Ich bin hier um zu verstehen

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Ich bin hier um zu verstehen

Beitragvon nella01 » Mi 11. Okt 2017, 10:10

Einen schönen guten Morgen,

ich bin Mutter von den drei tollsten Kindern der Welt. Unsere Grosse ist acht, unser Mittlerer gerade sechs und der Jüngste gerade ein Jahr.

Hier bin ich wegen unseres mittleren Sohnes. Ich habe mich lange gesträubt einen Text wie diesen zu schreiben, denn ich persönlich habe eigentlich keine Probleme. Aber manchmal scheint es, als hätte der Rest der Welt eines mit ihm und somit auch mit mir (Löwenmama übertreibt manchmal, aber auch das gebe ich offiziell nicht zu). Ich weiss garnicht wo ich so richtig anfangen soll, deshalb erst einmal eine Kurzfassung.

Wir leben sehr ländlich, deshalb pendelt mein Mann und ist wenig da. Ich arbeite ein paar Stunden von zuhause aus, bin aber Vollzeit für die Kinder da. Die ersten drei Jahre waren sie bei mir und dann ging es über Kindergarten in die Schule.

Solange mein Sohnemann zuhause war, hatten wir einfach ein besonders aufmerksames, wahnsinnig früh entwickeltes, kommunikationsfreudiges, freundliches Kind. Den Morgen verbrachten wir bei den Pferden (wobei er an den Tieren selbst wenig Interesse hat), dann half er mir kochen, dann war Lesezeit und so hatten wir einen Ablauf. Mittags trafen wir dann Freunde, fuhren mit dem Hund in Parks oder bastelten/malten. Insgesamt zeigte sich schon sehr früh das er seine geregelten Abläufe schätzte und Unruhe mit Unleidlichkeit quittierte. Besuche (auch Freundinnen seiner Schwester) wurden sehr unterschiedlich toleriert. Manche mochte er wahnsinnig (besonders die Mädchen die mit ihm ruhig spielten), unruhige Kinder lehnte er ab.

Der Kindergarten kam und er entwickelte dort (zuhause war es wie immer!) wahnsinnige Wutanfälle. Ging anscheinend grundlos auf Kinder los, reagierte pampig bis hin zu rotzig. Ich war völlig entsetzt und fertig, zweifelte an dem Kindergarten, an mir, an allem. Dann gingen andere Eltern auf uns und unseren Sohn los. Es kam im Dorf zu schlimmen Szenen, die uns an den Rande des erträglichen brachten. Aber mal eben das Haus verkaufen (das gerade eben frisch saniert ist) ist nun nicht ganz so einfach.

Der Kindergarten reagierte und stellte sich hinter uns. Wies Eltern in ihre Schranken und stärkten meinen Sohn wo es nur ging. Mein Sohn wechselte die Gruppe zu einer sehr erfahrenen Erzieherin und verbrachte die Tage in ihrem Windschatten. Er durfte zu ihrer rechten Hand werden und fand so seinen Platz. Ihr ist es zu verdanken das er Zugang zu ein paar anderen Kindern fand und zur Ruhe kam. Von ihr kamen auch die richtigen Tips wohin wir uns helfen können um Hilfe zu bekommen. Wir haben auch mit so einigen STellen gesprochen, aber im Umgang mit ihm konnte niemand ein Problem entdecken. Es würde sich schon alles verwachsen. Die letzte Stelle war eigentlich Zufall. Die Ergotherapeutin meiner Tochter (durch eine Skoliose brauchte sie Unterstützung) testete ihn auf Hochsensibilität. Ich kannte den Begriff garnicht. Aber dann begann ich zu lesen und finden meinen Sohn endlich wieder.

Da er Mitte September Geburtstag hat, kam er mit gerade sechs in die Schule. Ich wollte ihn eigentlich zurück stellen. Aber die Erzieherin hat abgeraten. Alle Grossen weg, nurnoch Kontakt zu jüngeren, mit denen er sowieso nichts anfangen kann. Ich kannte die Lehrerin, es erschien richtig. Nun bekam die Grundschule eine neue Rektorin und eine Lehrerin ging in den Mutterschutz und wir bekamen eine Lehrerin die leider keinen sehr guten Ruf hat und selbst den Sommer in Therapie verbracht hat.

