Die Entstehung des ICH

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Die Entstehung des ICH

Beitragvon Kopfkino » Do 24. Nov 2011, 09:43

Zu diesem Thema möchte ich erstmal zwei sehr interessante und gedankenanregende Links einstellen.

Die Entstehung des Ego
"Ein Kind hat noch kein Ego! Das Kind lebt noch in einem göttlichen SEIN-Zustand (ich bin) voller VERTRAUEN. Das Selbst und der Verstand sind noch verbunden."

Eckhart Tolle spricht über das Ich

Das Ich ein Gedankengebilde, welches viele Menschen in der Dualität verhaftet hält.
Dualität= Leid.
Ich bin auf den Zug voll aufgesprungen, stecke jedoch so in meinem "Kopfkäfig" fest, so dass ICH mir Non- Dualität gar nicht so recht vorstellen kann.
Ist es das was ein jeder von uns in seinem Leben lernen "soll"? Wenn ja, wie? Was fördert dieses andere Bewußtsein? Durch Leid stellen wir unser Ich/ unser Leben in Frage und beginnen nach mehr Antworten zu suchen, hinter den Horizont zu blicken bzw. blicken zu wollen.
Mit dem Ich- Bewußtsein beginnt die Verhaftung, die Einschränkung und das Leiden. Irgendwie spaltet sich in mir die Gemütslage gerade, da ich diese Vorstellung (diese Verblendung) irgendwie als schlecht bewerte. Ich mag es auch nicht wenn mein Bewußtsein getrübt ist, durch Alkohol oder was es eben sonst noch so gibt. Auf der anderen Seite fühlt diese "Vorstellung", diese Ahnung sich sehr gut an. Es ist wohl diese Zwickmühle die unser Bewußtsein ausmacht. Kopf und Intuition (das kollektive Unbewußte) im Zwiegespräch. Ist der Weg des Herzens der Weg zur Non- Dualität? Wenn das Herz "sagt" dass es gut ist. Dieses unterschwellige, leise Klicken... Das fühlt sich gerade sehr gut an.
Dualität...Ich und Du, Du und ich. Wir. Wo ist da die Mitte? Es besteht doch sehr die Gefahr sich im Du zu verlieren, gerade für Empathen. Aus diesem Grunde hat sich vielleicht die Verhaftung im Ich bei einigen sehr verstärkt. Vielleicht kann die Empathie aber auch sehr förderlich sein, sich auf den kollektiven Weg zu begeben, wenn man die Balance gefunden hat.

Es grüßt nachdenklich,

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Re: Die Entstehung des ICH

Beitragvon Jamania » Do 24. Nov 2011, 12:35

Hmmh, anderer Gedanke: was wäre, wenn das Ego nicht als das Böse, das zu Überwindende gesehen würde, sondern als eine der Möglichkeiten des Menschseins?
Dass man eben nicht nur geistig, sondern auch sehr im Irdischen verhaftet, mit einem Sinn für die eigene Präsenz und Wichtigkeit und einer Freude am Materiellen wachsen darf...

Ich habe gar nichts gegen spirituelle Weiterentwicklung und Relativierung der eigenen Persönlichkeit im Kontext einer menschlicheren Gesellschaft, sehe es aber als eher kontraproduktiv an, wo das Weltliche, das Materielle zu sehr verdammt wird.

Ich tendiere dahin, es nicht als die große Lernaufgabe wieder den kindlichen Zustand zu erreichen zu sehen, sondern als ein Geschenk am Weltlichen teilhalben zu können, auch durch Dinge, die nicht immer der Weiterentwicklung dienen, an von Menschen geschaffenem, sogar an Luxus.
Dabei mäßigt sich der für mich gesunde Umgang eigentlich von selbst: kann ich mich an etwas freuen, es für mich nutzen, damit konstruktiv arbeiten, dann ist es gut.
Mache ich mich davon abhängig, nutze ich es, um mir oder anderen demonstrieren zu wollen, dann wirkt es sich auf mich eher schädlich aus.
Diesen Lernprozess kann ich endlos wiederholen, ich habe auch hier kreatives Potenzial meiner Persönlichkeit entsprechend damit umzugehen, es muss für mich nicht abgeschafft werden.

