Herrlich dämlich (?)

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Herrlich dämlich (?)

Beitragvon abstract » Mo 6. Nov 2017, 02:10

"Mehr Sensibilität", so lautet eine dickgedruckte Zwischenüberschrift des Artikels.

Herrlich! Da wundert man.........., ähhhhh...., frau sich nicht, dass das Wort "dämlich" noch nicht abgeschafft wurde, da der Inhalt eher zum Fremdschämen als mitgefühlserregend ist. Falsch verstandene Gleichberechtigung und Pseudofeminismus = hochsensibel...... aua......

Sind hier mal woeder Luxusprobleme, mangelnde Analysefähigkeit, Opferstatusgehabe, Rosinepickerei und u.U. Mediengeilheit am Werk, die weder Metaebene noch bodenständiges Leben kennen? OIO
sblätter
Energievampire lässt man nicht saugen, sondern ausbluten.
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Re: Herrlich dämlich (?)

Beitragvon Herbststurm » Mo 6. Nov 2017, 07:46

Hab mir den Artikel durchgelesen. Fand die Reaktion der Künstlerin übrigens sehr souverän...
Ich persönlich sehe das alles nicht so emotional und im grossen Kontext.
Ich glaube eher, dass der Ort der Ausstellung entscheidend war für den Schritt, die Bilder zu entfernen. Es war ja in der Mensa ausgestellt und damit konnte sozusagen der freie Wille nicht gewahrt werden, ob man diese Kunst sehen möchte oder nicht...und sich etwas täglich auch allenfalls mehrmals oder zumindest über eine gewisse Zeit ansehen müssen, von dem man sich -
allenfalls mangels Sarkasmus"gen", das ja kein must ist - belästigt oder verletzt oder diskriminiert fühlt...finde ich halt schon auch nicht richtig...und beim essen schon gar nicht ;-).

Schade hat man die Ausstellung nicht in dafür geeigneteren Räumen neu ausgestellt...so hätte wohl die Kirche im Dorf bleiben können...
Andersrum...für die Künstlerin ist so ein Artikel auch irgendwie eine gute Sache...bzgl. Bekanntheitsgrad..
.und Marketing ;-).

Herzlich,
Herbststurm
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Re: Herrlich dämlich (?)

Beitragvon Jamania » Mo 6. Nov 2017, 08:57

Hallo zusammen,

liest sich so herrlich banal und überzogen, sehe ich aber gerade als Teil eines immer größer werdenden Problems:
der Untergrabung der Meinungs-, Rede- und Ausdrucksfreiheit durch die ach-so-gutmeinenden, durch Menschen, die wie Kinder vor den harten Realitäten (oder auch nur dem schlechten Geschmack) geschützt werden wollen und das in einer für mich abstoßend plärrend-weinerlichen Art und Weise machen, nämlich der, dass man Rücksicht auf sie nehmen muss, weil sie es nicht "aushalten" können.

In den USA hat das bereits erschreckende Ausmaße angenommen und es wird sich als Trend vermutlich auch bei uns weiter ausbreiten:

http://www.deutschlandfunkkultur.de/hoc ... _id=327790

Ist ein sehr neues und verstörendes Phänomen, finde ich.

Nachtrag:
Und liegt für mich auch sehr eng an einem verwandten Problemkomplex, der dieselben Mechanismen bedient:
Darf man Religion kritisieren oder gar karikaturieren?
Für mich eins der wesentlichen Themen unserer Zeit, das mit entscheiden kann, in wie weit eine Religion sich weiter entwickeln könnte...

Es gibt Menschen (und eben nicht nur die, die aktiv Köpfe abschlagen), die behaupten, das sei in erster Linie respektlos, verunglimpfend und verletze Gefühle - mit der (dann durchaus stillen) Schlussfolgerung: die anschließende "Strafe" sei dann ja auch selbst verschuldet.