Sie begegnet meinem Sohn (aber auch anderen Jungs) mit Unverständnis und bedingungsloser Strenge. Die Jungs sitzen mehr draussen als das sie am Unterricht teilnehmen. Meine Bitte auf ein Gespräch wurde abgelehnt. Sie würde generell frühestens nach 3-4 Monaten mit Eltern sprechen. Mein Sohn verweigert sich wohl total und hasst den morgendlichen Gang in die Schule (nach gerade mal 4 Wochen).

Naja, kurz ist es jetzt nun nicht geworden. Aber ständig folge ich einem Gedanken und ich könnte noch stundenlang tippen. Aber ich brauche Hilfe ihn zu Unterstützen. Ich muss einfach einen Weg finden wie ich zu ihm besser durchdringe wenn er sich in der Schule verweigert und trotzt. Wie erkläre ich ihm das man manche Dinge einfach tun muss, auch wenn sie noch so ätzend sind. Ich kann kaum noch durchatmen, bin froh wenn er mittags heimkommt und nicht weint.

Gruss

nella
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Re: Ich bin hier um zu verstehen

Beitragvon Träumerle » Mi 11. Okt 2017, 12:21

Hallo nella,

sei hier ganz herzlich Willkommen. sm_06

Ich habe jetzt alles über deinen Sohn gelesen und kann ihn selbst doch ganz gut nachvollziehen. Erst einmal, dass er unruhige Kinder ablehnt, darin sehe ich kein Problem, finde es sogar schön. Wenn er nämlich mal einen Freund zum Spielen da hat, musst du dir keine Gedanken machen, dass die beiden zu laut werden. icon_winkle So ging es mir im Kindergarten nicht anders, die meisten Jungs waren mir einfach zu impulsiv, da habe ich einfach einen Bogen drumherum gemacht.

Die Anfälle... hmmm, vielleicht so etwas wie eine extrem verspätete Trotzphase? Oder kontaktiere mal einen Kinderpsychologen. Du musst dich dafür auch nicht schämen, das ist etwas ganz Natürliches, dafür sind diese Leute da. Denn bei meiner Schwester ist auch so eine Maßnahme eingeleitet worden, da sie auch immerzu ausrastete wegen Kleinigkeiten. Es wurde ein EKG (?) gemacht und dabei stellte sich heraus, dass bei ihr tatsächlich offiziell eine erhöhte Anfallsbereitschaft diagnostiziert wurde. Heißt, ihr Temperament geht öfter mit ihr durch, als einem lieb ist. Vielleicht kann man das bei deinem Sohn auch feststellen? Dies hätte dann mit HS nichts zu tun, würde aber sein Verhalten erklären. Aus Erfahrung weiß ich, dass so etwas für das Umfeld nicht wirklich angenehm ist, jedoch angeboren.

Möglicherweise ist es ja auch nur eine Art Kindes-Marotte, die er mit dem Älterwerden ablegt. Ich kannte und kenne viele cholerische Kinder und Jugendliche. Mag sein, dass diese auch als Erwachsene schneller laut werden, aber dennoch Beruf und Alltag mit Bravour meistern können.

Sie begegnet meinem Sohn (aber auch anderen Jungs) mit Unverständnis und bedingungsloser Strenge. Die Jungs sitzen mehr draussen als das sie am Unterricht teilnehmen. Meine Bitte auf ein Gespräch wurde abgelehnt. Sie würde generell frühestens nach 3-4 Monaten mit Eltern sprechen. Mein Sohn verweigert sich wohl total und hasst den morgendlichen Gang in die Schule (nach gerade mal 4 Wochen).

Das ist nicht schön. Könntest du vielleicht mal ein genaues Beispiel geben, also eine Situation und deren Konsequenzen nennen, damit ich mir das mal besser vorstellen kann? Oder ihr beide setzt euch mal zusammen vor den PC, er diktiert dir, was du schreiben sollst, damit man das Ganze direkt aus seiner Sicht erleben kann. Heißt, du schreibst und er entscheidet, was geschrieben wird :-) .

