Abgrenzung HSP - introvertiert

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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Abgrenzung HSP - introvertiert

Beitragvon bortas » Fr 13. Dez 2013, 20:56

Hallo,

wie der Titel schon sagt, ist mir die Abgrenzung HSP und Introvertiertheit nicht ganz klar. Meiner Meinung nach überschneiden sich die Begriffe. Aber ist jeder HSP introvertiert, und umgekehrt, jeder introvertierte HSP ?
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Re: Abgrenzung HSP - introvertiert

Beitragvon Grognak_theBarbarian » Fr 13. Dez 2013, 22:54

Nein, nicht jeder HSP ist introviertiert.
Gerade HSS können sehr extrovertiert sein.

Genauso gibt s jede Menge introvertierte, die nicht HSP sind. Asperger z.B. um nur eine große Gruppe zu nennen, aber eben so auch 'Normalos' und was auch immer sonst so auf der Erde lebt.
Introvertiertheit haben wir Hochsensiblen nicht gepachtet.
~ Grog

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Re: Abgrenzung HSP - introvertiert

Beitragvon Leonard » Fr 13. Dez 2013, 23:05

Hi, bortas.

Nee, das kann man wohl nicht sagen. Ich würde mich selbst als eher extrovertiert bezeichnen, wobei das bei mir wahnsinnig schwankt. Mal habe ich keine Lust oder fühl mich gar nicht wohl in meiner Haut, so dass ich mich zurücknehme, bin ich aber in meiner Comfortzone dann bin ich sehr extrovertiert. Die Comfortzone bestimmt sich aber vor allem dadurch, was um mich herum so los ist. Grade die Lautstärke um mich rum, macht da wahnsinnig viel aus. Aber so, wenn ich mich sicher fühle, dann bin ich sehr extrovertiert und auch nicht auf den Mund gefallen.

Andersrum kann man das auch nicht sagen, ein Kumpel von mir z.B. ist sehr introvertiert, dem musst du alles aus der Nase ziehen. Hochsensibel würd ich ihn nicht bezeichnen. Weil er ein guter Freund ist, erzähl ich ihm viel von meinen Gefühlen etc.. Das versteht er meistens nicht und scheint selbst auch nicht so zu empfinden. Da kommt weniger Verständnis als viel mehr die Standards "Du machst dir zu viel Gedanken", "Du steigerst dich da rein". Ich würde beides verneinen.

Die Tendenz, dass HSP eher zurückhaltend sind, ist wohl die, dass da die Devise "erst denken, dann handeln" vorherrscht. Die obercoole Rampensau, die das alles locker aus der Hüfte macht, gibt es wohl im HSP nicht. So ist zumindest mein Eindruck.
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Re: Abgrenzung HSP - introvertiert

Beitragvon NaffNaff » Fr 13. Dez 2013, 23:54

Hallo

Dem kann ich mich nur anschließen. Ich surfte manchmal geradezu extrem zwischen Extro-und Introvertiertheit. Heute komm ich eher selten dazu meine Extrovertiertheit auszuleben. Wenn ich es aber bin, würde niemand der mich nicht länger kennt vermuten das ich auch sehr introvertiert sein kann und umgekehrt...im Notfall auch in der nächsten Sekunde.
Die Extrovertiertheit ist allerdings ein Resultat aus Sehen-lernen-Fehler machen und umsetzen...also zum großen Teil konzentriert erlernt. Sie ist aber auch logisch bedingt durch meine Neugier und dem Wissen das man Dinge ansprechen muß um Wissen zu erlangen und dazu muß man auf Menschen zugehen können.

