Hallo!
Ich weiß schon lange, dass ich sensibel und besonders empfindsam sein kann aber nun überblicke ich mit Schrecken das Ausmaß und fühle mich dabei völlig verloren und alleine!
Auf dem Papier beginnt das Drama, als bei mir mit 14 Jahren die Diagnose ADHS vom Typ Unaufmerksam/Verträumt gestellt wird. Als zwei Jahre später eine Verlängerung der Psychotherapie beantragt wurde hieß es dort: "Er hört und sieht alles, bekommt einfach alles mit und ist ständig auf Empfang." Ein Nebensatz, dessen Bedeutung niemand verstand. Dann Suizid von meinem Vater und 3 Jahre später bei mir Diagnose einer bipolaren Störung Typ 1 mit psychotischen Manien, schnellen Phasenwechseln (Rapid Cycling) und Mischzuständen (man hat Symptome der Manie und der Depression gleichzeitig). Die Pharmakotherapie war ein Chaos, Arzt und Therapeutin versagten grandios, nachweislich, offensichtlich mit großem Schaden für mich.
Was ich nicht verstand war, was ich alles wahrnahm und die unerkannten Depressionen und die Neuroleptika, die ich im Verlauf der Behandlung schlucken musste, haben meine Wahrnehmung stark eingeschränkt, ja Gefühle, Emotionen, den Sinnesbezug zur Umwelt und allen Objekten aufgehoben. Ich war wie ein Panzer, nicht zu erreichen, Kommunikationsversuche von außen an mich gerichtet scheiterten immer. Nie war Nähe herstellbar, ich war so kalt wie ein Eisklotz und nach außen in meinen tollen Reden die Personifizierung des Charismas schlecht hin. Als ich auf umständlichen Wege und mit großen das Nichtschülerabitur bestand und dann unter Alkohleinfluss 20 Minuten am Stück heulte war meine Klassenkameraden schockiert und fassungslos, den Neid auf meine Emotion gaben sie offen zu aber ich verstand die Welt die nicht mehr. Warum nur unter Alkohol? Warum nicht einfach auch so?
Alles musste ich mir aus der Logik herleiten, durch das scharfe Beobachten der Menschen und deren Handeln. Ihre Emotionen konnte ich erklären aber verstehen konnte ich sie nicht. Mir war immer alles egal und jegliches Handeln wurde durch meine soziale Phobie blockiert. Ich war ein Neutrum ohne Bezug zu den Anderen. Sie versuchten es und hatten es immer versucht aber ich konnte nicht antworten, da ich 80% des Handelns nicht verstehen konnte!
Darin wurzelte aber auch mein großes Interesse für psychische Probleme bei Menschen. Unzählige "Klienten" hatte ich in den letzten Jahren und alle waren dankbar und begeistert aber damit konnte ich nichts anfangen. Nie hatte ich zu irgendwas Bezug, nur Recht bekam ich immer, viel Bestätigung und Anerkennung. Selbst mein eigener Psychiater machte dann Werbung für ein Medizinstudium und Facharztausbildung Psychiatrie und Psychotherapie und war da lange nicht der Einzige.
Nun, nach einer aufwendigen Medikamentenumstellung, die einiges verbessern sollte, ist nicht nur einiges verbessert sondern einfach alles ist anders und nichts stimmt mehr. Innerhalb von Minuten musste ich alle Emotionen der vergangen Jahre nacherleben und diese mit all ihren Verwicklungen, Bezügen und Konsequenzen fühlen. Ich bin explodiert und eigentlich gar nicht mehr da, weil das gar nicht geht aber es geht und deswegen wurde ich zum Leben und damit Erleben verdammt.
Nie konnte ich mich äußern, wie ein Autist war ich. Alles behielt ich für mich, traute niemanden und nichts, da mich ja doch niemand verstehen wird oder die Chance dafür sehr klein ist. Auch das hier werden wohl nur wenige verstehen aber wenigstens äußere ich mich! Soziale Ängste, verstärkt durch Psychohparmaka verhinderten meinen Ausdruck und nun ist das weg und ich schreibe, erzähle, kommuniziere und frage mich was los ist.
Was ich nun sicher weiß ist folgendes:
Ich bin unglaublich extrem sensibel, scharf und treffsicher in der Wahrnehmung anderer Menschen, deren Gefühle, Kommunikation und Leiden. Ich kann mich extrem gut in andere Menschen, egal welchen Alters und Geschlecht hinein versetzen und deren Motive für Handlungen ermitteln und nachvollziehbar für die betreffende Person und Dritte beschreiben. Gleichzeitig kann ich auch die Grenzen beschreiben und zuverlässige Prognosen über die weitere Entwicklung des Prozesses geben. Das kann ich sogar auch, wenn ich selbst sehr stark in eine Situation verwickelt bin. Dann kann ich gleichzeitig neutral meinen Anteil beschreiben und dessen Einfluss zeigen, was von Anderen dann bestätigt wird.
D.h. ich sehe immer sehr schnell alles den Menschen an und kann sehr viel erkennen, extrem viel und sehe ständig Zusammenhänge, die andere nicht sehen oder erst nach langer Zeit. Mir ist vieles immer gleich klar und Menschen sind manchmal fast transparent für mich. D.h. wenn ich Rede bin ich eine absolute Zumutung für mein Umfeld oder kann es sein, es sein denn ich sage nichts oder bleibe schüchtern. Oberflächlichkeiten sind so langweilig und dafür interessiere ich mich nicht. Ich bin einfach auch so neugierig und es zu zügeln oder irgendwie konstruktiv damit umzugehen ist sehr schwierig. Ich erfahre immer mehr als ich wissen will und dann will ich erst richtig wissen was Sache ist!
Diese Wahrnehmung der Anderen habe ich auch bei mir selbst. Das ist anstrengend und kann mich wie ein weichei oder sensibelnchen wirken lassen, wenn ich einen bestimmten Effekt benenne.
Ja, und bin ich halt allgemein sehr sensibel was die Wahrnehmung im allgemeinen ist. Bestimmte Musik zu bestimmter Stimmung, sehr Geräuschempfindlich, auf der körperlichen-sexuellen Ebene auch sehr sensibel und empfindsam, auch beim Tasten, Fühlen, Spüren, Schmecken aber nicht so sehr beim Riechen.
Ich weiß nicht so recht, was ich mit dieser Wahrnehmung anfangen soll. So lange ich zu dem gesehenen keinen Bezug hatte, war auch die Bedeutung nicht groß aber da ich nun wieder Fühle ist das ein riesen Scherbenhaufen und eine unglaubliche Last.

Wissen "ausgetobt".
(schau mal, was blaue Blume bedeutet ;-) )

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und wünsche Dir hier den ersehnten Frieden