Vorneweg: ich habe den HSP-Test auf zartbesaitet gemacht und komme da auf 210 Punkte, also noch relativ wenig. Hinzu kommt, dass ich nicht das Gefühl hab, hocheinfühlsam zu sein, also erahnen zu können, wie sich andere fühlen oder was sie denken. Dafür treffen viele andere Punkte auf mich zu.
Mal der Reihe nach. Ich hab mich schon im Kindergarten nicht sehr wohlgefühlt. Hatte auch nur eine wirkliche Freundin, von der ich mich aber aber gegen Ende der Zeit "verraten" gefühlt habe. Warum? Nun, ich bin sehr horklig, was Essen betrifft. Ich mag kein Gemüse, Obst nur in rohem Zustand, bei Fett packt mich das kalte Grausen. Fleisch mag ich nur Pute und Hähnchen, Fisch mag ich auch nicht wirklich. Es ist also schwierig, etwas zu finden, was mir wirklich schmeckt. Salat geht ganz gut, aber auch da gibts ein paar Sorten (wie z.b. Rucola), die ich nicht mag. Mandarinen kann ich nicht essen, wegen dem weißen Zeug, bei Oragen genauso. Scharfes Essen mag ich auch nicht. Wenn etwas nur leicht angebrannt oder sogar nur dunkel ist, kann ich es nicht mehr essen, weil es für mich dann nur noch nach Asche schmeckt. Auch bei Getränken ist es schwierig. Ich vertrag keine Kohlensäure, mag weder Kaffee, noch Tee.
Zurück zum KiGa. Meine damalige Freundin mochte wie ich die Erbsen nicht, im KiGa mussten wir sie trotzdem essen (ist ja gesund...). Irgendwann wandelte sich jedoch die Gesinnung meiner Freundin und versuchte mir auch einzureden, dass Erbsen lecker wären. Deswegen fühlte ich mich verraten. Fand es schrecklich, dass meine einzige "Komplizin" im Streit gegen das Erbsen-Essen weg war. Naja. Irgendwann haben mich die Dinger so angeekelt, dass es mich regelrecht gewürgt hat und ich sie wieder von mir gegeben habe. Seitdem musste ich keine Erbsen mehr essen, aber das Vertrauen zu meiner Freundin war weg.
In der Grundschule hab ich mich dann mit ein paar Mädels angefreundet, hatte aber so meine Probleme mit der Lehrerin. Damals hab ich zu meiner Mutter gesagt, ich geh da nur noch hin, um Lesen zu lernen, damit ich meine geliebten Bücher lesen konnte, wann immer ich wollte. Ab der dritten Klasse wurde es dann besser. Die Lehrerin war toll, ich bekam einigermaßen gute Noten, grade gut genug, um aufs Gymi zu gehen. Meine Eltern standen etwas skeptisch dem gegenüber, aber ich bestand darauf, weil alle meine Freundinnen aufs Gymi gingen und mir wohl damals schon bewusst war, dass es mir schwerfallen würde, neue Freundinnen zu gewinnen.
Schulisch ging es ganz gut, nur in den Sprachen hat es gehabert. Fremdsprachen sind mir bis heute suspekt. In Deutsch wurde mir meine Kreativität ausgetrieben, der Lehrer mochte meine "blumige" Ausdrucksweise nicht und vermieste mir meine Schreibfreude (die ich gott sei Dank wiedergefunden habe). Mit den Freundinnen lief es leider wieder mal weniger gut. Meine damalige beste Freundin wurde mir von einer anderen "ausgespannt". Wieder einmal fühlte ich mich verraten und war verunsichert. Aber da war ja noch die Neue. Ich freundete mich mit ihr an, doch kaum war sie in die Klasse integriert, wandte auch sie sich mehr oder minder von mir ab. Wir waren zwar noch befreundet, aber halt nicht mehr beste Freunde. Nun war es auch so, dass mir gegenüber ein Mädchen wohnte, dass in meinem Alter war und mit mir in eine Klasse ging. Unsere Eltern animierten uns, zusammen zu spielen etc. Ich fand sie ganz nett, aber manchmal überheblich und besserwisserisch. Trotzdem wandte ich mich ihr zu und einem weiteren Mädchen, mit der ich noch heute ab und zu Kontakt habe. Wir haben uns ganz gut verstanden. Sie war die Anführerin, die ich brauchte, um durch das Schulwesen zu kommen. Ich machte Abitur und stand auf einmal auf einmal vor der Frage, in welche Richtung ich mich beruflich wenden sollte. Ich hatte keine Ahnung (hab sie heute noch nicht wirklich). Meine ersten Anläufe, eine Ausbildung beim BR zu bekommen, scheiterten. Ich wurde zwar zu einem Mehrstündigen Test eingeladen (was ja schonmal gut ist), kam aber dann nicht weiter. Fühlte mich durch