Ein widerstrebendes hallo

Hallo, gut dass du hier bist - wir sind schon neugierig auf dich!

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Ein widerstrebendes hallo

Beitragvon Baronin » Fr 4. Nov 2011, 17:35

Ich habe 264 Punkte in dem Test zur Hochsensibilität.
Ich werde dieses Jahr 40 Jahre alt. Bin verheiratet mit zwei Kindern.
Ich weiß, dass ich Situationen und Stimmungen anders wahrnehme.
Ich kann Gewaltszenen in einem Film nicht ertragen.
Ich kann leidende Seelen quasi schreien hören und kann nur sehr schlecht abschalten.
Ich liebe tanzen, power walking auf Musik, Spaziergänge im Wald (wenn meine Gesundheit es zuläßt), Freizeitparks (vor allem Disney in USA), Video schauen, Malen oder Ton arbeiten.
Laut meiner letzten Therapeutin verfüge ich über außergewöhnliche viele Spiegelneuronen.
Ich bin auf der Suche nach mir selbst, seit ich vor wenigen Jahren über Wochen weinend aufwachte und weinend zu Bett ging.
Ich fühle mich verkorkst und arbeite fieberhaft and mehr Orientierung in meinem Leben.
Ich glaube mein innerer Kompass ist kaputt. Was fühle ich wirklich, und was fühlen andere? Was denke ich wirklich und was sind die Gedanken anderer?
Ich habe seit Kind gelernt, dass ich zu funktionieren habe, aber dass meine Gefühlstiefe andere stört.
Ich bin anderen zu laut, zu lebhaft, zu herrisch, zu depressiv, zu ängstlich, zu faul und ungeduldig.
Ich bin tief ins Mark gespalten. Äußerst unsicher und halte wenig von mir selbst. Gleichzeitig bin ich mir vieler Dinge über mich bewußt, die ich auch nicht ändern will...
Es hängt stark von meiner Tagesform ab, wie viel ich aushalte und wie ich reagiere.
Ich bin mir sicher, dass meine Mutter hochsensibel ist.
Ich fürchte meine Tochter ist es auch.
Ich wurde auf Hochsensibilität aufmerksam, durch einen flüchtigen Blick auf die Überschrift eines Artikels in einer Zeitschift vor einen halben Jahr in einer Arztpraxis...gerade before ich aufgerufen wurde...
Alles erschien mir recht esotherisch und abgehoben. Aber es ließ mich nicht mehr los...
Ich habe viel darüber gelesen, Bücher gekauft und über vieles nachgedacht.
Und ich habe dieses Forum umkreist wie die Katze den heißen Brei.

Ich fürchte mich mich zu zeigen und damit angreifbar zu machen, gleichzeitig sehne ich mich danach endlich Menschen zu treffen, denen es ähnlich geht und zu lernen, wie es ihnen gelingt einen Tag nach dem anderen zu überstehen.

Ich bin das erste Mal aktiv in einem Forum.
Das erste Mal, dass ich mich registiert habe.
Fast sehne ich mich danach mich wieder zu verkriechen.
Und wieder schimpft die Stimme in meinem Kopf, dass ich viel zu viel über mich preis gegeben habe. Sie warnt mich, dass ich lieber verschwinde, bevor ich "senden" klicke und überhaupt ist dieser Kritiker in mir der Ansicht, dass Hochsensibilität nicht mehr ist, als eine Ausrede für Schwäche und Gefühlsduselei...
So.
*tief Luft holend*
Also... darum ein widerstrebendes Hallo....
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Erste Hilfe bei negativer Gedankenspirale
Erstmal Durchatmen und dann:
Abprüfen der Situation auf realistische Sichtweise:
1.) Entspricht der Gedanke den Tatsachen?
2.) Hilft mir dieser Gedanke in der Situation weiter? Erleichert mir der Gedanke meine Handlungsfähigkeit?
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Re: Ein widerstrebendes hallo

Beitragvon Max » Fr 4. Nov 2011, 17:43

Hallo Baronin!

Ich kann vieles davon erkennen. Besonders das mit dem kaputten Kompass.
Bin heute auch zum ersten Mal da.