Ganz ehrlich, mich würde so eine Lehrerin auch aufregen, gut, ich bin ja auch hochsensibel und handele daher oft so oder so ähnlich, wie dein Sohn. Leider kann man gegen die Lehrerin wohl schlecht etwas tun. Solche Lehrer waren ja vor 100 Jahren ganz normal und sind auch heute nicht verboten, sofern es keine gewalttätigen Strafen gibt. Höchstens die Überredung zu einer gelasseneren Art zu unterrichten würde was bringen. Nur ich denke kaum, das eine Mutter oder ein Vater so mutig wären, die Lehrerin so zu konfrontieren. Oder können nicht Kolleginnen und Kollegen ihre Art zu unterrichten, beobachten? Denn an meiner Schule ermahnen die Lehrer sich auch untereinander, wenn jemand einen Fehler gemacht hat.

Aber ich merke ja, wie sehr dein Sohn und seine Mitschüler leiden. Ich würde sagen, man sollte sich mal mit anderen Eltern zusammentun und dann gegen diese völlig fiese Lehrerin vorgehen. Gibt es sonst nicht die Möglichkeit, die Schule zu wechseln? Kann ja auch eine sein, die etwas weiter weg ist, dann muss dein Sohn halt mit dem Auto oder Bus fahren, aber wenigstens kann er dieser, zugegeben, blöden Kuh, entfliehen.

Bevor ich abschweife, hier ist noch eine interessante PDF-Datei über hochsensible Schüler, und wie Lehrer sich diesen gegenüber verhalten sollten: http://www.hochsensibel.org/dokumente/e ... n-B.A..pdf
Die könntest du mal dieser "Lehrerin" vorlegen, um sie aufzuklären. Wenn sie sich daraufhin nicht an deinen Sohn anpasst, dann ist das schon unerhört.

Ganz viel Kraft für dich und deinen Sohn.

Liebe Grüße,
Träumerle :-)
Ich weiß, ich bin ein HSP,
da ich die Welt ganz anders seh'.
Ich tue dies auf meine Weise,
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Re: Ich bin hier um zu verstehen

Beitragvon nella01 » Mi 11. Okt 2017, 21:28

Hallo Träumerle,

vielen Dank für deine umfangreiche Antwort.

Die Wutanfälle hätte ich natürlich noch weiter erläutern sollen. Im ersten Moment erschienen sie erst einmal grundlos und unnötig.

Mit der Zeit und viel Beobachtungszeit konnte die unsere Erzieherin erkennen was das Problem war. Unser Sohn reagierte weniger aggressiv, sondern eher panisch. Entweder er beschützte zum Beispiel etwas Gebautes, oder er reagierte auf eine voran gegangene Situation. Natürlich hat er auch mal so gerauft, weil er zum Beispiel bei der Ninja-Truppe mitmischen wollte. Aber meisst hatte er einfach Stress. Er hatte (zum Beispiel) einen Gruppenkamerad der etwas arg schnell gewachsen und unheimlich gross und ungelenk war. Der arme Kerl hat ständig irgend etwas umgerannt, umgestossen, kaputtgehauen. Für meinen Sohn der persönliche Horror wenn er nur in die Nähe seiner Bauwerke kam. Und ausgerechnet dieser Junge fand es immer so toll was er so bastelte und baute. Laut Erzieherin sah man schon von weitem wie sehr mein Sohn verspannte wenn er in die Nähe kam. Und wenn verbale Abwehr nicht funktionierte kam es dann auch zu Handgreiflichkeiten. Es hat lange gedauert bis er auf die Erzieher zuging und noch länger bis er die Schwächen anderer Kinder tolierieren konnte. Schlimmer war es noch mit den Kindern die permanent Brummkreisel spielen. Die erträgt er garnicht. Entweder er ticktd völlig aus und tobtte mit (aber dann völlig unkontrollierbar) oder er schubste so ein Kind von sich weg. Leider dann auch mal mit Beule. Mittlerweile haben wir das aber im Griff. Er zieht sich zurück, oder er sucht Hilfe (wenn er eine vertraute Person findet).

