Eine Neue stellt sich vor

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Eine Neue stellt sich vor

Beitragvon Lucine » Sa 10. Dez 2011, 17:08

Hallo!

Ich lese seit ein paar Wochen hier mit und wage mich jetzt selbst zu Wort. An dem Thema Hochsensibilität knabbere ich schon seit etwas mehr als einem Jahr, habe aber immer wieder Ausflüchte gesucht, mich damit nicht näher zu beschäftigen. Aber irgendwie werde ich immer wieder darauf gestoßen und so tauche ich jetzt tiefer in die Thematik ein und fühle mich sehr verstanden und erleichtert nach der Lektüre Eurer Beiträge und auch nach dem Buch von Elaine Aron. So vieles, was ich nie verstanden habe, macht Sinn seitdem... warum ich keine Partys mag, warum ich mir die Ohren zuhalte, wenn ein Auto mit Sirene vorbeifährt oder ein Zug in meiner Nähe bremst, warum ich nicht aufhören kann, alles und jeden um mich herum zu interpretieren, warum ich mehr Schlaf brauche als andere Menschen und und und...

Bei mir kommen viele Probleme zusammen, viele Jahre Depressionen, schwere Kindheit (körperliche und seelische Gewalt und Psychoterror), endlose Jahre Therapie, ein Selbstmordversuch mit anschließendem Klinikaufenthalt.

In den letzten beiden Jahren geht es mir zunehmend besser und ich habe inzwischen genug von meinen „Altlasten“ abgetragen, um mich mit meinem eigentlich Kern auseinandersetzen zu können. Ich arbeite seit Jahren konsequent an mir selbst und versuche, meine diversen Ängste in den Griff zu bekommen. Momentan leide ich unter großer Verlustangst. Mein Freund gibt mir keinen Grund dazu und ich versuche, ihn nicht zu sehr zu involvieren. Er ist toll, und absolut für mich da, lässt mir aber gleichzeitig viel Freiraum. Ich mache oft den Fehler, mich innerlich so stark an andere Menschen zu binden, dass ich mich selbst verliere. Das Thema Abgrenzung ist mir in Bezug auf HSP immer wieder begegnet. Durch meinen Freund habe ich Gelegenheit, zu mir selbst zu kommen und ich stelle manches mit Erstaunen fest. Charaktereigenschaften und Interessen beispielsweise, Neigungen und Gedanken, die ich nie hatte, bzw. nie haben konnte, da ich mich immer mit den Gedanken an andere Menschen betäubt habe. Gerade wächst in mir die Überzeugung, dass meine Verlustangst auch damit zu tun hat, dass ich mich innerlich zu sehr an anderen orientiert habe. Wenn man dies tut und der andere geht, verliert man einen großen Teil von sich selbst. Jetzt „übe“ ich, in der Beziehung meinen eigenen Kern festzuhalten und Nähe zuzulassen, wenn wir beieinander sind und mich mit mir selbst zu beschäftigen, wenn wir uns nicht sehen können, wie zum Beispiel an diesem Wochenende.

Das Forum gefällt mir sehr gut. Auffällig (und wohl auch typisch hochsensibel) ist der freundliche, respektvolle und konstruktive Umgang miteinander. Ich schreibe nie in Foren, weil ich diesen ruppigen Umgangston nicht mag, aber hier ist das anders.

In diesem Sinne ein hallo an Euch alle :)

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Re: Eine Neue stellt sich vor

Beitragvon SumOne » Sa 10. Dez 2011, 22:56

Hallo Lucine. Ich bin auch noch nicht lange hier zu gange. Viele Dinge, die Du genannt hast, habe ich auch so erlebt. Zum Glück habe ich aber nie echte physische Gewalt erlebt.
Ich finde es gut, dass Du Dich 'outest'. Ich selbst habe das Thema HS erst vor ein paar Monaten entdeckt. Seit dem fühle ich mich wie neu geboren.
Das tolle ist für mich, dass all die Dinge (Gedankten), von denen ich viele Jahre gedacht habe, sie seien nicht normal, nun von mir akzeptiert werden können. Damit verlieren Sie Ihren Schrecken.

Viele Dinge haben sich seither von Angst/Schmerz zu Erschöpfung/Muskelkater gewandelt. Das heißt: Früher (vor Erkenntnis HSP) hatte ich immer Angst, dass ich (innerlich) krank sei oder werden könnte und habe viel meiner inneren Kraft darauf verwendet (verschwendet!), mich ständig selbst zu heilen... Wie ich heute weiss, völlig sinnlos, da ich ja gar nicht krank war/bin.

Jetzt kann ich endlich meine Erschöpfung als Erschöpfung akzeptieren und kann dadurch entstehende Schmerzen als 'Muskelkater' ertragen. Schmerz ist immer mit Angst verbunden, dass irgendwas kaputt geht. Muskelkater hingegen - das weiss man ja - geht von alleine weg. Ich habe also mein ganzes bisheriges Leben inneren 'Schmerz' mit 'Muskelkater' verwechselt, weil es mir niemand gesagt hat. Aber, ich bin Optimist, will sagen: Das Glas ist halb voll! Ich bin 35 und habe die besten Jahre noch vor mir! _miiting_ _bia_

So, aber hier geht es ja um Dich: ich hab nur von mir berichtet, weil Dein Beitrag mich dazu angestachelt hat und ich mich in dem wiederfinden konnte, was Du gesagt hast... tränk4

Auch wenn man vorsichtig sein muss, so ist mein starkes Gefühl, dass es sehr hilft sich mit verständigen Menschen auszutauschen. Weshalb auch ich hier bin. Ich habe vorher noch NIE mehr als einen Beitrag in einem Forum gepostet. Hier jetzt x in ein paar Tagen... _schf_
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Re: Eine Neue stellt sich vor

Beitragvon Lucine » So 11. Dez 2011, 10:14

Hallo SumOne, vielen Dank für Deine Antwort _flöwer_

Ich finde es gut, dass Du über Dich schreibst. Mich interessiert natürlich, wie andere hochsensible Menschen so durchs Leben kommen und mit all dem umgehen, was ja auch schon weniger sensible Personen aus der Bahn werfen kann.

Dadurch, dass ich nach fast zehn Jahren Therapie und Selbstbeobachtung meine Depressionen und Angstzustände fast vollständig losgeworden bin (ich hätte nie gedacht, dass das möglich sein kann), finde ich "erst jetzt" (ich bin 29) zu mir und bin in einer Phase, in der ich herausfinde, was ich eigentlich will. Damit einher geht eine berufliche Neuorientierung, vor der ich zwar noch (Riesen-)Angst habe, die mich aber gleichzeitig in Euphorie versetzt. Nach zehn Jahren merke ich auf einmal, dass ich "Ich selbst" bin und frei wählen kann, was ich möchte und wie ich leben will. Ich brauche nicht nur zu Reagieren sondern kann Initiative übernehmen und meinen Platz im Leben wählen. Das ist einerseits schön aber auch wieder erschreckend. _panik_

Ich fange gerade an, mich ausführlicher mit dem Thema "Grenzen setzen/ Abgrenzung" auseinanderzusetzen. "Grenzen" sind mit so fremd, dass ich lange irritiert herumgelesen und gegrübelt habe, was das alles mit mir zu tun hat. Ich lese gerade das Buch von Rolf Sellin und versuche, meine Grenzen zu spüren... ganz schön schwierig!
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