Ich bin in meinem Alltag fast immer so mit allen möglichen Verpflichtungen beschäftigt, dass ich gar nicht zum Leben komme. Das will ich "nachholen", wenn der Tag X kommt. Wann das sein soll, weiß ich selber nicht.
Ich bin jetzt bald 55, leben alleine eher unfreiwillig in Ludwigshafen/Rhein und suche den Erfahrungsaustausch mit Gleichgesinnten.
Ich habe nicht nur einen entsprechenden Test gemacht, meine Heilpraktikerin und eine "Seherin" haben es mir auf den ersten Blick bestätigt.
Über die Jahrzehnte hinweg war mein Lebensgefühl eher von Traurigkeit geprägt. In den ersten Monaten dieses Jahres hatte ich eine Phase, in der ich mich täglich sooo gut gefühlt habe, - und wußte nicht warum. Jetzt weiß ich es. Es war schlicht die Abwesenheit von gefühlter Ablehnung durch andere, so dass automatisch das Gefühl von Annahme überwog. Bis zu einem Tag Ende Mai, als mir ein Kunde begegnete, der mich vor 8 Jahren mal gemobbt hatte. Sowas reicht schon aus.
Seit ich zurückdenken kann, habe ich mich schon anders als,- aber so eine Einleitung kennt ihr schon zur Genüge. Ich war aber nicht nur anders, drei Gefühle waren bei mir stark ausgeprägt: Angst, Angst und nochmal Angst. Wovor? Ich weiß es nicht. Es ist aber seither ein ständiges Gefühl dumpfer Bedrohung geblieben. Wohl auch ein Grund dafür, warum ich seit Kindheitstagen an den Fingernägeln kauen muss. Vielleicht sind es ja Todesängste und psychische Lähmungserscheinungen meiner Mutter, welche sie aus Kriegstagen mitgenommen und auf mich übertragen hat, vielleicht auch ein zweiwöchiger Krankenhausaufenthalt mit 3 Jahren ohne sie, - aber den Gedanken weiterzuspinnen, sprengt jetzt den Rahmen...Ich habe zu meinen Eltern seit fast 29 Jahren keinen Kontakt mehr. Schon über zehn Jahre vor meinem Auszug habe ich die Unterhaltung mit ihnen eingestellt.
Als das Zentralproblem in meinem Leben sehe ich Beziehungen. Ich leide unter der Abwesenheit (guter) Beziehungen und der Abwesenheit (seelischer) Streicheleinheiten.
Wenigstens habe ich auf dem beruflichen Sektor gerade noch so die "Kurve gekriegt". Dazu habe ich aber 7 Jahre (!) Orientierungsphase nach dem Abitur gebraucht. Noch heute kann ich nicht nachempfinden, wie man als Schüler unbeschwert ohne Angst eine Schule besuchen kann. Dabei gab es auf der Schule kaum Grund für eine "echte" Bedrohung. Nur einmal Ende der 60er Jahre bin ich von einem Lehrer buchstäblich aus dem Hinterhalt brutal und ohne jede Rechtfertigung geschlagen worden. Damals war so etwas eben "normal", man hat nicht aufgemuckt. Ich sowieso nicht, mein Wille war von meiner Mutter gebrochen worden, ich machte, was man mir sagte, wie eine Marionette. Seit der frühen Pubertät habe ich sie gehasst.
Jetzt aber zu den Beziehungen. Es gab und gibt kaum welche. Die wenigen zu Frauen kann man an einer Hand abzählen. Niemals ist auch nur eine im entferntesten so gut gewesen, dass man vielleicht über ein Zusammenziehen hätte nachdenken können. Der Zustand "glücklich verliebt" ist mir kaum bekannt. Als mich vor diesem Hintergrund mal jemand gefragt hat: "ja wie lange wollen Sie denn noch Junggeselle bleiben", war das wie ein Stich ins Herz. Ich wollte doch endlich auch zu den "Normalen" gehören und wußte, jetzt muss ich eben nachhelfen. So habe ich mich auf die Ehe, um nicht zu sagen einen Deal, mit einem Wirtschaftsflüchtling eingelassen. Nach 8 Jahren ging dieses Kapitel mit einem wüsten Scheidungskrieg, der mich natürlich sehr belastet hat, zu Ende. Geblieben ist mir wenigstens eine liebe und erstaunlich vernünftige Tochter, die bei der Mutter lebt.
