"Weltenspringer"

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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"Weltenspringer"

Beitragvon *Fee* » Sa 12. Jan 2013, 15:07

Hallo ihr Lieben, _Mij_
ich trage viele Gedanken mit mir herum. Einer von diesen beschäftigt mich immer wieder, weil es mir immer und immer wieder passiert.
Da es keine bestimmte Bezeichnung dafür gibt, habe ich mir eine ausgedacht, die meinen Gefühlen am nächsten kommt.
Ich nenne es das Phänomen des "Weltenspringens".
Mich würde einfach interessieren, ob ihr das auch so oder ähnlich kennt. Damit ihr es euch besser vorstellen könnt, beschreibe ich es jetzt.

Jeder Mensch bewegt sich im Laufe seines Alltags in verschiedenen Situationen, z.B. zu Hause, auf Arbeit, beim Einkaufen usw. Wenn ich nun viel Stress habe komme ich, so fühlt es sich an, mit der Verarbeitung all der Eindrücke nicht mehr hinterher. Das merke ich dann daran, dass ich bereits in der nächsten Situation bin, meine Gedanken und Gefühle aber noch in der / den vorhergehenden Situationen. Wenn das dann immer so weiter läuft, "tauche" ich irgendwann ab und bin nur noch physisch anwesend. Das geht oft Tage, manchmal sogar Wochen so. In diesen Momenten lebe ich nur noch im Gefühl. Eine Stufe weiter beginnt dann das "Weltenspringen". Jede Situation (Welt ) besteht aus bestimmten Gefühlen, aber isoliert für sich. Ich bezeichne die Situationen als "Welten", weil es sich für mich so anfühlt.
Mein Beruf ist z.B. mit ganz konkreten Gefühlen verbunden, die nichts mit den Gefühlen zu Hause zu tun haben. Beim Einkaufen sind es wieder andere. Ich selbst scheine auch in jeder Situation (Welt) eine andere "Rolle zu spielen". Das Problem an der Sache ist, dass ich die verschiedenen Gefühle der einzelnen Situationen (Welten) nicht miteinander verknüpfen bzw. verbinden kann. So scheint mein Leben aus vielen verschiedenen kleinen "Welten" zu bestehen, die aber nichts miteinander zu tun haben. Das große Ganze fehlt einfach. Muss ich mich nun von einer Situation (Welt) in die nächste begeben, ist das sehr schwer. Damit sind oft derartige Gefühlsschwankungen verbunden, dass es mich enorme Kraft und Energie kostet. Es fühlt sich an, als müsste ich einen Schalter umlegen oder eben von einer Welt in die andere springen.
In diesen Phasen kann ich oft kaum vorausdenken und mein Leben fühlt sich so sinnlos an, so "zerstückelt", aus belanglos aneinandergereihten Welten und Gefühlen, die nichts miteinander zu tun haben.
Ich frage mich dann immer, was das alles soll, weil es keinen Sinn macht, kein großes Ganzes, das alles zusammenhält.

Ich bin gespannt und freue mich auf eure Antworten und Erfahrungen.
Liebste Grüße
*Fee*
*Fee*
 

Re: "Weltenspringer"

