ich habe mich grad erst frisch hier angemeldet. Ich bin 34 Jahre alt. Das ich HSP bin, hab ich mir von der Heilpraktikerin meiner Mutter sagen lassen. Bis zu dem Tag hab ich mich oft gefragt, wo mein Platz in dieser Welt ist. Meine Mutter ist 75 und schwer an Krebs erkrankt. Sie wird in kommender Zeit sterben. Die Situation überfordert mich völlig, da Sie der einzige Mensch ist, dem ich wirklich vertraue.
Ich habe wie viele andere auch im Internet Infos gesammelt und auch einige der angebotenen Test gemacht. Ich hatte natürlich auch dieses "das bin ich"!
Mein bisheriges Leben ist in etwa so linear verlaufen, wie das Amazonasdelta. Trotzdem kann ich mich nicht beklagen! Ich habe Freunde, zu denen ich zwar nicht eine so aktive Freundschaft pflege, aber die ich durchweg mehr als 15-20 Jahre kenne. Ich habe einen ordentlichen Job, auch wenn ich mich wenig mit meiner Rolle dort identifiziere, eine süße kleine Wohnung ("Mein Nest") und vielfältige Interessen.
Auch ich habe Schwierigkeiten mich 8H am Tag zu konzentrieren, zumal ich in einem Großraumbüro arbeite und die Geräuschkulisse mich sehr schafft. Mit lauter Musik habe ich dagegen keine Probleme.
Ich geniesse es zuweilen völlig isoliert, allein den Tag zu Hause zu verbringen. Nichts hören, nichts sehen. Eine meiner Exfreundinnen nannte das "am Lagerfeuer sitzen".
Sport ist mein Ventil, wobei ich gern auch mal den Satz gebrauche: Mein Körper ist eine Maschine. Zu Bestzeiten (der Job lässt das leider nicht zu) bin ich 50-60Km die Woche gelaufen. Das Naturerlebnis und dieses lebendige Gefühl beim Sport waren für mich wie Religion.
Ich bin einsam. Sehr sogar. Die meisten Menschen werden meinen Erwartungen an sie nicht gerecht. Bevor ich von HSP gehört hatte, hab ich das (für mich) damit begründet, dass ich einfach sehr moralisch bin. Ich habe Probleme, von mir aus neue Menschen anzusprechen, bzw. kennenzulernen, aus Angst enttäuscht zu werden. Werde ich jedoch angesprochen, habe ich meist in kürzester Zeit diese Menschen für mich begeistert. Etwas, was mir im Job schon oft sehr nützlich war. Mein Chef nannte mich sogar schonmal "Rampensau". Mir fällt es leicht komplizierte Sachzusammenhänge simpel und für jeden verständlich zu erklären. Trotzdem begleitet mich immer die Nervosität. Ich kämpfe oft gegen mich an. Prüfungssituationen, oder allgemein Stress machen mich krank, im physiologischen Sinne.
Ich mache mir keine Gedanken mehr, ob ich beruflichen Erfolg oder ein langes gesundes Leben haben werde. Mich beschäfftigt die Frage, ob ich irgendwann das Glück haben werde, jemanden zu treffen, der mich nicht enttäuscht, mich verlässt, oder betrügt. Wenn ich auf mein bisheriges Leben zurück blicke, waren da einige Frauen und ich denke oft, auf einer einsamen Insel wäre es nie dazu gekommen, dass wir uns emotional voneinader entfernt hätten. Mein Emotionen sind stark, machen mich oft ratlos. Meine Freunde können nicht nachempfinden, warum ich das so erlebe, gehen Teils unglaublich rational mit Gefühlsdingen um. Ich neige dann mehr zur Resignation. Mein älterer Bruder hat irgendwann malam Telefon den Satz zu mir gesagt: "Und? Bist du schon am kletten?" Er hat leider recht, ich bin bin unglaublich fixiert.
Ich überlege, da ich einige Angebote dazu gefunden habe, ein HSP-Coaching zu besuchen! Hat jemand von euch Erfahrungen damit?
Wie geht ihr damit um? (Ich erwarte kein all-in-one Rezept!)
Soweit mit besten Grüßen,
Jaque