diese Art der Selektion aber auch sehr unwohl. Ich finde es bis heute schrecklich, wenn es immer nur um Leistung und nie um den Menschen selbst geht. Ich machte ein Praktikum bei Sat1, fühlte mich aber sehr unwohl. Dann bekam ich per Zufall einen Vollzeit-Aushilfsjob in der Firma, in der auch mein Vater arbeitete. Es war das schönste halbe Jahr meines Lebens. Ich verstehe mich prächtig mit meinem Vater und seit dieser Zeit noch viel besser. Wir fuhren morgens gemeinsam zur Arbeit, gingen Mittags gemeinsam spazieren und fuhren Abends wieder gemeinsam heim. Die Arbeit war zwar v.a. anfangs sehr stumpfsinnig (Firmennamen in Dokumenten umschreiben), aber ich fühlte mich wohl. Parallel bewarb ich mich weiter für Ausbildungsplätze und bekam schließlich eine Zusage. Anfangs fühlte ich mich schrecklich dort, kämpfte täglich mit den Tränen und trug mich mit dem Gedanken, aufzuhören, doch was dann? Ich wusste nicht weiter und zog die Sache durch. In der Berufsschule, die Blockweise stattfand, fühlte ich mich auf einmal pudelwohl. Ich und in der Schule wohlfühlen! Unglaublich. Die meisten Schüler fand ich zwar nicht nett, aber da war eine, mit der ich mich von Anfang an super verstand, obwohl sie die ganze Zeit nur am jammern war. Aber gerade dieses Verhalten machte es mir einfacher, mich besser zu fühlen (paradox und ziemlich seltsam, ich weiß). Wir treffen uns noch jetzt regelmäßig. Auch sie ist in ihrer Stelle nicht glücklich und weiß nicht so recht, was sie zukünftig machen will. Endlich jemand Gleichgesinntes! Nach der Ausbildung ging ich studieren. Für ein Semester, weil ich mich dort mehr als unwohl fühlte. Ein paar Kommilitonen waren supernett, aber das studieren ist nichts für mich. Jetzt bin ich auf Arbeitssuche, aber ich habe das Gefühl, dass mir keiner der Jobs Spaß machen wird. Fühle mich wie immer eingeengt und unverstanden und überfordert, weil ich einfach mit so vielen Dingen Probleme hab. Finde es z.B. schrecklich, länger als bis fünf zu arbeiten, weil ich abends einfach die Zeit für mich brauche. Außerdem ist telefonieren für mich ein Horrortrip. Habe immer das Gefühl, irgendwas zu verpassen, oder kann mich bei längeren Gesprächen nicht richtig konzentrieren etc. Und andere anrufen und denen gar etwas verkaufen o.ä. geht gar nicht, weil ich ja selber weiß, wie nervig solche Anrufe sind. Ich könnte mich nie einem anderen aufdrängen. Autofahren mag ich auch nicht. Es ist schwierig, ich scheine nirgendwo reinzupassen.
Nun zu meiner Familie. Wie gesagt, mit meinem Vater verstehe ich mich prächtig, er ist auch der einfühlsamere meiner Eltern. Aber auch meine Mum habe ich sehr gern. Ich war jedoch als Kind schon sehr nah am Wasser gebaut, weinte schnell. Bis meine Mum einmal zu mir sagte, ich sei eine Heulsuse, das könnte mir in späteren Jahren noch Probleme machen. Von da an beschloss ich, meine Gefühle, insbesondere eben das Weinen, zu verstecken. Ich weinte nur noch, wenn ich alleine war, mache das noch heute so. Ich würde sogar soweit gehen und sagen, dass ich Probleme habe, meine Gefühle offen zu zeigen, obwohl mir immernoch schnell und oft zum heulen ist. Auch wenn in Filmen oder Büchern traurige Sachen passieren, gehts bei mir auch gleich los. Ich fühlte den Schmerz dann immer gleich mit. Auch wenn ich Fremde in der U-Bahn oder so sehe, die traurig aussehen oder weinen, fühl ich mich gleich schlecht und würde am liebsten hinrennen und ihn trösten. Am schlimmsten ist es aber bei meiner Familie. Wenn sich da jemand schlecht fühlt, fühl ich mich gleich doppelt so schlecht. Dann will ich am liebsten die Schmerzen übernehmen, nur damit er/sie nicht mehr so leidet. Finde körperliche Schmerzen wesentlich leichter zu ertragen, als psychische. Aber auch wenn ich von Schicksalsschlägen höre, macht mir das zu Schaffen. Beispiel Gaby Köster. Habe die Serie "Ritas Welt" früher geschaut und "kannte" sie eben nur als Wirbelwind. Dann der Schlaganfall und die Frau kann sich kaum noch bewegen, muss alles aufgeben. Das hat mich tagelang mitgenommen.