Auch das gehört für mich zu dieser neuen sanften und gutmeinenden Bewegung, die jetzt mit so viel Vehemenz Sensibilität einfordert und dabei eins der wertvollsten Grundrechte bereit ist zu opfern.
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Re: Herrlich dämlich (?)

Beitragvon Puck » Mo 6. Nov 2017, 09:26

Die Entrüstung ist einfach lächerlich.
Man beachte die Kommentare der ganzen Rechtschaffenden!
Da haben wohl ein paar Nölbrötchen mal wieder zu viel Einfluss gehabt.
Das ist das Problem mit unserer Gesellschaft: den Leuten gehts einfach zu gut und darum achten sie die Dinge (wie z.B. Grundrechte) nicht mehr.
Es gibt Leute denen kann man es einfach nie recht machen, die finden immer was.
Sie werdens erst wieder durch Verzicht lernen.

Hihi..."Warteschleife"...total klasse!
Wenn das wenigstens ein praller Pops wäre, könnt ich verstehen das sich da ein paar(vermutlich Katholiken aus dem letzten Jahrtausend) dran stossen.
Aber so...was soll der Mist?

Marketingtechnisch ist das natürlich vorteilhaft und ein alter Hut - gibt Pasolini recht.
In der Musikindustrie ist das ja Gang und Gebe.
Puck
 

Re: Herrlich dämlich (?)

Beitragvon Anima (Lufthauch) » Mo 6. Nov 2017, 09:45

Ich finde auch:
in eine deutsche Mensa gehören keine Nackedei-Bilder, sondern Bilder von hungernden Kindern aus der Sahelzone, dann hätten die Studis wenigstens einen Grund, dass ihnen der Geschmack verdorben ist.
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Re: Herrlich dämlich (?)

Beitragvon Lylia » Mo 25. Dez 2017, 22:45

Die Bilder der Ausstellung im Link von abstract sind Geschmackssache, schlimm finde ich jetzt nichts an ihnen, man kann die Empfindlichkeit auch übertreiben, Luxusprobleme einer übersättigten Konsum-Gesellschaft also, mal wieder.
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Re: Herrlich dämlich (?)

Beitragvon Source » Mi 27. Dez 2017, 19:11

Vielleicht benötigt man einfach ein wenig Empathie, um sich in die Lage einer Frau zu versetzen, die in einer Mensa essen möchte, und sich dabei ansehen muss, dass der weibliche Intimbereich ausgestellt wird. Das ist kein Luxusproblem.

Anima (Lufthauch) hat geschrieben:Ich finde auch:
in eine deutsche Mensa gehören keine Nackedei-Bilder, sondern Bilder von hungernden Kindern aus der Sahelzone, dann hätten die Studis wenigstens einen Grund, dass ihnen der Geschmack verdorben ist.


Und dieser Kommentar ist nicht nur wenig einfühlsam Frauen gegenüber, sondern auch noch gegenüber hungernde Kindern und Studierenden. Was haben diese beiden Gruppen mit Sexismus zu tun?
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Re: Herrlich dämlich (?)

Beitragvon Lylia » Fr 5. Jan 2018, 05:58

Source hat geschrieben:Vielleicht benötigt man einfach ein wenig Empathie, um sich in die Lage einer Frau zu versetzen, die in einer Mensa essen möchte, und sich dabei ansehen muss, dass der weibliche Intimbereich ausgestellt wird. Das ist kein Luxusproblem.


Hm, also wenn ich auswärts esse, was auch eine Schulkantine ist, dann schaue ich auf meinen Teller nicht an die Wände. Diese empfindliche "Dame" könnte alternativ auch woanders-hin schauen ?
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Re: Herrlich dämlich (?)

Beitragvon Jamania » Fr 5. Jan 2018, 08:13

Source hat geschrieben:Vielleicht benötigt man einfach ein wenig Empathie, um sich in die Lage einer Frau zu versetzen, die in einer Mensa essen möchte, und sich dabei ansehen muss, dass der weibliche Intimbereich ausgestellt wird. Das ist kein Luxusproblem.

