"Das bildest du dir doch nur ein" contra Instinkt

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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"Das bildest du dir doch nur ein" contra Instinkt

Beitragvon Rojka » Do 31. Mai 2012, 22:42

Liebe Leute,

entschuldigt, dass ich so mit der Türe ins Haus falle. Ich habe hier schon ein paar Tage mitgelesen und mich vorhin angemeldet (wer mag, kann sich ja meine Vorstellung ansehen). Unter anderem deshalb, weil mir diese Frage schon länger unter den Nägeln brennt und ich sie gerne mit anderen Hochsensiblen diskutieren möchte:

Kennt ihr das auch, dass andere euch belächeln bzw. euch teilweise auch unterstellen, den Teufel an die Wand zu malen, wenn ihr eine Vermutung über ihr Befinden oder das anderer Leute äußert?

Es ist mir schon so oft so gegangen: Ich merke ganz schnell, wenn die "Schwingungen" in Beziehungen sich ändern. Spreche ich andere darauf an, stoße ich auf Unverständnis, manchmal auch auf Aggression und Abwehr. Es ist allerdings schwer auszuhalten, mit diesen unausgesprochenen Spannungen klarzukommen. So gerne möchte ich dann immer alles klären, und scheitere meist kläglich an einem "Mal doch den Teufel nicht an die Wand", "das bildest du dir doch bloß ein", "ich sag doch, da ist nichts, warum glaubst du mir nicht?".
Als würden sie sich ertappt von mir fühlen, dabei will ich doch nichts böses und ihnen auch nicht zu nahe treten.

Ich packe das oft gar nicht und suche dann den Abstand, um wieder einen klaren Kopf zu bekommen.

Dass meine Wahrnehmung nicht lügt, davon bin ich fest überzeugt. Andere sagen: "Kein Wunder, ist eben eine self-fulfiilling-prophecy". Und nehmen meinen Instinkt nicht ernst. Es ist traurig, dass andere denken, ich bilde mir alles nur ein...


Liebe Grüße, Rojka
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Re: "Das bildest du dir doch nur ein" contra Instinkt

Beitragvon chaira » Do 31. Mai 2012, 23:22

Liebe Rojka,

das passiert mir sehr, sehr oft!

Was mich vor allem ärgert, dass man des Öfteren als hysterischer notorischer Nörgler bzw. Pessimist dargestellt oder als Spinner abgetan wird - ich bin wirklich kein geborener Optimist, aber wenn ich merke, dass etwas nicht stimmt und das dann sage, liege ich meistens auch richtig.

Manchmal gibt mein Umfeld im Nachhinein zu, dass ich richtig lag, meistens muss ich mir aber jedes Mal auf´s Neue anhören, dass ich mir meine Wahrnehmungen nur einbilde oder noch schlimmer, werde als notorischer Besserwisser abgebügelt 1alie

Ich habe es mittlerweile aufgegeben, mein Umfeld überzeugen zu wollen - das kostet mich nur Kraft und Nerven...
chaira
 

Re: "Das bildest du dir doch nur ein" contra Instinkt

Beitragvon Rojka » Do 31. Mai 2012, 23:30

Chaira, danke, danke! Du sprichst mir wirklich aus der Seele. Ich kann es manchmal kaum mehr ertragen .
Wie verhältst du dich in solchen Situationen? Ich fühle mich oft sowas von hilflos und allein mit diesem "Ruf" als Schwarzseher, der angeblich die schöne Harmonie zerstören will. Da gibt es für mich leider oft nur eine Lösung: Distanz, auch wenn ich mich dann noch unverstandener fühle.
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Re: "Das bildest du dir doch nur ein" contra Instinkt

Beitragvon freakzzz » Fr 1. Jun 2012, 08:12

Hmmm, ich versuche nicht immer direkt das Empfinden anderer Leute zu beurteilen, auch wenn das schwerfällt. Das Denken anderer Menschen sollte uns auch nicht so beeinflussen.
freakzzz
 

