ich hoffe, dass ich hier nicht total falsch bin.
Mache in den letzten zwei Jahren eine ziemliche Selbstfindungsphase/ Identitätskrise durch.
Wie ich von anderen höre, ist das nun nix besonderes, wenn man Mitte zwanzig ist. Aber trotzdem
fühl ich mich schon seit Jahr und Tag anders als viele andere Menschen. Dieses Gefühl bereitet mir
regelmäßig Unbehagen, weil es sich arrogant und überheblich anfühlt und versucht zwei gegensätzliche
Momente in mir zu vereinen - das sich-normal-fühlen und das sich-besonders-fühlen.
Bin seit frühester Kindheit ein sehr genauer Beobachter, Zuhörer, Reflektierer. Das merken sogar andere.
Geruchssinn (ich wache von Gerüchen auf, zB. Waschpulver, das Deo des Partners, Rauch, Asphalt).
Geschmack (merkt ihr nicht den speziellen Nachgeschmack? Brauche wenig Gewürze weil ich oft den Eigengeschmack von Lebensmittel sehr ausreichend finde).
Gehör (musikalisch, kann in meinem Kopf die Einzelheiten von Musikstücken gut erinnern, singe viel, und das noch nicht mal allzu schief, höre manches aufmerksamer als andere)
Tastsinn (bin nicht so stark darauf fokussiert, bin aber ziemlich schmerzempfindlich)
Optisch (Ich "scanne" förmlich Orte und Lokalitäten, Bilder und Szenerien, Emotionen, Reaktionen; erfasse visuell schneller als andere und kann es dementsprechend auch schneller wiedergeben, auch wenn mich der Fakt eigentlich nicht interessiert)
Wenn jemand also etwas unerwartetes fragt, kann ich oft ohne Probleme antworten, weil ich mir scheinbar unbedeutende Details einfach gemerkt habe: "die Öffnungszeiten standen draußen auf dem Schild; ich hab deinen Schal im Schlafzimmer liegen sehen; er hat uns schon bemerkt, als wir reinkamen; darüber hab ich schon nachgedacht".
Generell: Empfindungen schnell erfassen und vergleichen, ich höre/ sehe/ schmecke schnell, ob etwas richtig, falsch oder unterschiedlich ist. Oft habe ich auch einen Gedanken schon viel eher durchdacht, als ein anderer. Deswegen liebe ich neuartigen Input zu Themen, die mich interessieren.
Ich bin oft total langsam, weil ich mich sehr auf Details fixiere; Entscheidungen, Möglichkeiten und Konsequenzen dreiundzwantig mal umwerfe, bevor ich sie bewerten kann - und wenn ich mit dem Gedanken abgeschlossen habe, geht alles wieder von vorne los.
Ich gehe auch langsam, weil ich um mich herum all die Dinge aufnehmen und verarbeiten muss. Ich finde mich aber
auch mal sehr schnell zurecht, wenn es sein muss. Wenn ich Gedanken, Konzepte und Sachverhalte begreifen möchte,
kann ich sie bisweilen sehr schnell erfassen, manchmal blockiert mein Hirn aber auch.
Zeitdruck motiviert mich, killt aber auch all meine Lebensfunktionen. Ich bin jetzt im weiterführenden Studium, bin bei interessanten Themen und Vorlesugen voll dabei, absorbiere das Thema,was mich bisweilen angenehm auslaugt. Kann mir hinterher trotzdem kaum Fakten merken, sondern vor allem Eindrücke, Querverweise, Bilder, emotionale Verknüpfungen wie *das war interessant*. Ansonsten: kaum Disziplin, kaum Konzentration auf Dinge die einen Zwang darstellen (Hausarbeiten schreiben). Das verringert meine Leistungen,
die in der Laufbahn ganz gut waren, derzeit enorm. Ich fühle mich als schlechter Student, weil mein Interesse am Studium nicht
in die Freizeit hineinreicht oder gerne von anderen Interessen überlagert wird. Zusätzliche Fachliteratur interessiert mich nicht.
Die immergleichen Abläufe (Präsentation hören, machen, Lernen, Hausarbeiten schreiben) öden mich an. Lernen und Wissenschaftliches Arbeiten langweilen mich extrem, solange ein Widerkäuen von Fakten verlangt wird.