Das fasst das Problem doch eigentlich recht gut zusammen.

Hier geht es um eine Uni, also einen öffentlichen Bereich des Lebens, in dem junge Menschen ganz vielen Ideen ausgesetzt werden, um lernen zu dürfen, diese für sich einzuschätzen, mit ihnen umzugehen (was sowohl heißt von ihnen zu profitieren und sie anzunehmen als auch sie für sich zu verwerfen) und mit genau diesen erlernten Fähigkeiten ein konstruktives Leben zu führen, in dem nicht alles glatt in schwarz und weiß aufgeteilt werden muss, damit man sich wohl fühlt.

Die Forderung nach Empathie ist doch vor allem eins: Zensur.
Jeder fühlt sich durch anderes gestört, beleidigt, "getriggert"...
Und die Lösung einer Institution sollte also sein zu verbieten, alles abzuschaffen, was einer Gruppe von Menschen nicht genehm ist?
Auseinandersetzung einfach zu vermeiden, anstatt sie durch das zu fördern, was Menschen nun mal an unterschiedlichem Empfinden haben und genau daran zu lernen, sich MITEINANDER zu beschäftigen und über Dinge anderer Meinung zu sein und das offen zu leben?

Ich find's einfach sehr gruselig mit welcher Wucht diese selbstgerechte Sanftmut sich ihren Weg aufgrund egal welcher Opferhaltungen bahnt und so tatsächlich droht den freien und kontroversen Umgang im Bildungswesen zu untergraben.

Zu Hause hänge ich mir kein Bild hin, dass ich geschmacklos finde.
Die Uni ist aber kein Zuhause, sondern eine Institution, in der ich lernen darf mit dem zurecht zu kommen, dem ich mich ohne diese Möglichkeit der Weiterbildung eben niemals aussetzen würde.
Jamania
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Re: Herrlich dämlich (?)

Beitragvon Anima (Lufthauch) » Fr 5. Jan 2018, 13:22

Jamania hat geschrieben:Jeder fühlt sich durch anderes gestört, beleidigt, "getriggert"...
Und die Lösung einer Institution sollte also sein zu verbieten, alles abzuschaffen, was einer Gruppe von Menschen nicht genehm ist?
Auseinandersetzung einfach zu vermeiden, anstatt sie durch das zu fördern, was Menschen nun mal an unterschiedlichem Empfinden haben und genau daran zu lernen, sich MITEINANDER zu beschäftigen und über Dinge anderer Meinung zu sein und das offen zu leben?


Hi Jamania, :-)

das fällt einem tatsächlich immer und immer wieder vor die Füße … (auch hier im Forum als einem ebenfalls öffentlichen Raum und dann auch noch gerade durch HS als Begründung):
Das Diktat der Harmonie, die Empathie-Vorschrift, die Angst, verletzt zu werden oder zu verletzen ...

Wie sehr würde ich es schätzen, wenn es eine „Streit“-und Auseinandersetzungs-Kultur geben könnte, die dem entspricht, was du mit 'einander offen zu begegnen auch bei unterschiedlichen Auffassungen' meinst. Oder auch: sich auf eine argumentative Auseinandersetzung einzulassen statt immer wieder die „verletztes Opfer“-Attitüde an den Tag zu legen.

Man kann zu Bildern, Büchern, Kunst, Politik, sogar Lebensführung ja selbstverständlich die unterschiedlichsten Meinungen haben. Und da könnte man ja miteinander (auch vielleicht sogar mal hitzig) drüber reden, und sich auch überhaupt nicht einig sein, aber ohne dass das Ganze allein aus "Störungs"- und Disharmonie-Gründen erstickt und abgewehrt werden müsste.

Wie du an anderer Stelle schon geschrieben hattest: ja, wir sind hier in einem „Mikrokosmos“, einem Abbild von gesellschaftlichen Vorgängen. – Und es interessiert auch mich, da immer wieder genauer hinzusehen.

Liebe Grüße :-)
Anima
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