Re: "Das bildest du dir doch nur ein" contra Instinkt

Beitragvon Jamania » Fr 1. Jun 2012, 09:09

Ein schwieriges Thema, das ich mittlerweile von der anderen Seite angehe.
Ich gehe davon aus, dass soziale Interaktion unendlich vielen Schwingungen unterworfen ist, eigentlich immer wieder, selbst, wenn man sich lange kennt.
Jede Handlung, jedes Wort wird immer wieder neu eingeordnet und gewertet, findet dennoch vor einem Hintergrund von Erlebtem statt.
Manchmal kann ein falscher Ausdruck eine jahrelange Freundschaft zerstören oder ein für-sich-Grenzen-ziehen Ablehnung oder sogar Abwertung des anderen beinhalten.

Ich glaube, dieses unterschwellige Gefühl, wie unsicher alles ist, kennt jeder.
Es ist vielleicht nicht immer bewusst da, aber die Beispiele, wo alles - oft fürs eigene Empfinden vollkommen unverständlich - auf einmal auseinander bricht, hat jeder.

Ich stelle mir jetzt vor, ich gehe mit diesem durchschauenden Blick, den ich dann sogar auch noch formuliere, auf Menschen zu, die - wie ich selbst - vielleicht einfach nur das machen, was grade machbar ist.
Weil man eine Grenze zieht, weil man ein eigenes Problem hat, weil man in einer Situation öffentlich, in der anderen vielleicht privat ist, weil man...
Es gibt so viele Gründe, sich nicht absolut kongruent, tief ehrlich und stimmig mit dem was man fühlt und denkt, zu verhalten.
Und selbst, wenn man den Anspruch hat, es zu tun, also ehrlich, kongruent und stimmig jederzeit zu sein, stößt man doch immer wieder an die Grenzen einzelner Menschen und Situationen.

Das ist schon schlimm genug, dass man selbst diese Unzulänglichkeit als Teil des Menschseins spürt, aber noch viel schlimmer ist es, wenn ein anderer, dem ich dazu nicht das Recht einräume, mir das vorhält wie einen Spiegel.

Zum einen ist da ein gehöriger Statusunterschied im Spiel: also mir wird vorgehalten, wie falsch ich funktioniere, wie unzureichend meine Empfindungen oder Haltungen sind, (natürlich nur ganz lieb und wohlmeinend), während der andere als der alles-Durchschauende auf zumindest diese Situation herunterblickt.
Und nein, auch gut gemeint, macht da keinen Unterschied.

Zum anderen ist es – autorisiere ich es nicht ausdrücklich – eine Nähe, die abstößt, will jemand mir eine Analyse aufdrängen, die evtl. sogar stimmt, für die ich aber keine Erklärung oder Änderung abgeben will – oder zumindest nicht dieser Person oder zu diesem Zeitpunkt.

Deshalb ist der Aspekt der self-fulfilling prophecy für mich gar nicht so unrund.
Bekommt die Beziehung zu der Person, die mir sagt, was sie bei mir sieht (oder es mich spüren lässt) diesen Drall – also Therapeut vs armes Würstchen, das im grauen Murks schwimmt, bekommt das derjenige, der da seziert wird, sehr schnell mit und wird ablehnend, evtl. sogar trotzig bis hin zu jetzt-erst-recht, wo er vielleicht vorher selbst schon balanciert hatte und in eine andere Richtung ging…
.
Denn es ist ein Eindringen in die Intimsphäre. Punkt.

Wenn ich meine, etwas zu sehen, zu fühlen, spüren, was mich nichts angeht, dann ist das erst mal meine Sache und ich sehe es als Zeichen des Anstands, das niemandem aufzudrängen, denn m.M. nach verursacht es meist Schwingungen, die das stören, was vorher da war.
Ob gut oder schlecht, kann variieren, aber es stört die Autonomie desjenigen, der das Recht hat, selbst mit dem was da war, umzugehen.

freakzzz hat geschrieben:Hmmm, ich versuche nicht immer direkt das Empfinden anderer Leute zu beurteilen, auch wenn das schwerfällt. Das Denken anderer Menschen sollte uns auch nicht so beeinflussen.