Tja, die Lehrerin hat im Vorfeld lautstark kundgetan das sie von ADHS-Diagnosen oder oder oder nicht viel hält. Bei ihr hätte noch jedes Kind gelernt. Ausserdem ignoriert sie Kontaktaufnahmen. Wir hatten tatsächlich keine Möglichkeit in Ruhe mit ihr zu reden. Morgen ist nun endlich Elternabend. Vielleicht komme ich dann mal an sie ran.

Ein Beispiel, an dem unser Sohn sehr knabbert, ist ein Vorfall in der Sporthalle. Die Jungs hatten die Türen der Umkleide geschlossen und das Licht ausgemacht und sind da rumgetobt. Mein Sohn mag weder Enge noch Dunkelheit. Er hat wohl zuerst mitgemacht und hat dann Panik bekommen und hat auf der Suche nach dem Licht alles durcheinander geschmissen. Obwohl die Geschichte so bestätigt wurde hat er dafür eine Woche Sportverbot kassiert.
Oder direkt an den ersten Tagen sassen sie im Stuhlkreis. Ein Mädchen hatte die Tafel herunter gezogen und ein anderes Kind am Kopf getroffen. Die Lehrerin glaubte mein Sohn wäre es gewesen und verpasste ihm Pausenverbot. Wir kennen die Familie des Mädchens sehr gut und sie erzählte es mir direkt nach der Schule. Die Kleine war so niedlich in ihrem schlechten Gewissen. Am nächsten Morgen ermunterte ich meinen Sohn ihr freundlich zu sagen das nicht er es gewesen war. Sie reagierte leider mit Ablehnung und dem Hinweis das er das nächste mal halt direkt den Mund aufmachen soll. Nun könne sie auch nicht mehr überprüfen ob er ehrlich wäre.

Das PDF ist aber sehr interessant. Vielen Dank!
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Re: Ich bin hier um zu verstehen

Beitragvon Träumerle » Mi 11. Okt 2017, 22:30

Hallo nella,

Danke, dass du noch mehr ins Detail gegangen bist :-) .

Ich denke, dein Sohn ist einfach sehr sehr vorsichtig und geht eben ungern Risiken ein. Kann mir schon vorstellen, dass er auch sehr stolz ist, wenn er mühevoll ein Bauklotz-Gebäude errichtet hat. Das Gefühl kenne ich noch von früher und wenn Konstruktionen der wackeligeren Art bei mir umgestürzt sind, dann flossen auch schon mal Tränen.

Und vergiss nicht, dein Sohn ist sechs und er wird sich noch entwickeln. Ich war mit sechs auch ganz anders drauf, als heute. Einige Eigenschaften haben sich gehalten, aber vieles habe ich mir abgewöhnt. Die HS bleibt ein Leben lang, aber vielleicht wird er ja mit der Zeit etwas ausgeglichener zum Beispiel. War bei mir auch der Fall.

Aber wie du mir die Situationen mit der Lehrerin schilderst, finde ich das wirklich unter der Gürtellinie! OIO
Hinzu kommt noch Ungerechtigkeit, die hassen hochsensible Menschen abgrundtief (auch wenn sie selbst nicht betroffen sind) Das geht eindeutig zu weit. Aber gut, dass morgen Elternabend ist. Dafür wünsche ich dir ganz viel Glück. Berichte mir dann vielleicht mal vom Ergebnis, gerne auch per PN. Ein Tipp: Am besten auch mit dem Vorgesetzten der Lehrerin, also Schulleitung o. ä. sprechen. Diese kann Lehrer bei Fehlverhalten ermahnen und auch sanktionieren, also rausschmeißen. Das wäre auch kein Einzelfall.

Ach ja, gibt es an der Schule eigentlich einen Vertrauenslehrer? Jede gute Schule hat so einen. Wenn ja, dann wäre das ein guter Ansprechpartner, an den man sich wenden kann. Und damit meine ich nicht nur dich. Auch dein Sohn kann während des Unterrichts dann diesen Vertrauenslehrer um Hilfe bitten, wenn es sein muss.

