Hallo!
Ich lese seit ein paar Wochen hier mit und wage mich jetzt selbst zu Wort. An dem Thema Hochsensibilität knabbere ich schon seit etwas mehr als einem Jahr, habe aber immer wieder Ausflüchte gesucht, mich damit nicht näher zu beschäftigen. Aber irgendwie werde ich immer wieder darauf gestoßen und so tauche ich jetzt tiefer in die Thematik ein und fühle mich sehr verstanden und erleichtert nach der Lektüre Eurer Beiträge und auch nach dem Buch von Elaine Aron. So vieles, was ich nie verstanden habe, macht Sinn seitdem... warum ich keine Partys mag, warum ich mir die Ohren zuhalte, wenn ein Auto mit Sirene vorbeifährt oder ein Zug in meiner Nähe bremst, warum ich nicht aufhören kann, alles und jeden um mich herum zu interpretieren, warum ich mehr Schlaf brauche als andere Menschen und und und...
Bei mir kommen viele Probleme zusammen, viele Jahre Depressionen, schwere Kindheit (körperliche und seelische Gewalt und Psychoterror), endlose Jahre Therapie, ein Selbstmordversuch mit anschließendem Klinikaufenthalt.
In den letzten beiden Jahren geht es mir zunehmend besser und ich habe inzwischen genug von meinen „Altlasten“ abgetragen, um mich mit meinem eigentlich Kern auseinandersetzen zu können. Ich arbeite seit Jahren konsequent an mir selbst und versuche, meine diversen Ängste in den Griff zu bekommen. Momentan leide ich unter großer Verlustangst. Mein Freund gibt mir keinen Grund dazu und ich versuche, ihn nicht zu sehr zu involvieren. Er ist toll, und absolut für mich da, lässt mir aber gleichzeitig viel Freiraum. Ich mache oft den Fehler, mich innerlich so stark an andere Menschen zu binden, dass ich mich selbst verliere. Das Thema Abgrenzung ist mir in Bezug auf HSP immer wieder begegnet. Durch meinen Freund habe ich Gelegenheit, zu mir selbst zu kommen und ich stelle manches mit Erstaunen fest. Charaktereigenschaften und Interessen beispielsweise, Neigungen und Gedanken, die ich nie hatte, bzw. nie haben konnte, da ich mich immer mit den Gedanken an andere Menschen betäubt habe. Gerade wächst in mir die Überzeugung, dass meine Verlustangst auch damit zu tun hat, dass ich mich innerlich zu sehr an anderen orientiert habe. Wenn man dies tut und der andere geht, verliert man einen großen Teil von sich selbst. Jetzt „übe“ ich, in der Beziehung meinen eigenen Kern festzuhalten und Nähe zuzulassen, wenn wir beieinander sind und mich mit mir selbst zu beschäftigen, wenn wir uns nicht sehen können, wie zum Beispiel an diesem Wochenende.
Das Forum gefällt mir sehr gut. Auffällig (und wohl auch typisch hochsensibel) ist der freundliche, respektvolle und konstruktive Umgang miteinander. Ich schreibe nie in Foren, weil ich diesen ruppigen Umgangston nicht mag, aber hier ist das anders.
In diesem Sinne ein hallo an Euch alle :)
Lucine


