Auswirkungen von Mobbing (auch Spätfolgen)

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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Auswirkungen von Mobbing (auch Spätfolgen)

Beitragvon Paperheart » So 22. Dez 2019, 21:21

Hallo alle zusammen, _Mij_

da ich bis jetzt noch keinen Thread spezial dazu gefunden habe, dachte ich, ich mache jetzt mal selbst einen auf.
Und zwar beschäftige ich mich in den letzten Wochen mit den Auswirkungen, die Mobbing auf einen haben können. Wie ist das bei euch? Musstet ihr Erfahrungen mit Mobbing machen? Und wenn ja, glaubt ihr, dass das Mobbing bei euch zu einer Verhaltenänderung geführt hat? Könnt ihr einige Dinge/ Verhaltensweisen von euch auf das Mobbing zurückführen?
Ich verstehe natürlich, dass das ein sehr, sehr sensibles Thema ist, also bitte schreibt auch nur, wenn ihr damit einverstanden seit es zu teilen. :-)



Da das mein Thread ist, sollte ich auch anfangen, schätze ich. :D
Also bei mir ist das Thema Mobbing auch noch immer eine sehr heikle Sache, obwohl ich schon seit Jahren aus dem Umfeld raus bin. Ich wurde fast meine gesamte Schulzeit gemobbt ( von der 2. Klasse bis zur 8.Klasse, wobei ich auch in der ersten, neunten und zehnten mitunter ziemlich viel einstecken musste, aber von der zweiten Klasse bis zur achten war es am schlimmsten.)
Da ich schon immer ein sehr ruhiger, in sich gekehrter und sensibler Mensch war, die lieber gemalt hat als mit den anderen Kindern auf dem Klettergerüst zu toben, bin ich immer angeeckt. Besonders meine Schüchternheit schien anderen Leuten nie zu gefallen. Da ich mich aber immer sehr wohl damit gefühlt habe, gab es für mich auch nie einen Anlass etwas daran zu ändern. Aber ich habe mich definitiv immer sehr von Gleichaltrigen unterschieden, was mich aber auch nie gestört hat.


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Re: Auswirkungen von Mobbing (auch Spätfolgen)

Beitragvon Paperheart » So 22. Dez 2019, 21:21

Teil 2

Die anderen Kinder aber wohl schon. Ich wurde oft ausgelacht, die anderen tuschelten über mich, ich wurde aus der Klasse ausgeschlossen (die anderen weigerten sich Gruppenarbeiten mit mir zu machen oder mich in ihr Sportteam aufzunehmen, auch wenn der Lehrer darauf bestand.) Ab und an wurden mir meine Sachen weggenommen und irgendwo im Schulhaus in einen Mülleimer geworfen, ich wurde beleidigt und die Kinder die mich mobbten hetzten auch andere Kinder gegen mich auf die mir bis dahin neutral gegenüberstanden. Das ganze steigerte sich von Klassenstufe zu Klassenstufe. Am schlimmsten war für mich die siebte Klasse. Bis zu diesem Zeitpunkt boten die Lehrer mir zumindest einen kleinen Schutz, also so lange ich in ihrer Nähe war, waren die Beleidigungen etc. nicht so heftig. Also versuchte ich mich möglicht in der Nähe der Lehrer aufzuhalten. Aber in der siebten Klasse hatte es plötzlich die Klassenlehrerin auf mich abgesehen. Und das Mobbing ging zu einem großen Teil von ihr aus. Sie hielt sich wohl für eine Art Superpädagogin und war überzeugt meine Art "heilen" zu können. Sie sah meine Persönlichkeit wohl als eine Art Krankheit an. Das ganze ging so weit, dass sie die anderen Kinder gegen mich aufhetzte. Insbesondere meine "Freundinnen" mir war damals schon mehr oder weniger klar, dass diese Leute nicht meine Freunde sind, aber ich schaffte es auch nicht mich von ihnen zu lösen, auch weil die Lehrerin das nicht zulies. Sie holte mich aus dem Unterricht, auch aus dem anderer Lehrer, manchmal musste ich mich vor die Klasse stellen und erklären warum ich so bin wie ich eben bin und mir dann anhören, wie falsch ich bin. Die Jahre zuvor waren schon sehr, sehr schlimm für mich aber die siebte Klasse topte alles. Ich denke, dadurch dass die Frau systematisch und metodisch vorging war es besonders schlimm. Sie forderte die andere Kinder dann sogar noch auf mir Briefe zu schreiben mit Inhalten wie. "Wenn du dich nicht änderst wirst du für immer alleine sein." "Alle hassen dich weil du so bist." Sie nutze ganz geziehlt meine Freunde um an Informationen über mich zu kommen und diese dann vor der Klasse auszubreiten. Diese Zeit war wirklich, wirklich schlimm für mich und ich fürchte, dass mich das auch sehr geprägt hat. Auch zuvor war es immer mal wieder vorgeommen, dass sich Leute als meine Freunde ausgegeben hatten, um Informationen die ich ihnen gegeben hatte gegen, dann gegen mich zu verweden oder diese Infos dann an andere Kinder weiterzugegeben, die es dann gegen mich verwendeten.