So sehr ich beim Blick in bestimmte Bereiche, die unsere Welt sehr dominieren solche Stimmen und Mahnungen (das Erreichen von Non-Dualität und den göttlichen Seinszustand) als wohltuend empfinde, auf persönlicher Ebene fühle ich einen für mich falschen Druck, der in die richtige Richtung, aber dann darüber hinaus geht...

Mir wäre Mäßigung und reagierendes Bewusstsein (im persönlichen, im globalen) lieber als Überwindung, es nimmt mir das Menschliche, strebt das Göttliche an.
Weder bei mir noch bei anderen fände ich das im Extrem angenehm.
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Re: Die Entstehung des ICH

Beitragvon Kopfkino » Do 24. Nov 2011, 12:51

Hallo Jamania!

Das Eine schließt ja das Andere nicht aus. Es geht ja viel mehr um eine Bewußtseinserweiterung. Wir sind -auch- Materie in der Materie, also von Natur aus schon sehr materiell. Da wäre es doch sehr vermessen sich dem komplett entziehen zu wollen.

Das Ego an sich ist weder gut noch böse. Es ist das was wir daraus machen.

Lieben Gruß,

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Re: Die Entstehung des ICH

Beitragvon Komma » Do 24. Nov 2011, 13:06

Ich bin mir nicht sicher ob man sein Bewusstsein erweitert damit (Tolle), oder doch ehr einschränkt.

Was mich mehr interessiert ist, was du damit meinst , daß sich Empathen im Du verlieren. Wie erlebst du das?
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Re: Die Entstehung des ICH

Beitragvon Jamania » Do 24. Nov 2011, 13:07

Kopfkino hat geschrieben:

Das Ego an sich ist weder gut noch böse. Es ist das was wir daraus machen.



Vielleicht dringe ich zu dem Kernpunkt da nicht richtig durch.

Mir scheint es so, dass sehr polarisiert wird, das Gute ist das Kind, das noch kein Bewusstsein für sich und die Trennung von anderen hat, das Böse die Entwicklung durch das Ausgesetzt sein einer immer stärker materialistisch geprägten Welt.

Wieviel Potenzial genau darin steckt, dieser Aspekt wird mir damit erstickt, wie falsch es von so vielen genutzt wird.

Wenn es das bedeutet, was du schreibst,

Das Eine schließt ja das Andere nicht aus. Es geht ja viel mehr um eine Bewußtseinserweiterung


dann finde ich den Ansatz ohne Einschränkung wichtig.

Ich ging und gehe davon aus, dass dieser für mich ethisch-moralische Aspekt schon sehr präsent in unserer Welt ist, aber eben auch oft an der Realität scheitert oder nur in engerem Rahmen gelebt wird, so dass eher der einzelne als eine Gesellschaft sich damit auseinander setzt.
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Re: Die Entstehung des ICH

Beitragvon Kopfkino » Do 24. Nov 2011, 13:51

Hallo Komma!

Mich würde interessieren wie genau Du folgende Aussage meinst.

Ich bin mir nicht sicher ob man sein Bewusstsein erweitert damit (Tolle), oder doch ehr einschränkt.


Was mich mehr interessiert ist, was du damit meinst , daß sich Empathen im Du verlieren. Wie erlebst du das?


Das hat ein wenig mit meiner Geschichte zu tun und einer Anpassung die irgendwann mal stattgefunden hat und damit einhergehender Abspaltung eines Teils meines Ichs. Die Empathie kommt ins Spiel ab dem Punkt an dem ich begonnen habe mich über andere zu identifizieren, sehr von der Spiegelung anderer abhängig zu sein, was durch die Empathie und die Damit zusammenhängende Beobachtungsgabe verstärkt wurde. In meinem Fall ist es nicht so, dass ich Gefühle und Gedanken für meine halte, oder davon total absorbiert werde, was eben auch eine Möglichkeit des sich Verlierens im Du sein kann.

Jamania schrieb: Ich ging und gehe davon aus, dass dieser für mich ethisch-moralische Aspekt schon sehr präsent in unserer Welt ist, aber eben auch oft an der Realität scheitert oder nur in engerem Rahmen gelebt wird, so dass eher der einzelne als eine Gesellschaft sich damit auseinander setzt.


Das sehe ich ähnlich. Die Präsenz in der Welt ist sicherlich vorhanden und ich empfinde sogar eine Steigerung des Interesses.

