Auto fahren mit Angst?

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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Re: Auto fahren mit Angst?

Beitragvon Mimöschen » So 19. Okt 2014, 21:48

Hallo und herzlich Willkommen miniundmr. Wenn du wirklich sehr unsicher bist in Bezug auf Berlin, würde ich wohl an deiner Stelle wirklich einen anderen Weg suchen, nicht dass noch was passiert. Ich hatte früher in einer Kleinstadt fahren gelernt und selbst da hatte ich manchmal Angst. Heute lebe ich in einer Großstadt und schaffe es, wenn überhaupt, nur im Umland zu fahren. Direkt in die Stadt, das wäre nicht möglich und meine Stadt ist nicht so groß wie Berlin.

Diese Angst, die viele HSP haben, könnte an der Reizüberflutung liegen. Man muss auf den Verkehr, die Regeln und die Steuerung des Autos achten. Als wir noch Schaltwagen hatten, war Autofahren für mich noch schwerer, weil ich da auch noch zusätzlich das richtige Schalten hinkriegen musste. Autobahn fahren geht überhaupt nicht bei mir, da rinnt der Schweiß nur so in Bächen herab. In der Fahrschule passierte es mir nämlich mal, dass ich beim rechts einordnen fast in das Führerhaus eines LKW reingedonnert wäre. Das hat mich geprägt. Alles ist so schnell und man muss den Überblick behalten. Kann ich nicht.

Wie gesagt, du solltest abwägen, wie groß deine Unsicherheit ist und danach entscheiden, ob du es probierst oder nicht.

Grüße,
Mimöschen
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Re: Auto fahren mit Angst?

Beitragvon strelitzia » Mo 20. Okt 2014, 01:10

Oh, das kenne ich auch zu gut und endlich weiß ich woran diese Angst zum Teil liegt. _grin_ Klar, wird das jetzt nicht bei allen hochsensiblen Menschen so ausgeprägt sein, aber bei mir hängt das wohl schon einerseits von einer gewissen Reizüberflutung und andererseits von zu vielem Nachdenken über die Situation ab. Ich hatte bis vor einiger Zeit auch ein gewisses Unwohlsein beim Fliegen, eigentlich könnte ich hier ja beruhigt sein, weil ich das Flugzeug nicht selbst steuern muss _grin_ , aber auch hier hab ich mir einfach zu viele Gedanken gemacht und fand das keine Kontrolle haben auch schlimm ist. Seit ich vor einiger Zeit recht viel innerhalb einer Woche geflogen bin, ist dieses Unwohlsein aber ziemlich weg, weil ich bei den vielen Flügen gar nicht mehr soviel darüber nachdenken konnte, das war mir dann zu anstrengend.

Meine Eltern haben das überhaupt nicht verstehen können, dass ich so eine Angst vorm Autofahren hatte. Das fing schon in der Fahrschule an. Mein Fahrlehrer meinte damals zu mir, immer wenn ich bei ihm einsteige sehe ich so aus, als blicke ich dem Tod entgegen. Ja, so hab ich mich auch gefühlt!! Er hat es dann noch schlimmer gemacht, als er beim Linksabbiegen, als ich ihm etwas zu lange gewartet habe, mein Lenkrad rumgerissen und aufs Gas getreten hat und danach meinte: "Wenn ich sage, du fährst, dann fährst du!" Danach war ich erstmal ziemlich fertig mit den Nerven. Ich habe mitbekommen, dass ein Freund von mir einen sehr lieben Fahrlehrer hatte und habe dann die Fahrschule gewechselt. Mein Fahrlehrer war dann so ein gemütlicher Opa, der während der Fahrt seelenruhig entspannt immer eine Banane gegessen hat - irgendwie habe ich mich da gleich besser gefühlt und mir auch von Fahrstunde zu Fahrstunde mehr zugetraut. Er hat mich auch sehr bestärkt.
Später habe ich festgestellt, dass ich eigentlich schon gerne Auto fahre, wenn nur diese Unsicherheit nicht wäre. Mir wurde auch schon oft gesagt, ich fahre eh gut und konzentriert, ich müsse nur mehr fahren.
Hmm ich wohne derzeit in einer Großstadt und erfreue mich an den Öffis, aber irgendwann wird das auch wieder auf mich zukommen.
Zuletzt geändert von strelitzia am Mo 20. Okt 2014, 07:39, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Auto fahren mit Angst?

Beitragvon gyn » Mo 20. Okt 2014, 01:34

strelitzia hat geschrieben:Er hat es dann noch schlimmer gemacht, als er beim Linksabbiegen, als ich ihm etwas zu lange gewartet habe, mein Lenkrad rumgerissen und aufs Gas getreten hat und danach meinte: "Wenn ich sage, du fährst, dann fährst du!" Danach war ich erstmal ziemlich fertig mit den Nerven.


Das kann ich mir vorstellen! Das ist ja echt unglaublich. Solchen Leuten sollte man die Fahrschullehrer-Lizenz sofort entziehen!
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Re: Auto fahren mit Angst?

Beitragvon derKleine » Di 21. Okt 2014, 10:01

Kann sein, dass es sich dabei um Flucht vor der Angst handelt, aber ich persönlich habe das Problem für mich selbst gelöst, indem ich normalerweise eben nicht selbst Auto fahre. Ich besitze nicht einmal ein Auto, und im Normalfall komme ich auch sehr gut ohne zurecht, da ich die Autolosigkeit seit langem gewöhnt bin.

Zwar ergeben sich manchmal etwas längere Fußmärsche, aber das ist vielleicht andererseits gesund...