Ich denke, inbesondere die Vorfälle mit dieser Lehrerin haben mich sehr geprägt. Aber auch die Vorfälle mit angeblichen Freunden.
Ich hatte immer Schwierigkeiten anderen Leuten zu vertrauen bzw. es dauerte länger als bei den meisten anderen Leuten.
Nach der siebten Klasse war ich überhaupt nicht mehr in der Lage Menschen zu vertrauen. Bis heute ist der einzige Mensch dem ich wirklich vertraue meine Mutter. Ich war auch immer ein vorsichtiger Mensch, auch das hat sich meiner Meinung nach durch das Mobbing extrem verstärkt. Weitere Punkte die sich meiner Meinung nach durch das Mobbing intensiviert haben sind: dass ich nur fast nur noch die negativen Eigenschaften von Menschen sehe, mich noch lieber zurückziehe, nicht mehr auf Menschen zugehen kann, jedes Mal das Gefühl habe das ich gemeint bin wenn zwei Leute die Köpfe zusammenstecken und lachen, Klassenzimmer nur noch mit großer Angst betreten kann oder ein mulmiges Gefühl habe - selbst wenn diese leer sind, ein schlechtes Gefühl habe sobald ich in einer Prüfungssituation bin, extrem mulmiges Gefühl oder Angst bei Autoritätspersonen, Unwohlsein in Gruppen, Angst verurteilt zu werden, Unwohlsein bei Menschenansammlungen, schwierigkeiten das Verhalten von Leuten zu deuten, Generell extreme Schwierigkeiten auf der sozialen Ebene.
Ich habe in den letzten Jahren auch gemerkt, dass ich nicht mehr (Sofern ich das jemals war) in der Lage bin Freundschaften zu führen, da ich eigentlich nur noch Angst habe dass sie sich gegen mich wenden. Und nicht mehr in der Lage bin ihnen zu vertrauen.
Ich denke, besonders habe ich darunter gelitten, dass mir so viele Leute immer zu verstehen gegeben haben, dass ich so wie ich bin nicht richtig bin.
Okay, das war's von mir. :-)

Wie ist das bei euch? Habt ihr ähnliches oder auch andere Sachen bei euch beobachtet und habt den Eindruck, dass ihr es auf das Mobbing zurückführen könnt?



Liebe Grüße

Paperheart _Mij_
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Re: Auswirkungen von Mobbing (auch Spätfolgen)

Beitragvon songbird86 » So 22. Dez 2019, 23:33

Hallo Paperheart,

ich habe mir deine Beiträge durchgelesen. Man, das muss wirklich ätzend gewesen sein, in so eine Schule bzw. Klasse gegangen zu sein. :( Ich schätze mal, dass du dich nicht getraut hast, das anderen Lehrern zu erzählen? Weil dieses Verhalten der Lehrerin und vor allem dieses Vorführen ist der absolut falsche Weg. Denken solche Lehrer wirklich, dass sie einem helfen? Oder sind sie wirklich so bösartig?

Meine Erlebnisse waren nicht ganz so schlimm wie deine.

In der Grundschule (1.-4. Klasse) hatte ich eigentlich einen ganz guten Draht zu 2-3 Freunden, aber ich war auch eher still. Der Kontakt zu meiner damals besten Freundin brach ab, weil sie jemand Neuen gefunden hatte. Nachdem sie mich 1-2x geärgert haben, hatte ich keine Lust mehr auf die.

Nach der Grundschule (5.-6. Klasse) hab ich in meiner neuen Klasse auch eine neue Freundin kennengelernt. Mit ihr war es echt komisch. Einerseits haben wir uns gut verstanden und uns auch getroffen, andererseits hatte sie Momente, wo sie sich über mich ausgelassen hat (und immer so, dass ich es ja mitbekomme). Das Ende dieser Schulzeit war irgendwie komisch, ich erinnere mich kaum noch dran. Als wäre nur meine körperliche Hülle dagewesen. Bei Ausflügen hab ich fast immer gefehlt, in der Klasse haben mich manchmal auch schon andere ausgelacht (weil denen meine Schuhe oder sonst was nicht gepasst haben... *facepalm*) und schulisch wurde ich immer schlechter, weshalb ich dann von der Schule runtergekommen bin.