Beitragvon moewenfeder » So 13. Jan 2013, 15:34

Hallo :D

Also wenn ich jetzt die wichtigsten Signalwörter aus deinem Text herausfiltere, dann kann ich das sehr gut nachvollziehen. Hoffe ich hab dich jetzt richtig verstanden. Ich kenne das auch, in dem Moment wo man nur noch funktioniert. Da schaltet sich im Körper ein Automatismusprogramm ein, das sagt, jetzt muss das und das erledigt werden, aber man hat das Gefühl man selbst ist nicht mehr wirklich dabei, sondern nur noch die Sparflamme von einem selbst, die sich einschaltet, wenn man eigentlich nicht mehr kann aber MUSS. Da kann man sich schon fast von außen beobachten, bei den Handlungen die man macht, weil man eigentlich nicht mehr dabei is, oder noch in einer anderen Handlung steckt, die davor geschehen ist, aber die viel zu schnell vorbei ging... weil keine Zeit war, sich damit zu beschäftigen ;)
Wenn es soweit is, dann muss einem klar sein, dass das jetzt schon der letzte Körperschub ist, bevor man in einen Erschöpfungszustand gerät. Daher, unbedingt runterschalten, wenn die nächstmögliche Chance kommt. Dadurch dass wir als HSP noch mehr Reize verarbeiten müssen, ist dieses Level zum Automatismusprogramm auch etwas schneller erreicht, das muss akzeptiert werden und du musst dir bestimmte Ruhepausen in deinen Alltag einplanen. So mach ich es zumindest!! Dann gehts dir auch besser und du kannst die Situationen genießen. Auch Meditation z.B. wirkt hier wahre Wunder. Hab eine Zeit auch Autogenes Training gemacht, wo du dich einfach für ein paar Minuten vollkommen entspannst und so auch wieder dich selbst FÜHLEN kannst, wenn du vom STress einfach dein FÜHLEN abschalten musst, weil es mit der Zeit nicht mitkommt.
Hoffe ich bin auf der richtigen Spur, und lieg nicht komplett daneben ;) _J(_
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Re: "Weltenspringer"

Beitragvon Maggie123 » So 13. Jan 2013, 20:35

*Fee* hat geschrieben:Hallo ihr Lieben, _Mij_
ich trage viele Gedanken mit mir herum .......
...... Ich selbst scheine auch in jeder Situation (Welt) eine andere "Rolle zu spielen". Das Problem an der Sache ist, dass ich die verschiedenen Gefühle der einzelnen Situationen (Welten) nicht miteinander verknüpfen bzw. verbinden kann. So scheint mein Leben aus vielen verschiedenen kleinen "Welten" zu bestehen, die aber nichts miteinander zu tun haben. Das große Ganze fehlt einfach. Muss ich mich nun von einer Situation (Welt) in die nächste begeben, ist das sehr schwer. Damit sind oft derartige Gefühlsschwankungen verbunden, dass es mich enorme Kraft und Energie kostet. Es fühlt sich an, als müsste ich einen Schalter umlegen oder eben von einer Welt in die andere springen.
In diesen Phasen kann ich oft kaum vorausdenken und mein Leben fühlt sich so sinnlos an, so "zerstückelt", aus belanglos aneinandergereihten Welten und Gefühlen, die nichts miteinander zu tun haben.
Ich frage mich dann immer, was das alles soll, weil es keinen Sinn macht, kein großes Ganzes, das alles zusammenhält.

Ich bin gespannt und freue mich auf eure Antworten und Erfahrungen.
Liebste Grüße
*Fee*