Meine Daumen für morgen sind gedrückt!

Liebe Grüße
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Re: Ich bin hier um zu verstehen

Beitragvon Guiri » Sa 14. Okt 2017, 11:47

Hallo Nella,

Genau wie du bin ich auch über unsere Tochter auf das Thema Hochsensibilität gestossen. Sie war schon als Baby extrem reizempfindlich und ist es bis heute. Auf Änderungen reagiert sie extrem emotional. Im Kindergarten hat es lange gebraucht, bis sie angekommen ist, und bis heute ist die grosse Gruppe bei zwei relativ strengen Erzieherinnen, die z.B. auch mal Kollektiv"konsequenzen" für die ganze Gruppe verhängen, für sie jeden Tag eine Herausforderung.

Wenn ich etwas Zeit habe, werde ich im Hauptforum ein Thema "Begleitung/Erziehung hochsensibler Kinder" aufmachen, mich würde auch sehr interessieren, was andere Forumsteilnehmer sich im Nachhinein von ihren Eltern gewünscht hätten, was sie anders machen würden. Und wie wir gleichzeitig unsere Kinder gut unterstützen können, ohne zu "Helikoptern".

Zum Thema Schule - gäbe es vielleicht die Möglichkeit, in ein anderes Schulkonzept zu wechseln, wie z.B. eine Montessori-Grundschule? Oder wohnt ihr so ländlich, dass es nicht wirklich Alternativen gibt? Wir haben uns für einen Montessori-Kindergarten entschieden, sind aber nicht so ganz zufrieden mit der Umsetzung, weil der Druck durch die Erzieherinnen in unseren Augen zu gross ist und die Kinder zu wenig Freiheit haben - Prio 1 ist immer "dass die Klasse funktioniert" und nicht die Entfaltung der Möglichkeiten, wie es eigentlich sein sollte.

Ich freue mich auf den Austausch!
Guiri
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Re: Ich bin hier um zu verstehen

Beitragvon nella01 » Sa 14. Okt 2017, 20:59

Einen schönen guten Abend,

die letzten Tage waren sehr unruhig und den Elternabend musste ich erst verdauen.

Um es mal zusammenzufassen: Die Lehrerin kann man getrost vergessen. Kurz vor der Rente, auf einer Dorfgrundschule weil sie in einer Brennpunktschule zusammengebrochen ist und nicht gewillt "irgendwelche Pseudokrankheiten" in ihrer Klasse zu unterstützen.

@Träumerle

Wir leben relativ weit ausserhalb. Unsere Schule ist einzügig mit 4,5 Lehrern und knapp 70 Kindern aus 5 Dörfern. Vertrauenslehrer in dem Sinne haben wir nicht. Aber eine neue Rektorin (seit diesem Schuljahr), die anscheinend die Probleme erkennt. Sie hat auf dem Elternabend sehr klar darauf hingewiesen das Eltern mit Problemen vertrauensvoll zu ihr persönlich kommen sollen. Prinzipiell ist die Schule ausgesprochen gut. Meine Tochter geht in die dritte Klasse und ist glücklich und bisher solide unterrichtet.

Diese Lehrerin wurde vor einiger Zeit in die Schule versetzt. Aufgrund ihrer Probleme wurde sie aber nicht als Klassenlehrerin, sondern als Mathe-, Kunst und Sportlehrerin eingesetzt. Damit kam sie auf ihre Stunden. Nun sind aber gleich zwei Lehrer kurz vor Schulbeginn dauerhaft ausgefallen und der alte Rektor wurde in die Rente verabschiedet. Deshalb kam es dazu das sie die erste Klasse übernehmen musst. Damit war niemand glücklich.

@Guiri

Danke für die Antwort. Auch hier gibt es alternative Schulformen. Wir sind an der Recherche. Die nächste Montessori-Schule ist leider nicht geeignet. Wir haben sie uns schon angeschaut.

Prinzipiell braucht unser Sohn klare Strukturen und Regeln. Er ist ruhiger und entspannter wenn der Alltag berechenbar ist. Er studiert jeden Morgen seinen Stundenplan und ist völlig frustriert wenn das , worauf er sich eingestellt hat, nicht so eintrifft.

