Schon wieder einer!

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Schon wieder einer!

Beitragvon atemlos » Fr 14. Okt 2011, 16:04

Hallo zusammen.
Nachdem ich mich von der Armee von hüpfenden und rumkugelnden Smilies auf der rechten Seite losreißen konnte, werde ich mich kurz und schmerzlos vorstellen. Ich bin männlich und kann auf 30 Lebensjahre zurückblicken. Ich denke, dass meine Geschichte (in diesem Kontext hier) recht typisch ist, weshalb ich auch nicht groß ausholen werde. Von meiner Veranlagung bzw. dass diese einen Namen hat, habe ich erst dieses Jahr durch Zufall erfahren. Den Verdacht und in weiterer Folge die Gewissheit, dass ich anders bin wie die Meisten, habe ich schon seit meiner Kindheit. Welche Folgen sich daraus ergaben, könnt ihr euch bestimmt denken...

Ich weiß nach wie vor nicht ob ich meiner Empfindsamkeit positiv oder negativ gegenüberstehe (auch der "Aha-Effekt" war bei mir eher neutral), ob mir diese neue Erkenntnis ein reiches, tiefgründiges oder einfach nur ein kompliziertes und beschwerliches (Rest)Leben bereiten wird. Wir werden sehen. Auch abseits von HS habe ich die letzten paar Jahre eine ziemliche Durststrecke hinter mir. Sozial, was Ausbildung/Beruf angeht und auch gesundheitlich. Da kam mir diese Angelegenheit gerade recht, wenn ihr versteht? Ich befinde mich momentan/noch in der Phase der Neubewertung meiner Vergangenheit, die nicht selten in einem anderen Licht erscheint. Seit kurzem ist mir auch aufgefallen, dass ich Eigenschaften von denen ich glaube, dass sie bei mir sehr deutlich ausgeprägt sind, quasi unbewusst bewusst zu beobachten beginne. ...was für ein Satz?! Ich bremse mich an dieser Stelle gleich mal ein. Ich denke, ihr seht schon, was bei mir los ist.

Um jetzt doch noch auf meine Person zu kommen: Ich liebe und verehre die Natur. Formen,Farben etc.. fast jegliche Form von sinnlicher Wahrnehmung kann(!) mich vollkommen ausfüllen, mich ehrlich zufrieden, glücklich und auch dankbar machen. Weniger ist für mich sehr oft mehr. (Umso absurder erscheint mir das Streben nach noch mehr Geld und künstlichen Dingen die in Wahrheit keiner braucht). Hört sich trotzdem irgendwie super an; wer jedoch den Geist unserer Zeit kennt, wird verstehen, dass ich nur recht selten in diesen Genuss komme. Auch wegen meiner anderen Eigenarten. Über die Jahre bin ich irgendwie zu einem asketischen, puristischen und sehr oft auch wortkargen Typen geworden. Auf der Jagd nach Antworten, Sinn, nach der Essenz der Dinge. Dogmen und flache Halbwahrheiten sind für mich ein Übel. Große Ressourcen beansprucht bei mir (oft schonungslose) Reflexion. Das allein macht mich schon fertig, bringt aber oft auch Widersprüche zu Tage, die mich langfristig einfach zermürben, mir Energie abzapfen. Beispiel: Wenn ich sehe wie die Leute miteinander oder der Natur umgehen (auch dafür hab ich einen Sinn), dann nährt das meine misanthrope Ader. Wenn ich aber sehe, welches überragende Potential wir haben, bin ich begeistert. Weltschmerz lässt grüßen. Auch mein Einfühlungsvermögen/Vorstellungskraft etc. etc. ist für mich ein zweischneidiges Schwert. So und an dieser Stelle ziehe ich auch gleich mal wieder die Handbremse an, bevor das hier ein Roman wird. Wenn ich das so lese, hört sich das ziemlich klischeehaft an. Aber es gibt (zum Glück?) auch ein paar als typisch erachtete HS Eigenschaften, die bei mir wenig ausgeprägt sind. Lange Rede, kurzer Sinn: Wie bestimmt einige von euch, fühle ich mich in unserer Gesellschaft sehr oft fehl am Platz, wie ein Auslaufmodell. Achtsamkeit, Langsamkeit, Rücksicht sind heutzutage einen Sch#@!dreck wert. Angesichts meiner Machtlosigkeit daran wirklich was ändern zu können, füge ich mich großteils auch dem Leben auf der Überholspur und zahle auch den Preis dafür. Im Hinterkopf stets die Hoffnung doch irgendwann eine Lücke, eine Nische für mich zu finden in der ich mehr ich sein kann. In der Zwischenzeit versuche ich, wie ihr wahrscheinlich auch, mit den mir möglichen Mitteln (zB. Sport, und selbst da weiche ich vom Mainstream ab) für mich ein Gleichgewicht herzustellen. Manchmal gelingt es, sehr oft leider nicht.