Liebe Fee, _Mij_

auch hier kann ich dir wieder einmal beipflichten, auch ich spiele in jeder Situation eine andere Rolle; ich denke aber, dass das jeder Mensch tut, ob er nun hochsensibel ist oder ein Elefant im Porzellanladen. elefant2
Auch ein emotionsloser Haudegen spielt eine andere Rolle beim Geschlechtsverkehr mit seiner Freundin, als wenn er bei seinem Chef zum Rapport befohlen wird! Jeder Mensch durchläuft abertausende Rollenspiele während seines irdischen Daseins, ob er nun an der Mutterbrust hängt, die Schulbank drückt, eine Prüfung absolvieren muss, duscht, seinen Hintern putzt, an einer Veranstaltung teilnimmt, sich selbst befriedigt, telefoniert, seinen Hund bürstet, oder einen Angehörigen zu Grabe trägt. Deshalb besteht unser aller Leben aus vielen verschiedenen kleinen "Welten".
Für dich haben sie nichts miteinander zu tun, du siehst es als Problem an, dich von einer Welt in die andere zu begeben.
Nun, bei mir ist es auch so, dass ich einen Hebel umlegen muss, bevor ich das Haus verlasse, weil ich dann, wie ein Tier, meine schützende Höhle verlasse und draußen eben auf vielfältige Gefahren stoßen kann.
Richtig entspannen kann man meines Erachtens nur richtig zuhause, bei mir ist das jedenfalls so.
Ich wappne mich immer innerlich, wenn ich unser Grundstück verlasse, bin eine andere, aber trotzdem bin ich ich selbst, weil es meine Wesensteile sind, die mich ausmachen.
Wenn ich einen unangenehmen Termin vor mir habe, dann sage ich mir vor, ich müsse das nun erledigen, ob ich nun möchte oder nicht (natürlich möchte ich lieber nicht, das versteht sich von selbst!!),
aber ich verabscheue bei mir selbst Feigheit über alles, und bevor ich mich selbst verachten muss, springe ich in die Höhle des Löwen. Manche Sachen müssen in unserer bürokratischen, hochtechnisierten
Welt eben erledigt werden, und da ich keinen Butler habe, der mir die unangenehmen Dinge abnimmt, springe ich halt für mich selbst in die Bresche. Ich weiß, dass ich mich auf mich selbst gut verlassen
kann, deshalb kann ich mich auch trauen, obwohl mich so mancher Termin starke Überwindung kostet. Aber manchmal muss man halt klotzen anstatt zu kleckern.
Ich verstehe sehr gut, was du mit "zerstückelt" meinst, du findest kein harmonischen Fließen in den Dingen, die du machst, es findet kein Ort, an dem du dich befindest, zum anderen. Du fühlst dich als
"Stückwerk", unvollendet. Nun, das sind wir im Grunde alle, unvollendet, keiner weiß woher, und keiner wohin, und über das "Warum" machen sich leider auch nur die wenigsten einen Kopf. Unsere Sinnfrage können wir nicht beantworten, wir finden sie auch nicht in schlauen Büchern. Wir müssen sie für uns selbst finden.
Es gibt so sehr viel Sinnloses in unserer menschlichen Existenz, dass man verzweifeln könnte, würde man eingehend darüber nachdenken. _%_
Aber wir sind nun einmal hier auf dieser Erde gelandet, wieso auch immer.
Vielleicht werden wir einer Prüfung nach der anderen unterzogen, und jemand spinnt im Hintergrund die Fäden? Wer weiß das schon ...
Solche Prüfungen können einen ängstigen oder einem die Laune verderben, manche Menschen machen sie regelrecht unglücklich.

"Wenn wir unglücklich sind, kommen wir manchmal nicht umhin, zu denken, bestimmte Vorstellungen seien mit Krallen und Stacheln bewehrt, um uns zu quälen." (Alain)

Wenn man sich so "zerstückelt" fühlt, wie du, dann kann das schon sehr quälend sein, ich kann mich gut in dich hineinversetzen!

Um von einer Welt in die andere zu springen, habe ich für mich ein geeignetes Konzept entwickelt:

Ich springe so wenig wie möglich (es geht ja auch auf die Gelenke .... icon_winkle ), und ich sage mir dann, wenn ich etwas Unangenehmes vor mir habe, ich bin froh, es hinter mich zu kriegen, das
geht aber ausschließlich nur, wenn ich mich dem stelle. Also lege ich meine Rüstung an und renne los, damit ich das endlich abhaken kann. Und ich spiele meine Rolle. Wenn ich wieder zuhause bin,
lege ich die Rüstung ab und bin wieder ich selbst. _hih_
Wir Menschen bestehen aus Sternenstaub, aus Teilen von verglühten Sonnen, die vor unvorstellbar langer Zeit im All explodierten, somit bestehen wir ja auch in physikalischer Hinsicht aus kleinsten
Teilen, Atomen, Sternenstaub eben, und wenn wir uns so sehen, dann fällt es uns vielleicht leichter, uns in dieses Stückwerk des Alltags einzupassen, einem Alltag, der viele Gefahren, Unsicherheiten und
Unannehmlichkeiten bietet; ich empfinde jeden Tag im Alltag als ein Spiel auf der Weltbühne, und jeden Tag muss ich, wie ein Schauspieler, in verschiedene Gewänder springen, ziehe anderes Schuhwerk
über, lege eine andere Schminke an, wechsle die Haarfarbe, und bin einmal introvertiert, dann extrovertiert, einmal sinnenfreudig, dann wieder eher spröde, fröhlich, ausgelassen, aber auch ernst und melancholisch, ich passe mich den Gegebenheiten an oder suche das Weite. Wenn ich dann wieder für mich bin, dann bin ich wieder ich selbst, komme zur Ruhe, fahre herunter, lasse alles Revue
passieren, und stärke mich wieder für den nächsten Einsatz auf der Weltenbühne, wo ich wieder eine meiner tausend Rollen spiele.
Trotzdem bleibe ich immer ich selbst, wobei ich nicht weiß, wer das ist oder sein soll, denn ich glaube, mich gibt es in Wirklichkeit gar nicht, und je länger ich lebe, desto überzeugter bin ich von meiner
Nichtexistenz.
Und das lässt mich fröhlich lächeln! _flov_

Liebe Grüße von Maggie
Pax!
Maggie123
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Beiträge: 391
Registriert: Mi 19. Dez 2012, 20:44

Re: "Weltenspringer"

Beitragvon *Fee* » Mo 14. Jan 2013, 18:30

Aaaaahhhhh...ich krieg gleich nen Anfall!!!
Jetzt hab ich so lange geschrieben, dass ich in der Zwischenzeit ausgeloggt wurde. _bash_
Nun muss ich nochmal schreiben.... *wein*
Also liebe "moewenfeder" und Maggie123.
Ich schreib`s nachher nochmal. Versprochen!
Jetzt muss ich aber erstmal meinen Pflichten nachkommen.
Liebste Grüße
*Fee*
*Fee*
 

Re: "Weltenspringer"

Beitragvon *Fee* » Mo 14. Jan 2013, 22:28

Hallo ihr Lieben,
zunächst erst einmal vielen lieben Dank, dass ihr euch mit meinem Gedankenchaos befasst habt.
Mit Abstand betrachtet ist es doch nicht so ganz leicht nachzuvollziehen.
Dabei habe ich alles zig mal gedreht und gewendet, bevor ich es abgeschickt habe.
War bzw. bin wohl doch ein wenig wirr. _%_

Liebe moewenfeder,
im Großen und Ganzen hast du mich richtig verstanden. Was ich meine kommt dem, was du geschrieben hast, ziemlich nahe. Es ist schon so, dass ich dann nur noch funktioniere, aber nicht unbedingt weil ich körperlich am Ende bin. Sicherlich gehört auch das zu einem gewissen Teil dazu, aber ich kann diesen Zustand auch haben, wenn ich körperlich völlig fit bin. Es ist viel mehr so, dass mein Kopf dann völlig überlastete ist. Wenn ich mit der Verarbeitung nicht hinterher komme, scheinen sich Geist, Gefühl und Körper voneinander zu getrennt.
So fühlt es sich zumindest für mich an.
Man könnte sagen: Während Geist und Gefühle sich in irgendwelchen "Sphären" befinden funktioniert mein Körper weiter.
Die Verbindung zwischen ihnen fehlt aber, so dass ich oft nicht weiß wo und ob ich überhaupt bin. Der Wechsel von einer in die andere Situation (z.B. zu Hause und Arbeit) ist dann oft mit ungeheurer Anstrengung verbunden, weil ich mich sehr konzentrieren muss auf das, was dann kommt und vor allem natürlich darauf, was ich tue.