Grüße vom Max
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Re: Ein widerstrebendes hallo

Beitragvon Baronin » Fr 4. Nov 2011, 17:49

Bin heute auch zum ersten Mal da.


Herzlich willkommen! Wie hast du denn hergefunden?
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Re: Ein widerstrebendes hallo

Beitragvon Max » Fr 4. Nov 2011, 18:03

Ich habe gegoogled. Heute war ich wieder besonders verzweifelt. Gegenüber ist diese Baustelle. Ich sitze am Rechner mit Ohropax und träume vom Leben in den Bergen - wie Annie Proulx.
Meine Frau hatte etwas im Spiegel darüber gelesen und meinte: Die meinen Dich.
Ich habe nie jemand kennen gelernt, der so ist wie ich - also was diese extreme Sensibilität betrifft. Und hiert quillt das Forum über von Gleichgesinnten. Ich fasse es nicht.
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Re: Ein widerstrebendes hallo

Beitragvon hope2010 » Fr 4. Nov 2011, 18:10

Hey, Willkommen im Forum.

Ich kann dich schon Verstehen wegen der Stimme die dir sagt Du hast zu viel Preisgegeben...aber ich habe auch schon etwas von Mir erzählt.
Hier bist Du in sehr,sehr guten Händen. Und das hast Du vielleicht sogar schon selbst gemerkt.

LG
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Re: Ein widerstrebendes hallo

Beitragvon Kiki » Fr 4. Nov 2011, 18:15

Baronin hat geschrieben:Ich habe seit Kind gelernt, dass ich zu funktionieren habe, aber dass meine Gefühlstiefe andere stört.
Ich bin anderen zu laut, zu lebhaft, zu herrisch, zu depressiv, zu ängstlich, zu faul und ungeduldig.
Ich bin tief ins Mark gespalten. Äußerst unsicher und halte wenig von mir selbst. Gleichzeitig bin ich mir vieler Dinge über mich bewußt, die ich auch nicht ändern will...
Es hängt stark von meiner Tagesform ab, wie viel ich aushalte und wie ich reagiere.

...

und überhaupt ist dieser Kritiker in mir der Ansicht, dass Hochsensibilität nicht mehr ist, als eine Ausrede für Schwäche und Gefühlsduselei...


Liebe Baronin,
von mir ein herzliches Hallo an Dich und danke, dass Du Dich hier zeigst.

Als HSP und Borderlinerin kenne ich diese Gespaltenheit, von der Du schreibst, sehr gut. Diese Zerrissenheit zwischen Grandiosität und Abwertung, dieses Ringen um den Selbstwert und dazu der gnadenlose Kritiker im Hirn, der ständig antreibt oder kaputt redet. Und immer wieder Rückmeldungen von Anderen, die bis ins Mark verunsichern.

Ich "erlaube" mir inzwischen mein HSP-Sein immer mehr und spüre damit deutliche Erleichterung. Der Kritiker erhebt zwar immer wieder mal seine Stimme, aber mein Bauchgefühl gewinnt immer mehr Gewissheit, das es STIMMT. Frei nach dem Motto "wer heilt, hat recht".

Die vielen Beiträge hier, in denen ich Dinge lese, von denen ich glaubte, dass sie nur in meinem schrägen Sein vorkommen, tun gut und verbinden mich wieder mehr mit den Menschen.

Sei willkommen sm_06

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Re: Ein widerstrebendes hallo

Beitragvon Baronin » Fr 4. Nov 2011, 18:25

Kiki hat geschrieben: Diese Zerrissenheit zwischen Grandiosität und Abwertung, dieses Ringen um den Selbstwert und dazu der gnadenlose Kritiker im Hirn, der ständig antreibt oder kaputt redet. Und immer wieder Rückmeldungen von Anderen, die bis ins Mark verunsichern.