LG
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Re: Abgrenzung HSP - introvertiert

Beitragvon Outh8X » So 15. Dez 2013, 01:43

Hi, mir geht es ganz ähnlich mit diesem »Doppelleben«. Es tut irgendwie gut, hier von anderen Mitgliedern ähnliche Berichte zu hören :) Bisher hatte ich mich vor allem in Kreisen der sozial Ängstlichen bewegt (Foren, Selbsthilfegruppen), aber ich habe über die Jahre immer mehr festgestellt, dass das nicht so einfach steht bei mir. Da kommt mir die HSP-Thematik gerade ganz gelegen… ;)

Ich sehe mich fast ein bisschen als in sich widersprüchliche Person: Ich kann (Leonard es ja auch beschrieben hat) in den »richtigen« Kreise sehr souverän und manchmal regelrecht dominant sein. Das habe ich vor allem an der Uni bei Referaten und bei der Teilnahme an einer Improvisationtheatergruppe deutlich gemerkt.

Auf der anderen Seite bin ich aber unter Menschen, zu denen ich keinen Draht spüre oder bei denen ich mir nicht angenommen vorkomme oder bei denen ich keine Rolle für mich finde, manchmal fast hilflos und verschüchtert wie ein kleines Kind. Geht mir auch gern auf Partys so, nicht zuletzt wegen dem ganzen Trubel, der Musik etc.
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Re: Abgrenzung HSP - introvertiert

Beitragvon Kleeblatt » So 15. Dez 2013, 10:08

Ich würde gerne einen anderen Ansatz in die Diskussion einbringen, der mich persönlich sehr nachdenklich gemacht hat.

Eigentlich würde ich mich ohne wenn und aber als extrovertiert bezeichnen. Aber eine liebe Freundin hat mir mal erklärt, dass man die Begriffe extrovertiert und introvertiert auch so lesen kann, dass sie bedeuten woraus man Kraft schöpft. Sinngemäß steht das auch im Wikipedia-Artikel über Introvertiertheit so drin.

Um Kraft zu schöpfen brauche ich Auszeiten mit mir allein. Und wenn ich die über eine längere Zeit nicht kriege, falle ich in den Ausnahmezustand. Ich kann sehr gut mit mir allein sein, lesen, einfach mal eine Auszeit in einem dunklen Raum nehmen oder stundenlang im Haushalt herum fuhrwerken. Da hole ich mir die Energie um mit anderen Menschen zu interagieren.

Aber, aus dem Kontakt mit anderen Menschen kriege ich in den seltensten Fällen Energie zurück. Selbst Treffen mit den meisten Freundinnen stressen mich irgendwo obwohl sie eigentlich ein schönes Ereignis darstellen.

Also, bin ich eigentlich introvertiert. Aber mir einer vorlauten Klappe und großer Neugier auf andere Menschen versehen.

Ich hoffe, das war so verständlich...
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Re: Abgrenzung HSP - introvertiert

Beitragvon Outh8X » So 15. Dez 2013, 11:55

Hallo Kleeblatt,

das war auf jedenfall sehr verständlich! :) Tatsächlich ein sehr interessanter Ansatz, den Du da einbringst. Mir geht es definitiv ebenso, schon die Anwesenheit eines einzelnen Menschen zehrt mich über die Zeit aus, selbst Menschen, die ich schon sehr gut kenne. Wenn ich dann nicht genug Zeit für mich drumherum habe, um meine »Akkus aufzuladen«, spüre ich sehr schnell, wie ich immer ausgelaugter werde. Ich habe vor ein paar Jahren eine Ausbildung abgeschlossen und das während dieser Zeit sehr stark gemerkt. 8 Stunden dauerhaft Menschen um mich herumwuseln zu haben (wobei ich mich auch noch um die Kommunikation mit denen sorgen musste), war enorm belastend, dementsprechend brauchte ich auch den ganzen Abend für mich und konnte da auch nichts Sinnvolles mehr tun.
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Re: Abgrenzung HSP - introvertiert

Beitragvon bortas » So 15. Dez 2013, 18:23

Outh8X hat geschrieben:Hi, mir geht es ganz ähnlich mit diesem »Doppelleben«. Es tut irgendwie gut, hier von anderen Mitgliedern ähnliche Berichte zu hören :) Bisher hatte ich mich vor allem in Kreisen der sozial Ängstlichen bewegt (Foren, Selbsthilfegruppen), aber ich habe über die Jahre immer mehr festgestellt, dass das nicht so einfach steht bei mir. Da kommt mir die HSP-Thematik gerade ganz gelegen… ;)

Ich sehe mich fast ein bisschen als in sich widersprüchliche Person: Ich kann (Leonard es ja auch beschrieben hat) in den »richtigen« Kreise sehr souverän und manchmal regelrecht dominant sein. Das habe ich vor allem an der Uni bei Referaten und bei der Teilnahme an einer Improvisationtheatergruppe deutlich gemerkt.

