Re: spirituell leben
von Viola cornuta » Mi 9. Mär 2011, 14:47
Hm, spannende Frage.
Was ist Spirituell?
Wikipedia: "Spiritualität (von lat. spiritus ,Geist, Hauch‘ bzw. spiro ,ich atme‘ – wie altgr. ψύχω bzw. ψυχή, siehe Psyche) bedeutet im weitesten Sinne Geistigkeit und kann eine auf Geistiges aller Art oder im engeren Sinn auf Geistliches in spezifisch religiösem Sinn ausgerichtete Haltung meinen. Spiritualität im spezifisch religiösen Sinn steht dann auch immer für die Vorstellung einer geistigen Verbindung zum Transzendenten, dem Jenseits oder der Unendlichkeit."
Für mich geht Spiritualität eher in Richtung gelebte Werte. Dabei sind für mich Werte wie Dankbarkeit, Respekt, Verantwortung wichtig.
Was mir besondern wichtig ist ist der Respekt vor dem Leben. Dazu gehört für mich auch der Wunsch, über das Leben so korrekt wie möglich Bescheid zu wissen, keinem Irrglauben anzuhängen. Das Leben selbst ist viel zu kostbar und faszinierend als daß ich falsche vorstellungen davon haben wollen würde.
Von daher sehe ich meine Arbeit und allgemein die Beschäftigung mit Lebendigem auch als spirituellen Teil meines Lebens.
Zu gelebter Spiritualität gehört für mich auch, ausser dem Versuch, mir Wissen über das Leben anzueignen, zuzulassen und zu akzeptieren daß es Dinge gibt die ich nicht verstehe (n kann). Aus diesem Grunde bin ich persönlich ein wenig allergisch gegen Pseudowissenschaften, denn die versuchen Dinge auf eine vereinfachte und meist falsche Art zu erklären.
Ausserdem finde ich den Respekt vor mir selbst auch wichtig. Denn wie soll ich meine Umwelt respektieren und gut behandeln, wenn ich nicht mal mich selbst gut behandeln und respektieren kann?
Da passt das Christliche Gebot "liebe Deinen nächsten wie Dich selbst" auch sehr gut. Wenn man sich selbst verachtet, missbraucht und misshandelt, tut man das auch seinen Nächsten an, oft unbemerkt, aber es ist so. Wenn man sich selbst achtet und auf sich hört, dann wird man auch sensibler für seine Umwelt.
Was mir auch wichtig ist (und manchmal schwer fällt) ist zu akzeptieren daß jeder seine eigenen Vorstellungen und Glaubensrichtung hat und haben darf.
Was für mich ein Tabu ist, ist fremden Menschen meinen Glauben aufzuzwingen, und im Umkehrschluss finde ich es ist auch eine Übertretung von Grenzen, wenn jemand das bei mir versucht, und wehre mich entsprechend.
Ich persönlich bin nicht religiös, und finde, daß die Religion, so wie sie sich mir in meiner Umgebung darstellt, soziale und spirituelle Funktionen hat. Diese beiden Funktionen habe ich für mich persönlich aber getrennt, ich habe nicht das Bedürfnis danach mit jemandem zusammen spirituell zu sein.
Ein weiteres spirituelles Tabu von mir ist Gewalt. Verbale, physische und sonstige. Ich habe nichts dagegen zum Beispiel in Life-rollenspielen, oder im Kampfsport, Kämpfe zu simulieren, wenn ich weiß daß meine Gegner dabei keinen Schaden abbekommen. Aber Gewalt mit dem Ziel jemandem zu schaden ist für mich ein spirituelles No-Go.
Wobei man da differenzieren muss: Wir tun jeden Tag Lebewesen Gewalt an. Selbst der Ökologischste Veganer lebt auf Kosten von anderen Lebensformen.
Das ist für mich okay, das ist ein Ökosystem. Davon kann man sich meiner Meinung nach nicht trennen, nur entfremden. Ich persönlich finde es beispielsweise in Ordnung, Fleisch zu essen, wenn man auf die Herkunft achtet, auf die Qualität, und dankbar sich dessen bewusst ist daß ein Tier gestorben ist. Ausserdem sollte man finde ich versuchen, der Natur etwas zurückzugeben dafür daß sie uns ernährt. Wie ist jedem überlassen, das kann Müll im Wald aufsammeln sein, Engagement in sozialen Projekten oder ein ganz anderer Weg. Und sei es daß man viele viele Pflanzen hegt und pflegt, um die Luft zu verbessern. Es geht nicht um das quantitative Engagement, sondern um die Einstellung.
Nicht in Ordnung finde ich es wenn man sich gedankenlos irgendein Stück Wurst kauft, verdrängt daß es mal ein Tier war, Tiere quält (und sei es durch nicht artgerechte Haltung zum eigenen Amüsement). Allerdings ist es für mich auch nicht in Ordnung irgendwelche Nudeln zu essen ohne sich bewusst zu machen daß der Rohstoff dafür auch aus der Erde gewachsen ist.
Ist das spirituelles Leben? Ich weiss nicht ob man das so nennen kann, das ist aber meine Version davon.
Lieben Gruß!
Viola