Auf Nachfragen zu reagieren fällt mir schwer

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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Auf Nachfragen zu reagieren fällt mir schwer

Beitragvon Lebe » So 23. Dez 2018, 23:35

Hallo ihr Lieben,

Ich wusste nicht, wie ich das richtig formulieren soll.
Ich frage mich, ob es einem/r von euch vielleicht so geht, wie mir:

Ich war zum Beispiel unterwegs, hatte viele spannenden Begegnungen, vielleicht Musik gemacht, einfach eine intensive Zeit.
Zu Hause dann die Frage: “Wie war's?“ Und ich sage kurz „Gut.“ und verschwinde ganz schnell irgendwo hin weg. Ich mag nichts erzählen, nichts erklären... vielleicht später aber dann, nach ein paar Stunden oder sogar Tagen.
Das kommt immer ziemlich blöd rüber. Es folgen mehr Nachfragen und Vorwürfe...
Ich weiß, ich kann nicht einfach so alles mit hs erklären.
Darum ein einfaches Umhören meinerseits:

Könnt ihr euch solche Situationen vorstellen, bzw., geht es euch auch mal so?


Viele Grüße,
L
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Re: Auf Nachfragen zu reagieren fällt mir schwer

Beitragvon wassertropfen » Mo 24. Dez 2018, 01:17

Hallo L,
ich kenne das von meiner Tochter (8) und akzeptiere es und verstehe es auch, da ich ja weiß wie sie ist und tickt und da passt das dazu.
Bei wem geht es dir so? Partner, Eltern oder allgemein?
Ich denke Eltern zB sollten damit umgehen können. Sonst ist es eh traurig.
Gute Freunde sollten einen auch soweit kennen und akzeptieren, dass das kein Problem darstellt.
Für oberflächlichere Kontakte hab ich dann halt so Standard-Antworten parat. Denn - das ist meine Erfahrung - in Wahrheit interessiert es einige Leute eh nicht wirklich im Detail, was man zu berichten hat. Sie fragen pro forma und ich antworte in diesen Fällen genauso.
LG
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Re: Auf Nachfragen zu reagieren fällt mir schwer

Beitragvon Velvet » Mo 24. Dez 2018, 06:53

Hallo Lebe,

mir geht es auch so wie von dir beschrieben. Wenn ich von irgendwo herkomme, bin ich so voller Eindrücke, dass ich zu allererst Zeit brauche, um mich zu sammeln und alles in mir zu ordnen.
Das kann unterschiedliche Zeiträume beanspruchen, mal geht´s schneller, mal brauch´ ich länger dafür. Ich komme arg in Schwierigkeiten, wenn mich dann jemand zwingt zu reden und zu erzählen. Dann geht gar nichts mehr.

Wenn jemand wirklich wissen möchte, was du erlebt hast, sollte er dir schon so viel Zeit geben wie du brauchst und Verständnis dafür haben. Natürlich sollte er aber wissen, dass du ihm gern berichtest und erzählst, wenn du deine Pause gehabt hast und das diese wichtig für dich ist.

Viele Grüße
Velvet
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Re: Auf Nachfragen zu reagieren fällt mir schwer

Beitragvon Golbin » Di 25. Dez 2018, 23:26

Hallo Lebe,

ich kenne es auch, aus eigener Erfahrung. Manchmal möchte ich Erlebtes nicht erzählen, manchmal später, durchaus auch sofort. Es hängt von der Stimmung und dem Erlebten ab.

Manche Menschen akzpetieren die Verschiebung und wenige das Schweigen. Leider brüskiert es auch oft. Ich bereite mich auf die Fragen kurz vor, zum Beispiel auf einer Rückfahrt im AUto oder im Zug. Einfach überlegen, was mag ich erzählen, die Intuition, das Gefühl kurz ins Gedächtnis bekommen. Dann lassen sie die Fragen leichter beantworten.

Zu Hause kenne ich, wenn ich erzählen will, vier Wege:
Den schnellen kurzen Weg: Ein paar Sätze mit dem Prägnantesten, was ich erlebt habe.
Den schnellen langen Weg: Ich will erzählen, also lasse ich mich auf die Fragen ein
Den langsamen langen Weg: Der beginnt mit vertrösten: "Lasst mich erst mal ankommen. Ich erzähle euch dann später." Das sage ich nur, wenn ich dazu bereit bin. Ich habe dann auch noch mal Zeit zu überlegen, was ich erzählen mag, und das sieht zum Beispiel nach einem langen, tiefen Schlaf anders aus.
Der Niemals-Weg: Das ist der Schwerste. Natürlich kann ich offen sagen, ich möchte nichts erzählen, oft ist das kein Weg, der akzpetiert wird. Eine Möglichkeit ist das "Abspeisen" mit dem schnellen kurzen Weg. Wenn es Menschen sind, die nicht zum näheren Kreis gehören, kann man sie auch vertrösten, hoffen, dass sie nicht nachfragen und wenn sie es tun, das Ereignis runterspielen ("Soviel gibt es nicht zu erzählen. War einfach schön), also eine "Flucht" in Allgemeinplätze.

