vor ca einem halben Jahr habe ich (25) zum ersten Mal davon gelesen, dass es eine Spezie von hochsensiblen Persönlichkeiten gibt. Das hat mich neugierig gemacht. Aber ich dachte mir zunächst, dass ich es mir vielleicht nur einbilde oder es mir leicht machen will, in eine Schublade einzusteigen, mit der ich mich bequem rechtfertigen kann. Oft dachte ich, dass ich mich einfach nur nicht so anstellen sollte und ansonsten habe ich nie grob darüber nachgedacht, dass ich anders bin. Ich verspürte zwar oft Weltschmerz schon mit 13 Jahren und unterschied mich sehr von anderen Kindern, aber damals nahm ich das einfach so an. Ich verstand zwar oft die Welt nicht, warum manche Menschen so handeln, wie sie handeln oder denken und fühlen in groberen Formen und suchte mitunter weinend antworten. Doch damals war ich auch sehr durch die Pferde abgelenkt. Sie gaben mir Halt, Sinn und Gleichgesinnte, mit denen ich meine Freizeit fernab vom anstrengenden Alltag verbrachte. Sie haben mir Lebensenergie geschenkt.
Nach der Grundschule ergaben sich viele Konflikte mit Mitschülern oder auch Lehrern. Es war aber eher immer so herum, dass andere ein Problem mit mir hatten. Zunächst war ich nämlich ein ganz fröhliches Mädchen, die zielstrebig mitmachte, ihre Meinung ohne Hemmung verkündete und unbeschwert ihr Leben lebte und ihre Träume träumte. Doch das passte vielen nicht und somit änderten sie es. Und Lehrer bemängelten meine mündliche Inaktivität, die dadurch in Folge trat. Die Schule verlor für mich an Autorität und das Thema war für mich dato passé. Das erschwerte mir meine Berufswahl. Ich schaffte es zwar in meinen Schreiben, die Leute zu einem Vorstellungsgespräch zu bewegen, doch sie gaben mir anschließend indirekt zu verstehen, dass ich zu unsicher auftrete. Einen guten Beruf habe ich dennoch nach vielen Versuchen nur bekommen, weil ich mir ein wünschenswertes Auftreten im Gespräch antrainierte, also schauspielerte, was ich eigl hasste und in einem Vorpraktikum meine Disziplin unter Beweis stellte. Seither bin ich ein geschätzter Mitarbeiter, der manchmal einfach nur ein wenig verpeilt ist, wenn Nervosität oder Multitasking hervorgerufen werden.
Seitdem ich aus der Schule draußen bin und Abstand zu meiner Familie habe, habe ich keine Probleme mehr mit meinen Mitmenschen und der Familie. Ich habe gelernt, mein Verhalten dahingehend zu regulieren, dass ich mich in dem zurücknehme, nicht permanent meine Meinungen kund zu tun und ich habe gelernt, warum Menschen sind wie sie sind und Verständnis dafür entwickelt. Ich habe mich akzeptiert und mir beigebracht, mir ein guter Freund zu werden, der sich so behandeln sollte, wie er auch andere pfleglich behandelt. Mein Minderwertigkeitskomplex nahm ab. Ich mache nach und nach wieder einen gesünderen Eindruck. Innerlich ist natürlich alles gleich geblieben was die Sensibilität betrifft. Nun habe ich das Buch von Andrea Brackmann gelesen und mir sind einige Lichter aufgegangen. Seither fällt es mir leichter, die richtigen Entscheidungen in Liebesangelegenheiten zu treffen, nicht überall zuviel zu investieren und meine Erwartungen zu reduzieren. In einer Welt, wo mehr Menschen unsensibel sind, muss man lernen, dies nicht persönlich, sondern als Teil ihrer in der Hinsicht unfähigen Persönlichkeit anzusehen, auf Hypersensibilität einzugehen und sie für andere Eigenschaften zu lieben. Wir sind alle wie wir sind und werden wie wir sein werden. Das bestimmt der Zufall und die Willenskraft. Ein spannendes Livekino, dem ich trotz der vielen negativen Dinge noch ein langes Weilchen erhalten bleiben will. Weil es neben den negativen Dingen, auch viele schöne Dinge zu erleben gibt, die wenn man sich verstärkt auf diese, statt umgekehrt, konzentrieren lernt, das Leben enorm lebenswert machen. Natürlich gelingt mir dieser Optimismus auch nicht immer. Aber er ist wieder zur Grundeinstellung geworden, die manchmal von dem Schweinehund
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