Auf der neuen Schule (7.-9. Klasse) bin ich in eine Klasse gekommen, die wegen zu vielen Schülern aus 2 Klassen entstanden ist. Dort hab ich mich behauptet, weil ich gut zeichnen konnte und bin gleich in eine coole Clique mit Markenklamotten reingerutscht. Als ich 1 Jahr später aber fetter wurde und keine Markenklamotten mehr trug, weil es mir egal war, haben mich die tollen Freunde irgendwann hängen gelassen und auch extra vor Lehrern dumme Sprüche gebracht, z. B. dass ich eklig blass wäre. Zwei Mal hat mich auch jemand an Stellen begrapscht, die ich hier nicht nennen möchte, aber diese Person war ohnehin nicht ganz dicht. Bei einem 3. Versuch war zum Glück meine Lehrerin dabei und sie war ganz auf meiner Seite, als ich den Typen mit einem Schulordner eine geballert hab. _läch_ So'n richtiger Aussenseiter war ich ansonsten aber nicht und ich hatte wenigstens einen netten Sitznachbarn. Und in meiner Parallelklasse war schon damals mein immer noch bester Freund, den ich schon von Baby an kenne, mit dem ich zumindest in der Pause abhängen konnte. :D

Nach der Schulzeit bin ich in einem Berufsbildungszentrum für Schulabgänger, die keine Ausbildung bekommen haben, gelandet. Kennt ihr diesen Spruch: "Unter den Blinden ist der Einäugige König"? So in etwa hab ich mich da gefühlt, weil ich dachte, dass mein damaliger Schulabschluss schlecht wäre, aber es ging noch schlimmer... :P In dieser Schule hatte ich zwar treue Kollegen, aber auch da war ich nicht vor leichten Mobbing-Momente sicher. Von direkten Ansprachen in Gruppen gegen mich, aber auch dem typischen aggressiven Hinterherrufen von Einzelnen, bei denen ich manchmal echt Angst hatte (ich habe es aber natürlich ignoriert). Es ging fast immer um mein Aussehen, mein Gewicht und meinen Gestank(???). Auch in der dazugehörigen Berufsschule hatte ich Angst, wenn der Lehrer ständig das Klassenzimmer verlassen hat, aber irgendwie hab ich's hinbekommen, dass die zumindest mich in Ruhe gelassen haben.

1 Jahr nach diesem Zentrum ging ich in meine Ausbildung. Die Berufsschulklasse bestand überwiegend aus 18 bis 30-Jährigen und ich war mit meinen fast 17 einer der Jüngsten. Da war dann Schluss mit Mobbing und dummen Sprüchen, zum Glück...

Irgendwie kann ich jetzt gar nichts über Spätfolgen sagen...
Vielleicht habe ich mir darüber auch noch nie Gedanken gemacht?
Ich muss aber zugeben, dass mich die Erlebnisse eher positiv geprägt haben. Ich meine damit nicht: "Aww gemobbt werden ist so toll!", aber ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass ich ohne Einblick in die "Schattenseite" der Menschheit, so wäre, wie ich heute bin.
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Re: Auswirkungen von Mobbing (auch Spätfolgen)

Beitragvon Paperheart » Mo 23. Dez 2019, 00:30

Hallo Songbird86,

vielen Dank für deine Antwort und deine Offenheit. :-)

Ohje, das klingt aber auch schlimm. Besonders dass jemand aus deiner Schule dich einfach begrabscht hat, finde ich echt schlimm. Soetwas ist mir glücklicherweise erspart geblieben. Hatte das denn dann irgendwelche Folgen für diesen Schüler? Und jemanden wegen seiner Kleidung zu mobben ist wirklich total blöd. Aber es ist gut zu hören, dass du einen Freund in der Parallelklasse hattest, auch wenn man sich nur in den Pausen sieht, hat an wenigstens jemanden, das kann schon mal eine Hilfe sein. :)

Ich habe mir eigentlich auch nie Gedanken über die Auswirkungen gemacht die das Mobbing auf mich gehabt haben könnte. Erst in den letzten Jahren wird mir klar, wie viel das bei mir bewirkt hat, im negativen Sinne.

Aber du hast einen wichtigen Punkt angesprochen, dass man auch positive Verhaltensweisen entwickeln kann. Darüber habe ich bisher noch gar nicht so sehr nachgedacht, aber ich denke, du hast recht. Ich denke, dadurch, dass ich von den anderen abgelehnt wurde, war ich gezwungen mich mehr mit mir selbst zu beschäftigen. Dadurch kenne ich mich sehr genau und kann auch viele Feinheiten besser wahrnehmen. Ich glaube, ein bisschen hat es mich sogar stärker gemacht. Ich mache mich nicht mehr ganz so sehr abhängig von den Meinungen anderer. :)




Bei mir war das so, dass ich mehrere Male die Klasse gewechselt habe. Von der Grundschule auf die Hauptschule, dann auf die Realschule, dann innerhalb der Realschule zwei Mal ein Klassenwechsel. Und ich war blöderweise immer diejenige die gemobbt wurde.
Besonders in der Hauptschule habe ich mich oft an die Lehrer gewandt wenn ich gemobbt wurde, leider waren diese selbst überfordert oder fürchteten sich vor den Schülern. Einige wollten auch einfach nichts damit zu tun haben. Ein oder zwei haben versucht zu helfen, konnten es aber kaum. In der Realschule konnte ich mich nicht mehr an Lehrer wenden. Alles war neu. Und die Lehrerin die mich mobbte war meine Klassenlehrerin und auch noch die Vertrauenslehrerin. Also hätte ich mich ironischerweise bei Problemen mit Lehrern an sie wenden müssen ... was natürlich nicht ging. Wenn ich mich recht erinnere gab es auch Gespräche mit dem Rektor der Schule, aber die Lehrerin war immer anwesend.