Wenn du schlagfertig , fallen dir ablehnende Antworten vielleicht leicher. Mein krassestes Beispiel war mal nach einer Mittelamerika-Kreuzfahrt. Mein Charf meine: "Du musst mir mal beim Mittagessen davon erzählen." Ich antwortete: "Nein, ich muss nicht." Er hat kein zweites Mal gefragt. Ich habe ihm nieetwas davon erzählt.

weihnachtliche Grüße
Wolfgang
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Re: Auf Nachfragen zu reagieren fällt mir schwer

Beitragvon songbird86 » Do 21. Mär 2019, 01:49

Hey, genau so ging es mir auch, als ich auf Arbeit das erste Mal zu einem Meeting musste! Ich musste sowohl erzählen, was zur Zeit in unserer Abteilung aktuell ist, als auch merken, was die anderen Abteilungen zu erzählen haben und das anschließend in meiner Abteilung wiedergeben. Ich meinte dann, dass ich das erstmal niederschreiben muss, um alles wiedergeben zu können. Dazu kam von meinen Kollegen nur so ein verwirrtes "Okay.....?" Aber im Nachhinein waren alle über meine detaillierte Berichterstattung in Schriftform begeistert. ^^

Zum Thema Nachfragen fällt mir auch was ganz anderes ein, was vermutlich nicht gemeint ist: nämlich das Nachfragen von anderen nach einer Antwort, weil der gegenüber diese nicht akzeptieren kann und hofft, einen umzustimmen.

Das hatte ich jetzt nämlich bei mir auf Arbeit. Meine Kollegen kennen sich schon teilweise mehrere Jahre und so trifft sich die Abteilung mal privat, sei es zu Weihnachten auf dem Weihnachtsmarkt oder einfach mal so zum Essen. Ich habe diese Treffen schon 2x bewusst abgesagt, weil ich sowas nicht mag (teilweise, weil das einfach nicht mein Ding ist und ich kein Interesse daran habe, zum einen, weil ich nach Arbeit einfach mit Arbeit abschließen und meine Ruhe haben will, andererseits auch, weil es bei solchen Erlebnissen immer viele kleine Situationen gibt, die ich nicht mag und lieber meide).

Nun hatte die eine Kollegin (die zur Zeit aus gesundheitlichen Gründen nicht arbeitet) sich mal telefonisch bei mir erkundigt, wieso ich denn nie mitkomme, wir können uns ja gar nicht kennenlernen, hat schon vermutet, ich hätte mit meinen Kollegen Streit oder so... Ich meinte, das wäre einfach nicht mein Ding, obwohl ich meine Kollegen mag. Ich wäre nach Arbeit einfach immer müde und wolle meine Ruhe haben. "Ja, aber du kannst doch nicht immer genau an den Tagen, an denen wir uns treffen wollen, müde sein." Es war alles lustig und ich fand es auch total süß, dass meine Kollegen irgendwie alles tun, damit ich mal mitkomme. Ich will es aber einfach nicht.

Ich bin ein richtiger Sturkopf, wenn jemand mich auf Krampf umstimmen will. Weil durch das nett gemeinte Betteln, fühle ich mich jetzt NOCH MEHR unter Druck gesetzt. Unter solchen Umständen werde ich noch weniger JA sagen und mitkommen...

Wie ist das bei euch? Macht ihr auch dicht, wenn jemand so penetrant wird? Ist das typisch für Hochsensibilität oder eher für Introvertiertheit?
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Re: Auf Nachfragen zu reagieren fällt mir schwer

Beitragvon wassertropfen » So 24. Mär 2019, 00:44

Hallo songbird,
find's eigentlich recht gut von dir, hier "stur" zu sein, wie du schreibst, bzw. dir treu zu bleiben.
Bei mir ist's so, dass ich dann womöglich "umfallen" würde und mich überreden lassen würde. Find's gut, dass du tust, was für dich gut ist und auch ehrlich argumentierst.
Manche haben dafür halt kein Verständnis. Habe eine Nachbarin, die geundsätzlich nett ist. Nur tickt sie total anders als ich - sie schöpft Energie aus möglichst vielen zwischenmenschlichen Kontakten. Da sie Kinder im ähnlichen Alter hat (die sich aber übrigens nicht mit meinen Kindern sonderlich gut verstehen), fragt sie mich ständig, ob wir rüberkommen, dies und das machen. Mittlerweile fragt sie auch meinen 6jährigen Sohn, da ihr Jüngster mit ihm spielen will, ob er nicht kommen mag.
Ich sag fast immer "nein" - meist mit Begründung. Finde das anstrengend, dass sie so oft fragt. Hab auch schon oft gesagt, dass uns was "zu viel" ist. Sie scheint das nicht zu verstehen.
Wenn sie so Druck macht, denk ich mir nicht:"Jetzt erst recht nicht." Eher hab ich kurz ein schlechtes Gewissen. Mittlerweile aber auch nicht mehr, weil ich mir denke:" Wir sind wie wir sind und darauf nehm ich Rücksicht. Sie denkt auch an sich vorrangig und nicht an uns."
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Re: Auf Nachfragen zu reagieren fällt mir schwer

Beitragvon songbird86 » So 24. Mär 2019, 07:18

wassertropfen hat geschrieben:Eher hab ich kurz ein schlechtes Gewissen.

