Guten Morgen erstmal

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Guten Morgen erstmal

Beitragvon Willow » Sa 1. Okt 2011, 11:29

Hallo ihr!

Erstmal ein bisschen was zu mir, bevor der riesenlange Text kommt, den zu lesen nicht jeder gleich Zeit hat. icon_winkle
Ich bin fast fertige Studentin (Bio), lebe mit meinem Freund zusammen, und bin ein ganz schrecklicher Internetnerd.

Ich weiß jetzt nicht so genau ob ich hier richtig bin, aber es klingt schon ziemlich danach. Ich bin vor ein paar Tagen über einen Spiegel-Artikel beim Thema Hochsensibilität gelandet und kannte das gar nicht. Ich habe mal diesen Test gemacht und gar nicht so sehr viele Punkte gehabt wie die meisten hier. Nur so etwas über 120. Allerdings tue ich mich auch richtig schwer damit solche Fragen zu beantworten. Und ich habe hier etliche Beiträge gelesen, selber den Gedanken mal ein paar Tage in meinem Kopf hin und her geschoben, und finde es erklärt doch einige meiner Eigenheiten, die ich bisher darauf geschoben hatte, dass ich halt verkorkst und sozial unfähig bin.

Ich dachte immer ich komme mit Menschen nicht klar, weil ich in der Schule gemobbt wurde. Manchmal beschlich mich der Gedanke, dass ich einfach ein schlechter Mensch bin, der alles Leben hasst, weil mir andere Lebewesen manchmal furchtbar auf den Keks gehen. Wenn man mal rational da drüber nachdenkt ist das völliger Schwachsinn. Eigentlich bin ich ein netter, hilfsbereiter Mensch, der Leuten die Türe auf hält und Einkäufe die Treppe hoch trägt.

Mir gehen nur einfach manchmal Menschen schrecklich auf die Nerven. Leute, die mich kennen, sagen alle ich wäre eine Zicke, und das stimmt irgendwo wohl auch. Ich kann quer durch einen Raum jemanden das erste Mal sehen und innerhalb von Augenblicken beschließen "Den mag ich nicht". Bei mir kommen einfach irgend welche Signale an, die mir sagen ob die Art der Person mit meiner Art und mit meinem Freundeskreis kompatibel ist oder nicht. Mit Personen, die ich nicht mag, kann ich auch beim besten Willen nicht wirklich auskommen weil diese ständigen kleinen Signale mich völlig in den Wahnsinn treiben.
Und ich fühle mich sehr schnell persönlich angegriffen, was bei mir entweder dazu führt, dass ich mich still zurück ziehe wenn ich die Person mag, oder dass ich richtig fies zurück gifte wenn ich die Person nicht mag. Ich hab da ein gewisses Talent dazu zu erkennen wie man jemanden richtig auf die Palme bringen kann. Ich weiß auch, dass das überhaupt nicht nett ist, aber ich habe in so einer Situation das Gefühl, dass ich mich und meine Freunde gegen den Angriff verteidigen muss (der oft genug nicht unbedingt wirklich einer war).

Ich habe einfach das Gefühl, dass ich oft sehr reizbar bin. Laute Geräusche, für mich unangenehme Gerüche, zu dicht an anderen Leuten sein zu müssen, das stresst mich alles sehr. Ich würde zum Beispiel manchmal gerne schreiend aufspringen und weglaufen wenn viele Leute im Bus sind und andere Menschen mich dann berühren. Das kann ich gar nicht ab. Ich hasse auf Hände Schütteln und Umarmungen und ungefragtes auf-die-Schulter-Klopfen. Es gibt etwa eine Handvoll Menschen auf der Welt, die mich anfassen dürfen ohne dass ich das als unangenehm empfinde.

Ich bin auch furchtbar emotional. Um mich herum muss immer alles fluffig und gut gelaunt sein weil mich die Stimmungen von anderen Leuten total mitnehmen. Wenn mein Freund sich über sein Computerspiel ärgert und genervt vor sich hin brummelt dann fühle ich mich oft wie geschlagen obwohl das ja gar nichts mit mir zu tun hat. Das völlig Absurde ist, dass ihn das für 5 Minuten ärgert und meine Laune für die nächste Stunde im Keller ist. Ich hab manchmal das Gefühl ich kann es fast körperlich spüren wenn Spannung da ist. Ich muss auch immer weinen wenn im Film jemand weint, selbst wenn ich den Film an sich nicht wirklich traurig finde. Auf der anderen Seite gibt es mir ein totales Hochgefühl wenn ich morgens schon angelächelt und freundlich gegrüßt werde.