Rückblickend vermute ich, dass diese Lehrerin ein Problem in ihrem eigenen Leben hatte ... vielleicht habe ich sie an jemanden erinnert, vielleicht hatte sie selbst solche Persönlichkeitsanteile wie ich und konnte diese an sich selbst nicht akzeptieren ... ich kann es nicht sagen. Vielleicht hat es sie auch einfach nur gestört, dass ich meine Schüchternheit und Sensibilität nie als Schwäche sondern als Stärke angesehen habe.
Helfen wollte sie mir sicher nie. Ich denke, das war nur vorgeschoben.

Sie hatte diesen Ruf an der Schule, dass sie allen Schülern mit Problemen helfen kann. Dass sie Kindern mit Lese-Rechtschreibschwächen "heilen" kann und dergleichen. Unter den Schülern war sie damals extrem beliebt auch heute sind ihre damaligen Schüler noch begeistert von ihr. Ihre Beliebtheit machte es noch schwieriger für mich, weil ich niemanden hatte an den ich mich wenden konnte, selbst wenn ich versuchte anderen Schülern das begreiflich zu machen, wollten sie mir nie glauben. "Frau ... ist doch so nett, so was macht die bestimmt nicht." Auch zwei damalige Freunde die in die Parallelklasse gingen wollen mir bis heute nicht glaube, was alles vorgefallen ist, weil die Lehrerin eben dermaßen beliebt bei den Schülern war.

Wie ich aber einige Jahre nachdem ich die Schule abgeschlossen habe erfahren habe, war sie bei ihren Kollegen nicht sehr beliebt. Sie hat die Schule dann auch verlassen. Und einige Leute aus meiner ehemaligen Klasse behaupten, sie wäre von den Lehrern aus der Schule gemobbt worden. Ob das stimmt weiß ich nicht. Aber wenn ja, dann wäre das wohl ... Karma und ich hoffe sie weiß nun wie sich das anfühlt, auch wenn ich es wirklich niemandem wünsche, dass er mobbing am eigenen Leib erfahren muss. Ich hoffe nur, dass sie versteht, was so etwas bedeutet und das es eben keine Kleinigkeit ist....



Ich würde mich freuen wenn noch mehr Leute ein bisschen was über ihre Erfahrungen erzählen würden. :-)



Liebe Grüße
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Re: Auswirkungen von Mobbing (auch Spätfolgen)

Beitragvon Träumerle » Mo 23. Dez 2019, 22:48

Liebe Paperheart,

so ein Thema ausgerechnet zur Weihnachtszeit - harter Tobak, aber was raus muss, muss raus. Ich habe deinen Bericht (und auch den von songbird86) mit einem Wechselbad der Gefühle gelesen. Das ist wirklich ganz schlimm, was dir widerfahren ist! Die Geschichte mit deiner Klassenlehrerin (vor die Klasse stellen lassen; Briefaktion) ist in meinen Augen emotionaler Missbrauch (und mein Mitleid mit ihr hält sich arg in Grenzen). Du Arme, ich meine, du bist so nett, warst es damals ganz sicher auch und trotzdem hat man dich so behandelt... Mobbing ist das Letzte. Ach komm, fühl dich gedrückt. _klp_

Das ist zwar schon länger her, aber ich hatte in meinem persönlichen Thread mal eine Metapher dazu niedergeschrieben: Man stelle sich die eigene Persönlichkeit wie ein Glas frische Milch (oder ein beliebig anderes Getränk) vor. Das Mobbing wird hierbei als Essig dargestellt. Fällt auch nur ein Tropfen davon ins Glas, wird die Milch sofort sauer, ja, ungenießbar, und dies ist fortan irreversibel.
Ein paar Grundsätzliches zum Thema: Mobbing muss in jedem Fall ernst genommen werden; immer noch wird viel zu oft weggeschaut oder verharmlost; niemand hat Mobbing verdient; die Schuld trägt immer der Täter, nie das Opfer; Mobbing kann ernsthafte lebenslange Konsequenzen mit sich ziehen (auch Suizide aufgrund dessen kamen schon vor); Mobbing ist einfach dämlich und mitunter lebensruinierend.