Liebe Maggie,
ich danke dir von Herzen, denn du sprichst mir wieder einmal aus der Seele. Aber nicht nur dafür danke ich dir, sondern mit deiner wundervollen Art die Dinge zu beschreiben hast du es geschafft, dass ich selbst bei diesem für mich sehr ernsten Thema, herzlich lachen konnte. DAS passiert nicht oft! danke2

Was das "Spielen" von Rollen betrifft, gebe ich dir vollkommen Recht. Für mich sind es die nach außen hin sichtbaren Rollen, die jeder spielt bzw. sogar spielen muss. Ich selbst spiele diese oft bis zur Perfektion. Manchmal so gut, dass ich fast selbst daran glaube. Ich schaffe sogar DAS auszustrahlen, was ich NICHT fühle. Und NIEMAND merkt es. Es gab bisher nur sehr wenige Menschen, die mein Innerstes sehen und auch berühren durften. Oft erlaube ich es mir ja selbst nicht einmal.
Mein Problem sind nicht die Rollen nach außen hin. Die beherrsche ich und darauf kann ich mich auch verlassen.
Das Problem liegt vielmehr die mir selbst, in MEINEM SELBST. Wie schon bei moewenfeder geschrieben scheinen Körper, Seele und Geist voneinander losgelöst und ergeben keine Einheit. In solchen Situationen geht es mir wie dir, wenn du sagst: "...denn ich glaube, mich gibt es in Wirklichkeit gar nicht, und je länger ich lebe, desto überzeugter bin ich von meiner Nichtexistenz." Bei mir löst dies allerdings kein Lächeln aus, sondern Unsicherheit, unendliche Sehnsucht (wonach auch immer), Rastlosigkeit und das Gefühl, dass ich ständig auf der Suche bin - nur weiß ich nicht wirklich wonach. _hüüh_

Maggie, es ist unglaublich schön und wertvoll, dass du einen Ort hast, an dem du DU SELBST sein kannst. Bewahre ihn dir, denn er ist unersetzlich! Ich für mich habe diesen Ort noch nicht gefunden und weiß auch nicht, ob ich ihn jemals finden werde. So lange werde ich wohl auf der Suche bleiben, voller Sehnsucht, Rastlosigkeit und mit dem Gefühl, dass mein Leben oft eine Aneinanderreihung sinnloser kleiner "Welten" ist, in denen ich nicht wirklich bin.



Ich hoffe euch nicht noch mehr verwirrt zu haben. Falls doch smuld
Ich danke euch von Herzen für eure Mühe und dass ihr da seid. _floating_heart
Liebste Grüße
*Fee*
*Fee*
 

Re: "Weltenspringer"

Beitragvon Vanille » Mi 20. Mär 2013, 21:27

Hallo liebe *Fee* :)


das Thema ist zwar schon älter, aber heute habe ich einen ganz schrecklichen Tag und hab hier im Forum dann Beiträge zum Thema "Entfremdung" durchgelesen und kann mich sehr gut mit deinem Text des Weltenspringens identifzieren...

Ich weiß gerade ehrlich gesagt nicht, wie ich damit umgehen soll. Es gibt Phasen, da gelingt es mir ganz gut, da ich immer bemüht bin, mir einen Ausgleich zu all dem zu schaffen (joggen, malen, hauptsache was für mich alleine machen, oft auch einfach ins Bett und die Decke über den Kopf...) Aber die Batterien laufen so einigermaßen. Jetzt war ich dieses Wochenende z.B. Freunde besuchen und die Zugfahrt dauerte lange, hatte dort keine Rückzugsmöglichkeiten. Dennoch war es ein sehr schönes Wochenende, aber selbst wenn ich morgens schon nicht in meinem eigenen Bett aufwache, fühle ich mich in mir selbst ein bisschen fremd. Und je länger ich dann an einem anderen Ort bin, desto fremder werde ich mir. Unterschwellig entwickelt sich dann eine Anspannung in mir und wenn ich diesen Punkt ignoriere, an dem es mir "zu viel" wird, will ich 1 - 2 Tage am liebsten gar nicht mehr aus dem Haus gehen. Niemanden sehen, alles überfordert mich.

