"außen vor sein" - nie dazugehören... kennt ihr das auch?

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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"außen vor sein" - nie dazugehören... kennt ihr das auch?

Beitragvon halcyon » So 18. Mai 2014, 14:12

kennt ihr das auch - das gefühl, "außen vor zu sein"...?

  • das gefühl, irgendwie nicht dazuzugehören, fremd zu sein in dieser welt, wie ein außerirdischer, der zufällig nur auf besuch und deshalb anwesend ist, aber eigentlich zu einer ganz anderen galaxie gehört?
  • kennt ihr das auch - dass die "anderen" irgendwie einen grad von vertrautheit miteinander haben, um den ihr sie beneidet, weil ihr darin nicht mit einbezogen seid? und in den euch die anderen nie aufnehmen würden, aus was für gründen auch immer...?
  • das gefühl, zwar anwesend zu sein, aber bei den anderen überhaupt nicht "stattzufinden"? das gefühl, unwichtig, nicht beachtenswert, überflüssig zu sein? vielleicht nicht gerade unwillkommen zu sein, aber einfach nicht interessant genug, um überhaupt wahrgenommen zu werden?
wenn ja - wie geht ihr damit um?
und - belastet es euch?

meiner einer hat derzeit ziemlich daran zu knabbern.
ich "funktioniere" zwar im "richtigen leben", aber gerne würde ich diesen zustand des "funktionierens" (=überleben) in ein (weitaus streßfreieres) "einfach leben und dabei vielleicht auch noch ein bissl spaß daran haben" umwandeln.
und ich frage mich, was ich ändern muss - meine sichtweise, meine erwartungshaltung, meine was-auch-immer...?

freue mich über tips von euch.

danke + gruß
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Re: "außen vor sein" - nie dazugehören... kennt ihr das auch

Beitragvon wolkenfee » So 18. Mai 2014, 14:55

Hallo Halcyon,

ja, ich kenne das Gefühl, das du beschreibst. Das sind bei mir so Tage, an denen ich eh schon irgendwie neben der Spur bin und dann läuft scheinbar alles an Interaktion an mir vorbei. Wenn ich mit einer Gruppe von Menschen an einem Tisch sitze und ich sitze am Rand, dann schweige ich die ganze Zeit, weil niemand mit mir spricht, und wenn ich in der Mitte sitze, schweige ich auch, weil die Gespräche um mich herum laufen und ich es einfach nicht schaffe, im Tempo mitzukommen.
Der Grad der Vertrautheit der anderen, ja, auch das war eine schmerzhafte Erfahrung für mich.
Zu bemerken, dass sich Kollegen verabreden für irgendwas und ich einfach "vergessen" werde, und am Tag danach dann die Frage kommt: "Warum warst du eigentlich nicht dabei?" Weil ich mal wieder nicht kapiert habe, dass es eine "allgemeine Einladung" war und keine besondere Gruppe....

Ich lerne noch zu akzeptieren, dass ich eben kein Gruppenmensch bin, und dass mir große Massenveranstaltungen deshalb einfach nicht gut tun, auch wenn ich so manches Mal neidisch "am Zaun" stehe und diese Erfahrung auch gerne mal machen würde. Aber das bin nicht ich. Das lerne ich gerade zu akzeptieren und suche meinen Weg. Es ist nicht schlecht oder schlimm, anders zu sein, sondern es ist einfach genau das: anders. Und das bin eben ich.

Was du ändern musst? Grundsätzlich musst du gar nichts. Ansonsten habe ich einfach gekuckt, was tut mir gut, was liegt in meinen Grenzen, was liegt außerhalb, was kann ich schaffen, was nicht und dann meinen eigenen Maßstab gesucht und gelebt. Die meiste Zeit kann ich diesen Maßstab akzeptieren und bewege mich darin und dann habe ich viel Spaß, fatal ist für mich dann, wenn ich anfange, mich mit anderen zu vergleichen. Das tut mir nicht gut und ich übe mich darin, das nicht mehr zu tun. Da hab ich noch einen langen Weg vor mir. )/898u

Ich wünsche dir alles Gute!
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Re: "außen vor sein" - nie dazugehören... kennt ihr das auch