Auf der anderen Seite bin ich aber unter Menschen, zu denen ich keinen Draht spüre oder bei denen ich mir nicht angenommen vorkomme oder bei denen ich keine Rolle für mich finde, manchmal fast hilflos und verschüchtert wie ein kleines Kind. Geht mir auch gern auf Partys so, nicht zuletzt wegen dem ganzen Trubel, der Musik etc.


Haha ! Gänsehaut! Das könnte ich 1:1 so geschrieben haben .. :D:D freüde


Das mit dem "wo man seine Energie herzieht" habe ich auch schon gehört. Bei mir ist auch das ambivalent: ich kann sowohl Energie aus dem Alleinsein ziehen, als auch in der Gesellschaft von (einigen wenigen, jahrelangen) Freunden. Diese Erkenntnis hat mich dann noch verwirrter gemacht ... _%_
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Re: Abgrenzung HSP - introvertiert

Beitragvon cyrill » So 15. Dez 2013, 18:41

Ich würde mich als introvertierten Menschen bezeichnen. Ich bin meistens sehr nachdenklich und rede erst dann wenn ich länger zeit darüber nachgedacht habe. Meine Energie ziehe ich aus meinen Gedanken und ich genieße es über alles mögliche nachzudenken. Meisten finde ich den Kontakt mit anderen Menschen erschöpfend, doch manchmal wenn ich über ein sehr interessantes Thema ins Gespräch komme dann kann ich richtig viel Reden und es macht mir richtig Spaß darüber zu diskutieren ich werde sehr aufgeregt und mein Energielevel steigt in die höhe. Ich fühle mich dann ziemlich gut. Das sind dann Momente wo mir nicht mehr sicher bin ob ich wirklich introvertiert bin.
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Re: Abgrenzung HSP - introvertiert

Beitragvon NaffNaff » So 15. Dez 2013, 19:30

Outh8X hat geschrieben:Hi, mir geht es ganz ähnlich mit diesem »Doppelleben«. Es tut irgendwie gut, hier von anderen Mitgliedern ähnliche Berichte zu hören :) Bisher hatte ich mich vor allem in Kreisen der sozial Ängstlichen bewegt (Foren, Selbsthilfegruppen), aber ich habe über die Jahre immer mehr festgestellt, dass das nicht so einfach steht bei mir. Da kommt mir die HSP-Thematik gerade ganz gelegen… ;)

Ich sehe mich fast ein bisschen als in sich widersprüchliche Person: Ich kann (Leonard es ja auch beschrieben hat) in den »richtigen« Kreise sehr souverän und manchmal regelrecht dominant sein. Das habe ich vor allem an der Uni bei Referaten und bei der Teilnahme an einer Improvisationtheatergruppe deutlich gemerkt.

Auf der anderen Seite bin ich aber unter Menschen, zu denen ich keinen Draht spüre oder bei denen ich mir nicht angenommen vorkomme oder bei denen ich keine Rolle für mich finde, manchmal fast hilflos und verschüchtert wie ein kleines Kind. Geht mir auch gern auf Partys so, nicht zuletzt wegen dem ganzen Trubel, der Musik etc.


Ebenfalls 1:1 ^^

Roter Faden: ich bin eine widersprüchliche Person (nicht nur bei diesem Thema)
Ich kann im richtigen "Kreis" souverän und fürsorglich dominant sein, bzw die
Leithammelliene^^
Im "falschen" Kreis, eingeschüchtert, das genaue Gegenteil. Das verwirrt andere oft. Sie halten
die Souveränität für "gespielt"...ist sie aber nicht, sie ist ganz natürlich.

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