Sollte das Thema den meisten zu privat erscheinen, kann die Moderation es ja auch in den geschützten Bereich verschieben. :-)

Jedenfalls stammt auch dieser Beitrag hier von einem ehemaligen Opfer - es ist also schön zu wissen, dass man nie alleine damit war und sich jetzt sogar ein paar Opfer untereinander dazu austauschen können. Finde ich sehr wertvoll, darum ein großes Dankeschön an dich, Paperheart, dieses Thema zu eröffnen! _thum_

Wie es bei mir war? Ich muss gestehen, dass ich diesen Taten nicht so lange ausgesetzt war, wie ihr zwei (von der 5. zur 7. Klasse) und bei mir nochmals andere Ursachen vorliegen, über die ich jetzt aber nicht schreiben will/kann. Um es zu vereinfachen, ich habe mich künstlich angepasst, sobald ich auf dieses monströse Gymnasium gekommen war. Schnell fand sich ein erster Täter, bzw. eine erste Täterin, denn los ging es mit einem Mädchen - Jungs, die von Mädchen gemobbt werden, sind eher seltener an der Tagesordnung, aber in meinem Fall ergab es sich so. Schulmaterialien wegnehmen/verunstalten waren da noch das Harmloseste. Über zwei bis drei Wochen hatte es sich so hochgeschaukelt, dass ich dann auch eines Tages mitten in der Pause einen Heulanfall hatte. Weiter ging es mit diversen anderen Personen aus meiner Klasse, aber auch aus anderen: Jungs, Mädchen, auch meine Klassenlehrerin stand mir eher feindlich gegenüber. Körperliche Angriffe hatte ich jetzt "nur" ein paar erlebt, hauptsächlich war es ein generelles Ablehnen der Person, kurz gesagt verbales Mobbing. Verwundbarkeit oder Ähnliches hatte ich mir aber sonst nicht anmerken lassen und auch bis heute mit niemandem darüber geredet (geschrieben schon). Dieses Spielchen spielte ich eine ganze Zeit mit, ehe ich dann die Schule wechselte. Da hat's ziemlich plötzlich aufgehört und zunächst ist mir keine gravierende Veränderung an mir aufgefallen.

Heutzutage habe ich jedenfalls keine Angst mehr davor, gemobbt zu werden, immerhin kannte mich vorher niemand in meiner aktuellen Klasse und durch meine nun gefestigte Persönlichkeit werde ich mit total anderen Augen wahrgenommen. Geschätzt werde ich für meinen angeblich so fleißigen Einsatz - bin halt ein Streber wie er im Buche steht. _läch_ Das stört die anderen nicht, im Gegenteil. Aber trotzdem sehe ich mich nicht als Teil der Klassengemeinschaft, geht man nach den sozialen Strukturen. Zwar habe ich mit niemandem Probleme, aber grenze mich selbst ziemlich ab, wobei die anderen sicher nichts dagegen hätten, würde ich mich mal zu ihnen gesellen. Ob da noch etwas von damals drinsteckt? Für mich ganz schwer zu beurteilen. Ich sehe meine Klasse nicht als böse an und ein richtiges Misstrauen besteht da auch nicht. Doch ich gehe automatisch auf Abstand, denn ich kann mit diesen Menschen und ihren Lebensweisen nicht viel anfangen und fühle mich unter Gleichaltrigen allgemein unwohler, dies kann jedoch auch schon vor dem Mobbing so gewesen sein. Der Unterschied: Ich habe heute keine Freunde im realen Leben mehr (gut, dass es noch dieses Forum gibt :-) ), während ich damals durchaus meine Verbindungen hatte, dennoch waren einige von denen automatisch auch zu einem gewissen Grade Mittäter, ich weiß, es ist verwirrend. _läch_ Und zumindest im Nachhinein verspüre ich eine Art Hass gegen das Ich zur Zeit dieser Phase. Heißt, ich kann das Mobbing gegen mich mittlerweile nachvollziehen, auch, wenn man sowas nicht sagen sollte.

Auch ich brauche zwei Teile...
Zuletzt geändert von Träumerle am Mo 23. Dez 2019, 22:51, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Auswirkungen von Mobbing (auch Spätfolgen)