Grundsätzlich ist es mir mittlerweile erstrebenswerter geworden, mich auf der Baustelle die mein Leben darstellt wohl zu fühlen, als nur nach der Fertigstellung des "Baus" zu trachten, denn letzteres wird vielleicht nie stattfinden.

Vielen Dank erstmal für eure Zeit. Ich werd wahrscheinlich noch eine Weile damit verbringen mich hier einzulesen. Gerne bin ich auch bereit, etwas von MIR zu geben, wenn es den jemanden interessiert oder weiterhilft. Das wars fürs Erste. Liebe Grüße bzw. "Hallo!".
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Re: Schon wieder einer!

Beitragvon Lavendele » Fr 14. Okt 2011, 17:15

Huhu atemlos!

da mag ich dich doch spontan mit meinem Lieblingslied begrüssen!!! _yessa_ sm_06


http://www.youtube.com/watch?v=34I7LZwQdes
So ist das Leben" , sagte der Clown und malte sich
mit Tränen in den Augen, ein strahlendes Lächeln ins Gesicht.
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Re: Schon wieder einer!

Beitragvon Sarina » Sa 15. Okt 2011, 00:15

Hallo atemlos,

herzlich sm_06 im Forum und fühl dich wohl.

lg Sarina
Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar Bild
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Re: Schon wieder einer!

Beitragvon Augenblick » Sa 15. Okt 2011, 22:33

Hallo atemlos!

Ein herzliches Willkommen von mir _hello_
Ich finde mich doch in vielen Deiner Formulierungen wieder und insgesamt hat mich Dein Text sehr angesprochen. Alle Stellen zu kommentieren, bei denen meine Synapsen "wuselig" werden, führt jetzt zu weit und dazu fehlt mir jetzt auch der Atem _grin_

Seit kurzem ist mir auch aufgefallen, dass ich Eigenschaften von denen ich glaube, dass sie bei mir sehr deutlich ausgeprägt sind, quasi unbewusst bewusst zu beobachten beginne. ...was für ein Satz?



Ich find den Satz sehr inspirierend; hätte glatt aus meinem mentalen Netzwerk sein können. _yessa_

Im Hinterkopf stets die Hoffnung doch irgendwann eine Lücke, eine Nische für mich zu finden in der ich mehr ich sein kann.


Tja, meine persönliche „Lücke“ habe ich bislang auch noch nicht entdecken können, aber vielleicht muss ich mal meine Wanderroute und meinen Blickwinkel ändern… _nüxweiss_

Grundsätzlich ist es mir mittlerweile erstrebenswerter geworden, mich auf der Baustelle die mein Leben darstellt wohl zu fühlen, als nur nach der Fertigstellung des "Baus" zu trachten, denn letzteres wird vielleicht nie stattfinden.


In diesem Satz fühle ich mich doch recht „zu Hause“. Wobei ich doch mehr und mehr das Gefühl habe, dass ich deswegen nicht zur Fertigstellung meines Baus komme, weil ich (noch immer/immer wieder) am Fundament mixe…?! _gruebel_

Wie dem auch sei, schön, dass Du hier im Forum Einzug genommen hast, was hoffentlich keine Baustelle für Dich darstellt….

Liebe Grüße
Augenblick _flöwer_
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Re: Schon wieder einer!

Beitragvon atemlos » So 16. Okt 2011, 10:26

Erstmal danke an alle die mich schriftlich und im Geiste willkommen geheisen haben und es vielleicht noch tun werden.

Tja, meine persönliche „Lücke“ habe ich bislang auch noch nicht entdecken können, aber vielleicht muss ich mal meine Wanderroute und meinen Blickwinkel ändern…

Sehe ich auch so (also auf mich bezogen). Was mir dazu gerade einfällt, gerade "wir" (also HSP) neigen (ich trau mich das jetzt mal einfach so zu behaupten, *alle-über-einen-kamm-schärt*) oft dazu so viele Sichtweisen zu haben und zu pflegen, aber die Eine die es uns erlauben würde, im Einklang mit unseren Eigenarten zu leben, wird nur so selten gefunden. Ironie? (Zu sagen, die Gesellschaft ist an allem schuld (wie ich es selbst oft mache), ist im Grunde nur eine Ausrede..)