Beitragvon habibti » So 18. Mai 2014, 16:13

Hallo Halcyon,

das Gefühl, nicht dazuzugehören und sich einfach so krass anders zu fühlen, habe ich leider auch kennengelernt. Aber so richtig schlimm war das in einer Langzeitreha ( 16 Wochen ) bei einer Traumabehandlung in Hessen. Ich hatte absolut keine Chance, in diese Gruppe reizukommen. Ich hatte sehr darunter gelitten. Und die anderen ( es waren insgesamt 8, haben mich ja gar nicht gekannt, sondern nur verurteilt. Ich wußte noch nicht mal, was sie an mir störte. Es kam in der Gruppe auch zu keiner Aussprache. Ich hab sie in der Freizeit dann einzeln abgepaßt und angesprochen. Sie konnten mir nicht mal da sagen, warum sie mich schneiden. Und ich konnte es nicht verstehen und mir gar nicht vorstellen, an was es lag. Ehrlich ? Ich war froh, als ich diese Reha überstanden hatte. Ich hatte mich selbst getröstet, in dem ich mir agte, ich bin ja nicht mit denen verheiratet ... Das ist mir vorher und auch nahher nie wieder so pssiert, also nehme ich an, daß es nicht nur an mir gelegen haben kann. Diese Erkenntnis kam mir allerdings erst hinterher. Die Therapeuten hatten es auch nicht wirklich verstanden, aber sie konnten es auch nicht ändern. Habe mir dann andere gesucht, mit denen ich mehr Kontakt hatte. Es gab in dieser Klinik ja noch viele ander Patienten. Die Frauen, die Sockenstricken lernen wollten, die sind dann alle bei mir auf dem Stock gelandet. Die Sitzgruppen waren auf den riesigen Fluren verteilt, so daß auch andere immer sehen konnten, was wir dort machten. Das hat mich letztendlich entschädigt. Und bei Tisch hatte ich auch sehr nette Nachbarinnen, mit denen ich viel unternahm.

Das alles hilft Dir wahrscheinlich nicht, aber es vermittelt zumindes das Gefühl, nicht alleine damit zu sein.
In Teams habe auch immer wieder mal die ein oder andere Person, die mich ausgegrenzt hat. Aber da habe ich das nicht zugelassen. Ich habe sie immer angesprochen. Vielleicht kannst Du das mal probieren ?
Lieben Gruß, habibti
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Re: "außen vor sein" - nie dazugehören... kennt ihr das auch

Beitragvon Phönixfeuer » So 18. Mai 2014, 18:46

Ja ich kenne das auch. Und ich hab es über viele Jahre nicht verstanden und irgendwie geglaubt, dass es allein meine Schuld ist. Inzwischen weiß ich ja, dass ich vieles schnelle und intensiver wahrnehme, auch kleinste Stimmungsschwankungen oder auch wnn jemand anders spricht als er denkt, weil es nicht kongruent ist. Daher überfordern mich Gruppen nach einer Weile. Und die Leute haben eher ein Problem mit mir, weil ich sie durchschaue. Ich versuche hauptsächlich, es nicht persönlich zu nehmen. Das klappt mal merz und mal weniger.
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dass ich nichts weiß.
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Re: "außen vor sein" - nie dazugehören... kennt ihr das auch

Beitragvon halcyon » So 18. Mai 2014, 20:29

vielen dank für euer feedback!

bin ja froh, dass es mir nicht alleine so geht... obwohl das wissen darum alleine im alltag nicht wirklich hilfreich ist.

ihr hört euch alle an, als hättet ihr das akzeptiert und euch damit irgendwie arrangiert... (macht ja auch sinn icon_winkle )
hmmm, so weit bin ich irgendwie noch nicht. aber ich glaube, dass ich mir das buch von e. aron holen sollte - ich muss die dinge verstehen, um sie akzeptieren zu können. und bislang verstehe ich immer noch nicht richtig, warum genau man(n) ausgegrenzt wird.

danke und LG vom
halcyon
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Re: "außen vor sein" - nie dazugehören... kennt ihr das auch

Beitragvon habibti » So 18. Mai 2014, 20:33

Hallo halcyon,

mit dem Verstand verstehen ist schon wichtig, aber noch wichtiger finde ich es mit dem Hezen zu verstehen. :-)
Lieben Gruß, habibti
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Re: "außen vor sein" - nie dazugehören... kennt ihr das auch