Beitragvon Träumerle » Mo 23. Dez 2019, 22:48

Da ich mich Anfang dieses Jahres zumindest mit meiner alten Klasse mehr oder weniger versöhnt hatte, sind da jetzt die Wogen ziemlich geglättet und es fühlt sich eigentlich ganz gut an. Wie ich damals mit dem Mobbing jedoch umgegangen bin - ich würde sagen, gar nicht, denn irgendwie hatte ich mir eine Art Blase errichtet, an der jeglicher Angriff abzuprallen schien. Irgendwie habe ich einen symbolischen (nicht wortwörtlichen _grin_ ) Tritt in den Hintern gebraucht, um "aufzuwachen", zu sehen, was eigentlich los ist. Tja, den bekam ich auch. Und aus diesem entwickelte sich auch der Beschluss zum Schulwechsel, aber ich wirkte auch dann nicht wie einer, der von der Schule gemobbt wurde. Dies hat sich irgendwie erst nochmals zwei oder drei Jahre später manifestiert, aber ich denke, dass ich von familiärer Seite auch oft genug verletzt und runtergemacht worden bin, was im Endeffekt, so denke ich, vielleicht sogar die größeren Folgen haben kann, als das Mobbing. Mein Selbstbewusstsein ist seit drei Jahren kontinuierlich in den Keller gewandert, es gibt Momente, in denen ich mich wirklich wertlos fühle und in der Schule reagiere ich - jedoch so, dass es niemand merkt - eigentlich auch sehr empfindlich auf jegliche blöd gelaufene Kleinigkeiten. Aber irgendwas liegt auch noch vom Mobbing in der Luft: Ich habe tatsächlich so etwas wie Angst vor zu viel Nähe meinen Klassenkameraden gegenüber, auch wenn diese mir nie etwas getan haben und meide Kontakt, wo immer es geht. Hingegen habe ich auf oberflächlicher, kollegialer Basis in der Schule keine Probleme, auch gab es in der Vergangenheit durchaus schöne, wenn auch kleine Momente, zu denen meine Klasse oder einzelne Personen beigetragen haben. Unsere Abschlussaktion letzten Sommer, nach der die halbe Klasse uns verlassen hat, ist ein Erlebnis, an das ich sehr gerne zurückdenke. Aber ich muss bei solchen Sachen und eigentlich auch sonst immer der etwas abgeschirmte Beobachter in seiner kleinen Blase sein, dieses Mittendrin wäre nichts für mich.

Aber selbst ohne Mobbing hätte sich früher oder später mein Anderssein herauskristallisiert und ich wäre wahrscheinlich in einer ähnlichen Rolle gewesen. Mir war diese Zeit auf jeden Fall eine Lehre, aus der ich, wenn auch verspätet, gelernt habe. Immerhin habe ich mich danach mehr auf meine wirklichen Interessen konzentriert und mich nicht mehr so leicht beeinflussen lassen, habe also meine Individualität gefördert und den Mainstream links liegen gelassen. Doch ich begann eigentlich noch während der Mobbing-Zeit, meine eigene Persönlichkeit zu formen (ich war immerhin am Beginn meiner Pubertät) und legte ganz Vieles ab, was ich sonst vorher in mir trug. Somit würde ich insgesamt sagen, wäre meine Individualisierung ohne das Mobbing vielleicht nicht ganz so stark ausgefallen. Es war einfach ein Fehler, dieses Gymnasium zu besuchen und meine Klassenlehrerin hatte mir ja den Rest gegeben. Witzig, dass mittlerweile die Hälfte meiner jetzigen Klasse auch mal genau auf diesem Gymnasium war und z. T. wegen ganz ähnlichen Gründen da weg wollte. _läch_

Ansonsten bin ich aber auch in meinem Umfeld nicht der Einzige - meine Schwester, sowie eine Handvoll jetziger Klassenkameraden sind auch mal Opfer gewesen. Von einigen Usern des Forums - euch eingeschlossen - weiß ich es ja auch, dass da leider diese Erfahrungen gemacht wurden. Aber das bleibt natürlich alles unter uns. icon_winkle

Deine Folgen, Paperheart, sind sehr ernst zu nehmen und ich wünsche dir von Herzen, dass du wieder Vertrauen schenken und Gut von Böse unterscheiden kannst. :-) Ich tauche aber gerne noch mal per PN tiefer in das Thema ein.

Euch ein Danke für die ehrlichen Worte und schöne Weihnachten. *schimmer*

Liebe Grüße,
Träumerle
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Re: Auswirkungen von Mobbing (auch Spätfolgen)

Beitragvon TaKat » Mi 25. Dez 2019, 11:57

Hi!

Ich antworte jetzt mal nur auf die Hauptfrage:

Ja leider habe ich Erfahrung mit dem Thema. Ja es gibt Spätfolgen die ich vermutlich mein gesamtes Leben haben werde. Ich wurde in der Unterstufe 3 von 4 Jahren gemobbt und in der Oberstufe (andere Schule) immer wieder mal kurz.

