gewissens besuchen. Sie sind anschaulich, lehrreich und vermitteln viel über Tiere.
Das Gegneteil war mein inzwischen 20 Jahre zurückliegender Besuch im Frankfurter Zoo, von dem ich aufgrund des Namens Grzimek (lebte da schon nicht mehr) eine gute Tierhaltung erwartet hätte. Das stimmte auch für das Grzimek-Haus, in dem die Zeit um 12 Stunden verdreht ist, so dass man nachtaktive Tiere aktiv sehen kann. Doch die Ernüchterung kam: In das Reptilienhaus regnete es rein. Schon schlimm, aber dann das Raubtierhaus. Zwei einzelne Raubtiere in viel zu engen Gehegen. GRauenvoll. Und dann eine große Bildertafel für den Erhalt der Raubtiere. Alle Bilder bis aus eines ausgebleicht. Sie wirkten trostlos und vermitteln überhauot nicht das Gefühl, dass man den Tieren helfen müsse. Das einzige farbneprächtige Bild hingegen zeihte eine Dame im Leopardenmantel. Die Wirkung: Die ganze Tafel schrie förmlich: Raubkatzen sind schöner als Pelze. Welche Ironie, im Zoo des Menschen, der sich so für den Erhalt eingesetzt hat und der maßgeblichen Anteil am Schutz und dem Washingtoner Artenschutzabkommen hatte. DIeser Zoo ist keinen Aufenthalt Wert gewesen, erst recht nicht für die Tiere.

viele Grüße
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Re: Haustiere, Zoos - was denkt ihr darüber?

Beitragvon Kuhmädchen » So 6. Aug 2017, 21:36

Ich bin da genau wie du Haeschen, ich gehe aus egoistischen Gründen in den Zoo, um Tiere zu beobachten. Sie sind so faszinierend, dass ich meinen Blick nicht abwenden kann. Im Erfurter Zoo ist mein Profilfoto entstanden. Tiere zu fotografieren macht mir großen Spaß. Ich liebe Kühe und Rinder, anders kann ich es nicht sagen. Aber ich habe gleichzeitig ein schlechtes Gewissen und diese Traurigkeit, wenn ich mich zu sehr in sie hineinversetze.
Ich habe einen Kater zu Hause, den ich aus dem Tierheim habe. Ziemlich unüberlegt und uninformiert. Mach ich nie wieder so schlecht vorbereitet. Er ist definitiv ein Freigänger, aber die Idioten wollten ihn mir doch echt als Wohnungskatze andichten. s_032 Mir geht immer das Herz auf, wenn ich ihn schnurrend und sich wälzend draußen in der Sonne sehe. Oder wenn er einer Hummel oder einem Grashalm hinterherjagt. Dann ist er wie ausgewechselt. Ganz anders als zu Anfang. Das war ein langer Weg und hatte viel Geduld und Vertrauen nötig. Es ist immer noch nicht einfach, weil ich seine Geschichte nicht kenne. Trotzdem bin ich der festen Überzeugung, dass er es bei uns defintiv besser hat als im Tierheim mit mindestens fünf anderen Katzen/Katern auf engstem Raum und immer wechselnd. Er war schon apathisch gewesen. Jetzt freut er sich ein Beinchen aus, wenn ich zu ihm nach draußen komme (vielleicht auch wegen Futter) und ist tiefenentspannt, wenn ich mit ihm in der Sonne oder auf dem Sofa sitze. Sofern bin ich froh ein Haustier zu haben. Wenn ich weiß, ich bin gut vorbereitet und kann einem Tier das bieten, was es braucht und das Tier wäre nicht eingesperrt, so wie du das Gefühl bei denen Rennmäusen hast, habe ich nichts dagegen Tiere zu halten. Nur wie gesagt, werde ich mich in Zukunft besser informieren, wenn ich ein Tier zu mir hole.
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Re: Haustiere, Zoos - was denkt ihr darüber?

Beitragvon Haeschen » Sa 12. Aug 2017, 13:34

Hallo ihr zwei,

danke für eure Gedanken zum Thema!