Was die Gerüche angeht musste ich mir erst neulich wieder anhören dass ich übertreiben würde. Wir waren bei einem Freund zu Besuch, und der hat Hunde. Ich fand das ganze Haus hat fürchterlich nach den Hunden gestunken. (nichts gegen Hundebesitzer, ich persönlich kann nur den Geruch gar nicht leiden) Ich hab nichts gesagt und brav versucht es zu ignorieren weil ich mir ja auch dachte dass man Gerüche irgendwann nicht mehr wahrnimmt wenn man lange genug drin sitzt. Pustekuchen. Ich fand es wurde immer schlimmer. Bis abends war mir so schlecht, dass ich lieber aufs Abendessen verzichtet habe. Als ich heim kam hab ich als erstes geduscht und alle meine Kleider in die Wäsche geworfen. Ich hab das dem Freund nicht gesagt weil ich ihn nicht verletzen möchte, aber ich will da nie wieder hin. Mein Freund meint, ich übertreibe total, aber mir hat das wirklich ganz ehrlich den ganzen Tag versaut.

Genauso laute Geräusche. Mich stresst Lärm, und offenbar empfinde ich Sachen als Lärm, die andere Leute noch lange nicht stören. Ich kann mich z.B. nicht über längere Zeit an einem Gespräch mit mehreren Personen beteiligen. Die reden immer alle durcheinander und wenn die Diskussion angeregt ist wird man ja auch gerne mal etwas lauter und früher oder später überfordert mich das dermaßen, dass ich mir wirklich schon manchmal die Ohren zugehalten habe oder aufgestanden und ins Bad geflüchtet bin. Deshalb hasse ich es auch, in Restaurants oder Kneipen zu gehen. Da ist es doch immer laut! Wie soll ich mich denn entspannen wenn ich mein Gegenüber vor Lärm nicht verstehen kann? _hüüh_

Ich könnte hier noch ewig weiter schreiben. Es gibt tausend kleine Dinge, die einfach so sehr stimmen. Ich bin so froh den Artikel gefunden zu haben weil Hochsensibilität für mich sehr viel besser klingt als undefinierter psychischer Knacks mit Sozialphobie. _biggrin_

Hach, manchmal ist das Leben doch toll. Schön, hier zu sein! _10_

Grüßle,
Willow
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Re: Guten Morgen erstmal

Beitragvon Infinity » Sa 1. Okt 2011, 19:32

Liebe Willow,
du bist hier bestimmt "richtig" icon_winkle
Fühl dich wohl!
Herzlichst
_schf_ Infinity
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Re: Guten Morgen erstmal

Beitragvon Kopfkino » Sa 1. Okt 2011, 20:00

Liebe Willow,

schön dass Du hergefunden hast. Ich finde man sollte eh nicht so sehr viel auf irgendwelche Testergebnissen (wobei eh fraglich ist, ob die Fragen bzw. die Antworten wirklich erfassen können, was HS ist und wie es sich auswirkt) geben. Mir ist bei mir schon oft aufgefallen, dass ich aus einem Impuls heraus antworte (man soll ja auch nicht so sehr lang überlegen, was für mich schon eine Herausforderung ist _läch_ ), d.h. ich habe gerade ein Bild, eine Situation, eine bestimmte Vorstellung etc. vor Augen, was mich dazu bewegt so oder so zu antworten. Es könnte aber auch sein, dass wenn ich den Test nochmal mache, anders antworte, da ich eine andere Situation vor Augen habe. Ich finde generell lassen solche Fragen immer viel Raum für Eventualitäten. Viel wichtiger ist es, was Dein Herz, Deine Intuition dazu sagt. icon_winkle

Herzlich willkommen im Forum! sm_06

Lg,

Kopfkino _flöwer_
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Re: Guten Morgen erstmal