Das wo ich am längsten zu kämpfen hatte war, dass ich (vom Beginn des M. aus gezählt) 8 Jahre gebraucht hab um ein normales Selbstbewusstsein zu entwickeln. Ich habe Probleme neuen Bekanntschaften zu vertrauen (das liegt neben M. auch daran, dass ich mich in Idioten verknallt hab die mich verletzten und ich von Freunden verletzt wurde (nicht M., aber Vertrauen)) und habe IMMER die Angst nur ausgenutzt zu werden. Warum ich ausgeschlossen und mit blöden Sprüchen beworfen wurde? Weil ich zu kindlich war, weil ich in der Unterstufe Diddl liebte und mit Playmobil und Lego spielte. Also sehr unnötige Gründe, aber ja. In der Zeit hab ich gelernt "Wenn ich nett zu anderen bin und ihnen helfe werde ich gemocht." Daraus ergab sich, dass ich Papier und Tintenpatronen herschenkte, Geld, Schere und Kleber herborgte und bei Fragen zu Aufgaben immer erreichbar war. Und das bis zu meinem Schulabschluss, auch als ich nicht mehr das Opfer war. Die Folge daraus? Ich bekam Geld nicht immer zurück, meine Eltern musste mehr Schulzeug kaufen als ich eigentlich bräuchte da ich ja Sachen herschenkte, ich wurde ausgenutzt und wurde "die nette hilfsbereite" worunter ich dann auch sehr litt, weil man nur mit mir sprach, wenn man was brauchte. Ich wurde einfach ausgenutzt. Das tat sehr weh, ich hatte aber Angst, wenn ich mich änderte, dass ich nicht mehr gemocht wurde und wieder ausgegrenzt werde. Das wollte ich verhindern, deshalb half ich bei Fragen zu Aufgaben, borgte weiter Sachen her usw. Nur das mit dem Geld hab ich im Jahr vor meinem Abschluss eingestellt. Viele Freunde hatte ich auch in der Oberstufe nicht. Warum? Ich trinke wenig Alkohol, rauchte nicht und zockte nicht. Somit fiel ich aus allen Gruppen raus. Ich hatte eigentlich nur einen Freund. Ein Thema was mich auch bis in die Oberstufe verfolgt hat ist jenes: In der Unterstufe hat die Mobberin verbreitet ich sei lesbisch, was ich nicht war. (Ich hab nichts gegen jene die es sind!) Am Weg von der Klasse übern Schulhof (normal am Unterrichtsende) wurde ich von mindestens vier Leuten ausgefragt ob ich es sei und so. Das war eine schmerzhafte Erfahrung die zeigt wie schnell etwas geglaubt wird. In der Oberstufe haben wir in Religion einmal das Thema LGBT durchgemacht in Bezug auf Religion und ich hab echt gekämpft da eben jenes Ereignis hochkam und ich echt gekämpft habe nicht zu weinen. Nach der Stunde war Unterrichtsschluss und da ich meinen Lehrer mochte erzählte ich ihm von meinem Erlebnis und dass das jetzt hochkam. Weil kein anderer mehr in der Klasse war und ich viel erzählte in möglichst kurzer Zeit hab ich mich nicht halten können und vor meinem Lehrer geheult während ich geredet hab. Jetzt nach 9 Jahren kann ich über Mobbing reden ohne zu weinen. Das kann ich erst seit ca einem Jahr. Es sind tiefe Wunden in mir die sich nie heilen werden. Ich hab öfter das Gefühl nicht geliebt zu werden, oder nur ausgenutzt zu werden obwohl das nicht stimmt. Seit ca einem Jahr (seit dem ich das Selbstbewusstsein hab) kann ich die Meinung anderer halbwegs gut wegstecken (kommt drauf an wer was sagt). Ich nehm alles sehr persönlich und das ist auch ein Problem. Was auch sehr weh tat ist der Fakt, dass in der Oberstufe jemand zu mir sagte, dass in der Unterstufe war kein Mobbing. Ich hab mich echt zusammenreißen müssen sie nicht anzuschreien, oder zu weinen...

Also die schlimmste Narbe ist das Vertrauensproblem in neue Leute und die unguteste Folge, die übertriebene Hilfsbereitschaft und das Gefühl nur deshalb gemocht zu werden.
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Re: Auswirkungen von Mobbing (auch Spätfolgen)

Beitragvon Walrun » Do 26. Dez 2019, 14:10

Es ist traurig, dass du diese Erfahrungen machen musstest.
Ich habe ähnliches erlebt, bei mir kam noch körperliche Gewalt dazu.
Die Erlebnisse haben mich stark geprägt. Ich bin sehr kalt und hart geworden und konnte keinem Menschen vertrauen.
In der 5. wurde ich zum Kampfsport geschickt und nach dem ich mich wehren konnte, haben die körperlichen Attacken nach einigen Prügeleien aufgehört.
Das Mobbing ging bis zur 7. und endete als ich sehr auf mein Aussehen achtete und mich veränderte. Ich war kalt und hart und mein Verhalten spöttisch - agressiv. Keiner wollte sich mehr mit mir anlegen.

Bald 20 Jahre später ist das alles immer noch Teil von mir, aber inzwischen kann ich mich gut kontrollieren - auch wenn die Schlacht in mir immer weiter geht. Frieden ist nur temporär, aber so ist es ja mit allen Dingen.
Die meisten Tage sind schön, die Dunkelheit in mir ein alter Freund-Feind, dem ich mich immer wieder stelle.