Abschließend möchte ich noch in Steckbriefform meine gefühlten Charaktereigenschaften zusammenfassen, von denen ich denke, dass sie teilweise bei anderen Hochsensiblen auch vorkommen.
Ich bin extrem introvertiert, grübelnd und scheu, wenn auch zum Glück nicht mehr so wie früher.
Ich bin nicht so anspruchslos, wie andere Männer oft scheinen (was Frauen angeht).
Ich bin extrem pflichtbewußt.
Ich fühle mich unter den Pfälzern unwohl. Meine Wurzeln sind in Nordrhein-Westfalen.
Ich fühle mich bei der Arbeit als Techniker im Außendienst nicht selten unter (Hoch-)Spannung. Wenn es nicht rund läuft, dann könnte ich sowas von aus der Haut fahren. Apropos Techniker. Das war nur eine Verlegenheitslösung. Ich wollte eigentlich was Künstlerisches machen.
Ich leben ständig in dem Gefühl, ich müsste mir und anderen was beweisen. Vielleicht ein Grund dafür, warum ich in den 90ern die Flucht nach vorne antrat und mich als Fallschirmspringer versuchte. Nach über 200 Sprüngen war der Stress dann aber doch zu groß und ich gab unter großem inneren Ringen (was bis heute anhält) auf. Immerhin bin ich dort "wer" gewesen.
Kritik vertrage ich nicht.
Verzeihen kann ich höchstens, wenn sich jemand vorher entschuldigt hat.
Ich bin sozialer, als man denken könnte und schnell bereit, anderen zu helfen. Vielleicht zu schnell und zu viel.
Zu meiner fast 11jährigen Tochter, die mich sehr liebt und dies täglich bekundet, finde ich einfach keinen emotionalen Zugang. Ich schäme mich aber, dass sie mir immer verzeiht, obwohl ich oft ungehalten, aggressiv zu ihr bin.
Kontrollverlust kann ich nur schwer ertragen. Ebenso Unordnung. Trotzdem fällt es mir sehr schwer, Ordnung zu halten!
Mit Männerfreundschaften ist es übrigens auch nicht gerade besser, als mit Frauenl. Eigentlich sind Männer suspekte Wesen für mich.
Wenn dann überhaupt mal eine Person in meinem persönlichen Umfeld hängen bleibt, so sind das eben nur Menschen vom Rand der Gesellschaft.
In Anbetracht obiger Eigenschaften, denke ich, ist es kein Wunder, dass ich anfällig dafür bin, vielleicht war, zum Mobbingopfer zu werden. Verschiedene Kunden, aber alles typische Chefcharaktere, haben versucht, mir quasi Hausverbote zu erteilen, ohne dass nur ein einziger eine wirkliche Begründung dafür liefern konnte!!!! Ihr könnt erahnen, welchen Stress das bei mir ausgelöst hat, wo ich ohnehin solche Schwierigkeiten habe, mich anzunehmen, wie ich bin, und dann noch dieser unverhohlen aggressive Akt der Ablehnung von Personen, von denen ich leider indirekt abhängig bin!!!!!!!!("Wenn Sie von mehreren abgelehnt werden, dann liegt es an Ihnen...Sie müssen immer lächeln, wenn Sie zum Kunden gehen...besuchen Sie mal nen Volkshochschulkurs, wo man richtiges Verhalten lernt", waren die gut gemeinten Ratschläge von einem meiner Chefs, der kurz danach entlassen wurde.)
Aber es gibt auch Lichtblicke. In einem Fall habe ich mich selber erfolgreich wehren können, in einem anderen Fall hat die Fürsprache eines Kollegen bei einem meiner ganz großen Kunden ungeahnt positive Wirkung gezeigt.
So, jetzt bin ich ja doch viel ausführlicher geworden, als geplant. Natürlich nicht so detailliert, dass mich jeder versteht (aber Nachfragen sind ja erlaubt). Das wäre überhaupt mein Traum, den einen Menschen zu finden, von dem ich mich total verstanden fühle...
Schwerenöter

)