Beitragvon halcyon » So 18. Mai 2014, 21:41

hallo habibti,

im prinzip hast du ja recht... nur ich ticke so, dass ich zuerst verstandesmäßig verstehen muss (phase 1, dies ist die grundvoraussetzung dafür, dass ich es akzeptieren kann), und erst wenn ich es verstandesmäßig begriffen und verstanden habe, kommt phase 2 - das gefühlsmäßige verstehen, das verstehen mit dem herzen, und damit das "verinnerlichen".
bei mir läuft so elend viel über die "kopfschiene" (INTJ)... _%_
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Re: "außen vor sein" - nie dazugehören... kennt ihr das auch

Beitragvon habibti » Mo 19. Mai 2014, 03:20

Das stelle ich mir relativ anstrengend vor. ...
Lieben Gruß, habibti
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Re: "außen vor sein" - nie dazugehören... kennt ihr das auch

Beitragvon Morgenlicht » Mo 19. Mai 2014, 17:31

halcyon hat geschrieben:kennt ihr das auch - das gefühl, "außen vor zu sein"...?

  • das gefühl, irgendwie nicht dazuzugehören, fremd zu sein in dieser welt, wie ein außerirdischer, der zufällig nur auf besuch und deshalb anwesend ist, aber eigentlich zu einer ganz anderen galaxie gehört?
  • kennt ihr das auch - dass die "anderen" irgendwie einen grad von vertrautheit miteinander haben, um den ihr sie beneidet, weil ihr darin nicht mit einbezogen seid? und in den euch die anderen nie aufnehmen würden, aus was für gründen auch immer...?
  • das gefühl, zwar anwesend zu sein, aber bei den anderen überhaupt nicht "stattzufinden"? das gefühl, unwichtig, nicht beachtenswert, überflüssig zu sein? vielleicht nicht gerade unwillkommen zu sein, aber einfach nicht interessant genug, um überhaupt wahrgenommen zu werden?
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(=überleben) in ein (weitaus streßfreieres) "einfach leben und dabei vielleicht auch noch ein bissl spaß daran haben" umwandeln.
und ich frage mich, was ich ändern muss - meine sichtweise, meine erwartungshaltung, meine was-auch-immer...?

freue mich über tips von euch.

danke + gruß
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bin sprachlos zu diesem ... smgp*

Hallo erstmal, ich bin noch neu,

das trifft ist aber schon sehr genau. Nicht ganz von dieser Welt zu sein, dieser Satz kommt bei mir dauern und immer wieder vor. In letzter Zeit auch sehr oft. Mittlerweile aber, leide ich nicht mehr gar so sehr darunter wie noch früher. Habe mich aber nicht aufgegeben, an die anderen angepasst oder verborgen. Bin mir immer treu geblieben. Jetzt bin ich irgendwie gelassener damit. Warum? ...ich glaub weil ich es nicht ändern kann. Also ich meine die anderen. Mich schon.! Mh, ... da fällt mir vielleicht nochmal mehr ein dazu.

Ich habe nur eine Art Strategie wie ich damit umgehe, eine richtige Lösung , sorry, leider jetzt nicht. Aber einen kleinen Trost, weil es ja gerade so an Dir knabbert! _flov_ ...allein bist Du damit sicher nicht.

Das erwähnte Buch würde mich interessieren, schreibst Du bitte den ganzenTitel! Danke
Den der Natur wird nicht befohlen, außer in dem man ihr gehorcht. (Mir unbekannt)
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Re: "außen vor sein" - nie dazugehören... kennt ihr das auch

Beitragvon halcyon » Mo 19. Mai 2014, 19:09

@morgenlicht:
willkommen im club... smwk
ich lerne auch gerade, dass eine menge HSPler offenbar dieses spezielle problem haben.
das buch, das ich meine ist "sind sie hochsensibel?" von elaine aron, ISBN13: 978-3636062468.


@habibti:
nein, das ist nicht anstrengend für mich. INTJs sind "wissenschaftler"-typen, d. h. sie funktionieren hauptsächlich über den kopf und wollen alles verstehen können (sind dabei aber nicht emotionslos). ich kann also gar nicht anders als mich schlau zu machen, um es zu verstehen, damit ich damit halbwegs umgehen kann. es zu wissen und zu durchschauen, es einordnen zu können, ist für leute wie mich schon ein ziemlicher fortschritt, wenn auch noch lange nicht die lösung... icon_winkle
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