Ich wünsche dir das Beste - was auch immer das Sein mag.
Liebe Grüße,

Walrun
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Re: Auswirkungen von Mobbing (auch Spätfolgen)

Beitragvon Paperheart » Fr 27. Dez 2019, 18:53

Hallo alle zusammen _Mij_

Vielen Dank für eure ehrlichen Antworten, ich weiß aus eigener Erfahrung wie schwer es ist deswegen wirklich vielen Dank, dass ihr so von eurem Erlebten erzählt. :)


@Träumerle: Vielen Dank für deine Antwort.:) Ja, stimmt, die Weihnachtszeit war vielleicht etwas unglücklich gewählt für so ein Thema, tut mir Leid, daran hatte ich gar nicht gedacht. Es ist nur so, dass ich mich zur Zeit damit beschäftigte, deswegen dachte ich ich stelle die Frage mal im Forum.
Das tut mir leid, was du alles durchmachen musstest. :/
Das Jungen von Mädchen gemobbt werden ist aus meiner eignenen Erfahrung gar nicht so selten, in meinen Schulen gab es ein paar solcher Vorfälle. Aber ich kann verstehen, dass man es dadurch noch schwerer hat weil die Gesellschaft leider oft noch dieses furchtbare Bild im Kopf hat das Jungen keine Schwächen zeigen dürfen, was es für Betroffene sicher noch schwerer macht, als es ohnehin schon ist. :/
Gut, dass du die Schule wechseln konntest und dann aus diesem schlimmen Umfeld rausgekommen bist. Und auch, dass du keine Angst mehr hast gemobbt zu werden ist toll. :)


@TaKat: Vielen Dank für deine Antwort. :) Ohje, das klingt auch schlimm. Und wegen solcher Dinge gemobbt zu werden ist wirklich furchtbar, weil es doch eigentlich ganz normale Interessen sind. Ich habe früher (und heute auch) auch Diddl geliebt, wurde aber auch dafür gemobbt. Das du dann durch das Ausleihen von Schulsachen versucht hast dass etwas abzumildern, kann ich auch gut verstehen. Das mit dem ausgenutz werden kenne ich auch gut.


@Walrun: Vielen Dank für deine Antwort. :) Das tut mir leid, dass du das durchmachen musstet. Körperliche Gewalt ist natürlich besonders schlimm. Das mit dem kälter werden kenne ich auch, dass war bei auch so, allerdings nur für zwei, drei Jahre dann habe ich es nicht mehr ausgehalten, weil ich zu sehr darunter gelitten habe, weil es nicht meiner Persönlichkeit entsprach. Aber wenn das für andere Personen funktioniert, ist das natürlich in Ordnung. :)


Ich würde mich freuen wenn noch weitere Leute ihre Erfahrungen teilen würden. Ich habe das zuvor nicht extra erwähnt, aber natürlich zählen zu Mobbing auch das Mobbing in der Familie, von Freunden, bei der Arbeit oder jedem anderen Lebensbereich.

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Re: Auswirkungen von Mobbing (auch Spätfolgen)

Beitragvon cuttyfram » So 29. Dez 2019, 08:01

Hallo Paperheart,

erst einmal finde ich deinen Thread sehr gut - ich denke, dass dies ein Thema ist, was selten angesprochen wird, aber doch wichtig ist!
Das mit der Lehrerin ist schon mies, vor allem, weil man sich an Lehrer ja eigentlich wegen sowas wenden würde. Da geht einfach (Selbst)vertrauen weg

Ich schreibe meine Erfahrungen einfach mal spontan auf - ergänze es vileleicht noch im weiteren Verlauf:
Da ich selber schon immer der schüchterne Typ war und sich das mit der (Hoch)sensibilität mehr zeigte, musste ich in der Schule auch viel ertragen - Freundschaften waren nie wirklich möglich, da man als Junge ja sowas wie "Stärke" ausstrahlen soll, wie du beschrieben hast. Damit hatte ich immer zu kämpfen. Da ich auch sowas wie Lärm stark wahrnehme, waren in späteren Jahren Partys/Discos nie mein Ding, da hat sich aber der Großteil immer rumgetrieben.
Führte dann leider auch dazu, dass ich mich zu der Zeit nie an jemanden gewandt habe, um darüber zu sprechen, ob Lehrer oder Familie, und es bis zum Abi "aussaß" - aus heutiger Sicht ärgere ich mich darüber noch.

Während des Studiums und bis heute, auch durch einen Umzug bedingt, konnte ich diese Sachen etwas hinter mir lassen und in sozialer Hinsicht positive Erfahrungen machen.

Bedingt durch meine Schulzeit fällt es mir aber trotzdem nach wie vor schwer, Freundschaften zu schließen, also nicht nur flüchtige/oberflächliche. Die Sorge, ausgenutzt zu werden oder dass Vertrauen zunichte gemacht wird, beschäftigt mich noch manchmal. Obwohl ich mich ja nicht von Leuten distanzieren will - vielleicht eine Art Blockade.

Und ja, das Bild mit dem Jungen/Mann, der keiner Schwäche zeigen darf, ist leider immer noch verankert. Da ich selber weder keine richtige "Arme" habe noch Krafttraining betreibe, wird das bei mir gerne äußerlich angemerkt - das kommt ja "schwach" rüber. Zum Glück lernte ich Menschen kennen, denen das egal ist und ich kann das inzwischen gut wegstecken :)

LG
cuttyfram
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