Zumindest hier in der Großstadt bin ich als autoloser Mensch sowieso kein Exot. Ich kenne viele Leute ohne Auto...
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Re: Auto fahren mit Angst?

Beitragvon Avamiella » Mi 22. Okt 2014, 10:07

Mir ging es zu Beginn ganz genau so.
Aber bald wurde es zur Routine und seitdem jst es für mich sogar unglaublich entspannend und beruhigend Auto zu fahren, ganz egal wo ich fahre.
Das ist wirklich verblüffend, denn wie gesagt, mir war das auch alles zu viel und ich hätte es nie geglaubt, dass sich das so ändert.
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Re: Auto fahren mit Angst?

Beitragvon derKleine » Mi 22. Okt 2014, 11:46

Avamiella hat geschrieben:Mir ging es zu Beginn ganz genau so.
Aber bald wurde es zur Routine und seitdem jst es für mich sogar unglaublich entspannend und beruhigend Auto zu fahren, ganz egal wo ich fahre.


Das kann ich mir bei mir eher nicht vorstellen. Vielleicht würde ich es schaffen, etwas weniger gestresst zu sein, aber entspannend wäre Autofahren wohl nie für mich.

Sogar ein guter Freund und Viel-Autofahrer sagt oft, dass er nach dem Autofahren meistens sehr angespannt und gestresst ist.
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Re: Auto fahren mit Angst?

Beitragvon strelitzia » Mi 22. Okt 2014, 14:07

derKleine hat geschrieben:Kann sein, dass es sich dabei um Flucht vor der Angst handelt, aber ich persönlich habe das Problem für mich selbst gelöst, indem ich normalerweise eben nicht selbst Auto fahre. Ich besitze nicht einmal ein Auto, und im Normalfall komme ich auch sehr gut ohne zurecht, da ich die Autolosigkeit seit langem gewöhnt bin.

Zwar ergeben sich manchmal etwas längere Fußmärsche, aber das ist vielleicht andererseits gesund...

Zumindest hier in der Großstadt bin ich als autoloser Mensch sowieso kein Exot. Ich kenne viele Leute ohne Auto...


Also, ich denke solange du nicht irgendwie eingeschränkt bist - wenn man z.B. auf dem Land wohnen würde, ist das Autofahren eben schon oft sinnvoll und man wäre ohne möglicherweise eher eingeschränkt - ich wohne ja auch in der Großstadt und brauche kein Auto, warum sollte man sich unnötigen Stress antun! ;-) Wenn ich mich dagegen durch eine Angst eingeschränkt fühle, versuche ich mich ihr zu stellen...wenn ich das Auto irgendwann bzgl. Beruf brauchen sollte, muss ich mich wieder ranwagen, aber ich weiß auch, dass ich das dann auch hinbekomme, es wird nur erstmal bissl stressig! ;-)
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Re: Auto fahren mit Angst?

Beitragvon strelitzia » Mi 22. Okt 2014, 14:16

@gyn Ja, das dachte ich mir damals auch: Warum sind solche Leute Fahrlehrer geworden? Aber es ist denk ich mal wieder ein klassischer Fall gewesen, wie es ist wenn ein HSPler und ein nicht-HSPler bzw. sogar eine recht unsensible Spezies aufeinander treffen. Ich denke, wir haben uns gegenseitig gestresst. Er hat meine Sorgen und Ängste gar nicht wahrnehmen und verstehen können und wurde ungeduldig. Er verhält sich unter Umständen sonst nicht so. Ich will sein Verhalten jetzt nicht entschuldigen, aber so hab ich später darüber gedacht.

@avamiella Finde ich echt super, dass du nun so entspannt Auto fahren kannst. Ich glaube man kann schon durch Routine und sich nicht zu viele Gedanken machen dazu kommen, dass das Autofahren nicht mehr als stressig und vielleicht sogar irgendwann als angenehm empfunden wird. Aber die Erfahrung muss man für sich selber machen. Ich denke, wenn man sich nur reizüberflutet und gestresst dabei fühlt und keine Fortschritte sieht, dass es besser wird, dann sollte man sich nicht zwingen. Das ist dann so ein Teufelskreis der Angst!
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Re: Auto fahren mit Angst?

Beitragvon derKleine » Mi 22. Okt 2014, 15:04

strelitzia hat geschrieben:[wenn ich das Auto irgendwann bzgl. Beruf brauchen sollte, muss ich mich wieder ranwagen, aber ich weiß auch, dass ich das dann auch hinbekomme, es wird nur erstmal bissl stressig! ;-)


Ich denke, das wäre so ziemlich die einzige Motivation, die ich mir fürs Autofahren vorstellen könnte: wenn ich das Auto für einen wirklich spannenden Job brauchen würde, den ich sonst nicht ausüben könnte. Dann würde ich wohl über meinen Schatten springen...

Ansonsten bleibe ich lieber ohne Auto... Was mich natürlich dazu "zwingt", in der Stadt zu wohnen. Aber das macht mir nix aus, ich mag sowieso das große kulturelle Angebot der großen Stadt...
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Re: Auto fahren mit Angst?

Beitragvon miniundmr » Do 23. Okt 2014, 14:19

Oh vielen Dank, Mimöschen!!!! (Kann man hier auch wen direkt markieren? Wenn ja, wie krieg ich das hin?)
Wir fahren nun mit dem Fernbus, was auch echt günstig ist.
Ich finde echt super, dass einem hier so geholfen- und vor allem, dass man verstanden wird. Merci! danke2
miniundmr
 

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