Hallo zusammen.
Nachdem ich mich von der Armee von hüpfenden und rumkugelnden Smilies auf der rechten Seite losreißen konnte, werde ich mich kurz und schmerzlos vorstellen. Ich bin männlich und kann auf 30 Lebensjahre zurückblicken. Ich denke, dass meine Geschichte (in diesem Kontext hier) recht typisch ist, weshalb ich auch nicht groß ausholen werde. Von meiner Veranlagung bzw. dass diese einen Namen hat, habe ich erst dieses Jahr durch Zufall erfahren. Den Verdacht und in weiterer Folge die Gewissheit, dass ich anders bin wie die Meisten, habe ich schon seit meiner Kindheit. Welche Folgen sich daraus ergaben, könnt ihr euch bestimmt denken...
Ich weiß nach wie vor nicht ob ich meiner Empfindsamkeit positiv oder negativ gegenüberstehe (auch der "Aha-Effekt" war bei mir eher neutral), ob mir diese neue Erkenntnis ein reiches, tiefgründiges oder einfach nur ein kompliziertes und beschwerliches (Rest)Leben bereiten wird. Wir werden sehen. Auch abseits von HS habe ich die letzten paar Jahre eine ziemliche Durststrecke hinter mir. Sozial, was Ausbildung/Beruf angeht und auch gesundheitlich. Da kam mir diese Angelegenheit gerade recht, wenn ihr versteht? Ich befinde mich momentan/noch in der Phase der Neubewertung meiner Vergangenheit, die nicht selten in einem anderen Licht erscheint. Seit kurzem ist mir auch aufgefallen, dass ich Eigenschaften von denen ich glaube, dass sie bei mir sehr deutlich ausgeprägt sind, quasi unbewusst bewusst zu beobachten beginne. ...was für ein Satz?! Ich bremse mich an dieser Stelle gleich mal ein. Ich denke, ihr seht schon, was bei mir los ist.
Um jetzt doch noch auf meine Person zu kommen: Ich liebe und verehre die Natur. Formen,Farben etc.. fast jegliche Form von sinnlicher Wahrnehmung kann(!) mich vollkommen ausfüllen, mich ehrlich zufrieden, glücklich und auch dankbar machen. Weniger ist für mich sehr oft mehr. (Umso absurder erscheint mir das Streben nach noch mehr Geld und künstlichen Dingen die in Wahrheit keiner braucht). Hört sich trotzdem irgendwie super an; wer jedoch den Geist unserer Zeit kennt, wird verstehen, dass ich nur recht selten in diesen Genuss komme. Auch wegen meiner anderen Eigenarten. Über die Jahre bin ich irgendwie zu einem asketischen, puristischen und sehr oft auch wortkargen Typen geworden. Auf der Jagd nach Antworten, Sinn, nach der Essenz der Dinge. Dogmen und flache Halbwahrheiten sind für mich ein Übel. Große Ressourcen beansprucht bei mir (oft schonungslose) Reflexion. Das allein macht mich schon fertig, bringt aber oft auch Widersprüche zu Tage, die mich langfristig einfach zermürben, mir Energie abzapfen. Beispiel: Wenn ich sehe wie die Leute miteinander oder der Natur umgehen (auch dafür hab ich einen Sinn), dann nährt das meine misanthrope Ader. Wenn ich aber sehe, welches überragende Potential wir haben, bin ich begeistert. Weltschmerz lässt grüßen. Auch mein Einfühlungsvermögen/Vorstellungskraft etc. etc. ist für mich ein zweischneidiges Schwert. So und an dieser Stelle ziehe ich auch gleich mal wieder die Handbremse an, bevor das hier ein Roman wird. Wenn ich das so lese, hört sich das ziemlich klischeehaft an. Aber es gibt (zum Glück?) auch ein paar als typisch erachtete HS Eigenschaften, die bei mir wenig ausgeprägt sind. Lange Rede, kurzer Sinn: Wie bestimmt einige von euch, fühle ich mich in unserer Gesellschaft sehr oft fehl am Platz, wie ein Auslaufmodell. Achtsamkeit, Langsamkeit, Rücksicht sind heutzutage einen Sch#@!dreck wert. Angesichts meiner Machtlosigkeit daran wirklich was ändern zu können, füge ich mich großteils auch dem Leben auf der Überholspur und zahle auch den Preis dafür. Im Hinterkopf stets die Hoffnung doch irgendwann eine Lücke, eine Nische für mich zu finden in der ich mehr ich sein kann. In der Zwischenzeit versuche ich, wie ihr wahrscheinlich auch, mit den mir möglichen Mitteln (zB. Sport, und selbst da weiche ich vom Mainstream ab) für mich ein Gleichgewicht herzustellen. Manchmal gelingt es, sehr oft leider nicht.
Grundsätzlich ist es mir mittlerweile erstrebenswerter geworden, mich auf der Baustelle die mein Leben darstellt wohl zu fühlen, als nur nach der Fertigstellung des "Baus" zu trachten, denn letzteres wird vielleicht nie stattfinden.
Vielen Dank erstmal für eure Zeit. Ich werd wahrscheinlich noch eine Weile damit verbringen mich hier einzulesen. Gerne bin ich auch bereit, etwas von MIR zu geben, wenn es den jemanden interessiert oder weiterhilft. Das wars fürs Erste. Liebe Grüße bzw. "Hallo!".

