Re: Hs-Tests und Barnum-Effekt
von Jamania » Fr 4. Nov 2011, 10:08
Ich wusste auch nicht, dass es "Barnum-Effekt" heißt.
Aber das geistert mir schon lange im Kopf heraum, nicht nur was HS betrifft, sondern auch so.
Bis jetzt sind es eher unausgegorene Gedanken, die ich noch nicht richtig zusammenfügen kann.
Ich versuchs mal auf HS bezogen, möchte ganz deutlich nicht alle über einen Kamm scheren und auch klar machen, dass ich für mich so etwas wie hohe Sensibilität hier sehe und es auf mich sehr überzeugend wirkt, aber von außen drauf schauend (falls das überhaupt noch geht) sehe ich auch einen Kern, der das ganze als Bewegung ausmacht:
Das Selbstbild ist abhängig von der Rolle, die man im Leben (oft/immer) einnahm.
Diese Rolle ist meist viel variaber als von vielen Menschen mit negativem Selbstbild wahrgenommen, die m.M. nach oft in der Rolle bleiben, die ihnen zugewiesen wurde, zwar schon mit Wut, Frustration, aber eher ohne Überzeugung, dass diese Rolle z.B. in anderer Umgebung (in die man sich trauen muss) anders sein könnte.
HS bildet m.M. nach ein Konzept, in dem eine Neudeutung dieser Rolle entstehen kann, nichts wird geändert, aber alles neu interpretiert.
Der Test kann u.a. tieferes Empfinden in Empfindlichkeiten hineinsuggerieren, ebenso wie eine ganz natürliche Überforderung, die mit Logik (Reizüberflutung) erklärt wird.
Das Krankhafte, in anderen Kreisen störende wird herausgenommen und zu einer Schnittmenge gemacht, in der genau diese Dinge normal und erklärbar bis hin zu überlegen gedeutet werden können und dürfen.
Das ist für mich die Voraussetzung dafür, dass es für diese bestimmte Gruppe Menschen ein sehr attraktives Konzept ist, eins, dem man sich gerne zugehörig fühlen möchte.
Der Test/die Tests sind für mich entsprechend angelegt, damit es passt, denn sie sind grundsätzlich eindimensional, auch, wenn sie Vielschichtigkeit vorgaukeln.
Durch das Festlegen auf einen Wert hat man sich eindimensional festgelegt, es gibt keine verlässlichen Größen, sie kommen alleine aus dem Innen, aus der eigenen Einschätzung, die natürlich vom Wunsch (bewusst oder unterbewusst) bestimmt ist.
Das Verständnis, das alleine durch den Test erfahren wird, könnte u.U. schon mehr sein, als viele Menschen in langen Jahren von außen erfahren haben, daher ist er für mich dahingehend hochmanipulativ.
Denn er wird immer passen, wenn die Opfer- und Leidenshaltung oder das Gefühl der permanenten Isolation die Grundhaltung ist, egal aus welchem Grund.
Das belegt sich für mich dadurch, dass die Communities im großen Umfang auf diese Menschen ausgerichtet sind, mit übervorsichtigem Umgang, Ausschluss bestimmter Themen, beinahe grenzenloser Offenheit nach "unten" in die Bereiche des Versagens, aber mit sehr nah gesetzter Grenze nach oben (in die Dominanz)
Offener Ärger, Wehrhaftigkeit, Kritik werden eher verteufelt als in ihrer Angemessenheit als evtl. notwendiges Regulativ wahrgenommen, eigentlich nie durch die differenziertere Wahrnehmung so verfeinert, dass sie tatsächlich menschlich und bereichernd, zumindest zugehörig sein können, ohne als die "böse Seite der Macht" abgestempelt zu werden.
"Die forschere HSP" scheint ein Widerspruch in sich zu sein.
Ich könnte mir auch vorstellen, dass diese HSP sich nicht von dem Test und dem darauf aufgebauten Bild angezogen fühlen, sich eher distanzieren, da zuviel an Eigenverantwortlichkeit und differenzierter Wahrnehmung weggenommen werden.
Und das ist für mich das eigentlich Widersprüchliche: HS soll bedeuten differenzierter wahrzunehmen.
Was aber Situationen, die unangenehm sind angeht, scheint oft genau das Gegenteil zu passieren - alles wird HS-passend gemacht und jede Differenzierung setzt aus.
Meine Wahrnehmung jetzt...
Ja, du hattest einen Beitrag über das Kinder-Ich verfasst, an den ich ständig denken muss:
Der HS-Test ist für mich sehr simpel und kindgerecht verfasst.
Er stellt viele Fragen zur Zufriedenheit im bisherigen Leben und lockt in ein Konzept, dass da Abhilfe (in einer sicheren Gemeinschaft), zumindest aber Zuspruch verspricht und um es funktionieren zu lassen, ist jeder, der sich im Test entsprechend eingestuft hat, dem Gedanken verpflichtet und würde sich selbst ausschließen, handelt er da gegen.
Betreutes surfen - wer da kein Problem mit hat, findet es wunderbar und endlich sicher, wer mehr in der Welt verankert ist, sich schneller bevormundet fühlt, wird erst gar nicht herkommen oder sich schnell falsch fühlen.
Eine natürliche Selektion, die schnell dazu führt, dass diese "Anderen" ja auch gar nicht die richtigen HSP sind und das Konzept nur von einer Seite mit den entsprechenden Blickwinkeln betrachtet wird.
Das ist jetzt alles sehr verallgemeinernd, aber für mich der Kern des Gedankens, z.B. auch, wenn ich die Texte der Neuankommenden lese und immer wieder dasselbe finde.
Noch einmal: ich glaube an hohe Sensibilität, finde hier Menschen, die sehr differenziert und behutsam damit umgehen, ohne, dass ich sie als Opfer irgendwelcher Bauernfänger sehe.
Was jeder selbst aus diesem durchaus wichtigen Ansätzen macht, ist so vielschichtig, dass ich es nicht durchschauen kann, aber dennoch formt sich ein Bild in der Gesamtheit und mit dem stehe ich weiterhin im Clinch.