Leider bin ich gerade in genau so einer Situation und habe dadurch auch vermieden, heute wichtige Unterlagen kopieren zu gehen und auf nem Amt hätte ich auch anrufen müssen... Aber wenn ich mir selbst so fremd bin, KANN ich mich einfach nichts stellen, ich hätte das Gefühl, der kleinste Reiz haut mich sofort um. Ich heule dann auch wegen jedem Mist gleich los... weil ich enttäuscht von mir bin, dass ich nicht stark bin. Ein Teufelskreis. _%_

Dieser ganz schlimme Entfremdungszustand, der durch diese Erschöpfung folgt, geht zum Glück wieder weg (z.B. habe ich mir Ziele für morgen gesetzt, kopieren zu gehen, an meiner Arbeit weiterzuschreiben und joggen zu gehen) aber in dem Moment, wo er da ist, wie gerade jetzt, ist es unerträglich.

Manchmal habe ich auch Angst, dass das eben nicht wieder weg geht, ich litt schonmal an einer schweren Depression und es fühlte sich so an, als ob jeder Tag neu starten würde. Mit allem. Dass ich erst was für mich leisten muss, bevor ich stabil für meine Umwelt bin. Ich stehe still aber alles um mich herum nicht. Die Zeit vergeht trotzdem, man wird älter, aber in mir bleibt alles gleich. Kennt das vllt jemand?
“Das merk­würdige Paradox des Lebens ist:
Erst wenn ich mich akzeptiere, so wie ich bin, kann ich mich ändern.”
(Carl Rogers)
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Re: "Weltenspringer"

Beitragvon EmotionsMonster » Fr 22. Mär 2013, 23:47

Vanille hat geschrieben:Hallo liebe *Fee* :)


"das Thema ist zwar schon älter, aber ...kann mich sehr gut mit deinem Text des Weltenspringens identifzieren..."

"Manchmal habe ich auch Angst, dass das eben nicht wieder weg geht, ich litt schonmal an einer schweren Depression und es fühlte sich so an, als ob jeder Tag neu starten würde. Mit allem. Dass ich erst was für mich leisten muss, bevor ich stabil für meine Umwelt bin. Ich stehe still aber alles um mich herum nicht. Die Zeit vergeht trotzdem, man wird älter, aber in mir bleibt alles gleich. Kennt das vllt jemand?"


Hallo.... :-)

@vanille
Das ist eine sehr gute beschreibung, es ist irgendwie eine art Passiver sichtweise seines handels. Während es draußen abgeht in der welt fühlen wir uns doch "losgelöst" und nur da umzu funktionieren. Das zeitgefühl ist meinermeinung nach auch nicht mehr das was es mal war (so ist es bei mir dann häufig) Die zeit aktuell vergeht wie im flug, nur war wo ist sie eigtl. geblieben?

So sehe ich das, und ich hoffe ich habe dein kommentar richtig durchdacht ;-)

@Fee

Ja dieses hin uns her und das eintauchen in die verschieden starken eindrücke und gefühle ist harte arbeit.
Aktuell kann ich meine "Sozial-Maske" kaum noch hochhalten...aber das ist ein anderes thema! Du bist nicht allein :-)

Lieben Gruß!
EmotionsMonster
 

Re: "Weltenspringer"

Beitragvon Vanille » Sa 23. Mär 2013, 11:08

Danke für die Antwort :)

Ja, hast du! Passiver Beobachter trifft es vor allem sehr gut. Mit den Entfremdungsgefühlen gehen dann auch Ohnmachtsgefühle Hand in Hand, da ich aus der Situation, als es ganz schlimm war, nicht einfach aussteigen oder einen Schalter umlegen konnte. Aber Handlungsfähigkeit kann man sich zum Glück auch ein bisschen antrainieren, mit Willenskraft :)

Das mit der "Sozialen-Maske" fällt mir auch sehr schwer. Ich habe bei mir beobachtet, dass es eben gefährlich für mich werden kann, wenn ich zu viel von mir selbst unterdrücke. Noch nie habe ich das Wort "Ausgleich" so geschätzt wie heute :D
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