So kann ich mich, auch in Stresszeiten unendlich gelangweilt fühlen, es kann zum Kraftakt werden, mich auf ein Thema zu konzentrieren.
Überhaupt- Wettbewerbssituationen der meisten Art schrecken mich ab. Zeitlimits demotivieren mich enorm, der Fakt, eine Klausur schreiben zu müssen endet in endloser Langeweile. Nicht weil ich alles weiß (denn ich weiß eher wenig) sondern weil mich die Aussicht/ der Prozess, Dinge wiederholen zu müssen, schier anödet. Genauso stupide erscheinen mir autoritäres oder gesellschaftlich, zwanghaftes Wichtigkeitsgetue. Das nehme ich einfach nicht ernst, was mich in vielen Situationen sehr unprofessionell dastehen lässt. Ich hasse Verhaltensregeln manchmal, weil sie mir lächerlich erscheinen, obwohl ich ihren Sinn irgendwie verstehe.
Volle Konzentration dagegen, wenn mich ein Thema bewegt, etwas Neues interessiert und ich wie fieberhaft auf eigene Recherche gehe - dann merke ich mir jeden noch so kleinen Mist. Ich fühle mich dann manchmal wie ein Süchtiger, der einer Droge hinterherrennt und dadurch extrem stimuliert wird. Stehe gerne mal gedanklich und emotional unter (positivem) Strom. Nachdenken und Aha-Effekte haben finde ich aufregend. Ich genieße es, mich mit etwas zu beschäftigen, dass mich interessiert. Wenn mich etwas derartig bewegt, dann möchte ich alles darüber erfahren, möchte mir ein klares Bild schaffen, ob ich mit meiner Begeisterung richtig liege, WARUM ich begeistert bin und wie ich diesen High-Zustand verlängern kann. Ständig neue Leidenschaften. Viele dieser Leidenschaften bleiben dann länger. Meistens dreht es sich um künstlerische Bereiche, Malerei, Musik, Literatur, Film etc. Früh habe ich gemerkt, dass vor allem Kino und Filme einen ungeheuren Sog auf mich ausüben. Ich war nach Kinofilmen meistens stundenlang nicht wirklich ansprechbar, weil ich die Themen und Eindrücke intensiv zu verarbeiten scheine. Andere dagegen können hinterher direkt noch einen zweiten Film sehen. Das wäre für mich die totale Reizüberflutung. Aber auch praktische Forschung scheint interessant. Manche wundern sich über mein weitgefächertes Interesse und Wissen.
Wegen der zunehmend schlechten Noten habe geringe Intelligenz angenommen und mich an Intelligenztests gewagt - mein IQ ist fast in allen Bereichen irgendwie unterdurchschnittlich. Außer im visuellen Bereich, da ist er überdurchschnittlich hoch. Ich habe mich ein wenig mit AD(H)S und Autismus beschäftigt, finde da aber keine wirklichen Anhaltspunkte. Nun bin ich hier gelandet und konnte mich mit sehr vielen Aussagen identifizieren. Mit einigen allerdings nur phasenweise.
Alleinsein macht mir wenig aus, wenn es in einem gesunden Mix zu Geselligkeit oder Gesprächen steht.
Wenn ich aber zu lange keinen Anforderungen ausgesetzt bin, werde ich stumpfsinnig und verliere mich zusehr in Gedanken.
Diese Phasen wechseln bei mir stark ab. Überhaupt bin ich schon seit Ewigkeiten sehr stimmungsschwankend (ich lese z.B. Bücher nach ihrer Stimmung und weniger nach ihrem Inhalt - deswegen habe ich zig angefangene Bücher da liegen, die ich immer mal Stück für Stück weiterlese, je nach dem, wann das Thema für mich wieder aktuell ist). Ich lasse mich sehr stark durch Stimmungen beeinflussen habe aber generell eine positive Grundeinstellung zum Leben.
Ob ich nun tatsächlich *hochsensibel* bin, kann vermutlich niemand mit Sicherheit beurteilen. Aber ich werde mal durch eure Threads lesen und schauen, ob ich mich weiterhin wiederfinde und wie das bei euch so ist.
omg, wie ich hier schriebe!!
Ich hoffe mein zickiges Gefasel hat euch nicht total genervt, wo es doch nur ein Bruchteil meiner selbst ist.
eure Dala :)

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