Beitragvon Willow » So 2. Okt 2011, 09:58

Danke! _flöwer_

Ich bin bei solchen Tests immer hin und her gerissen. Auf der einen Seite mache ich solche Tests total gerne, egal worum es geht. Vielleicht hab ich einfach irgendwo das Bedürfnis, mehr über mich rauszufinden.
Auf der anderen Seite hab ich grundsätzlich Schwierigkeiten, mich zu entscheiden. Ich tendiere dazu, ewig über die Antworten nachzudenken und dann erst recht nicht mehr zu einer sinnvollen Antwort zu kommen mit der ich zufrieden bin.
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Re: Guten Morgen erstmal

Beitragvon DrKatZe » So 2. Okt 2011, 10:33

Hallo Willow,

so wie sich dein Beitrag liest, finde ich, passt du prima hier her. Vor allem deswegen, weil du dich hier wiederzufinden scheinst. Das ist die Hauptsache. Alles andere findet sich so oder so. Auf diesen Test gebe ich auch nicht viel, weil mir die Fragen zu allgemein sind und meiner Meinung nach auf Hinz und Kunz zutreffen können. Allerdings fühle und denke ich ähnlich, wie viele hier und das lässt mich zugehörig fühlen.

Fühl dich wohl hier im ruhigen Geschnatter und im Austausch, den du für dich selbst vollkommen nach deinem Gutdünken entscheiden und bereichern kannst.

Viel Spaß und schöne Anregungen.

Ein herzliches Willkommen hier.

_hello_ DrKatZe
Gib mir Kraft, zu verändern, was ich verändern kann, und die Gelassenheit, geschehen zu lassen, was ich nicht verändern kann, und die Weisheit, das eine vom andern zu unterscheiden. .Seneca.

Ich bin verantwortlich für das, was ich sage. Aber ich bin nicht verantwortlich für das, was du verstehst.
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Re: Guten Morgen erstmal

Beitragvon Maverick » Mo 3. Okt 2011, 14:46

Hallo Willow,

willkommen im Forum. Ich bin hier noch frischer und neuer als du. Beim lesen deines Textes sind mir so einige Analogien zu meinen eigenen Erfahrungen mit Menschen aufgefallen.

Es gibt etwa eine Handvoll Menschen auf der Welt, die mich anfassen dürfen ohne dass ich das als unangenehm empfinde.


Ich kann das auch schlecht. Mir ist das gleich zu intim, auch die Küsschen auf die Wange etc. Meine eigene Mutter kann ich auch nicht umarmen, vllt. auch, weil ich ihre Liebe nicht ertragen kann und sonst auch so einiges verkorkst ist.

Auch ich war immer ein Internetnerd, das war sicherer und es gab Distanz und Anonymität, was Sicherheit bedeute. Irgendwann hatte sich aber leider meine Soizalphobie auch auf das Internet übertragen, so dass ich kaum mehr was preisgeben konnte. Schuld war auch eine fehlerhafte Behandlung einer psychiatrischen Erkrankung auf meiner Seite.

Mobbing mit all seinen Konsequenzen kenne ich auch. Mein Umfeld und meine Mitschüler habe ich wohl massiv irritiert und verwirrt. Letztendlich konnten sie nichts mit mir Anfangen. Da blieb dann nur noch Unterdrückung, also Mobbing.

Auch Lärm. Der plagt mich auch. Knacken von Holz, die falsche Musik, Motoren, auch Vogelgesang, Türen usw.

Erhellend fand ich folgende Aussage von dir:
Ich bin so froh den Artikel gefunden zu haben weil Hochsensibilität für mich sehr viel besser klingt als undefinierter psychischer Knacks mit Sozialphobie.


Leider interessieren sich Phänomene nicht für den Namen. Menschen die hochsensibel veranlagt sind, scheinen häufig auch Probleme mit sozialen Ängsten/Phobien und weiteren Angststörungen zu haben. Auch ADHS und affektive Störungen (Depression, bipolare Störung) und posttraumatische Belasstungesstörungen scheinen gehäuft aufzutreten. Man ist ja oft nicht nur Eines sondern Vieles und da erklärt man sich leider oft Monokausal eine Verhaltensweise oder ein Verhaltensphänomen immer mit der selben Ursache, die aber nur eine Teilmenge der Gesamtursache darstellt.

Es ist ziemlich verzwickt, da noch den Überblick zu behalten. Therapeuten scheitern da oft dran. Da bleibt einem nur übrig, alles selbst heraus zu finden.

Schön, dass du hier bist.

M.
Maverick
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