Golbin, es zeugt von großem Verantwortungsgefühl, was du zu Haustieren schreibst! Klingt, als hättest du für dich einen guten Weg gefunden.
Die Zoos, von denen du schreibst, kenne ich beide nicht, aber spiegelt auch meine Erfahrungen wieder. Es gibt tolle Zoos, und welche, bei denen man nur den Kopf schütteln kann. Erst vor kurzem waren wir in einem Wildpark in der Nähe, der mich sehr enttäuscht hat. Er liegt an einem seichten, oben bewaldeten Hügel, und unten haben sie Schafe, Ziegen, Kaninchen, Dammwild und so, in schönen großen Gehegen. Mein Eindruck ist, die Tiere fühlen sich dort wohl. Aber oben, im Waldstück, stehen dann winzig kleine Hütten mit diversen Vögeln, darunter Uhus (wunderschöne Tiere, er hat uns ange-"uhut" und ich war sooo fasziniert von seiner Stimme) und große Raben, die so unfassbar wenig Platz (und Langeweile) hatten. Das fand ich mehr als grausam, da ging es ums reine Ausstellen der Tiere =/

Kuhmädchen, du schreibst so liebevoll von deinem Kater! Wirklich schön =)

Ja, sich vorher zu informieren (oder im Zweifel es wenigstens im Nachhinein zu tun) finde ich sehr wichtig, wenn man einem Tier gerecht sein möchte. Leider gibt es immer noch viel zu viele Leute, die ein Tier im Zoohandel kaufen, sich schlecht beraten lassen und das ganze anschließend nie hinterfragen. Ich schätze es, wenn man sich im Nachhinein eingesteht, dass es nicht die beste Vorgehensweise war und auch als Tierhalter (...ich mag das Wort Tierbesitzer überhaupt nicht...) immer wieder seine Haltung kritisch hinterfragt, macht man eine Menge richtig.

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Re: Haustiere, Zoos - was denkt ihr darüber?

Beitragvon DsRteKnhrn » Sa 19. Aug 2017, 11:32

Hallo Häschen,

hab feuchte Augen. Vielen Dank auch.^^

Ich gehe voll und ganz mit deinem Beitrag mit. Ja, er könnte gar von mir sein.

Ich hatte ebenfalls jahrelang Haustiere. Oftmals wurden sie mir gebracht, weil jemand anderer keine Zeit oder kein Interesse mehr an ihnen hatte. Und auch mich plagte sehr oft das schlechte Gewissen, ob meiner Tierhaltung bei mir zuhause in Käfigen. So hatte ich, wie du, jahrelang Wüstenrenner. So nannte ich meine süße Bagage. Ich hatte Zebrafinken, Ratten, einen Hund. Auch früher schon, als ich noch ein Kind war. Katze, Hund, Meerschweinchen, Hasen, Mäuse.

Vor drei Jahren nahm ich ein Krähenkind auf, das ich auch erfolgreich wieder auswildern konnte, hoffe ich.

Tja und heute? Zuhause nur noch die Weberknechte, die sich in meinem alles andere als staubfreien Zuhause sichtlich wohl fühlen. Bin halt staubputzfaul. Es sei denn, die Schwiegereltern melden sich an.^^

Dafür habe ich draußen "meine" schwarzen Flieger. Krähen und ein Kolkraben-Pärchen, das ich hin und wieder besuche, ihren Rufen lausche... Vier Krähenpaare besuche ich regelmäßig, drei von ihnen täglich. Auch besuche ich oft die Zoo-Krähen in unserer Stadt. Sie nehmen die Nüsse im Flug aus der Hand. Und von meinen anderen, täglich besuchten fressen mir fünf (ein Paar hat drei Junge) aus der Hand. Allerdings hat einer der drei Jungen die Familie bereits verlassen, die anderen beiden werden sicher alsbald auch ihrer eigenen Wege ziehen.

Ich habe für mich entschieden, zuhause eben keine Tiere mehr zu halten. Ich überlasse sie lieber ihren Lebensräumen, ihrer verdienten Freiheit. Ich möchte ja auch nicht eingesperrt sein.

Ähnlich verhält sich meine Meinung zu Zoos. Obgleich ich da genauso zwiegespalten bin, wie du es bist. Ich war auch schon ewig nicht mehr im Zoo. Gehe da vielleicht mal wieder hin um meinen Kindern die Tierwelt näher zu bringen aber auch um sie zeitgleich aufzuklären. Ich halte meinen Kindern mit meiner Meinung darüber nicht hinterm Berg. Schließlich hoffe ich, dass sie ein zumindest ähnliches Verständnis für Tiere und Natur entwickeln, wie ich.

Ich habe schon oft darüber nachgedacht, mich an Wildtierorganisationen-, bzw. Stationen zu wenden. Denn da kann ich ehrliche Hilfe leisten. Was mich bisher davon abhält ist eigentlich nur meine Trennungsangst.^^ Ich häng mein Herz so schnell an Tiere. Aber ich denke, ich komme mit meinem Gewissen und meiner extremen Tierliebe bald zurande und kann mich auf dieses "Abenteuer" einlassen.

So long,
habt ein schönes Wochenende!
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