Mir scheint es so, dass sehr polarisiert wird, das Gute ist das Kind, das noch kein Bewusstsein für sich und die Trennung von anderen hat, das Böse die Entwicklung durch das Ausgesetzt sein einer immer stärker materialistisch geprägten Welt.


Die Polarität findet in unserem Kopf statt.

Dieses Thema ist sehr bestimmt von den Hintergünden eines Menschen, wie jedes Thema. So wird jemand der religiös ist ganz anders drauf schauen als jemand der "nur" an die Existenz des "Augenscheinlichen", empirisch zu belegenden glaubt.

Lieben Gruß,

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Re: Die Entstehung des ICH

Beitragvon Komma » Do 24. Nov 2011, 14:59

Habe ich dich richtig verstanden?
Du bist dir unsicher, ob deine Gefühle oder Gedanken tatsächlich dich wiederspiegeln ,oder nur das ,was du meinst das von dir erwartet wird. -Das Ich verschwindet, das Du tritt an seine Stelle.
Auch ich habe auf diesen Gebiet Schwierigkeiten, deshalb frage ich lieber nach, ob meine Interpretationen stimmen.


Wg.der Bewusstseinserweiterung beziehe mich auf deinen oben eingestellten Video- Link. Mein Erster Gedanke war , es wird ein Fluchtweg angeboten und Fluchtwege sind immer einschränkend. Genau wie das, weshalb man meint einen Fluchtweg beschreiten zu müssen. Eigentlich tauscht man nur das Eine gegen das Andere aus. Weg aus dem was Leid verursacht, eben das Ich, das nicht das Leben ist. Bei dem Ganzen drängt sich mir dann doch die Frage auf: Warum kann ein Ich nicht sein unter Anderen?
Bei dem Beispiel mit dem Kind und dem Spielzeug musste ich ein wenig lachen, es hat mich doch sehr an meine Katze erinnert. -Versuch mal einer Katze was wegzunehmen das sie für ihr Eigentum hält. Nicht nur Menschen reagieren so.
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Re: Die Entstehung des ICH

Beitragvon Kopfkino » Fr 25. Nov 2011, 11:56

Guten Morgen!

@ Komma
Habe ich dich richtig verstanden?
Du bist dir unsicher, ob deine Gefühle oder Gedanken tatsächlich dich wiederspiegeln ,oder nur das ,was du meinst das von dir erwartet wird. -Das Ich verschwindet, das Du tritt an seine Stelle.

Es geht -auch- in diese Richtung, ja.

Wg.der Bewusstseinserweiterung beziehe mich auf deinen oben eingestellten Video- Link. Mein Erster Gedanke war , es wird ein Fluchtweg angeboten und Fluchtwege sind immer einschränkend.

Für mich stellt es keinen Fluchtweg dar, sondern ein Gewinn an Freiheit und Bewegungsmöglichkeiten. So unterschiedlich können die Auffassungen sein. icon_winkle Es hängt für mich mit der Fähigkeit zusammen von der Metaebene aus schauen zu können und hinter die Dinge blicken zu können. Was ist "es" wirklich?

Bei dem Beispiel mit dem Kind und dem Spielzeug musste ich ein wenig lachen, es hat mich doch sehr an meine Katze erinnert. -Versuch mal einer Katze was wegzunehmen das sie für ihr Eigentum hält. Nicht nur Menschen reagieren so.


Hm, wie es mit dem Ich- Bewußtsein bei Tieren ausschaut, darüber weiß ich nicht viel. Ich kann nur davon sprechen, was ich beobachte. Bei meinen Katzen kann ich nur einen kurzweiligen Besitzanspruch beobachten, für diesen Augenblick und wenn die Situation vorbei ist, ändert sich auch das Verhältnis zu dem "Objekt der Begierde". _grin_ Es ist mehr an Trieben gebunden. Wovon natürlich auch der Mensch einige hat. Aber in der Regel findet doch mehr Differenzierung statt. ;-))

Wer sich gerne auf dieses Thema weiter einlassen möchte, dem kann ich "Wer bin ich - und wenn ja wie viele?" von Richard David Precht wärmstens ans Herz legen. In dem Buch wird das Thema aus diversen Blickwinkeln beleuchtet. Das Ich in der Philosophie, Psychologie, Hirnforschung, Anatomie, Evolutionsbiologie, Physik etc. 1güt

Lieben Gruß,

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