Hey wassertropfen,

klar, so spurlos geht das auch nicht an mir vorbei. Ich weiß nicht, wie die Situation wird, wenn ich beim nächsten Mal absage. Da sich beim nächsten Mal vermutlich bequatsch wird, wie man mich gezielt überreden könnte, während es vorher eher ein "Wer will alles mit?" war. Sie meinte auch, ich könnte mir das Restaurante o. Ä. aussuchen, wenn der Grund ist/war, dass ich das Essen dort nicht mag.

Ich würde davon sicherlich nicht sterben und ich kann mir vorstellen, dass es stellenweise Spaß macht, aber die doofen Sachen überwiegend für mich einfach. Bescheuerterweise gehe ich ungern mit "fremden" Leuten essen bzw. ich mag nicht vor so vielen "Fremden" essen. Oder auch das Bezahlen und Trinkgeld geben. Aber das ist noch das kleinere Übel. Ich bin immer total gestresst, wenn ich irgendwo hinfahre, wo ich noch nie war und einen Parkplatz finden muss (mit dem Zug möchte ich um die Uhrzeit auch nicht fahren). Und ich würde wahrscheinlich schon viel früher abhauen wollen, während die anderen gerade erst loslegen. Ich hasse es dann, so mitgeschleift zu werden. Ich bekomme dann ganz schnell schlechte Laune und werde müde. Oh man, was müssen andere nur von mir denken... _grin_
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Re: Auf Nachfragen zu reagieren fällt mir schwer

Beitragvon wassertropfen » So 24. Mär 2019, 09:38

Hallo songbird,
die Toleranz für anders Denkende ist oft einfach etwas gering.
Ich kann dich jedenfalls sehr gut verstehen. Weiß aber gar nicht, was ich da raten soll. Bin selber oft in so einer Zwickmühle.
Es gibt in meiner Nachbarschaft so einen Stammtisch (eben von der einen übermotivierten Nachbarin initiiert). Ich gehe oft nicht mit, manchmal aber doch, um - wie soll ich sagen - nicht ganz ins Abseits zu gelangen. Und mittlerweile ist es manchmal sogar lustig. Ich brauch halt dann auch oft länger zum "Verdauen". Die anderen kriegen das wahrscheinlich nicht mit. Ich sags ja auch nicht, da es ja keine Freunde sind, sondern Nachbarn (wobei man mancha halt lieber hat als andere).
Aber ich verstehe deine Überlegungen und Sorgen. Vielleicht kannst du generell weiter den Weg fahren, dir treu zu bleiben und nur zu machen, was dir gut tut. Und wenn du doch mal das Gefühl hast, du kannst es dir vorstellen mitzugehen, dann machst du das vereinzelt.
Ich kenn schon auch 2 Leute, die das so handhaben und das ist für mich total ok. Andere verstehen das überhaupt nicht - das ist auch bei mir und der Nachbarin, dass ich merk, sie kann das nicht nachvollziehen.
Wenn ich dann mal wo zusage, fragt sie auch gleich wieder. Das heißt, es ist für sie ja auch "nie genug", weil wir einfach Unterschiedliches brauchen.
Das ist schwierig, denn Freunde sucht man sich eh welche, die zu einem passen, aber mit Arbeitskollegen ist das ja nicht möglich.
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Re: Auf Nachfragen zu reagieren fällt mir schwer

Beitragvon qqbi » Fr 29. Mär 2019, 13:15

Lebe hat geschrieben:Ich war zum Beispiel unterwegs, hatte viele spannenden Begegnungen, vielleicht Musik gemacht, einfach eine intensive Zeit.
Zu Hause dann die Frage: “Wie war's?“ Und ich sage kurz „Gut.“ und verschwinde ganz schnell irgendwo hin weg. Ich mag nichts erzählen, nichts erklären... vielleicht später aber dann, nach ein paar Stunden oder sogar Tagen.
Das kommt immer ziemlich blöd rüber. Es folgen mehr Nachfragen und Vorwürfe...
Ich weiß, ich kann nicht einfach so alles mit hs erklären.
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Mit geht das auch ähnlich. Wenn ich von meiner Familie nach dem Erlebnis gefragt werde, was ich gemacht habe, wie es mir gefallen hat, etc. kommen bei mir höchstens zwei Sätze. Mir fällt dazu einfach nicht mehr ein, spontan. Meist fange ich dann Stunden später oder am nächsten Tag an, davon zu erzählen. Meine Mitmenschen gucken dann immer ganz merkwürdig, dass ich das Thema aus dem Nichts anschneide.

Auch typisch die Frage im Job am ersten Tag nach dem Urlaub: Wie war der Urlaub?
Geht schon in die Richtung Small-Talk, aber vielleicht hat das Gegenüber ja wirklich Interesse daran. Da mit spontan auch dazu genauso wenig einfällt, ist meine Standard-Antwort: Zu kurz.
Damit ist das Thema für das Gegenüber erst einmal erledigt.
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