Ich hab auch eine Schwester, mit der ich mich prima verstehe und mich eigentlich noch nie gestritten habe. Ich habe mich aber generell noch mit niemanden gestritten, weil ich Konflikte so weit wie möglich vermeide. Außerdem habe ich für absolut alles und jeden Verständnis. Wenn einer sagt, ich mag das und das nicht, wegen dem und dem, denke ich mir sofort: ja klar, versteh ich! Wenn ein anderer dann das genaue gegenteil sagt und Gründe dafür anbringt, denke ich mir wieder: ja, genau, versteh ich! Wenn jemand über einen anderen schlecht redet, gehe ich sofort in Verteidigungsstellung, auch wenn ich den oder die nicht mag oder nichtmal kenn, weil ich mir immer denke: vielleicht ist er gar nicht so, sondern wirkt nur so. Ich stehe grundsätzlich immer auf der Seite des Schwächsten. Auch wenn ich neben fremden Menschen stehe und der eine den anderen was frägt, der aber keine Antwort weiß, ich aber schon, habe ich den Drang, zu antworten (was ist oft dann auch tu...). Ich muss dann einfach helfen. In der Schule hab ich mal extra in Sport eine schlechte Note kassiert, weil ich beim Konditionslaufen die ganze Zeit neben einer etwas korbulenteren Mitschülerin geblieben bin, damit die sich wegen ihrer Fülligkeit und Unsportlichkeit nicht schlecht fühlt.
Allgemein kann ich noch über mich sagen, dass ich nicht gern in großen Menschenmengen unterwegs bin. Bin eher ein Einzelgänger, der viel alleine in seinem Zimmer daheim sitzt. Wenn ich einen Tag mit Freunden verbringe, habe ich danach ein riesiges Bedürfnis nach Ruhe und Alleinsein. Vor kurzem habe ich mich überreden lassen, mit Kartfahren zu gehen, obwohl ich schon nicht gerne Autofahre (fühle mich da wahnsinnig unsicher, zum einen, weil es immer Deppen in den anderen Autos gibt, zum anderen, weil auch ich ja einen Fehler machen könnte - und mit der Vorstellung, einen anderen verletzt oder gar getötet zu haben, könnte ich, glaube ich, nicht leben). Es war auch der reinste Horrortripp. Als ich wieder daheim war, hab ich mich in meinem Zimmer verkrochen und geheult, so kaputt war ich.
Okay, das war ja schon einiges, was ich hier preisgegeben hab, aber es tut einfach gut, die ganzen Sachen mal loszuwerden. Mein größtes Problem ist nämlich, dass ich darüber mit meinen Eltern oder Freunden nicht reden könnte. Ich halt es nämlich einfach nicht aus, wenn sich ein anderer um mich sorgen macht. Wenn ich also sagen würde, ich hab mit dem und dem Probleme (was mir an sich ja schon schwerfallen würde) und der mich dann auch nur besorgt anschaut, krieg ich zustände und dann gerat ich ganz schnell in die Versuchung, zu versichern, das alles in Ordnung ist und es mir prima geht und ich schon alles packe, auch wenn dem eigentlich nicht so ist...
Von daher bin ich ganz dankbar für die Erfindung des Internets und der Foren und das ich mir das jetzt mal alles von der Seele schreiben konnte...
Bin gespannt, ob sich das überhaupt jemand komplett durchliest
Liebe Grüße,
Steffi
P.s. Sorry, wenn sich Rechtschreibfehler eingeschlichen haben