So ist es!
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Re: "Das bildest du dir doch nur ein" contra Instinkt

Beitragvon ja » Fr 1. Jun 2012, 10:00

Hallo liebe rojka!


Ja, deine von dir benannte instinktive wahrnehmung ist.

- persönlich denke ich diese form der wahrnehmung ist eine auswirkung das menschen mit hs schlicht mehr informatuonen wahrnehmen.


Und genau deslahalb schliesse ich mich meinen vorrednerinnen gerne an,
die interpretation und wertung der wahrnehmung

erfordert viel klarheit und achtsamkeit!

Ich kann für mich sagen das dies alles ein prozess ist.
Zunächst die feststellung „mein instinkt ist richtig!“,
dann moment wie aggiere ich eigentlich und wie WILL ich das. Gerade auch wie mit mir umgegangen wird, da fange ich direkt mal an – wie gehe ich mit mir um _angel_


grüsse in deinen tag,
ja.
weniger ist mehr

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Re: "Das bildest du dir doch nur ein" contra Instinkt

Beitragvon Rojka » Fr 1. Jun 2012, 17:08

Hallo ihr,

diese Gedanken sind mir nicht fremd...

Der Satz "man sollte sich nicht so sehr beeinflussen lassen" - das ist für mich ein Idealzustand, der kaum realisierbar ist. Der Mensch braucht meiner Meinung nach Beziehungen und ist durch andere beeinflussbar.
Ich versuche, so selbstbestimmt wie möglich zu leben, und oftmals lautet mein letzter Weg auch Distanz im freundlichen Sinne. Vielleicht sollte ich schon früher diese Richtung einschlagen. Möglicherweise ist das mein Fehler.

Aber das ist immer so die Sache mit dem "sollen". Einsicht reicht nicht immer aus, um ein Verhalten sofort zu ändern. Und erst recht nicht, um Gefühle zu ändern. Sonst wäre das Problem ja auch nicht da.

Nachdenkliche Grüße, Rojka
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Re: "Das bildest du dir doch nur ein" contra Instinkt

Beitragvon Brandy » Fr 1. Jun 2012, 18:33

Hai...

Weißt du, eine Stimmung warhzunehmen, Gedanken anderer aufzunehmen, Gefühle oder andere sie betreffende Dinge, ist die eine Sache. Darauf zu reagieren, oder auch nicht, ist die andere Sache. Wenn du einen Menschen vor dir hast, der nicht unbedingt Wahrheitsliebend ist, dann wird dieser höchst wahrscheinlich nicht besonders erbaut sein, über deine Fähigkeit ihn wahrzunehmen. Die meisten Menschen wollen unentdeckt bleiben, deshalb ist es meistens klüger, diese Dinge als gegeben hinzunehmen, als zu versuchen, etwas daran zu ändern.
Was vielleicht Sinn bei so was machen kann ist, dem Menschen das Gefühl zu vermitteln, ihn zu verstehen. Menschen, die sich verstanden fühlen, fühlen sich in aller Regel gut.

LG Brandy
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Re: "Das bildest du dir doch nur ein" contra Instinkt

Beitragvon Rojka » Fr 1. Jun 2012, 19:09

Ja... 1güt
...wobei, das Verstehen ist nicht mein größtes Problem, eher das Handeln...ich verstehe, dass es falsch ist, aber es ist schwer, dem Impuls nicht nachzugeben, und dann doch wieder das Gespräch zu suchen...und ich käme selbst damit klar, wenn das andere täten (die wenigen, die es getan haben, sind mir dadurch näher gekommen). Es heißt ja immer: Behandele andere so, wie du selbst behandelt werden willst...
Nur merke ich, dass die meisten anderen ganz andere Dinge und Verhaltensweisen brauchen als ich. Das macht es schwer.

Liebe Grüße, Rojka
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Re: "Das bildest du dir doch nur ein" contra Instinkt

Beitragvon Jamania » Fr 1. Jun 2012, 20:19

[...
Zuletzt geändert von Jamania am Fr 1. Jun 2012, 22:32, insgesamt 1-mal geändert.
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