Bei den anderen Schulen sind wir noch nicht so weit und ich finde es furchtbar schwierig. Es kommt so wahnsinnig auf den Lehrer an und nicht so sehr auf die Schule.

Gruss nella
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Re: Ich bin hier um zu verstehen

Beitragvon Träumerle » Sa 14. Okt 2017, 21:28

Hallo nella,

es tut mir leid, zu hören, wie es gekommen ist. Diese Frau scheint mir echt ein Sonderfall zu sein. Und der Begriff "Pseudokrankheit" mit Hochsensibilität zu vergleichen... ich als HSP fühle mich ehrlich gesagt ein bisschen von ihr gekränkt. Geht gar nicht. Okay, genug gemeckert.

Dann nutze am besten die Chance, die du hast, und suche das ein Gespräch mit der Rektorin. Irgendetwas muss ja getan werden. Je mehr du ins Detail gehst, desto besser.
Falls wirklich gar nichts helfen sollte, setzt dich doch mal mit deinem Sohn hin und erkläre ihm die Situation, sodass er erkennt, dass die Lehrerin halt manchmal ein bisschen schimpft, aber dass er sich das nicht so alles zu Herzen nehmen soll. Er sei ein super Kind. Sowas in der Art eben, um ihm die Angst (die scheint er ja wirklich vor ihr zu haben) zu nehmen und ihm klarzumachen, dass er ein toller Junge ist. Gib ihm doch vielleicht einen kleinen Gegenstand von zu Hause mit in die Schule. Ein Glücksbringer, der ihm Trost spendet und den er schnell griffbereit hat, wenn es wieder zu Unstimmigkeiten mit der Lehrerin kommt. Ein Schulwechsel scheint ja wirklich ausgeschlossen.

Tut mir leid, so langsam bin ich mit meinem Latein am Ende. _nüxweiss_

Liebe Grüße,
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Re: Ich bin hier um zu verstehen

Beitragvon nella01 » So 15. Okt 2017, 19:55

Vielen Dank für deine Anteilnahme und Hilfe.

Momentan sind wir sehr beunruhigt und fühlen uns der Situation sehr ausgeliefert. Aber die Erfahung lehrt das es schon weiter gehen wird und es auch für diese Probleme Lösungen gibt. Zum Glück hat er noch zwei andere Lehrerinnen, die bisher sehr gut mit ihm zurecht kommen. Leider wohl nur in Sport und Religion. Aber mit denen arbeitet er freudig zusammen. Somit hat er generell die Erfahrung das Schule Freude machen kann.

Liebe Grüsse

nella
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Re: Ich bin hier um zu verstehen

Beitragvon Featherinthewind » So 22. Okt 2017, 11:03

Hallo nella ^^

Ich weiss ich melde mich recht spät, aber ich hoff jetzt mal, dass ich dir trotzdem helfen kann. Ich habe selbst im Alter von sieben, acht Jahren “unerklärliche Wutanfälle“ gehabt.
Ich persönlich führe dieses “Anfall-Gefühl“ immer zusammen mit Hilflosigkeit. Inzwischen hab ich es aber für mich hinbekommen so eine Art Frustrationstoleranz zu entwickeln und entsprechend viel ruhiger zu reagieren.
Ich finde mich auch sonst im verhalten deines Sohnes zu sehr grossen Teilen wieder;)

Ich überleg grade wie man ihm mit dieser furchtbaren Lehrkraft helfen könnte- Ich meine, ein sensibles Kind kann durchaus deutlich stärker unter solchen Menschen leiden.

Wird er die Lehrerin im nächsten Jahr wieder haben?

Wenn ja würde ich dir fast raten, die erste Klasse wiederholen zu lassen falls das geht. Denn entweder der optimale Fall tritt ein und er lernt mit ihr umzugehen, oder die Sache resultiert in irgendwelche Langzeitprobleme.
Und den Sohn ist ein so toller Kerl, es wäre doch schade um seinen Charakter :)

Ich wünsche dir und deinen Sohnemann noch viel Glück;)

Ganz liebe Grüße

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