Oh ja. Genau das.
Es ist unglaublich schwierig mit Menschen tag täglich umzugehen und sich dabei selbst im Wege zu stehen.
das mit dem "Wer heilt, hat recht" werde ich mir merken.
Vielleicht besänfigt dies meinen eigenen Kritiker ab und an.
Nur dumm, dass man nicht von jetzt auf gleich "gesund ist".
Manchmal sind meine Gedanken oder Lernfortschritte wie ein Meer... gerade sind sie da und greifbar und im nächsten Moment ziehen sie die Wellen meiner Gedanken in die Tiefe meiner Meeresseele zurück und ich stehe mit leeren Händen am Strand.
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Re: Ein widerstrebendes hallo

Beitragvon Baronin » Fr 4. Nov 2011, 18:26

hope2010 hat geschrieben:Hey, Willkommen im Forum.

Ich kann dich schon Verstehen wegen der Stimme die dir sagt Du hast zu viel Preisgegeben...aber ich habe auch schon etwas von Mir erzählt.
Hier bist Du in sehr,sehr guten Händen. Und das hast Du vielleicht sogar schon selbst gemerkt.

LG

Danke für das warme hallo! Das hilft gegen die Nervosität immens!
:)
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Re: Ein widerstrebendes hallo

Beitragvon Baronin » Fr 4. Nov 2011, 18:35

Max hat geschrieben:Ich habe gegoogled. Heute war ich wieder besonders verzweifelt. Gegenüber ist diese Baustelle. Ich sitze am Rechner mit Ohropax und träume vom Leben in den Bergen -.


Unweigerlich muss ich hierbei an ein Buch denken, in dem die Hauptfigur die Stimmen der Vögel erlernt und dann feststellt, dass die ganze Welt mit derem Gerede erfüllt ist...
Es muss entsetzlich anstregend sein, alles deutlicher wahrzunehmen als die Menschen um einen herum. Umgekahrt muss es für unsere "normalsinnlichen" Lebensgefährten irritierend sein, zu wissen, das der geliebte Gegenüber etwas wahrnimmt als man selbst.

Bei mir hält sich glücklicherweise die Empfindlichkeit gegenüber Sinneseindrücken in Grenzen (zumindes bin ich nicht ganz so lärm empfindlich... was bei zwei lebhaften Kindern sicherlich gut ist).
Ich reagiere auf Schärfe extrem (meine Speisen sind für andere immer fad), ich rieche Dinge intensiver und da kann mir leicht schwindlig oder übel werden, wenn jemand ein aufdringliches Parfüm trägt oder 'nen Arbeitskollege frisch from Rauchen kommt.
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Re: Ein widerstrebendes hallo

Beitragvon Max » Fr 4. Nov 2011, 18:49

Es muss entsetzlich anstregend sein, alles deutlicher wahrzunehmen als die Menschen um einen herum. Umgekahrt muss es für unsere "normalsinnlichen" Lebensgefährten irritierend sein, zu wissen, das der geliebte Gegenüber etwas wahrnimmt als man selbst.


Wie zitiert man etwas? Hoffe, ich habe es richtig gemacht.

Klugheit ersetzt viel. Meine Partnerin kann vieles verstehen, was ich beschreibe. Ich sage: Ich bin schwierig und gehe mir selbst auf die Nerven. Und immer wieder die Frage. Warum bin ich so?
Sie sagt: Du bist ein Geschenk. Das kommt bei mir oft nicht an. Dringt also nicht durch die Verzweiflung.

Wenn ich mir Dein erstes Post anschaue, könnte ich hinter fast alles ein Häkchen machen. Laut, herrisch, ungeduldig, depressiv. Die Kompassnadel kreiselt. Die Gedankenflut bricht über einen herein und macht dann das bißchen mühsam Aufgbaute zunichte. Manchmal denke ich: Ich bin erledigt. Das wars. Ende.
Dass ich all das nun hier lese...ich kann es kaum glauben.

Das Du schreibst: Bin nervös, weil ich etwas preisgebe - auch das ist mir bekannt. Meine Mutter sagte immer: Du schon wieder. Mach kein Theater.
Die Stimme in mir sagt: Du schon wieder.

Ich finde das Forum ist eine Bereicherung. Wovor ich mich allerdings etwas fürchte - sind Esoterikansätze, die deprimieren mich.
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