PS.: Nicht dass jemand Anstoß erhoben hätte, aber zu Gunsten leichterer Kommunikation verzichte ich generell auf "geschlechtergerechte" Formulierung. Wenn nicht explizit angegeben, meine ich in der Regel ALLE, Weiblein, Männlein und was da sonst noch so kreucht und fleucht...
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Re: Schon wieder einer!

Beitragvon s´Blümli » So 16. Okt 2011, 15:56

juhu atemlos......sei herzlich gegrüßt sm_06 1büssi

_flöwer_ _flöwer_ _flöwer_ _flöwer_
Was hilft mir die Weite des Weltalls, wenn meine Schuhe zu eng sind?
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Re: Schon wieder einer!

Beitragvon Kopfkino » Di 18. Okt 2011, 10:05

Hallo atemlos! _hello_

Herzlich willkommen im Forum! sm_06

Lg,

Kk _flöwer_
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Re: Schon wieder einer!

Beitragvon tootsie » Do 3. Nov 2011, 19:30

Wie interessant, Dein Text!

Da steckt so viel drin, dass ich nicht wüsste, wo ich mit dem Zitieren loslegen soll.

Ich schwanke zwischen zwei Positionen: die eine Position in mir sagt, dass es gut und ok ist, immer wieder am Fundament herumzubauen bzw. alle Möglichkeiten zu hinterfragen und regelmäßig neu zu definieren. Und die andere sagt mir genau das Gegenteil: wenn ich die Baustelle zu seinem Lebensziel erkläre (und mir den Hausbau garnicht mehr als Ziel vornehme), dann hat das ja direkten Einfluss darauf, dass mir der Hausbau nie gelingen wird. Also, dass ich alles nur HALB mache und nichts richtig. Und dass ich ALLES will und deshalb NICHTs erreiche.

Ich hoffe für mich, dass es eine "Misch-Lösung" gibt. Dass ich mich auf einige Parameter als "Zäunchen" um mein Grundstück festlege (und das hast Du ja mit Deiner Naturliebe auch schon getan) und dann innerhalb des Zäunchens aber noch Platz für Kreativität und Korrektur, für Ausprobieren usw. bleibt.

Meint ihr, das ist realistisch?

Ach, und nochwas, was mir neulich ein Freund sagte: jede EntSCHEIDung bedeutet eben auch SCHEIDung: Scheidung von andern Ideen, Scheidung von andern Menschen, Scheidung von Optionen usw. Ich glaube, dass man Anfang 30 (Hallo Altersgenosse) noch gut leben kann ohne zu großartige Festlegungen. Die Frage ist nur, ob man es mit 50 oder 70 Jahren auch noch kann. Oder ist man dann in einem fort frustriert, weil man noch nichtmal die Farbe für den Kellerboden des "Hauses" entschieden hat, während andere fröhlich ihren Dachboden im vierten Stock dekorieren.

Hm, hm. Vielleicht sollte sich hier mal jemand mit mehr Lebenserfahrung wie wir zu Worte melden.

Die Welt ist ein bunter Haufen an Menschen. Oder: Jeder Jeck ist anders. Dazu hier dieses ultrasüsse Comic für Dich _miiting_

Viele Grüsse, Tootsie
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Re: Schon wieder einer!

Beitragvon atemlos » Do 3. Nov 2011, 21:45

Hallo tootsie _hello_
Schön dass meine Ausführungen bei dir "angekommen" sind. Die Art wie du deinen Beitrag verfasst hast, bringt deine innere "Zerissenheit" recht deutlich zum Ausdruck muss ich sagen. (Ist jetzt nicht negativ gemeint). Fällt mir schwer darauf zu antworten. Vor allem wenn man die Dinge so abstrakt und metaphorisch formuliert wie wir.

Mit der Baustellengeschichte wollte ich sagen, dass ich grundsätzlich zu der Ansicht gekommen bin, dass man auch als Realist in dieser unvollkommenen, unsicheren und oft unharmonischen Welt zufrieden leben kann. Dafür muss man aber was tun, zumindest fällt mir das nicht in den Schoß. Hintergrund davon ist die Tatsache, dass ich einen Großteil meines Lebens mit Streben zugebracht habe und dabei allzuleicht wichtige Dinge unterdrückt/aufgeschoben habe. Jetzt ist ein Punkt erreicht wo ich anfange daraus Schlüsse zu ziehen.

Mehr kann ich dazu im Moment auch nicht sagen/schreiben.

Ich grüße Dich!
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